2000 Cims de Porrera Classic, Cims de Porrera – Priorat

92 Punkte – Mit dem ersten Jahrgang 1996 erzeugte dieser Wein in Deutschland großes Aufsehen und seitdem taucht er mit beständiger Regelmäßigkeit in diversen Weinforen immer wieder auf. Da ich ein großer Freund von vertikalen Verkostungen (ein Wein über diverse Jahrgänge) bin, muss ich zugeben, dass ich den Tropfen "blind" über mehrere Jahre gekauft und eingelagert habe. Nach und nach öffne ich nun die Flaschen und versuche nachzuvollziehen, warum dieser Wein ein solche Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat.

Da über das "Projekt" Cims de Porrera genug geschrieben wurde, erspare ich mir hier Details und empfehle dem interessierten Leser den Wein zu googlen. Reduziert auf meine Verkostungseindrücke läßt sich zur 2000er Ausgabe folgendes sagen: Mit einer dichten, rubinroten Farbe und offensichtlich unfiltriert fliesst er ins Glas. Die Nase ist geprägt von eingekochten roten Früchten, primär Kirschkonfitüre. Frisch geöffnet ist er irgendwie schwierig (max. 89 Punkte), aber mit etwas Luft wird er deutlich klarer in der Aromatik, auch am Gaumen wird er nach 1-2 Stunden immer schöner (aber bitte nicht dekantieren). Zunächst erinnert mich das noch etwas diffuse Aroma stark an eingekochte Früchte und ich bin nicht sonderlich begeistert, doch mit zunehmender Luft gewinnt er deutlich an Kontur und nach 1-2 Stunden ist er geprägt von einer klaren, schönen Kirschfrucht, die mit ausgereiften Tanninen und einer sehr schönen Säure unterlegt, daher kommt. Der Wein ist dann schön saftig und entfaltet sein gesamtes Potential. "Schmatzig" habe ich mir notiert, der Speichelfluß im Mund nimmt deutlich zu und ich kaue immer länger auf diesem, inzwischen herrlichen Stoff. Der Abgang wird immer länger und alle 15 Minuten ziehe ich meine Punkte nach – waren da zu Beginn maximal 89 Punkte im Glas, so komme ich nach ca. 2 Stunden schon auf 92, auch die 93 sind nicht abwegig. Ich habe in der letzten Zeit selten einen Wein aus diesem Jahrtausend erlebt, der innerhalb von 2 Stunden so zugelegt hat. Einen letzten Schluck, einen "Zungenschnalzer" und 92 Punkte als mein Bekenntnis für die Trinkfreude, die er mir bereitet hat sowie einen letzten Rest in der Flasche für die morgige Nachverkostung und die Welt ist trotz Flugverbot und kurz bevorstehendem Urlaub in Paris (wie komme ich nur dahin?) in Ordnung.

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2006 Chablis Fourchaume Premier Cru, Domaine du Colombier – Burgund

91 Punkte – Vor ca. drei Jahren sind drei Freunde und ich für ein paar Tage in die Champagne gefahren, um uns kostengünstig mit Champagner von kleinen, ausgesuchten Erzeugern einzudecken. Da Neugier regelmäßig über Vernunft siegt, haben wir an einem Tag unserer Reise  einen Abstecher in das nahegelegene (??) Chablis gemacht – für mich das eigentliche highlight der Reise. Ich glaube, Nils war derjenige, der sagte, wir müssten bei der Domaine du Colombier vorbei, dort gäbe es sehr gute Weine. Gesagt, getan und so sind ein paar Flaschen dieses in Deutschland noch recht unbekannten Erzeugers (aber mit ca. 35 ha doch für die Region recht großn Erzeugers) in meinen Keller gewandert. Was für ein Glück, denn jetzt beginnt der 06er Fourchaume eine erste Trinkreife zu zeigen und offenbart, was in ihm steckt:

Sehr klare, strahlende, rechte helle Farbe mit grünlichen Reflexen. Im Bukett mit einer einladenden Blütenaromatik, etwas Kamille und Eindrücken von Netzmelonen (Galiamelonen); zwischendrin auch leicht wachsige Aromen. Am zweiten Tag deutlich mehr gelbe Frucht (Apfel und Melone). Auf der Zunge entfaltet sich eine wunderbare, intensive Frucht und Mineralik, die am zweiten Tag noch viel schöner ist als direkt nach dem Öffnen der Flasche. Herrlich saftig und eine große, aromatische Länge habe ich mir  auf meinem Zettel notiert und so komme ich direkt ein bisschen in Schwärmen, denn auch der cremige Schmelz und die leicht sahnige Art finden als Gegenspieler eine animierende Frische und eine perfekt eingebaute Säure. Die deutlich mineralischenie  (Kreide-) Noten, dazu Aromen von Melonen, Blüten und Citrusfrüchten – durchsetzt mit sahnigen Noten (nicht aus dem Barrique) – machen diesen Chablis aus sicherlich einer besten Premier Cru Lagen zu einem echten Erlebnis. In Anbetracht der explodierenden Preise im Weinmarkt ist dieser Stoff auch in Deutschland mit einem Preis von unter Euro 20 noch als Schnäppchen zu bezeichnen.

Wer die aktuellen Jahrgänge 2008 oder 2009 kauft, sollte ihnen zwei oder drei Jahre Ruhe im Keller gönnen.

1978 Musigny Vielles Vignes, Comte Georges de Vogüé – Burgund (Top of the Pops)

94 Punkte Immer noch sehr fest und mit ordentlichem Speck auf den Rippen präsentiert sich der Musigny Vielles Vignes vom Comte Georges de Vogüé, übrigens eines derjenigen Häuser, das Parzellen von Bernard Grivilet übernommen haben soll (wenn mich meine Erinnerung jetzt nicht täuscht). In der Aromatik seinem Vorgänger nicht unähnlich, aber noch deutlich fester und straffer. Auffallend schön, auch hier eine feine Süße, die diesen hervorragenden Burgunder ebenfalls auszeichnet. Die ausgeprägte Eleganz des Chambolle Musignys von Grivilet kann das „Flaggschiff“ des Comte Georges de Vogüé aktuell noch nicht (!!)ganz bieten, aber das Potential in ein paar Jahren mit dann gleichem Erfolg zu reüssieren ist vorhanden.