2007 Chevalier-Montrachet, Domaine Etienne Sauzet – Burgund

15058337360_bdfee88733_b99 Punkte – Wahnsinnsteil! In 2007 hat Gérard Boudot ein Meisterwerk abgeliefert. Das Parfum des Weines ist überall – dicht, kraftvoll und enorm vielschichtig. Kein roter Teppich, sondern ein Aromenteppich kleidet den Weg zum ersten Schluck. Sahne, Citrusnoten, Birnen, etwas grüne Banane, exotische Früchte, Frühlingsblumen, Quitten, edles Holz (20% neues Holz in diesem Jahrgang) und eine Spur von Vanille und Wachs sind die Klangfarben in dem Gesang der Sirenen, dem man sich unmöglich entziehen kann. Voller Körper, mit einer atemberaubenden Intensität und schönen Rundungen, darunter liegt sehr viel Kraft und eine beneidenswerte innere Spannung. Dichte und aromatische Üppigkeit – ohne jedwede Schwere! Dieser Wein ist immer noch in seiner Sturm- und Drangphase und einmal aus der Flasche gelassen, zieht er Luft und legt los: Aromenschicht für Aromenschicht kleidet Mund und Rachen aus und bei der Beschäftigung mit dem Wein kann man Raum und Zeit verlieren – nur Du und der Wein! Großes, großes Weinkino. Auch wenn die 96 Punkte von David Schildknecht und John Gilman (jeweils aus 2009) nicht gerade bescheiden sind, fällt es mir schwer zu formulieren, was in diesem immer noch jugendlichen Wein besser sein könnte. 99 Punkte und ein irre langes Leben. Ich hoffe, die nächste Flasche nicht erst am Sterbebett zu genießen.

Etienne Sauzet wurde im Jahr 1903 geboren und seine ersten Weinberge gingen per Erbe auf ihn über. Durch Heirat im Jahr 1924 kamen einige hinzu. Durch weitere Zugänge in den 50er Jahren (vor allem Premier und Grand-Cru-Lagen) wuchs die Domaine auf eine Größe von ca. 12 ha an. Etiennes Tochter beschloss 1989 den Weinbergbesitz unter ihren 3 Kindern aufzuteilen. Die grundsätzlich gute Idee hatte jedoch einen Haken, denn Madame versäumte es das Fortbestehen der Domaine parallel abzusichern. Während sich ihre Tochter Jeanine und ihr Ehemann Gérard Boudot (seit 1974 im Weingut verantwortlich) um die Domaine kümmerten, bestand ihr Bruder Jean-Marc-Boillot darauf, seinen Teil der Lagen aus dem Besitz herauszulösen. Glücklicherweise war der zweite Bruder bereit, sein Erbteil langfristig der Domaine zur Verfügung zu stellen. Als Folge büßte die Domaine einen Teil ihrer Puligny-Village und Premier Cru Lagen ein. Zum Ausgleich gründete man 1990 ein kleines Handelshaus, über das Trauben und Most von bekannten Vignerons zugekauft werden. Im Jahr 2000 ist die Tochter von Jeanine und Gérard ebenfalls im Weingut eingestiegen, 2002 folgte ihr Eheman Benoit Riffault.

Seit dem Jahr 2006 arbeitet man auf der Domaine rein organisch, 2010 folgte die Umstellung auf Biodynamie. Doch der Weg dorthin war ein weiter. Als Gérard im Jahr 1974, ein Jahr vor dem Tod von Etienne die Domaine übernommen hatte, waren enorme Anstrengungen nötig, um die völlig überdüngten Weinberge wieder in Schuss zu bringen, „denn sie waren, wie Gerard es ausdrückte ‚die reinsten Kalibergwerke‘, weil in den 1960er Jahren viel zu viel Kalidünger auf sie verschwendet worden war. Es bedurfte vieler Bodenanalysenund zehn Jahre geduldiger Korrekturmaßnahmen mit kleinen, dem Kali entgegenwirkenden Magnesiumgaben, um ein gewisses Gleichgewicht wiederherzustellen.“ (vgl. Norman Remington: Côte d’Or, Hallwag 1996, S.220). Heute sind die Weinberge das blühende Leben und gleichzeitig Voraussetzung und Garantie für die Klasse von Referenzweinen, die das Haus Etienne Sauzet so berühmt gemacht haben. Heute stehen die Puligny-Weine des Hauses – alles voran die Grand Crus und Premier Cru Weine für herrliche Fülle und Konzentration. Sie vereinen eine fast exotisch anmutende Fruchtfülle mit der Mineralität und Frische von Puligny nicht selten in Perfektion.

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