2010 Les Terrasses, Alvaro Palacios – Priorat

89 Punkte – Dunkles, kräftiges Kirschrot mit violetten Reflexen. In der Nase ein Korb von Pflaumen, Blaubeeren,  Kirschen und Graphit; dazu ein Touch Kakao aus dem Holz. Am Gaumen kräftige Tannine, eine schöne Frucht nach dunklen Beeren, Cassis, Schwarzkirschen und kühler Mineralik. Auch hier ein Touch ganz dunkle Schokolade (staubige 80% Kakao und mehr). Im Abgang kommen auch ein paar herbe Kräuter durch, kompakter, maskuliner Stoff, mit schönem Saft; voller Körper und gute Länge. Die Cuvee besteht gemäß der Angabe von Neil Martin aus 40% Garnacha, 45% Samso (das ist der lokale Kon von Carignan), sowie 10% Cabernet Sauvignon und 5% Syrah. Die meisten Rebstöcke sind alt, zwischen 60 und 90 Jahren. Der Ausbau erfolgte zu 20% in neuen Barriques, der Rest stammt aus einer Zweit- und Drittbelegung. Wie alle Rotweine nicht zu warm trinken und etwas Luft geben. Sicherlich mit schöner Zukunft. Für 23 Euro im Flughafen Frankfurt gekauft, eine solide und leckere Geschichte.  Die Hand geht zum Glas, nicht zuletzt   auf Grund der schönen, gut balancierten Säure.

1995 Insignia Proprietary Red, Joseph Phelps – Napa Valley

95 Punkte – Im Jahr 1973 hat Joe Phelps eine Rinderfarm am Rande von St. Helena erworben und begonnen Weinreben zu pflanzen und das Weingut aufzubauen. Schon im Jahr 1974 gab es den ersten Insignia, einen Bordeaux Blend auf Cabernet Basis (im 1995 er Jahrgang 90% CS, 7% Merlot und 3% Petit Verdot). Lange Zeit bestand der Insignia aus Traubenmaterial von Vertragswinzern und den eigenen Weinbergen. Seit 2004 verwendet man nur noch guteigene Trauben. Als Grand Cru des Hauses finden nur jeweils die besten Tauben Eingang in die Cuvee. Die Lagen sind: Spring Valley Ranch Vineyard in St. Helena, Banca Dorada Vineyard auf der Rutherford Bench, Las Rocas und Barboza Vineyards im Stags Leap District, Yountville Vineyard im Oak Knoll District and Suscol Vineyard imSouth Napa Valley.

Eigentlich steht der 95er Jahrgang im Napa ein wenig im Schatten des Vorgängerjahrgangs, aber dieser Insignia dürfte aus 1994 kaum besser sein, denn er besitzt viel Struktur und ist für sein Alter in einer hervorragenden Verfassung. Die Frucht ist klar und ausdrucksvoll, erinnert zu Beginn an rot-schwarze Beeren, Cranberries, dazu kommt ein edles Holz, das sich perfekt integriert hat und mit einem ganz dezenten Vanille-Touch einen wunderbaren Beitrag zur delikaten Extraktsüße liefert. Am Gaumen feinsaftig, elegant und mit einer delikaten Süße und Würze ausgestattet. Die Tannine sind weich, aber präsent und die darunter liegende Struktur trägt die Frucht wie auf einem Schild; schönes Echo im Mund, tolle Länge.

1994 Cabernet Sauvignon Alexander Valley, Silver Oak – Napa Valley

92 Punkte – geschmeidiger Stoff aus der Magnum. Rund, weich, ausdrucksvolle Frucht, hedonistisch und trinkig, herrlich „wegzuschlabbern“. Da ist alles am richtigen Fleck, wunderbar gereift, schöne Balance, mürbe Tannine, sämig, dunkle Beeren, Brombeeren, ein wenig Schoki. Die ganz große Tiefe fehlt ihm, aber das „Zeug“ zum geschmorten Kalb – herrlich!!!!!

1928 Cahteau Pavie – Saint


95 Punkte
– „Moderner“ alter Wein??  – „Moderne Ausbaumethoden“, wie absurd eine solche Feststellung sein kann, durfte ich an diesem Altwein-Abend erfahren. Der Wein war in etwa so alt wie der Altersdurchschnitt seiner Verkoster – multipliziert mit dem Faktor 2! Die Mehrheit am Tisch hielt ihn für einen sehr gut gereiften (vielleicht 20, maximal 30 Jahre alten) Überseewein aus Kalifornien – da waren noch Noten von Mokka, Reste einer süßen roten Frucht; abgeschliffene, reife, aber irgendwie auch runde, mürbe Tannine. Im Antrunk etwas spröde, aber dann mit weichem Kern; zarte Beerenfruchtanklänge und eine feminine, süßliche Würze – oder anders formuliert: feine, dunkle Bratensoße mit zarter Restfrucht von darin eingekochten Beeren. Immer noch unglaublich lebendig und aromatisch, ja sogar „noch im Saft stehend“ – da macht der „Mit-Achtziger“ doch glatt noch das Sportabzeichen in Gold mit drei Lorbeer-Kränzen. Der sehr, sehr  gute Bordeaux-Jahrgang 1928 (und die somit perfekt ausgereiften Trauben) haben das Grundgerüst gelegt, aber das Terroir von Pavie ist einzigartig und spielt für den Charakter dieses Weines eine so gewichtige Rolle, das es selbst bei einem 80-jährigen Wein als stilbildend bezeichent werden kann. Der Wein zeigt mit seiner schönen, reifen Säure eine gute Balance und spätestens nach dem zweiten Schluck auch Eleganz. Sehr gute Länge. Fazit: Chateau Pavie ist schon immer als „Modernist“ daher gekommen 😉 – nicht erst seit Parker ihn geadelt hat.