2015 Berlin Riesling Kabinett Cup

Martin Zwick hat seine Berlin Cup Serie als Weinveranstaltung und Gradmesser für den jeweiligen Jahrgang weiter professionalisiert. Perfekt temperiert wurden die 39 Riesling Kabinett Weine in Zalto-Gläsern präsentiert. Hochkonzentriert arbeiteten 12 Verkoster das Programm in 2er Flights zügig ab. Die Ergebnisse aller Verkoster wurden um den besten und schlechtesten Wert bereinigt und anschließend der Mittelwert gebildet. Die Sieger sind somit durch das Votum aller Verkoster ermittelt. Einziger Wehmutstropfen war, dass auf Empfehlung eines jungen, erfolgreichen Moselwinzers alle Weine erst direkt vor ihrer Präsentation geöffnet wurden. Zwar mag dies denjenigen Rieslingen zu Gute kommen, die kein botrytisfreies Lesegut hatten, andererseits kommt dies weder den Bedingungen nahe, unter denen ein Verbraucher seinen Wein genießt, noch lässt es Raum und Platz für eine Entfaltung, die viele dieser jungen Weine erleben, wenn man ihnen nur etwas Luft und Zeit gibt. Die am nächsten Tage von mit in Ruhe durchgeführte (aber ohne Einfluss auf die nachfolgenden Notizen) Nachverkostung hat dies bestätigt.


Die Qualität des Jahrgangs 2014 ist insgesamt gut, aber nicht herausragend. Die Zahl der fetten, deklassierten Spätlesen scheint etwas zurück zu gehen. Es war schön festzustellen, dass man wieder mehr Wert auf animierende Trinkigkeit legt. Die gute Säure, die dieser Jahrgang reichlich hervorgebracht hat, ist dabei sicherlich förderlich gewesen. Das Haar in der Suppe ist, dass einige Weine mit etwas weniger Restsüsse noch besser dastehen würden.

Die 5 Kabinettweine auf dem Siegertreppchen sind wunderschöne Vertreter ihrer Art.

Berlin Kabinett Cup - die Sieger

Besonders angetan haben es mir jedoch 2 Weine, die es knapp nicht auf das Treppchen geschafft haben. Der von Hövel – Vollmondwein hat mich mit seiner steinigen und erdigen Art besonders begeistert. Er ist fest gebaut und für mich gab es keinen anderen Wein, der mehr Energie besaß und mich so animierte, wie dieser bei Vollmond gelesene Wein. Ebenfalls herausstellen möchte ich einen Wein von Joh. Babt. Schäfer. Er hat mit seinem sehr mineralischen, klaren und fokussierten Dorsheimer Pittermännchen Kabinett ein kleines Meisterwerk abgeliefert, das zeigt, dass Widerstand am Gaumen und Harmonie im Wein auf einer Seite der Medaille stehen können.

von Hövel

1) 2014 Wagner Stempel Siefersheim Riesling Kabinett, 8%: Nasse Steine, helles Steinobst, Apfel, feinsaftiger Typ, Restzuckerspiel, leicht kräutrig, sehr limonadig, Zitrone, gute Säure, sehr vielfältige Frucht, animierende Säure. Am Abend noch ziemlich zu und unausgewogen, am kommenden Tag deutlich animierender und vielschichtig. 85-88 Punkte

2) 2014 Schätzel KabiNett Niestein, Rheinhessen, 8,5%: Duftige, noch stark von Gäraromen geprägte Nase fruchtig, deutliche Restsüsse andeutend, angenehmer Saft, am Gaumen überraschend Verhalten in der Süße, zeigt sich schön, pikante Säure, leicht rauchig, zum Kauen, 87 Punkte

3) 2014 Schloss Johannisberg Riesling Kabinett feinherb, Rotlack, Rheingau: Verhaltene Nase, schöne ausgewogene Frucht, Frische, Zitrusnoten, etwas Orangensaft, krasse Säure, gute Länge, schlank, schwer zu bepunkten – 87 Punkte

4) 2014 Schäfer Fröhlich Felseneck Riesling Kabinett, Nahe: Deutliche Spontannoten, rauchig. Viel Schweiß, stark reduktiv, animierende Frucht mit schönem Spiel, ein wenig exotisch, Orangenblüten – 89 Punkte

5) 2014 Robert Weil Riesling Kabinett, Rheingau 8,5%: Schöner junger, ziemlich unaufgeregter Stil, weißgelbe Frucht, schöne Säure, hat Zug und ein wenig Druck, sehr angenehme, feinsaftige Art, mittlerer Extrakt, wirkt schon balanciert, 87 Punkte

6) 2014 Diel Dorsheimer Goldloch Riesling Kabinett, Nahe, 8%: Sehr viel gelbes Steinobst – Rheingaustilistik !? noch sehr jung und auch etwas schwefelig, saftig, recht extraktreich, zeigt deutliche Restsüsse, etwas dicklich, nicht ganz mein Stil 86 Punkte

7) 2014 Joh. Babt. Schäfer Dorsheimer Pittemännchen Kabinett, Nahe 8% Sponitnase, sehr klar, dichte Stilistik, wat zum Kauen, sehr kräutrig mineralisch, noch Spontinoten, fest angelegt, schönes Spiel, ein Hauch Gerbstoff, richtig gut, bleibt lange stehen 90+ Punkte

8) 2014 Diel Dorsheimer Pittemännchen Riesling Kabinett, Nahe, 7,5% blütige, leicht kräutrige Nase, am Gaumen, sehr steinig, Schiefer, rauchig, kräutrige, trüber Apfelsaft, saftig traubig, auch mit Restsüsse, echt lecker, da geht die Hand zumGlas. 89 Punkte

9) 2014 Meierer Kesten Kabinett, Mosel, 8% kräutrige Frucht, getrocknete Blätter, animierende Säure, unaufgeregt schön, angenehme Trinkigkeit, 87 Punkte

10) 2014 Fritz Haag Braunebeger Riesling Kabinett, 8%, brutale Spontinoten, deutliche Steinobstfrucht, gelb exotisch, Ananas, animierende Säure, Spiel mit der Süße, 88+ Punkte (am Tisch wurde leider (versehentlich gequatscht) und vermutet wegen leichtem Championnote Weinfehler, pilzig, die Gruppendynamik schlug zu; ich bin anderer Meinung.)

11) 2014 Karthäuserhof Kathäuserhofberg Rielsing Kabinett, Ruwer, 8% leichte Sponitnase, feinsaftig, leichte Steinigkeit, mineralisch saftig, frische Frucht am Gaumen, gute Säure, sehr lecker und animierend. 88 Punkte

12) 2014 Dönnhoff Oberhäuser Leistenberg Riesling Kabinett, Nahe, 9%,sehr exotische Frucht, sehr dicht, viel gelbe Frucht, viel Zitrusnoten, gute Säure, dicht, etwas extrovertiert, schön saftig, kompakt, leichte Würzigkeit, dicht, ein Hauch Gerbstoff, der schmeckt wahrscheinlich jedem. 88 Punkte

13) 2014 Willi Schäfer Graacher Himmelreich Riesling Kabinett, Mosel, 7,5% Kräuterbionade mit Waldmeistereinschlag, sehnig, schlanker Stil, kräutrig, tolle Säure, hier geht was ab im Glas, belebend, 91+ Punkte

14) 2014 Weiser-Künstler Enkircher Ellergrub, Riesling Kabinett, Mosel, 7,5% kräutrig, gute Säure, tief, ziemlich komplex und „intelligente“ Frucht, dreckige Mineralität, stimmig, richtige Spätlese 90 Punkte

15) 2014 Forstmeister Zilliken Bockstein Kabinett, Mosel, 7,5%: verhaltene Nase, leicht würzig, wird mit Wärme dropsig, am Gaumen recht dicht, aber irgendwie nicht stimmig, guter Extrakt, aber wo ist die Harmonie, BSA? – wo ist das Spiel? 85 Punkte

16) 2014 St. Urbanshof Ockfen Bockstein Kabinett, Mosel, 8,5% typische Rieslingnase, traubig, am Gaumen viel Frucht und Süße, dropsig zu Beginn, ordentliche Säure, baut im Glas schön aus, wird kräutriger, viel Aprikosen und Pfirsichfrucht, weiße Plattpfirische, die Spontannoten und die reichlich vorhandene Restsüsse stehen ihm ziemlich gut. 87 Punkte

17) 2014 A.J. Adam Hofberg Kabinett, Mosel, 8,5%, ungewöhnliche Frucht, Orangenblüten, etwas Tabak, Gerbstoff, hat Kraft und schöne Schlankheit, feine Saftigkeit, am Gaumen feine Würze, nicht zu schwer, der ist gut balanciert. Wirkt edel, steht lang am Gaumen. 91 Punkte

18) 2014 Julian Haardt Oligsberg Riesling Kabinett, Mosel, 7,5%, deutliche Spontannoten, herrliche Frucht, feinsaftig, tolle Säure, hier geht was ab, mit der Luft/Wärme kommt die Süße deutlich raus, ist aber balanciert, deutliche Steinobstaromatik, schöne Länge. 90 Punkte

19) 2014 Julian Haardt, Goldtröpchen Riesling Kabinett, Mosel, 7,5%, leichte Spontinase, blütig, kräutrige Nase, verspielt. Am Gaumen saftig, mit Druck, Schießpulver, mineralisch, animierend, tolle Länge, 89 Punkte

20) 2015 Reinhold Haardt Goldtröpchen Kabinett, Mosel,8,5% deutliche Spontannoten, viel Süße, gute Säure, etwas klebrig, gelbe Frucht, saftig, dicht, kompakt, leckeschmecker, unkompliziert, lebt von der Süße. 87 Punkte

21) 2014 von Kesselstadt Scharzhofberger Riesling Kabinett feinherb, Mosel, 9,5% rauchig verhaltene Nase hier wurde am Tisch bei beiden Flaschen UTA ausgesprochen und die Gruppendynamik schlug zu. Am Folgetag aus Konterflasche nachverkostet, schöne saftig weißgelbe Frucht, Kräuterlimo, dezente Mineralik, hat schönen Körper und steht jung und frisch im Glas. 88 Punkte am Folgetag

22) 2014 von Hövel Scharzhofberg Riesling Kabinett, Mosel, 9,0% animierende kräutrige, sehr mineralische Nase, kompakt, fest, herrliche Säure, packt zu, extravagant, Tabak, etwas medizinal, am Gaumen: Orangensaft, blütig, präsentiert sich frisch noch etwas unaufgeräumt. 88 Punkte

23) 2014 Max. Grünhäuser, Abtsberg Riesling Kabinett, Mosel, 7,5% etwas kinderkotzige 😉 spontane Nase, Kräuter, mineralisch, animierend, schlank, gute Säure, Birne, Steine, etwas Schießpulver, sehr gute Länge 88 Punkte

24) 2014 von Hövel Oberemmler Hütte Riesling Kabinett, Mosel: ungewöhnliche Geschichte, dieser Wein ist daneben, Sumpfdotterblumen, medizinal, am Gaumen irgendwie komische Aromatik, Krokus, Safran, macht mich ratlos. wie soll ich das finden? Würzigkeit, saftig, recht dicht und hat Extrakt, gute Säure, 87 Punkte

25) 2014 Willi Schäfer Graacher Domprobst Riesling Kabinett, Mosel, 7,5% schöner, guter, etwas gefälliger Riesling, feine Süße, auch angenehme Saftigleit, aromatisch gut, aber irgendwie auch etwas einfallslos, traubig, schöne Süße, Säure, 86 Punkte

26) 2014 Dr. F. Weins-Prüm Graacher Domprobst Riesling Kabinett: Kork o.W,

27) 2014 Max. Grünhäuser Herrenberg Riesling Kabinett, Mosel, 7,5% Deutlicher Spontanstinker, feinsaftig, animierend, Hallo Wach Wein, belebend, gute Säure, Kabinett, straff und präzise, kräutrige Mineralik, schöne Länge. Dieser Kabinett strahlt und bringt mich zum Strahlen. 90+ Punkte

28) 2014 Forstmeister Zilliken Rausch Riesling Kabinett, Mosel, 7,5% runder, fruchtig, saftiger Riesling, ohne Ecken und Kanten, macht Spass, etwas würzig, Botrytis, Honig, Würzigkeit rund, im guten Sinne unkompliziert. Spätlese. 89 Punkte

29) 2014 Von Hövel Oberemmler Hütte Vollmondwein Vesteigerungskabinett, Mosel, 9,0%: klar, sehr fest, sehr mineralisch, steinig, erdig, sehr reintönig. heftiger Stoff. Das animiert, ist dicht, mit viel Zug; leichte, mir gefallende Bitterkeit, das ist gut, das ist lang. Love it! 92 Punkte

30) 2014 Schloss Lieser Braunebeeger Juffer, Mosel, 7,5% Heftige Spontannoten, Austernwasser, Tang, Käse, am Gaumen saftig, gelbe Frucht, Steinobst, runde und mollige Frucht, 87 Punkte

31) 2014 Max. Ferdinand Richter, Wehlener Sonnenuhr Riesling Kabinett, Mosel, 9%, So etwas habe ich bei einem Wein noch nie erlebt, das riecht zu 100% nach Ziegler Obstbrand, Kirsche und Vogelbeeren, was für eine Frucht, am Gaumen fruchtig, etwas süß aber aromatisch! Irgendwie in der Art daneben, Gelbe Pflaumen, gelbes Steinobst, gute Säure. Heute! 84 Punkte

32) 2014 Schloss Lieser Wehlener Sonneruhr Riesling Kabinett, Mosel, 7,5% Spontannoten, Schießpulver, schöne Frische, reintönig, gute Frucht, Cassis, gelbe Frucht, geschmeidig, trinkig, animierend, ein geiler Kabinett, der seinem Namen alle Ehre macht, rauchig, 89 Punkte

33) 2014 Max. Ferd. Richter Veldenzer Elisenberger Riesling Kabinett**, Mosel, 8,5% Spontinoten, sehr vegetabile Noten, 2.Flasche besser, gute Säure, animierend, kräutrig mineralisch. Am folgenden Tag nachverkostet, was für ein Unterschied, deutlich ausgebaut, viel straffe Schiefermineralik, guter Zug, kräutrig, animierend. 86-89 Punkte

34) 2014 Dr. Loosen, Edener Treppchen Riesling Kabinett, Mosel, 8%, schöne, saftige Frucht, leicht würzig, dabei klar und animierend, schöne rund, Apfelringe, gute Säure, gefällig, der schmeckt jedem zu jeder Zeit, unglaublich trinkig, 87 Punkte

35) 2014 Peter Lauer Ayler Kupp Riesling Kabinett Fass Nr. 5, Saar, 7,5%, rauchig, Jod, Sponti, Kabinett, schöne kräutrige Frucht, schöne Säure Süße, hat Frische und Ordnung, kraftvoll, hat Zug, animiert und hat Länge. 90 Punkte

36) 2014 St. Urbanshof Piesporter Goldtröpchen, Mosel, 9,5% Almdudler, fruchtig, weiße Johannsibeeren, kräutrig mit ein wenig viel Restsüsse, Limo – fast klebrig, üppig, nicht wirklich stimmig. 85 Punkte

37) 2014 Werther Windisch Riesling Kabinett, Rheinhessen, 10,5% ultrajung, Brausepulver, Cassis, rauchig, mineralisch, macht wach, animierend, etwas parfümig noch, im Abgang pikant. 88 Punkte

38) 2014 Gunderloch Jean Baptiste Riesling Kabinett feinherb, 11% klare Aprikosenfrucht, sehr klar, reintönig, am Gaumen ordentlicher Saft, guter Extrakt, stimmig, gute Frucht, gelb, schöne Spätlese, saftig, gute Länge 89+ Punkte

39) 2014 von Kesselstadt Domprobst Riesling feinherb: blütig, herrlich frisch, animiert, hat gute Säure, etwas grün, hat Gerbstoff, animiert. Schöne Länge. 88 Punkte

2005 Ten Years After – Große Gewächse – Teil 1


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UPs, hmmm – doch nicht so schlecht wie gedacht ;-))

2005 war ein sonniger Jahrgang. Das Weingut Robert Weil berichtet: „Der Vegetationsverlauf war geprägt von einer Sonnenscheindauer, die deutlich über dem Soll lag. So waren schon Ende Juli für den Rheingau 150 Sonnenscheinstunden mehr erreicht, als im langjährigen Mittelwert (1971-2000). Die Niederschlagsverteilung war über das gesamte Jahr und vor allem über die Vegetationsperiode ideal für die Rebe.“ Dieses Glück war jedoch nicht jeder Anbauregion beschieden, denn es gab zeitweise erhebliche Regenmengen, die stellenweise zu einem erheblichen Pilzdruck führten. Der goldene September hat es dann vielerorts rausgerissen. Viele Weinjournalisten waren schnell einig, dass der Jahrgang zwar viele hochreife Weine hervorgebracht hat, denen eine gute Lagerfähigkeit abgesprochen und eine frühe Trinkreife attestiert wurde. Der Gault Millau hat nahezu allen deutschen Anbauregionen für den 2005er JAhrgang nur 3 von Trauben zuerkannt, einizge Ausnahme bildeteten die Nahe und die Region Mosel-Saar-Ruwer, hier stehen 5/5 Trauben zu Buche.

Unsere Ten Years After Probe – Grosse Gewächse 2005 zeigt ein anderes Bild. Nahezu alle angestellten Weine zeigten sich in einer guten bis sehr guten Verfassung, lediglich die Moselweine schwächelten auf breiterer Basis. Der weit überweigende Teil der Großen Gewächse zeigte sich überaus trinkanimierend, gut balanciert und aktuell in einer schönen Reife. Einige Weine haben locker Luft für weitere 5 Jahre; sie jetzt zu trinken ist aber in keinem Fall ein Fehler und verspricht Rieslinggenuss auf dem Punkt.

Beim Spätburgunder deutet sich ein schwieriges Bild, drei von vier Weinen konnten nicht nachhaltig überzeugen und einer war eine Unverschämtheit. Ich denke, beim Spätburgunder hat Deutschland in den letzten 10 Jahren einen massiven Qualitätssprung gemacht, 2005 haben jedoch viele Winzer noch geübt – insbesondere beim Umgang mit dem richtigen Holz. Dies gilt ausdrücklich nicht für den verkosteten Spätburgunder von Knipser – diese Jungs haben schon damals ihr Handwerk hervorragend beherrscht.

Am ersten Abend tranken wir mit 9 Personen 11 Weine komplett blind, am zweiten Abend mit 7 Personen 12 Weine. Der zunächst korkige Saumagen Auslese R wurde am Ende der Probe mit der Konterflasche in die Probe aufgenommen. Die dritte und letzte Runde beschlossen 6 Verkoster mit 9 Rieslingen.

2005 Winninger Uhlen Riesling Laubach, Weingut Heymann-Löwenstein – Mosel: Tiefes Goldgelb, reife Nase, viel hochreife gelbe Früchte, Schuhpolitur, Sahne, am Gaumen ebenfalls reichlich gelbe und exotische Früchte, Mango, rund, recht saftig, leichte Würze am Gaumen, extraktreich, Fenchelhonigbonbons, trockene Art, im Mund deutlich trockener als bei der Nase erwartet. Moderate Säure, gute Länge. Diese Flasche war deutlich besser, als die ca. 2 Monate zuvor. Bitte austrinken, mit zunehmendem Alter büßt der weiter an Frische ein. 17 Punkte – austrinken. (90, 93, 89, 92, 91, 91, 92, 91, 91 – 91,11)

2005 Riesling Rüdesheimer Berg Schlossberg, Weingut Breuer – Rheingau: Zum Auftakt eine wunderbar delikate und kühle Frucht, sehr klar, kräuterwürzig, Anis, Brennnessel, Melisse, die Nase ist bewegend vielschichtig, animierend und überaus charmant. Am Gaumen sehr klar und reintönig; schöne Dichte, sehr gute Säure, harmonisch, hier passt alles vom Anfang bis zum langen Ende. 18 Punkte – 2015 bis 2018 (93,92, 94, 94, 92, 93, 94, 95, 92 – 93,22)

2005 Karthäuserhofberg Riesling Auslese trocken, Karthäuserhof – Ruwer: Schwierige Nase, etwas Spargel, erkennbare Reife, blütig, cremig. Am Gaumen fehlt etwas die Spannung, traubig, weich, ordentliche Säure, nicht ganz trocken, recht kurz. Das hat man im Hause Tyrell in vielen anderen Jahrgängen schon besser hinbekommen. 16 Punkte – austrinken (88, 89, 89, 89, 90, 89, 88, 89, 88 – 88,77)

2005 Westhofener Morstein Riesling GG, Weingut Wittmann – Rheinhessen: Weißgelbe Frucht, Kräuterbionade, nasse Steine, etwas rauchig, Spontannoten, ein Hauch Ingwer, Jod, Meer, Austernwasser, Salzzitrone, baut im Glas enorm aus, gewinnt an Mineralik, gute Säure, gewinnt an Länge, beschäftigt mich, hat Zug und Länge. 18 Punkte – 2015 bis 2020 (93, 90, 93, 93, 90, 94, 94, 94, 91 = 92,44)

2005 Niersteiner Pettenthal Riesling GG, Weingut Kühling-Gillot – Rheinhessen: Sehr kräutrige, etwas medizinale Note zum Auftakt, dann Orangeat, Birnen und Gelbes Steinobst. Aromatisches Dickschiff. Am Gaumen dicht und dezent salzige Mineralität, traubig, aromatisch wie ein Riesling mit Muskateller, Traminer oder gemischter Satz ;-), flüssiges Gold, gute Säure, Aprikose, reife Birnen, gelbes Kernobst, viel Glyzerin, opulent, würzige Botrytis im Abgang, wohl sehr spät geerntet. 16 Punkte – 2015 bis 2019 (88, 90, 90, 90, 89, 87, 90, 91, 88 – 89,22)

2005 Kiedricher Gräfenberg Riesling GG, Weingut Robert Weil – Rheingau: Frisches Zitronengelb. Weißgelbe Früchte mit feinwürzigen Noten. Am Gaumen herrlich saftig, schöne Frische, mit Luft kräutriger, macht richtig Spass, hochgradig trinkig, wirkt sehr jung, sehr viel Frucht, sehr klar, an Gaumen blüht er auf, baut im Glas aus, wird etwas steiniger, aber nicht mineralisch, hat herrliche Spannung, bekommt richtig Zug; reintönig in seiner Art. Nicht mit riesem Spiel, aber nachhaltig lecker, auf hohem Niveau trinkig und schönem, feinfruchtigem langen Abgang. 18 – 2015 bis 2018 (93, 94, 92, 96, 91, 95, 93, 94, 92 – 93,22)

2005 Niederhäuser Hermannshöhle Riesling GG, Weingut Dönnhoff – Nahe: Hochgradig animierende kräutermineralische Nase, glockenklar, leichte Kernobstnoten, fest, tiefgründig, tief und komplex. Im Mund präsentiert sich dieser Ausnahmeriesling mit unglaublicher Frische, zeigt viel Zug und Kraft, ist klar und rein wie ein Gewitterregen, dezente Zitrusnoten, dieser Riesling beschäftigt den Gaumen, changiert und ist spannungsgeladen, der Wein strahlt mit Eleganz aus allen Knopflöchern, großartige gelbgrüne Frucht, hochgradig mineralisch, feinkräutrig, enorme Länge. Nahe an der Perfektion. 19 Punkte – 2015 bis 2020 (96, 97, 95, 97, 95, 96, 97, 95, 95 – 95,88)

2005 Forster Pechstein Riesling GG, von Buhl – Pfalz: Vegetabile Noten, im besten Fall ist dahinter eine weissgelbe Steinobstfrucht zu erkennen. Irgendwie stumpf, da passt einiges nicht zusammen. Dieser Riesling lässt mich ein wenig ratlos zurück – am Gaumen etwas Gerbstoff, ordentliche Frucht, dezente Mineralik, wirkt aber irgendwie eckig und bricht ziemlich schnell ab. 15 Punkte – austrinken (86, 87, 87, 85, 88, 88, 88, 87, 86. – 86,88) 2005 Birkweiler Kastanienbusch Riesling GG, Ökonomierat Rebholz – Pfalz: Sehr duftige Nase, wirkt jung, klar, aber etwas grüne vegetabile Aromatik, kühl, ein Hauch unreifes Steinobst. Am Gaumen eng, recht fest, irgendwie ungeschmeidig, wenig Genuss, Efeu, bittere Anklänge, aufgesetzte Säure, die Komponenten wirken nicht gut vermählt. 15 Punkte – austrinken (86, 87, 88, 89, 89, 89, 87, 89, 87 – 87,88)

2005 Rüdesheimer Berg Schlossberg Spätburgunder GG, August Kesseler – Rheingau: Duftige Cassis-Nase mit holzwürziger Note, Holzkohle, Rauch, ein wenig Schoki, die Frucht wirkt ein etwas aufgesetzt/dropsig. Am Gaumen saftige Frucht, recht kühl, wieder Cassis, noch sehr jung (bei 4 Stunden Karaffe), gute Frische, ist genau auf dem Punkt, hat noch schöne Primärfrucht, aber auch schon etwas balsamische Anklänge; dunkle Frucht, Campino Cassis, ein Hauch Vanille, Veilchen, gute Säure. Ordentliche Länge. 16 Punkte – 2015 bis 2017 (87, 81, 89, 90, 90, 89, 90, 92, 91- 88,77)

2005 Laumersheimer Kirschgarten Spätburgunder GG (Auslese trocken), Weingut Knipser – Pfalz: dunkle kühle Frucht, Kirschkerne, Pflaume, schöne, tiefe Aromatik, ein Hauch Cassis. Am Gaumen widerholt sich das Bild: dunkle, kühle Frucht, Kirschkerne, schöne Säure, mittlerer Körper, feinsaftig mit schönem Druck, schöne, geschliffene Tannine. Hier passt alles gut zusammen, der Wein ist animierend im Trunk und zeigt Länge. Jetzt herrlich zu trinken. 17 Punkte – 2015 bis 2017 (92, 91, 92, 92, 93, 91, 91, 93, 92 – 91,88)

 

2005 Ten Years After – Grosse Gewächse – Teil 2

GG2005

Der zweite Abend war ebenso erfreulich bei den Rieslingen wie enttäuschend bei den Spätburgundern. Ein Hurra auf die Ergebnisse von Mosbacher und Wittmann. Das Ungeheuer von Mosbacher ist seit Jahren immer wieder ganz vorne dabei, gerade wenn man den Großen Gewächsen ein paar Jahre der Reife zubilligt. Zufriedene Gesichter bei Ole und Dieter nach den beiden Proben sprechen Bände…

GG2005_Gesichter

 

2005 Mittelheimer St. Nikolaus Riesling*** GG, Peter Jakob Kühn – Rheingau: Tiefes, dunkles Gelbgold; kraftvolle, reife Nase von getrockneten Kräutern, Waldhonig, Trockenobst, deutliche Phenolik. Der Wein braucht immer noch Luft um sich zu entfalten; gelbe trockene Frucht, kernig; kräftiger, körperreicher Bursche; viel Extrakt; erkennbar oxidativ ausgebaut, Riesling mit Maischestandzeit, geht in Richtung Orange Wine. Nach der üppigen Nase erwartet man eigentlich ein Zuckeschwänzchen, dass er nicht hat. Etwas grüner Tee, gelbe Trockenfrüchte, viel Mineralik, die immer salziger wird, je länger man auf dem Wein kaut. in der Aromatik ungewöhnlicher Riesling, bleibt lange am Gaumen haften. Jetzt super, aber ohne Eile. 17+ Punkte – 2015 bis 2020; (92,91, 93, 92, 93, 91, 91)

2005 Riesling R, Peter Jakob Kühn – Rheingau: Tiefes Gelbgold, etwas heller als der Nikolaus. Reichlich getrocknete Blüten und Kräuter, ein Hauch medizinal. Nicht das Gewicht des 2005er St.Nikolaus, aber etwas offener und vielschichtiger, gelbes Steinobst, weniger phenolisch, dafür etwas eleganter. Insgesamt ziehe ich den St. Nikolaus auf Grund seiner inneren Stärke, der mineralischen Ausdrucksstärke und größeren Länge knapp vor. Jetzt langsam austrinken. 17 Punkte – 2015 bis 2020 (91,93, 94, 93, 93, 93, 90 – Mittelwert )

2005 Hochheimer Hölle Riesling GG, Künstler – Rheingau: Duftige Nase; intensive, exotische Frucht; süße, gelbe Früchte, darunter Gesteinsmehl, Spontannoten, am Gaumen cremiges Mundgefühl, sehr ausgewogen, zugänglicher Stil, gelbe Früchte, fluide Frucht; runder Ansatz, saftige Rieslingaromatik mit leichter Würze im Hintergrund. Guter Körper, ausreichende, harmonische Säure. Schöne, fruchtbetonte Länge. Bleibt auf diesem Niveau sicherlich noch ein paar Jahre. 17+ Punkte – 2015 bis 2017 (92, 94, 89, 89, 92, 92, 91)

2005 Calidus Mons Riesling, Franzen – Mosel: Waldhonig in der Nase, entwickelte Reife, gelbe Noten, etwas eindimensional, sehr weinig, gewisse Würzigkeit, neigt auf Grund seiner Reife jetzt zur Breite, am Ende bekommt noch einmal eine gewisse Spannung, gelbe Frucht, gewisse Süße, es fehlt ihm etwas von der Spannung, die er in seiner Jugend hatte. Das war in seiner Jugend ein spannungsgeladenes Mineralienfass, davon ist leider nicht viel geblieben. 16 Punkte – austrinken (86, 85, 86, 90, 90, 87, 89)

2005 Rüdesheimer Schlossberg Riesling GG, August Kesseler – Rheingau: Zu Beginn leichte Rauchigkeit, gelbe Frucht, Aprikose, Pfirsich, Steinobst. Am Gaumen feinsaftig, kraftvoll, mit gutem Körper, gelbe Frucht, junge Birne, etwas Kirsch, Limettenfrucht. Hand geht zum Glas, trinkt sich auf hohem Niveau unkompliziert. Gute Säure, Zitrusnoten, hat Spiel, schöne Länge. 18- Punkte, 2015-2018 (93, 92, 93, 93, 93, 93, 93)

2005 Forster Ungeheuer Riesling GG, Mosbacher – Pfalz: Zitronengelb; fokussiert, klar, sehr mineralisch, und reintönig. Herrliche Frische und Energie. Rauchig- kräutriges Aromenspektrum. Am Gaumen Druck, zieht voll durch, prägnante Säure, ohne Schnörkel, richtig trocken, etwas Zitrusnoten; geradliniger, sehniger Typ, Basalt, mehr Mineralik als Frucht, super animierender Trunk, große Länge; wirkt immer noch jung; Säure, Länge, der Wein ist Null üppig, deutliche Salzigkeit, stundenlanger Nachhall; ich will mehr! 18 Punkte – 2015 bis 2020; (94, 96, 95, 94, 94, 95, 96)

2005 Westhofener Aulerde Riesling GG, Wittmann – Rheinhessen: Helles Zitronengelb; Frische Nase, Kräuter, sehr dicht und fest gepackt, griffig, mineralisch, dreckiger Kalkschlamm. Hochgradig interessant. In der Nase eine Idee von Burgund. Rauchig, reichlich Extrakt, aber schlank; am Gaumen feinwürziger guter Gripp, erstaunlich jung, Zitronenzesten, geradlinig, Minze, mineralisch, hat Muskeln und noch mehr Sehnen, großes Kino. Animierende Säure, eine geile Sau, Struktur, kristalline Qualität, sehr erdig. Irgendwie erscheint er mir rough, nicht wirklich gesellschaftsfähig, andererseits unglaublich animierend und hintergründig, kann meine Finger nicht von lassen. Mit Suchtpotential. 19 Punkte – 2015 bis 2022 (96, 91, 94, 95, 95, 97, 95)

2005 Monzinger Halenberg Riesling GG, Emrich-Schönleber – Nahe: Helles Gelb. Kleiner Stinker zum Auftakt, Sylvester, leichten Petrolton, dann sehr kräutrig. Am Gaumen kraftvoll, mit maßvoller Säure, leider ohne diese besondere Säurespiel anderer Jahrgänge. Dicht, fokussiert, extraktreich; aromatisch sind die Scheuklappen angelegt, steinig, mineralisch, hat Muskeln, wirkt modelliert; endet auf der mineralischen, steinigen Noten. Gute Länge! 17 Punkte – 2015-2019 (92, 90, 92, 93, 92, 90, 90)

2005 Bockenauer Felseneck Riesling GG, Schäfer-Fröhlich – Nahe: ziemlicher Spontanstinker, Schießpulver, immer noch sehr reduktiv, was ein junger Wein, monolithisch, zieht durch, geradlinig, sehr fest und ultrajung, Prümsche Züge. Am Gaumen kräuterbittere Mineralik, verhaltene Frucht (am ehesten in Richtung grüner Früchte), sehr fokussiert und geradeaus; gute Säure, viel Zug und Frische; sehr jung. Nicht wirklich überraschend ist diese „schmutzige“ harte Mineralität, die unglaublich lange am Gaumen stehen bleibt. Felseneck ist Jahr für Jahr auf Grund seiner Stilistik und Radikalität eine polarisierender Wein; ich liebe ihn, kann aber alle verstehen, die sich an diesem „Charakterkopf“ reiben. 18 Punkte  – 2015 bis 2020 (93, 85, 89, 91, 88, 87, 87)

2005 IDIG Spätburgunder GG, Christmann – Pfalz: Bordeauxrot mit orangebraunen Reflexen am Rand; sehr reife Nase, Rumtopf, erdig, Pferdeäpfel und Käsemauken (Fußschweiß), vergammelte Kartoffeln. Am Gaumen ist der Auftakt gar nicht so schlecht, zunächst leicht rote Frucht, das Holz ist erkennbar, mit Luft bekommt er aber schnell unsaubere Noten, zerfällt und endet grausam. Leider keine Konterflasche verfügbar. Sollte sich vergleichbares Bild einstellen, dann ist dieser Wein der Stellung / Preis eines Großen Gewächses völlig unwürdig. 13 Punkte – vorbei (79,78, 80, 88, 84, 79, 82)

2005 Bühlertaler Engelsfelsen, Pinot Noir SD, Duijn – Baden: Reifes, dunkles Burgunderrot. Im Auftakt eine deutliche Rauhigkeit, Holzkohle, auch etwas Speck, die rotschwarze Frucht setzt sich nur langsam in Szene Am Gaumen zunächst ein vergleichbares Bild, das Holz dominiert die Frucht zu stark. Mit Luft baut die Frucht etwas aus, Kirschfrucht; durchaus erdig und mineralisch. Letztlich ist die Frucht aber zu keinem Zeitpunkt generös genug, um die speckig holzwürzigen Aromen ins Gleichgewicht zu bringen. Der 2005er SD bleibt leider hinter den Erfahrungen anderer Jahrgänge zurück. (am nächsten Tag mit noch mehr Luft ganz leicht gewonnen, aber letztlich ohne Änderung der Wertung) 16- Punkte – 2015-2020 (87, 88, 85,86, 87, 89, 84) 

2005 Kallstadter Saumagen Riesling Auslese trocken „R“, Koehler-Ruprecht – Pfalz: Zitronengelb mit viel Glanz; in der Nase fokussiert, sehr klar und erdig, mineralisch. Am Gaumen mit Kraft und Zug, bleibt auch ohne dicken Körper lange am Gaumen hängen, klar, erdig pikant, fokussiert. Reintönige, weiß gelbe Frucht, die insgesamt eine etwas untergeordnete Rolle spielt – der Wein spielt primär sein kräutriges, ätherisch mineralisches Blatt aus. Herrliches Säurespiel, toller Trinkfluss; ausgewogen und harmonisch. – Jetzt richtig gut, ohne Eile für die nächsten Jahre. Langer mineralisch kühl-würziger Abgang. 18- Punkte, 2015-2020 (93, 93, 94, 95, 91, 91, 90)