1991 Rüdesheimer Schlossberg Riesling Charta, Georg Breuer – Rheingau

85-89 Punkte –  Dieses Wein-Sammelstück wird bis heute jedes Jahr mit einem anderen, besonderen  Künstleretikett auf den Markt gebracht. Das Etikett für den überaus schwierigen Weinjahrgang 1991 gestaltete Marrku Hakuri, der 1946 in Finnland geboren wurde. Das Bild auf dem Etikett trägt den schönen Titel „Der frohe Klang vom Wachsen der Trauben“

Doch alle Kunst hilft nicht, wenn der Inhalt im Glas nicht stimmt und selten war ich so indifferent bei der Punktevergabe wie bei diesem 91er Riesling. Einerseits ist dieser mit nur 10% Alkohol daher kommende Riesling kaum gealtert, er zeigt nur einen Hauch von Firne, dazu schöne Citrusnoten (von Pampelmusen und Pomelos), Eisenkraut und Pfirsichen. Insgesamt sehr klar und rein, der Wein wirkt für sein Alter sehr frisch. Die Frische entstammt jedoch einer Säure, die den Wein bis heute zusammen gehalten hat, die aber auch als „krass“ bezeichnet werden kann. Mal war mir die Säure einfach nur zuviel, in einem anderen Moment fand ich sie dann doch erträglich und den Wein ausdrucksvoll, frisch und durchaus elegant.

2001 Prestige des Hautes Garrigues, Domaine Santa Duc – Gigondas

94 Punkte – Das ist purer, maskuliner Stoff und damit ungeeignet für Schönwettertrinker, Parkscheinholer, Sauna-Untensitzer, ADAC-Goldkarteninhaber, Babybrei-Reste-Esser, Bei-Mutti-Wäsche-waschen-Lasser, Comicsocken-Träger, Duschgel-Vorwärmer, Elektrorasierer, Fettaugen-aus-der-Suppe-Löffler, Fußföner, Gesundheitsballhocker, Handschuh-Schneeballformer, Im-Bett-Sockenträger und andere Weicheier.

Diese Cuvee aus überwiegend Grenache und etwas Mouvedre stammt heute von über 80 Jahre alten Reben mit Kleinsterträgen – Das ist purer Stoff, ungemein kraftvoll, maskulin und zupackend. Noten von getrockenten Kräutern, Schwarzkischen, Creme de Cassis, Moschus und anderen "Herr-lichkeiten".

Ein Schluck und ich kann die Hand nicht mehr vom Glas nehmen, so saftig, kraftvoll, widerstandsvoll, zupackend, anregend, und mineralisch ist dieser Stoff. Schwarzkischen, ein Hauch Vanille, getrockente Kräuter der Provence – 15% Alkohol und trotzdem kein "Sattmacher", sondern ein Wein, der animiert und die Hand zum Glas gehen läßt. Die wunderbar gereiften Tannine geben Struktur, die Säure ist perfekt und  kombiniert mit der vielschichtigen Frucht entsteht ein großartiger Gigondas… ein Stoff aus dem Helden gemacht werden. Jetzt perfekt zu trinken, aber sicherlich die nächsten 5 Jahre ebenfalls großartig, hat das Zeug zum Langstreckenläufer.