1928 Cahteau Pavie – Saint


95 Punkte
– „Moderner“ alter Wein??  – „Moderne Ausbaumethoden“, wie absurd eine solche Feststellung sein kann, durfte ich an diesem Altwein-Abend erfahren. Der Wein war in etwa so alt wie der Altersdurchschnitt seiner Verkoster – multipliziert mit dem Faktor 2! Die Mehrheit am Tisch hielt ihn für einen sehr gut gereiften (vielleicht 20, maximal 30 Jahre alten) Überseewein aus Kalifornien – da waren noch Noten von Mokka, Reste einer süßen roten Frucht; abgeschliffene, reife, aber irgendwie auch runde, mürbe Tannine. Im Antrunk etwas spröde, aber dann mit weichem Kern; zarte Beerenfruchtanklänge und eine feminine, süßliche Würze – oder anders formuliert: feine, dunkle Bratensoße mit zarter Restfrucht von darin eingekochten Beeren. Immer noch unglaublich lebendig und aromatisch, ja sogar „noch im Saft stehend“ – da macht der „Mit-Achtziger“ doch glatt noch das Sportabzeichen in Gold mit drei Lorbeer-Kränzen. Der sehr, sehr  gute Bordeaux-Jahrgang 1928 (und die somit perfekt ausgereiften Trauben) haben das Grundgerüst gelegt, aber das Terroir von Pavie ist einzigartig und spielt für den Charakter dieses Weines eine so gewichtige Rolle, das es selbst bei einem 80-jährigen Wein als stilbildend bezeichent werden kann. Der Wein zeigt mit seiner schönen, reifen Säure eine gute Balance und spätestens nach dem zweiten Schluck auch Eleganz. Sehr gute Länge. Fazit: Chateau Pavie ist schon immer als „Modernist“ daher gekommen 😉 – nicht erst seit Parker ihn geadelt hat.

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