2007 AN, Anima Negra – Mallorca

91 Punkte – Wieder so ein Urlaubsmitbringsel, das zwar Erinnerungen an die schönsten Tage des Jahres weckt, aber daheim – in den eigenen 4 Wänden – die Frage aufwirft: wieso, weshalb, warum habe ich das gekauft? Wer kennt diese Erfahrung nicht, aber bei diesem Wein ist es genau umgedreht! Meine erste Flasche davon habe ich in Köln gekauft und sobald ich den Wein schnupper und trinke, bekomme ich ein seltsames Fernweh nach der Insel, nach der Heimat dieses Weins. Am liebsten würde ich umgehend meine Koffer zu packen, den nächsten Flieger in die Sonne  nehmen und die Menschen treffen, die dafür sorgen, dass aus den alten, autochthonen Reben ein so wunderbarer Tropfen gekeltert wird.

Der Weinkeller Àn Negra befindet sich in der Nähe von Felanitx, im Südosten der Insel. Das Kellereigebäude stammt aus dem 13. Jahrhundert und seit dieser Zeit dient es der Herstellung von Wein. Der lokale Weinbau prägt bis heute die Landschaft (Reben im „gemischten Satz“ mit Obstbäumen). Aber erst die Reblausplage auf dem europäischen Festland im 19. Jahrhundert  brachte den Weinbau auf Mallorca richtig in Schwung. Das in den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts entstandene Kellereigebäude ist ein Zeitzeichen der Blüte. Aber einer Blüte folgt in aller Regel auch eine welke Phase und umso schöner ist es, dass man heute wieder an alte Zeiten anknüpft und sich der Tugenden der Väter und vor allem der ureigensten Reben (Manto negre, Fogoneu, Prensal und Callet) der Insel besinnt.

Das 1994 von zwei „alten“ Freunden gegründete Weingut Àn Negra  nutzte zunächst die alte Kellerei „Possessio“ Son Burguera, heute verfügt man jedoch über modernste Kellertechnik. Die beiden Jungs kannten sich bereits aus der Schule, doch während Pere Ignasi sich um die Kühe und die Molkerei seiner Familie kümmerte, zog es den 4 Jahre älteren Miquel Angel nach Madrid zum Studium. Nach seiner Rückkehr verwirklichten beide einen lange gehegten, gemeinsamen Traum und kelterten in einem Milchtank ihren ersten Wein aus Trauben alter Callet-Reben.

Der AN besteht überwiegend aus über 90% Callet, mit einer kleinen Beimischung von Manto negre und Fogoneu. Die alten Callet-Reben (40-60 Jahre) stehen auf kalkhaltien Felsen, deren obere, mineralhaltige Schicht einen hohen Anteil an Eisenoxiden aufweist. Durch und durch zieht sich diese Mineralik auch im Wein, der so gar nichts mit den üblichen spanischen Festland-Tempranillos gemein hat. Der AN ist geprägt durch die kalkige Mineralik, ein tolles Spiel der würzigen Frucht (Kirschen, Wacholderbeeren, Feigen, etwas Cassis und Lorbeer) mit einer schönen Säure und gut strukturierten Tanninen. Der Wein hat eine innere Spannung, einer recht vollen Körper, ist klar und frisch und erzeugt Druck; dabei durchaus leichtfüssig und elegant. Besonders gut gefällt mir die schöne, säurefruchtige Länge, die mit einem Touch Bitterschokolade abschließt. ANimierender Trunk. Hand geht permanent zum Glas.

2009 Pinot Noir Muschelkalk, Enderle & Moll – Baden

(Die Herren Enderle & Moll mit Korbpresse, Photoquelle:www.der-weinmakler.de)

89 Punkte – Eigentlich ist das Folgende die Beschreibung eines Phantoms, denn ausser ab Weingut, und 2,3 Händlern (u.a. www.weinmakler.de und Extraprima in Mannheim) kenne ich keine Quelle, bei der man eine Chance hat,  eine der ca. 450 Flaschen dieses Weines zu beziehen. Umso mehr haben mich die Elogen in einschlägigen Medien wie Weinwisser, Captain Kork oder gar dem Wall Street Journal, neugierig gemacht.

Von der Neugier getrieben, habe ich mir  die sehr textliche Internetseite http://www.enderle-moll.de angeschaut und die bisher erschienenen Artikel über die beiden Herren Enderle & Moll aufmerksam gelesen. Man  bekommt sehr schnell einen Eindruck dieser beiden „Weinverrückten“ –  und das ist durchaus positiv zu verstehen! Kein „Weinmachen“ oder das Streben und Trimmen des Weins (weder im  Wingert und schon gar nicht im Weinkeller) nach einem bestimmten Geschmacksprofil stehen im Vordergrund, nein! –  hier pflegt man das „Weinwerden“. Gesunde, natürliche Weinberge und das Nullstreben bei der Kellertechnik sind der Ausgangspunkt der Weine von  Sven Enderle und Florian Moll. Seit 2007 bringen die beiden ihre Idee von Wein auf die Flasche.

Der Wein vor mir im Glas ist einer von zwei Weinen, die die Qualiättsspitze des Weingutes darstellen. Der 45ar große Wingert des PN Muchelkalk befindert sich etwas südlich von Münchweier und die Reben wurden Anfang der 50-iger gesetzt und gehören heute zu den Ältesten, noch erhaltenen Rebstücken des Landkreises gehört.  Namensgebed für den Wein ist der Untergrund an dieser Stelle – Muschelkalk eben. Auf dem Rückenetikett ist zu lesen „Der Most bzw. der Wein wurde weder geschönt, noch gefiltert oder gepumpt und lagerte anschließend für 15 Monate in gebrauchten Barriques.“

Die Nase ist deutlich dominiert von einem frischen, sehr klaren Cassisbouquet, erinnert mich bei jedem Schluck an die dunklen Campino-Bonbons aus meiner Kindheit – gibt es heute auch noch! Die Nase ist aktuell deutlich durch die Cassifrucht dominiert, dahinter stehen rote Beeren, Erdbeeren, Kirschen sowie dezent erdige Aromen. Am Gaumen herrlich leichtes Mundgefühl, schwebend fast, mit frischer Säure und feinen Tanninen. Wieder sehr ausfrucksvolle und etwas einseitige Frucht nach Cassis. Hinzu gesellt sich eine Schattenmorelle und ein feines, sehr gut eingebundenes Holz. Insgesamt ein sehr nerviger Stoff, mit einer schönen, kalksteinigen Mineralität, straff gewirkt und sehr klar. Etwas mehr Gewicht und eine nicht ganz so einseitige Fruchtaromatik würden ihn noch besser aussehen lassen.