Grosse Syrahprobe

Syrah –  Harys – eine Weltreise hin – und rückwärts

Auch wenn es nicht das originäre Ziel war, sechs Wochen die Weingüter in Australien abzufahren, kam ich an Namen wie z.B. Torbreck, Henschke oder Clarendon Hills nicht vorbei. Letztlich habe ich mehr Weingüter besucht und viel mehr Weine verkostet, als ich es ursprünlich geplant hatte. Im Ergebnis haben mich jedoch nur die Shiraz-Weine nachhaltig überzeugt. Doch selbst bei dieser Rebsorte gab es nur wenige, die meinen Geist und meine Seele wirklich berührt haben. Auf der Suche nach dem Grund, warum es so schwer war, dass der Funke beim Verkosten überspringt, ist mir immer wieder die völlig unterschiedliche Ausrichtung des australischen Weinbaus aufgefallen. Man hat einerseits den Anspruch technisch sehr perfekte und hochwertige Weine zu erzeugen, andererseits will man dies auch in hohen Mengen und nach agrartechnisch optimierten Grundsätzen vollziehen. Die amerikanischen und asiatischen Märkte nehmen gigantische Mengen ab und tiefe, saftig-fruchtbetonte, intellektuell leicht verständliche Weine stehen dabei im Vordergrund.  Nur wenige Erzeuger gehen ihren eigenen, teilweise etwas „schrulligen“ Weg und machen eigenständige Weine und gehen ein wirtschaftliches Risiko ein. Diese Winzer stehen für mich – mit ihren höchstpersönlichen Philosophien und Weltanschauungen auf der gleichen Stufe mit Namen wie z.B. Guigal oder Chave aus Frankreich, dem Mutterland des Syrah. Die Mehrheit der australischen Weinbaubetriebe beschäftigt jedoch perfekt ausgebildete, studierte Önologen, die das gelernte know how alle ähnlich umsetzen.  Die wirklich großen Weine, die ich kennenlernen durfte sind meist das Ergebnis von Qualitätsfanatikern, besonderen Winzern eben, die „Ihren“ Weg gesucht und gefunden haben. Diese Weine verdienen auch in Australien ein ganz hohes Maß an Aufmerksamkeit und Auseinandersetzung. Diese Weine brauchen weltweit keine Konkurrenz zu scheuen. Das dies so ist, war der Ansporn für eine Probe, die ich nach meiner Urlaubsrückkehr in meinem Weinkeller zusammengestellt habe.

In diesem Zusammenhang erinnerte ich mich an eine, einige Jahre zurück liegende Syrah-Weinprobe auf dem Pretzhof in Südtirol – 6 Jahrgänge der großen „La La’s“ aus dem Hause Guigal. Hmmm, Frankreich und Australien heute im Wettstreit miteinander – ein Grundidee für eine besondere Weinprobe auf höchstem Niveau war geboren. Syrah sollte es sein, aber wird nicht auch in Amerika inzwischen großer Syrah erzeugt? Kaum gedacht, schon beschlossen, und ein dritter Kontinent war im Spiel. Hier hielt sich jedoch nicht nur meine Trinkerfahrung in engen Grenzen, sondern auch die Anzahl der Flaschen in meinem Keller erwies sich als mikroskopisch gering. Letztlich habe ich doch 2 Pretiosen gefunden und die Probe nahm Züge an.

Besonders gefreut hat es mich, dass 4 Frankfurter Weinfreunde den Weg extra nach Hamburg gefunden haben und so saßen 8 verkostungserfahrene Weinnasen an einem sehr schönen Tisch im Restaurant Maison de Niewöhner in Hamburg Winterhude. Das Maison de Niewöhner ist seit 2012 eine echte Bereicherung der Hamburger Gastronomieszene, Deutsch-Französisch sind die Gastgeber – in Küche und Service. Hochwertig und gekonnt das Essen; liebenswert, unprätentiös und mit französischem Charme der Service. Ich fühlte mich schnell ins französische Landleben versetzt, dies gilt auch für die angemessen kalkulierten Preise. Für unsere (durchaus ambitionierte) Weinprobe war man bestens vorbereitet – Ausstattung und Service einfach perfekt!

 

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