Down Under Cellar doors – ich bin da mal hin…Tag 1

Nein, nein, keine Weinreise, aber in 7(!) Wochen Australien kommt man bzw. ich nicht daran vorbei, das außerordentlich freundliche und großzügige Angebot vieler Kellereien anzunehmen, einfach vorbeizuschauen, um die aktuellen Weine zu verkosten und gegebenenfalls auch zu kaufen – „open cellar door“ nennt sich das ganze und ist ein Teil des australischen Weinbusiness. Die für mich eher unverständliche Seite ist jedoch, dass der Begriff „open cellar door“ eher eine Irrleitung ist, denn in die wenigsten Keller kommt man wirklich rein. Hier gibt man sich eher zugeknöpft und ich frage mich:  warum eigentlich …? Doch der Reihe nach…..

Kaum gelandet (und nach über 30 Stunden Flug- und Aufenthaltszeit an den Flughäfen in London und Hongkong auch ziemlich zerrupft und k.o.) will ich nicht gleich ins Bett, um so dem jet lag ein Schnippchen zu schlagen. Ich beschließe den Tag (es ist 8.00 Uhr morgens) noch „dranzuhängen“ und etwas zu unternehmen, um gegen meine Müdigkeit anzukämpfen. Also rein in den Mietwagen, Koffer im Hotel abgestellt, noch kurz frisch gemacht und los geht’s: Das Barossa Valley ist die in Deutschland bekannteste Weinregion, wenn es um australische Rote geht – und nur 50 km nördlich von Adelaide. Als die zarten Hügel näher kommen und ich anschließend durchs Valley fahre, bin ich erstaunt, wie eng alles beieinander liegt. So klingende Namen wie z.B. Greenock Creek, Torbreck oder das Barossa Valley Estate findet man alle in einer Strasse, der Seppeltsfield Road.

Barossa Valley Estate; da ich – in kleiner Runde – im letzten Jahr eine schöne Vertikalprobe des E&E Black Pepper Shiraz gemacht habe und gerade die älteren Jahrgänge mich voll überzeugt haben, wähle ich die Kooperative des Barossa Valley Estate als Startpunkt meiner australischen Weinentdeckungsreise.

Los geht’s mit einem jahrgangslosen N.V. Sparkling Shiraz für $20 die Flasche (bitte bei allen Preisen beachten, dass in Australien auf jeder Flasche Wein 39% (ja, ja richtig gelesen, 39%) Steuern lasten. Doch dieser Stoff überzeugt mich auch gekühlt nicht, das ist ein sauberer, fruchtiger, recht süßer sparkling wine, der etwas plump und schlecht geschminkt daher kommt. – 79 Punkte.

Nicht viel besser ist der 2010 E Bass Eden Valley Riesling ($18). Dieser Riesling kommt aus dem Eden Valley, dass bei den meisten als Teil des Barossa geführt wird, aber eigentlich eine eigene Weinbauregion ist, denn hier liegen die Weinberge auf einer Höhe von 400-700 Metern und unterscheiden sich klimatisch doch recht deutlich von dem wärmeren Kleinklima des übrigen Barossa Valley. Das sogenannte cool climate des Eden Valley zeigt sich insbesondere in der starken Tag-/Nacht Abkühlung mit Temperaturschwankungen von bis zu 20 Grad Celsius. Ein in der Nase eher verhaltener Riesling, der am Gaumen eine gewisse Sortentypizität zeigt, eine ordentliche Säure mitbringt, sauber gemacht ist, aber mehr auch nicht. – 82 Punkte.

Völlig überrascht bin ich von einem kühl servierten 2009 Entourage Grenache ($24), der nur an der Kellertür verkauft wird, ein eher leichter bis mittelgewichtiger, frischer Grenache, mit einer schönen Frucht, einer aromatischen Sortentypizität und reichlich Trinkspaß. Pur, frisch und gut. Gute-Laune-Grenache für den lauen Sommerabend. – 83 Punkte.

Den internationalen Lecker-Schmecker-Bauernfänger-Markt im Visier hat der 2007 E Bass Shiraz Tempranillo ($20); ein mit amerikanischem Holz und entsprechenden Vanillenoten getrimmter Fast-Spanier – weich, saftig, rund und schmackhaft. Verkauft sich sicherlich gut, ein erfolgreicher Mitläufer, leider jedoch ohne eigene Persönlichkeit. – 83 Punkte.

Der mittleren Preislinie entstammt der 2007 Ebenezer Shiraz ($35) – ein ordentlich strukturierter Shiraz, mit einer guten, frischen Säure. Vom Körper eher noch mittelgewichtig. Die Fruchtaromen wirken auf mich leider ein wenig gekocht, dafür sind die Tannine schön mürbe und gut eingebaut. Insgesamt nicht zu schwer. – 86 Punkte

Aus der gleichen Linie und dem selben Jahr stammt der 2007 Ebenezer Cabernet Sauvignon ($35). Ein jetzt trinkfertiger Cabernet, mit schönen, polierten Tanninen, einer angenehmen Frische und Aromen von schwarzen Johannisbeeren, Lakritze und einer gut erkennbaren Mint-Note. Ein wenig mehr aromatische Tiefe und Komplexität und schon würde dieser eher kühle, schön zu trinkende Cabernet an die 90er-Marke anklopfen. – 87 Punkte.

Eine beachtliche Schippe obendrauf legte der 2006 E&E Black Pepper Shiraz ($90) – ein feinwürziger Shiraz, mit einem Touch weißen Pfeffer. Am Gaumen vielschichtig und mit aromatischer Tiefe; die Tannine geben dem Wein Struktur, sind aber weich und – gemeinsam mit der schönen, saftigen Frucht von dunklen Beeren ergibt sich ein stimmiges Bild. Trotz seiner 15% Alc. wirkt der Wein gut balanciert und entwickelt eine gewisse Eleganz – 92 Punkte

Zum Abschluss gab es noch einen 2005 E&E Black Pepper Sparkling Shiraz ($50) – dieser nach der Champagner-Methode bereite sparkling wine entstammt einer kleinen Partie des E&E Black Pepper Shiraz, die jedes Jahr „zur Seite gelegt“ wird. Überraschend trockener, recht reicher, aber auch frischer und eleganter sparkling Wein, der mir gut gefällt, da er eine ausdrucksvolle Fruchtigkeit mit einer gewissen Noblesse und Feinheit zu verbinden weiß, die ich einem Shiraz basierenden Sparkling nicht zugetraut hätte. – 88 Punkte.