2005 Spätburgunder Devonschiefer, Weingut Kreuzberg – Ahr

87 Punkte – Ich bin während meiner Düsseldorfer Zeit immer wieder gerne zu den Kreuzbergs an die Ahr gefahren. Ein herrlich unkompliziertes Weingut im Umgang mit seinen Gästen (Burschenschank) und Weinkäufern. Vom Devonschiefer ist es leider die letzte Flasche, aber:

Auch in 2012 noch herrlich zu trinken, ich würde sagen, dass er erst jetzt in seine Genussphase kommt. In der Nase rauchig, ein Touch von Speck, recht würziger Duft. Das große Bordeauxglas von Zalto füllt er schön aus. Am Gaumen kühl und mineralisch, dazu gesellt sich eine schöne Frucht,die an Kirschen, Hagebutten und andere rote Früchte erinnert. Der rauchig, speckige Touch aus dem Holz steht leider etwas vor, vielleicht hätte ein etwas geringeres Toasting des Fasses dem Wein nicht geschadet. Ordentliche Länge.

Für mich der richtige Wein zu später Stunde, nicht so mächtig, aber gut strukturiert und mit Druck. So läßt sich an Teil 2 & 3 der großen big five – Verkostung gut arbeiten. Die Gedanken sind zwar bei Chateau Latour und Margaux, aber die Zunge freut sich enorm über diesen schönen dt. Spätburgunder.

2003 Château Leoville Barton – St.Julien


96 Punkte – Lange Jahre war Anthony Barton, Eigentümer des Weinguts Leoville Barton, für mich so etwas wie die Garantie, dass klassische Werte im neuen Zeitalter des Bordeaux-Monopoly nicht untergehen. Beim Stil seiner Weine wird das jedes Jahr aufs Neue deutlich, bei den Preisen ist er wohl spätestens mit dem Jahrgang 2010 – zumindest partiell – den Verlockungen des Marktes erlegen. Der 2003er ist für mich noch so etwas wie der Preis-Leistungs-Sieger in seinem Jahrgang.

Der 2003er Léoville Barton verbindet Saft, Kraft mit aromatischer Tiefe und Eleganz nahezu vorbildlich. Die Nase ist aromatisch dicht, vielschichtig, dunkelbeerige Aromen, Kohle, Waldboden, Cassiscreme, dazu Anklänge an Leder und feinen Tabak. Am Gaumen bestens strukturiert: viel vollreifes und edles Tannin, druckvoll und sehr tief. Die Aromatik kann man als eher dunkel und maskulin umschreiben, wobei die feinsaftige Frucht viel Druck entfaltet und der ausgesprochen gelungene Holzeinsatz einen tollen Rahmen um dieses schöne Kunstwerk bildet. Der Wein ist jetzt in einem ersten Trinkfenster, wobei er sicherlich an Differenziertheit und Eleganz noch eine Spur zulegen kann. Mein Tipp auch hier: eine Flasche jetzt verkosten und dann selbst entscheiden, ob man liegen lässt oder den jugendlichen Verlockungen erliegt.

2003 Château Leoville Las Cases – St. Julien

90 Punkte – Leoville Las Cases gehört nicht nur für mich zu den Klassikern im Bordeaux. Entsprechend sind auch die Preise. Diese 2003er Ausgabe ist jedoch eher ein Neue Welt Wein  als ein klassischer 2ème Grand Cru. Die Cuvee, bestehend aus ca. 70% Cabernet Sauvignon, 17% Merlot und 13% Cabernet Franc ist ein erstaunliches Ergebnis in vielerlei Hinsicht. Trotz des Hitzejahrgangs hat der Wein (vgl. Robert Parker) mit 13,2% Alkohol weniger Umdrehungen als der Jahrgang 2002, der bekanntlich einen eher durchschnittlichen Witterungsverlauf aufwies. In der Nase dominieren Aromen von dunklen Beeren und Pflaumen, kombiniert mit einer leicht laktischen Note, man könnte auch von Waldbeeren in Joghurt sprechen. Am Gaumen recht saftig, deutliche Extraktsüße;  runde und eher weiche Tannine; sehr dicht; kräftiger Körper mit weicher Oberfläche. Trotz aller Süße und Saftigkeit kann man nicht von einem fetten oder gar überextrahierten Wein sprechen. Der Wein wirkt auf mich irgendwie geschminkt, aber es ist keine dralle Lady, die zu viel Speck auf den Rippen hat, und trotzdem empfinde ich einen Mangel an Struktur und Definition. Der 2003er Leoville Las Cases wird trotzdem seine Liebhaber finden, denn er ist einfach zu verstehen und auf Grund seiner fruchtigen Süße, seiner hinreichend aufgelegten Schminke (und nicht jeder empfindet eine "falsch" gewählte Farbzusammenstellung so wie ich), ist er vielleicht sogar „mehrheitsfähig“. Ich weiß nicht, was hier im Keller gemacht wurde, aber dieser Wein ist für mich ein Produkt der Kellertechnik, ihm mangelt es an Ursprünglichkeit, Individualität und der femininen Eleganz, die ich bei großen Leoville Las Cases Weinen häufig empfinde. Ich bin gespannt, wie sich dieser Wein entwickeln wird, seinen ursprünglichen Subskriptionspreis von ca. € 145,- kann ich genauso wenig verstehen wie den Winespectator, der ihm 97 Punkte zuspricht. Selbst der Beschreibung von Parker (der ihn immerhin von 94-96 auf 93 Punkte abgewertet hat), kann ich nicht zustimmen, denn er ordnet ihn immer noch unter den besten Weinen des Jahrgangs ein.