2012 Sancerre Edmond, Alphonse Mellot – Loire

2012_EdmondA19/20 bzw. 96/100 – Blasses Gelb mit grünlichen Reflexen und strahlendem Glanz. Das Parfum ist glockenklar, reintönig, frisch und animierend. Es duftet nach kaltem, reinen Bergwasser, das man bei der Wanderung direkt mit der Hand aus dem Wasserlauf schöpft. Ein dezenter Duft von Wiesenblumen, Zitrusfrüchten, Waldmeister und einigen Gräsern. Am Gaumen hochgradig rein, voller Energie und innerer Spannung. Gazellengleich springt und tanzt dieser Wein auf der Zunge. Die Mineralität ist enorm ausgeprägt, fast staubig, der Wein hat Zug und Kraft und ist doch schlank, elegant und schon in seiner Jugend enorm ausgewogen. Der Edmond bekommt jedes Jahr eine Portion neues Holz, aber von der ist weit und breit nichts zu riechen oder zu schmecken, die Mineralität scheint diese Aromen vollends zu absorbieren. Trotzdem hat es wohl in Sachen Struktur und Festigkeit eine tragende Rolle. Mit etwas mehr Luft und Wärme entfaltet sich ein Strauß von hellen Blüten und jungen, gelben Früchten. Am Gaumen entwickelt der Wein eine wunderbare Länge und endet auf Mineralität und dezenten Zitrusnoten.

Dieser Sancerre gab unserer gestrigen, kleinen Verkostungsrunde ein paar schöne Rätsel auf. Da wir – wie immer –die Weine blind in unserer Runde trinken, hielten sich die Anwesenden Weinfreaks bei der Frage nach Herkunft und Rebsorte alle vornehm zurück und schauten „angestrengt“ abwesend. Vereinzelt fiel Frankreich, ein eher ungewöhnlicher Burgunder vielleicht, am Ende war der liebe Mathias dann aber auf dem richtigen Pfad: „Ein Sauvignon Blanc, wie ich ihn bisher nur extremst selten getrunken habe.“ Auf die sich anschließende Frage, ob der Wein gut sei, hielt sich dann keiner zurück mit seinen Elogen:

„absolut Wow, was für ein geiler Wein“

„Wow, der hat eine irre innere Spannung und Kraft“

„Fest, rein, sehnig und komplex“

„Lebendig, jung, frisch, jungfräulich“

Dies waren nur ein paar Aussprüche, die ich aufschnappte bzw. selbst dachte. Fazit: Ein wunderbarer Vertreter des Sauvignon Blanc, der klar den Boden und nicht die üblichen Aromen der Rebsorte in den Vordergrund stellt. Wer Stachelbeeren oder frisch geschnittenes Gras sucht, wird hier leider nicht fündig.

Seit dem 16.Jahrhundert, um genau zu sein, seit 1513 ist das Leben der Familie Mellot eng mit den Jahreszeiten und der Weinbereitung verbunden. Immer und immer wieder taucht die Familie als Winzer und Weinhändler in lokalen historischen Aufzeichnungen auf. Die Ernennung von César Mellot zum Weinberater von König Louis XIV stellt sicherlich einen historischen Höhepunkt in der Familienchronik dar.

Mit Beginn des 19. Jahrhunderts gründete ALPHONSE MELLOT eine Taverne in Sancerre, wo man fortan die regionalen Weine genießen konnte. Mit der im Jahr 1881 erteilten Lizenz durfte man dann in ganz Frankreich und der restlichen Welt Weine versenden. Seit dieser Zeit trägt jeweils der Sohn der Familie den Namen Alphonse.

Heute steht bereits die 19. Generation im Weinberg und Keller. Die Monopollage des Hauses, die Domaine La Moussiere mit ihren 30ha Reben, hat eine ideale südwestliche Exposition und der Boden aus sehr kalkigem Mergel sind die Grundlage für schönste Sauvignon Blancs. Die Träubchen für den Edmond stammen von einem besonders begünstigten Wingert innerhalb der Lage La Moussiere, die Stöcke sind mindestens 60 Jahre alt, viele sogar über 100 Jahre. Im ganzen Weingut arbeitet man biodynamisch und trägt das französische Biosiegel AB (=Agriculture Biologique) auf dem Etikett, das nach Demeter wahrscheinlich die strengsten Anforderungen stellt.

Ein bisschen schade ist, dass die schönen und künstlerischen Etiketten der letzten Jahre mit dem Jahrgang 2012 auf eine kühle, wenngleich ästhetische Sachlichkeit reduziert werden. Die Tänzer und Gaukler im Wingert der Jahrgänge zuvor fand ich irgendwie poetisch und voller Ausdruck – das passte für mich hervorragend zu diesem Wein, eine weitläufige Ähnlicheit mit Clerc Milon Rothschild war sicherlich Zufall.

 

4 Gedanken zu „2012 Sancerre Edmond, Alphonse Mellot – Loire“

  1. Hallo Herr Quentel,

    schöner Bericht über den Sancerre von Mellot. Kennen Sie die Weine von Cotat? Ähneln sich die Weine vom Stil her??

    Freundliche Grüße
    R. Schneider

    1. Hallo Herr Schneider,

      die Weine von Cotat sind ebenfalls hervorragendes Kino. Im Stil den Mellots nicht unähnlich, vielleicht in der Jugend noch einen Tick kompackter/verschlossener. Aber die Noblesse und Eleganz, die sie bei aller Kraft besitzen, sind wunderschön. Die großen Weine des Hauses kann man getrost ein paar Jahre liegen lassen.

  2. Hallo Herr Quentel!

    Sehr schöner Bericht über den Edmond von Ihnen. Kennen Sie die Weine von Cotat? Sind diese vom Stil her ähnlich?

    Freundliche Grüße

    r. schneider

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