2014 Berlin Riesling Cup – 2013 Große Gewächse – Teil 1/2

36 Weine, getrunken in 18 flights; alle Weine wurden 1 Tag (mittags) zuvor geöffnet; zur Verkostung perfekt temperiert; Verkostungsglas: Universalglas von Zalto.

Insgesamt war der Jahrgang 2013 für die viele Winzer kein einfaches Jahr und bei vielen Guts- und einfachen Lagenweinen ist nicht alles Gold, was im Glas gülden glänzt.

Doch für die von Martin Zwick für den Berlin Riesling Cup vorausgewählten Großen Gewächse funktionieren pauschale Jahrgangsurteile nicht. Durch die Bank präsentierten sich sämtliche Großen Gewächse als würdige Vertreter ihrer Gattung und in der Spitze sind ein paar richtig große Weine entstanden. Interessanterweise scheint dieser Jahrgang ein Jahr des Rotliegenden zu sein. In vielen Jahrgängen zuvor waren stark kalkhaltige Böden die Top-Scorer beim Berlin Riesling Cup. Dieses Jahr gingen die Gold-, Silber- und Bronzemedaillen an Rieslinge, die auf rotem Schiefer / Rotliegendem gewachsen sind. Diese Böden heizen sich tagsüber richtig auf und geben in der Nacht die Wärme wieder ab. In heißen Jahrgängen ist das gelegentlich zu viel des Guten, doch in kühleren Jahrgängen (2013), wo Trauben und Winzer um ihre vollständige physiologische Reife kämpfen müssen – ein klarer strategischer Vorteil. Dass gleich 3 Weine unter den Top 5 der Gesamtwertung vom Roten Hang kommen, passt indieses Bild, gilt doch diese Lage mit ihrer Südausrichtung (Pettenthal und Rothenberg) als besonders warm.

Zwei angestellte Weine von jungen Nachwuchswinzern haben sehr unterschiedlich reüssiert.

1) 2013 Arzheimer Kalmit Riesling Kapellenstück, Weingut Katrin Wind, – Pfalz

87 Punkte – verhaltene Nase, vegetabile Noten, schlanker Ansatz, recht säurelastig, unreife Zitrusfrüchte, sehr frisch, klar, hat innere Spannung, zeigt Mineralität, dezente Bitternote, ohne besondere Länge

2) 2013 Ilbesheimer Kalmit Riesling GG, Weingut Kranz – Pfalz

91 Punkte – Kühl wirkende Nase; dicht, zupackend, zeigt Mineralität, viel saftige Frucht von gelbem Kernobst und exotischen Früchten, gute Stoffigkeit, schöner Körper, mit Luft zarter Schmelz, präsente Säure, endet auf Zitrusnoten.

3) 2013 Monzinger Frühlingsplätzchen Riesling GG, Emrich Schönleber – Pfalz

93 Punkte – Spontinase, rauchig, viel Druck und Zug, packt zu, vibrierende Säure, vegetabile Noten, sehr klar und frisch, reintönig, animierend, wirklich hohe Mineralität, schon erstaunlich harmonisch.

4) 2013 Erbacher Hohenrain Riesling GG, von Oetinger – Rheingau

87 Punkte – Nase mit vegetabilen Noten, grüne Früchte, Zitrusnoten. Die Säure schießt durch, wirkt sehr trocken; wieder vegetabile Noten im Vordergrund, wenig Beerenfrucht, recht geradliniger Typ, insgesamt noch etwas unruhig und verwaschen.

5) 2013 Forster Jesuitengarten Riesling GG, von Buhl – Pfalz

91 Punkte – Klarer frischer Duft, Rhabarber, frische grüne Noten, Minze, zarte Mineralität, schöne Tiefe, mittlerer Körper, Orangenblüten, Grapefruit, etwas Tannin, hat Potential, tief und nachhaltig, animierende Säure, muss man richtig reinhorchen, kein bisschen vordergründig – dann mit tollem Echo – Gute Länge – wie schreibt Anwalts Liebling immer so schön: sleeper of the vintage!

6) 2013 Deidesheimer Kalkofen Riesling GG, von Winning – Pfalz

92 – Duftige Nase, kräutrig, hat auch etwas Restzucker, resche Säure, schöne Stoffigkeit, zeigt schon Schmelz, zu Beginn kleines Bitterle, Tabak, vegetabile Noten, aber auch gelbe Früchte, wirkt zu Beginn noch sehr unruhig und die Dinge fügen sich noch nicht. Baut dann im Glas riesig aus, die mineralische Würze kommt mehr zur Geltung und der Wein beginnt sich zu fügen. Selten so eine Entwicklung im Glas erlebt.

7) 2013 Westhofener Morstein Riesling GG, Keller – Rheinhessen

94 Punkte – Kühle, sehr feste und tiefe Nase, herrlich kräuter-würzige und vegetabile Noten, kraftvoll und tief. Am Gaumen ein packender Stoff mit herrlicher Tiefe; zeigt Körper, mit viel innerer Spannung und intensiver Mineralik, animierende Säure, wenig entwickelt. Über all dieser Substanz liegt ein zarter Schmelz – ein sublimes Spiel der Gegensätze. Schmeckt lange nach.

8) 2013 Königsbacher Idig Riesling GG, Christmann – Pfalz

88 Punkte – Die Nase ist kräutrig-vegetabil, ein wenig Frucht andeutend. Am Gaumen eine schöne gelbe und leicht exotische Frucht, feuchte Erde und Jod, geschmeidiges Mundgefühl, erstaunlich wenig Ecken und Kanten, trotzdem kein Ausbund an Ausgewogenheit.

9) 2013 Westhofener Morstein Riesling GG, Wittmann – Rheinhessen

94 Punkte – schlanker Ansatz, steinig, sehr fest, viel Zug und innere Stärke, etwas Feuerstein,
kraftvoll; der eiserne Baron, doch im Hintergrund deutet sich seine Komplexität bereits an. Das ist stimmig, mit viel Potential, aktuell muss man noch ziemlich lutschen, damit sich Schloss und Riegel öffnen.

10) 2013 Dorsheimer Burgberg Riesling GG, Diel – Nahe

92 Punkte – Dichte, runde, volle Nase – kühle Kräutrigkeit, geschmeidig, saftig, erstaunlich füllig, sehr stimmig, recht tiefer Ansatz, schöne Länge. Herrlich unaufgeregt und bereits in dieser frühen Phase Eleganz ausstrahlend.

11) 2013 Kiedricher Gräfenberg Riesling GG, Weil – Rheingau

92 Punkte – Für mich einer der Lagen/Weine mit dem größten Wiedererkennungsfaktor in Deutschland. Klare Nase mit schöner Tiefe, getrocknete Kräuter und diese für mich so einzigartige und hochindividuelle Pfirsich-, Marillennase; am Gaumen besitzt der Gräfenberg Dichte und Spannung, die Frucht ist gut und komplex, etwas Holz, kühl und reintönig; nicht laut, aber elegant, geschmeidig, Eleganz andeutend.

12) 2013 Stettener Pulvermächer Riesling GG, Karl Haidle – Württemberg

92 Punkte – Tiefer Ansatz, saftig, dicht und spannungsgeladen, kernig, herbe Kräuteraromatik, sehr fest und kraftvoll, schöne Säure, presst sich an den Gaumen, grüner Tee, zupackend, große Mineralität und kleinem, animierenden Bitterle, hat Tiefe und zeigt eine attraktive Länge.

13) 2013 Westhofener Brunnenhäuschen Riesling GG, Wittmann – Rheinhessen

89 Punkte?? Verhaltene Nase, dahinter ein Strauss herber, getrockneter Kräuter. Am Gaumen fest gebaut, Tiefe andeutend, lässt aber wenig raus. Wirkt sehr verschlossen. Geschmeidige Oberfläche, gelbe Frucht, animierende Säure.

14) 2013 Bockenauer Felseneck Riesling GG, Schäfer-Fröhlich – Nahe

95 Punkte – Der am meisten polarisierende Wein der Verkostung. Ich bekenne mich als Fan! Ein deutlicher Spontanstinker, Nordseeküste bei Ebbe, Holz, Jod, verbranntes Gummi, getrocknete Kräuter. Kraftvolle und tiefe aber auch noch sehr unruhige Nase. Am Gaumen passiert viel. Druckvoller, saftiger Stoff, gelbe, Früchte, getrocknete Kräuter, Tabak, fordernde Mineralik; zupackend, mit Grip; das Zuckerschwänzchen (kandierte Früchte)kann sich noch besser integrieren. Lebendige Säure, wird ein großer Wein, mit schöner Länge, braucht Zeit.

15) 2013 Westhofener Riesling, Keller – Rheinhessen

93 Punkte – Wein stammt aus der Lage Morstein von 40 jährigen Reben, die nicht als GG gefüllt wurden (GG = 60 jährige Reben) Animierende Nase, mit kleinem Spontistinker; changiert sehr stark, ohne laut zu sein, viel Komplexität, Efeu, Minze, tiefer, mineralischer Ansatz, viel Substanz.

16) 2013 Niederhäuser Hermannhöhle Riesling GG, Dönnhoff – Nahe

93 Punkte – Recht verhaltene, kühle Nase, vegetabile Noten, Minze. Am Gaumen sehr klar und präzise, mit angemessenem Druck und attraktivem Spannungsbogen, erstaunlich feines Säurespiel, zeigt Schmelz und rollt über die Zunge – weiche Oberfläche, niemals laute oder vordergründige Frucht, dafür komplex und mit Tiefe, feine Süße und schöne Mineralität im Hintergrund. Wirklich schöner Wein.

17) 2013 Niersteiner Pettenthal Riesling GG, Keller – Rheinhessen

94 Punkte – Sehr feste und tiefe Nase, recht herbe, vegetabile Noten, Nase die einen wirklich beschäftigt. Am Gaumen ebenfalls sehr fest und kraftvoll mit viel innerer Spannung, sehr mineralisch, sehr schön. Ein Wein, der noch wenig rauslässt, aber einen bereits in seinen Bann zieht, nachhaltig, straffer, sehr langer Abgang.

18) 2013 Niersteiner Pettenthal Riesling GG, Kühling Gillot – Rheinhessen

94 Punkte – Kraftvolles und tiefes Bukett mit schöner Würzigkeit, Kräutern und gelbem Steinobst. Kraftvoll, saftig! Maul voll Wein, viel Frucht, super Balance, super Stoff, tiefgründig, gelbfruchtig, schon erstaunlich offen. Zeigt tolle Länge 94 – Spruch des Abends „Heaven Pettingthal“ © MK

Foto 2Charmante Kolleginnen und Kollegen bei der Arbeit.

2007 Chevalier-Montrachet, Domaine Etienne Sauzet – Burgund

15058337360_bdfee88733_b99 Punkte – Wahnsinnsteil! In 2007 hat Gérard Boudot ein Meisterwerk abgeliefert. Das Parfum des Weines ist überall – dicht, kraftvoll und enorm vielschichtig. Kein roter Teppich, sondern ein Aromenteppich kleidet den Weg zum ersten Schluck. Sahne, Citrusnoten, Birnen, etwas grüne Banane, exotische Früchte, Frühlingsblumen, Quitten, edles Holz (20% neues Holz in diesem Jahrgang) und eine Spur von Vanille und Wachs sind die Klangfarben in dem Gesang der Sirenen, dem man sich unmöglich entziehen kann. Voller Körper, mit einer atemberaubenden Intensität und schönen Rundungen, darunter liegt sehr viel Kraft und eine beneidenswerte innere Spannung. Dichte und aromatische Üppigkeit – ohne jedwede Schwere! Dieser Wein ist immer noch in seiner Sturm- und Drangphase und einmal aus der Flasche gelassen, zieht er Luft und legt los: Aromenschicht für Aromenschicht kleidet Mund und Rachen aus und bei der Beschäftigung mit dem Wein kann man Raum und Zeit verlieren – nur Du und der Wein! Großes, großes Weinkino. Auch wenn die 96 Punkte von David Schildknecht und John Gilman (jeweils aus 2009) nicht gerade bescheiden sind, fällt es mir schwer zu formulieren, was in diesem immer noch jugendlichen Wein besser sein könnte. 99 Punkte und ein irre langes Leben. Ich hoffe, die nächste Flasche nicht erst am Sterbebett zu genießen. „2007 Chevalier-Montrachet, Domaine Etienne Sauzet – Burgund“ weiterlesen

1997 Vigna del Sorbo Chianti Classico Riserva, Fontodi – Toskana

93 Punkte –  Das Hitzejahr 1997 hat in der Weinkritik eine Achterbahnfahrt erlebt wie kein Zweites – nach dem Jubel kam der Absturz. Zu warm, zu viel Alkohol, kein Lagerpotential waren die Schlüsse. Heute, 17 Jahre später, ist festzustellen, dass fast alle Recht behalten haben. Viele 97er Toskana-Weine haben die Blüte ihres Lebens bereits hinter sich, doch einige stehen gerade mitten in ihr. So auch die 97er Chianti Classico Riserva „Vigna del Sorbo“ aus dem Hause Fontodi.Da die Flasche erst heute aus der jahrelangen Querlage in die Horizontale befördert wurde, ist das Depot etwas in Unruhe. Aufgezogen und genossen! Rubinrote Farbe mittlerer Dichte. Die Nase zeigt eine reife, leicht eingekochte rote Frucht, Himbeeren, Preiselbeergelee und Sauerkirschmarmelade. Den aromatischen Rahmen bilden Sandelholznoten, feinstes Leder und schwarze Oliven. Am Gaumen ein herrlich konzentrierter Chianti. Frucht und Reife gehen spielerisch miteinander um und die Tannine sind wunderbar reif, rund und mürbe. Am Gaumen körperreich, aber nicht schwer, mit reichlich reifer Kirschfrucht, Kirschmarmelade, Schokolade, feinen Hölzern, etwas Rost und süßlicher Würzigkeit (Süßholzwurzel). Die Säure ist kräftig und bildet einen schönen Gegenpol zu dem reichlich vorhandenem Extrakt. Diese Cuvee aus 85% Sangiovese und 15% Cabernet Sauvignon ist auf Grund ihres Alters wunderbar ausdifferenziert und bereitet jetzt großes Vergnügen.