2005 Ten Years After – Grosse Gewächse – Teil 2

GG2005

Der zweite Abend war ebenso erfreulich bei den Rieslingen wie enttäuschend bei den Spätburgundern. Ein Hurra auf die Ergebnisse von Mosbacher und Wittmann. Das Ungeheuer von Mosbacher ist seit Jahren immer wieder ganz vorne dabei, gerade wenn man den Großen Gewächsen ein paar Jahre der Reife zubilligt. Zufriedene Gesichter bei Ole und Dieter nach den beiden Proben sprechen Bände…

GG2005_Gesichter

 

2005 Mittelheimer St. Nikolaus Riesling*** GG, Peter Jakob Kühn – Rheingau: Tiefes, dunkles Gelbgold; kraftvolle, reife Nase von getrockneten Kräutern, Waldhonig, Trockenobst, deutliche Phenolik. Der Wein braucht immer noch Luft um sich zu entfalten; gelbe trockene Frucht, kernig; kräftiger, körperreicher Bursche; viel Extrakt; erkennbar oxidativ ausgebaut, Riesling mit Maischestandzeit, geht in Richtung Orange Wine. Nach der üppigen Nase erwartet man eigentlich ein Zuckeschwänzchen, dass er nicht hat. Etwas grüner Tee, gelbe Trockenfrüchte, viel Mineralik, die immer salziger wird, je länger man auf dem Wein kaut. in der Aromatik ungewöhnlicher Riesling, bleibt lange am Gaumen haften. Jetzt super, aber ohne Eile. 17+ Punkte – 2015 bis 2020; (92,91, 93, 92, 93, 91, 91)

2005 Riesling R, Peter Jakob Kühn – Rheingau: Tiefes Gelbgold, etwas heller als der Nikolaus. Reichlich getrocknete Blüten und Kräuter, ein Hauch medizinal. Nicht das Gewicht des 2005er St.Nikolaus, aber etwas offener und vielschichtiger, gelbes Steinobst, weniger phenolisch, dafür etwas eleganter. Insgesamt ziehe ich den St. Nikolaus auf Grund seiner inneren Stärke, der mineralischen Ausdrucksstärke und größeren Länge knapp vor. Jetzt langsam austrinken. 17 Punkte – 2015 bis 2020 (91,93, 94, 93, 93, 93, 90 – Mittelwert )

2005 Hochheimer Hölle Riesling GG, Künstler – Rheingau: Duftige Nase; intensive, exotische Frucht; süße, gelbe Früchte, darunter Gesteinsmehl, Spontannoten, am Gaumen cremiges Mundgefühl, sehr ausgewogen, zugänglicher Stil, gelbe Früchte, fluide Frucht; runder Ansatz, saftige Rieslingaromatik mit leichter Würze im Hintergrund. Guter Körper, ausreichende, harmonische Säure. Schöne, fruchtbetonte Länge. Bleibt auf diesem Niveau sicherlich noch ein paar Jahre. 17+ Punkte – 2015 bis 2017 (92, 94, 89, 89, 92, 92, 91)

2005 Calidus Mons Riesling, Franzen – Mosel: Waldhonig in der Nase, entwickelte Reife, gelbe Noten, etwas eindimensional, sehr weinig, gewisse Würzigkeit, neigt auf Grund seiner Reife jetzt zur Breite, am Ende bekommt noch einmal eine gewisse Spannung, gelbe Frucht, gewisse Süße, es fehlt ihm etwas von der Spannung, die er in seiner Jugend hatte. Das war in seiner Jugend ein spannungsgeladenes Mineralienfass, davon ist leider nicht viel geblieben. 16 Punkte – austrinken (86, 85, 86, 90, 90, 87, 89)

2005 Rüdesheimer Schlossberg Riesling GG, August Kesseler – Rheingau: Zu Beginn leichte Rauchigkeit, gelbe Frucht, Aprikose, Pfirsich, Steinobst. Am Gaumen feinsaftig, kraftvoll, mit gutem Körper, gelbe Frucht, junge Birne, etwas Kirsch, Limettenfrucht. Hand geht zum Glas, trinkt sich auf hohem Niveau unkompliziert. Gute Säure, Zitrusnoten, hat Spiel, schöne Länge. 18- Punkte, 2015-2018 (93, 92, 93, 93, 93, 93, 93)

2005 Forster Ungeheuer Riesling GG, Mosbacher – Pfalz: Zitronengelb; fokussiert, klar, sehr mineralisch, und reintönig. Herrliche Frische und Energie. Rauchig- kräutriges Aromenspektrum. Am Gaumen Druck, zieht voll durch, prägnante Säure, ohne Schnörkel, richtig trocken, etwas Zitrusnoten; geradliniger, sehniger Typ, Basalt, mehr Mineralik als Frucht, super animierender Trunk, große Länge; wirkt immer noch jung; Säure, Länge, der Wein ist Null üppig, deutliche Salzigkeit, stundenlanger Nachhall; ich will mehr! 18 Punkte – 2015 bis 2020; (94, 96, 95, 94, 94, 95, 96)

2005 Westhofener Aulerde Riesling GG, Wittmann – Rheinhessen: Helles Zitronengelb; Frische Nase, Kräuter, sehr dicht und fest gepackt, griffig, mineralisch, dreckiger Kalkschlamm. Hochgradig interessant. In der Nase eine Idee von Burgund. Rauchig, reichlich Extrakt, aber schlank; am Gaumen feinwürziger guter Gripp, erstaunlich jung, Zitronenzesten, geradlinig, Minze, mineralisch, hat Muskeln und noch mehr Sehnen, großes Kino. Animierende Säure, eine geile Sau, Struktur, kristalline Qualität, sehr erdig. Irgendwie erscheint er mir rough, nicht wirklich gesellschaftsfähig, andererseits unglaublich animierend und hintergründig, kann meine Finger nicht von lassen. Mit Suchtpotential. 19 Punkte – 2015 bis 2022 (96, 91, 94, 95, 95, 97, 95)

2005 Monzinger Halenberg Riesling GG, Emrich-Schönleber – Nahe: Helles Gelb. Kleiner Stinker zum Auftakt, Sylvester, leichten Petrolton, dann sehr kräutrig. Am Gaumen kraftvoll, mit maßvoller Säure, leider ohne diese besondere Säurespiel anderer Jahrgänge. Dicht, fokussiert, extraktreich; aromatisch sind die Scheuklappen angelegt, steinig, mineralisch, hat Muskeln, wirkt modelliert; endet auf der mineralischen, steinigen Noten. Gute Länge! 17 Punkte – 2015-2019 (92, 90, 92, 93, 92, 90, 90)

2005 Bockenauer Felseneck Riesling GG, Schäfer-Fröhlich – Nahe: ziemlicher Spontanstinker, Schießpulver, immer noch sehr reduktiv, was ein junger Wein, monolithisch, zieht durch, geradlinig, sehr fest und ultrajung, Prümsche Züge. Am Gaumen kräuterbittere Mineralik, verhaltene Frucht (am ehesten in Richtung grüner Früchte), sehr fokussiert und geradeaus; gute Säure, viel Zug und Frische; sehr jung. Nicht wirklich überraschend ist diese „schmutzige“ harte Mineralität, die unglaublich lange am Gaumen stehen bleibt. Felseneck ist Jahr für Jahr auf Grund seiner Stilistik und Radikalität eine polarisierender Wein; ich liebe ihn, kann aber alle verstehen, die sich an diesem „Charakterkopf“ reiben. 18 Punkte  – 2015 bis 2020 (93, 85, 89, 91, 88, 87, 87)

2005 IDIG Spätburgunder GG, Christmann – Pfalz: Bordeauxrot mit orangebraunen Reflexen am Rand; sehr reife Nase, Rumtopf, erdig, Pferdeäpfel und Käsemauken (Fußschweiß), vergammelte Kartoffeln. Am Gaumen ist der Auftakt gar nicht so schlecht, zunächst leicht rote Frucht, das Holz ist erkennbar, mit Luft bekommt er aber schnell unsaubere Noten, zerfällt und endet grausam. Leider keine Konterflasche verfügbar. Sollte sich vergleichbares Bild einstellen, dann ist dieser Wein der Stellung / Preis eines Großen Gewächses völlig unwürdig. 13 Punkte – vorbei (79,78, 80, 88, 84, 79, 82)

2005 Bühlertaler Engelsfelsen, Pinot Noir SD, Duijn – Baden: Reifes, dunkles Burgunderrot. Im Auftakt eine deutliche Rauhigkeit, Holzkohle, auch etwas Speck, die rotschwarze Frucht setzt sich nur langsam in Szene Am Gaumen zunächst ein vergleichbares Bild, das Holz dominiert die Frucht zu stark. Mit Luft baut die Frucht etwas aus, Kirschfrucht; durchaus erdig und mineralisch. Letztlich ist die Frucht aber zu keinem Zeitpunkt generös genug, um die speckig holzwürzigen Aromen ins Gleichgewicht zu bringen. Der 2005er SD bleibt leider hinter den Erfahrungen anderer Jahrgänge zurück. (am nächsten Tag mit noch mehr Luft ganz leicht gewonnen, aber letztlich ohne Änderung der Wertung) 16- Punkte – 2015-2020 (87, 88, 85,86, 87, 89, 84) 

2005 Kallstadter Saumagen Riesling Auslese trocken „R“, Koehler-Ruprecht – Pfalz: Zitronengelb mit viel Glanz; in der Nase fokussiert, sehr klar und erdig, mineralisch. Am Gaumen mit Kraft und Zug, bleibt auch ohne dicken Körper lange am Gaumen hängen, klar, erdig pikant, fokussiert. Reintönige, weiß gelbe Frucht, die insgesamt eine etwas untergeordnete Rolle spielt – der Wein spielt primär sein kräutriges, ätherisch mineralisches Blatt aus. Herrliches Säurespiel, toller Trinkfluss; ausgewogen und harmonisch. – Jetzt richtig gut, ohne Eile für die nächsten Jahre. Langer mineralisch kühl-würziger Abgang. 18- Punkte, 2015-2020 (93, 93, 94, 95, 91, 91, 90)

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