Chianti Classico aus Panzano

unioneviticoltoripanzanoGestern präsentierten die Mitglieder der „UNIONE VITICOLTORI DI PANZANO“ ihre Weine im Hamburger Hotel Louis C. Jacob. Eigentlich ist Panzano nur ein kleines Dorf mitten im Herzen des Chianti Classico. Aber nicht nur Erzeuger wie Fontodi, Castello dei Rampolla oder Fattoria La Massa – allesamt Erzeuger mit weltweitem Renommee – machen aus dem Ort eine Pilgerstätte für Liebhaber toskanischer Weine. Die »Unione Viticoltori di Panzano« – so der Name der Vereinigung, der 20 Betriebe in Panzano und Umgebung angehören – ist ein Phänomen, das weit über die Grenzen der Toskana hin strahlt. Seit über 15 Jahren treffen sich ihre Mitglieder regelmäßig und tauschen gesammelte Erfahrungen und Erkenntnisse aus, verkosten ihre Weine und die anderer Produzenten und versuchen aus Panzano das erste Bioweingebiet Italiens zu erschaffen. Heute  werden knapp 70 Prozent der Weingärten bereits biologisch oder biodynamisch bearbeitet.

Fast alle Chianti Classico Weine, also die Basisqualitäten der jeweiligen Betriebe waren bei der gestrigen Probe von hervorragender Güte. Herrlich duftig, verspielt in ihrer Frucht, mit viel Frische und hohem Trinkfluss machten sie trotz bzw. gerade wegen fehlenden Barrique- und Hyperextraktion-Exzessen viel Freude. Ideale Essensbegleiter oder auch gerne einfach mal so getrunken geht die Hand zum Glas. Ein Ausbund an Frische, mit viel Lebendigkeit und luftig, leichter, ja tänzelnder Frucht überzeugte mich z.B. der 2012 Chianti Classico von Castello die Rampolla auf ganzer Linie. Ähnlich schön auch der 2011 Chianti Classico von Il Molino di Grace – auch hier eine leichtfüßige, aber sehr saubere und klare Frucht mit viel Frische, Transparenz und Trinkfluss. Vom Weingut Vecchie Terre di Montefili kennt man am ehesten noch den reinen Cabernet Sauvignon „Bruno di Rocca“ als Supertuscan, doch mir hat der 2009 Anfiteatro als reiner Sangiovese noch etwas besser gefallen, da er hervorragend zeigt wie komplex, fein, nachhaltig und lang ein Sangiovese sein kann. Eine feste Bank seit Jahrzehnten die Wein von Fontodi (hier arbeitet man vollkommen biodynamisch) – der 2010 Flaccianello ist sicherlich ein Meisterwerk, dass schon in seiner heutigen Kindheit mit Ausgewogenheit und Eleganz glänzt. La Massas Weine sind internationaler im Ansatz, aber völlig beeindruckend bezüglich ihrer weichen Tannine und der seidigen Oberfläche  – so ist z.B. der 2011er Carla zwar ein reinsortiger Sangiovese, aber sicherlich nicht der typische Panzano-Vertreter; trotzdem oberlecker. Wer doch lieber Cabernet Sauvignon trinken möchte, darf etwas tiefer in die Tasche greifen, bekommt aber mit dem 2006er D’Alceo von Castello die Rampolla einen Spitzenwein, der mit viel Frucht, Kraft und Struktur seinen besten Zeiten noch entgegensieht.

Fazit der Verkostung für mich: ich habe meine Lust und Freude am Chianti Classico wiedergefunden – und da geht bei dieser Trinkigkeit auch mal eine Flasche zum Abendessen 🙂