2003 Moulin A Vent Vieilles Vignes, Domaine Diochon, Beaujolais

89 Punkte – Die Weine aus Moulin A Vent gelten als die tiefgründigsten und langlebigsten unter den 10 Crus des Beaujolais. 2003 war auch hier ein Hitzejahr, dennoch beeindruckt dieser Wein heute mit viel Frische und Substanz.

Transparentes und leuchtendes Rubinrot. Bei 16 Grad Celsius im Glas perfekt konditioniert. Delikate Fruchtnase nach roten Früchten (vorwiegend Erdbeeren und Kirschen), dazu eine Brise aus dem kühlen Lorbeerwald.

Am Gaumen eine kühler, sehr mineralischer Ansatz; dann kommt die Frucht! – Ein Potourrie von roten Früchten – Erdbeeren, Kirschen, Kirschkernen (kleines Bitterle) und reifen Waldhimbeeren. Auf Grund der guten Säure (trotz Hitzejahrgang 2003) frisch und animierend; hohe Transparenz und Klarheit – wirkt animierend, die Hand geht zum Glas.  Ich geniesse ihn ohne Essen! Gereifter Beaujolais ist (fast) die letzte, unentdeckte Bastion! Viel Wein für recht kleines Geld.

1998 Jadis, Lèon Barral, Faugéres

 Visionäres Winzergenie, sensibler Wingertmann und vinologischer Revoluzzer gleichermaßen, in seinem Unangepasstsein und Habitus eine Reinkarnation des jungen, stets eigene Wege suchenden James Dean – in diesem Spannungsfeld steht Didier Barral.“ schrieb einst der Weinhändler, der mich mit Barral-Weinen anfixte.

Keine Ahnung, ob James Dean jemals Wein getrunken hat, aber das Attribut „unangepasst“ passt für Didier Barral und seine Weine sehr gut. Er hat in seinem Wingert ein einzigartiges Ökosystem geschaffen – und Pferde, Esel, Kühe und Schweine sind seine engsten Verbündeten. Auf natürliche Art und Weise wird der Boden gelockert und gleichzeitig gedüngt; Biodiversität ist der Weg und das Ziel zugleich. Ähnlich „altmodisch“ bringt er seine Weine auf die Flasche, ohne Filtration und Schönung. Eine tolle Fotostrecke dazu findet sich unter http://www.domaineleonbarral.com/Thomas_Gendre/Diaporama.html# – die Sau mit der vom Wein gezeichneten Schnauze gefällt mir am besten!

Rubinrote Farbe mittlerer Dichte, schöner Glanz. Zu Beginn ein animalischer Duft, Kuhstall, dann dunkle Fruchtnoten, Kirschkerne, ein Hauch von Schokolade und Leder; eigenständig und individuell, erinnert  an Ch. Rayas. Am Gaumen ein vergleichbares Bild, Kirschkerne, dunkle Frucht, dunkles Fleisch; trotz seiner 14% Alkohol kein Schwergewicht, gut auf den Beinen, feinkörnige Tannine, schönes Spiel und Länge. – 90 Punkte

1998 Valiniere, Domaine Léon Barral, Faugères

 

Mourvedre! Frisch im Glas wiederum mit animalischen Noten, dann fächert der Wein auf wie ein Pfauenrad. Lakritze, rote Früchte, Cassis, welke Blüten, Malven, Hagebutten, Sauerkirschen – dazu eine feine Würzaromatik. Am Gaumen löst er seine Versprechungen komplett ein, herrlich gereift, aber mit innerer Spannung und Kraft. Schönes Spiel zwischen würziger Süße und Frucht, dabei sehr ausgewogen und mit sehr guter Länge. – 94 Punkte

2011 Kanzel, Henrik Möbitz – Baden

91 Punkte – früher hätte man wohl gesagt, Henrik Möbitz ist Nebenerwerbswinzer, aber „brrr“, dieses Wort klingt so provinziell, angestaubt, eher unprofessionell und nach „ich habe noch nie über meinen Tellerand hinausgeschaut“ – da ist Garagenwinzer zwar schon besser, aber es trifft die Sache auch nicht, denn Henrik Möbitz sitzt weder in Bordeaux, noch verkauft er seine Weine zu unerschwinglichen Preisen. Stattdessen ist Henrik Möbitz promovierter Chemiker und ganz nebenbei ein „Wein-Vollblut“, der modern interpretierte Traditionsweine in Kleinstserie produziert und deren Flaschenzahl stets auf dem Etikett angegeben ist. Die heute Abend vor mir stehende Flache Weißburgunder „Kanzel“ trägt die Zahl 196 – von 300 Stück Gesamtauflage. Vom Pinot Noir aus gleicher Lage gibt es in 2011 immerhin schon 800 Flaschen. Trotzdem kann man die Zahl der Händler, die seine Weine vertreiben, an einer Hand abzählen (u.a. in Hamburg bei Rebsaal am Eppendorfer Baum 44 und bei Kösslers Weinhalle in Nürnberg). Im Glas glänzt ein schöne – wenn auch nicht vollkommen klare – strohgelbe Farbe(wahrscheinlich unfiltriert abgefüllt). Tiefe, vielschichtige und fruchtbetonte Nase mit schöner Exotik: grüne Banane, frische Birnenfrucht, Wacholderbeeren, Limette, ätherische Noten. Am Gaumen klar, frisch und fokussiert, gleichzeitig saftig und vielschichtig. Sehr animierende Art, mit frischer Säure. Am Gaumen folgt die Aromatik den Eindrücken der Nase: gelbe, exotische Früchte, junge Birnen, Wacholderbeeren, grüne Banane, etwas Lakritz! – Assoziationen mit Monkey 47 – diesem unglaublich guten Gin – werden wach; der seine Heimat ebenfalls in der Region,im nahegelegenen Schwarzwald, hat. Aktuell wunderbar zu trinken, mit herrlicher Präsenz und schöner Länge.