1978 Chambolle Musigny Les Amoureuses Tête de Cuvee, Bernard Grivilet – Burgund (Top of the Pops)

96 Punkte – Einmal mehr zeigte sich, dass die Weine von Bernard Grivilet lange Zeit das Maß der Dinge im Burgund waren. Zwar wird kolportiert, dass er bereits in den 70er Jahren den Kunden seines Handelshauses angeboten haben soll, sich den Jahrgang auf dem Etikett auszusuchen, doch letztlich verbinde ich bislang mit den Weinen seiner Domaine nur unfassbar schöne Trinkerlebnisse. Einen Wein von überirdischer Schönheit und eines meiner bislang größten Weinerlebnisse habe ich auch ihm zu verdanken (ein 1945er Chambolle-Musigny). Auch dieser Chambolle ist kein Ausreißer in der Reihe und der erste Eindruck in der Nase, geprägt von einer tiefen und sehr feinen Aromatik, lässt diese Unruhe in mir aufkommen, die ich immer verspüre, wenn ich das Glück habe, besonderen Weinen zu begegnen. Tee von roten Beeren, Feuerstein und eine feine, elegante Süße sind Eindrücke, die mich anfixen. Am Gaumen seidige Eleganz und ein hauchzarter Schmelz, dazu ein Eindruck auch gut zu einem Rhonewein (in Form von verbrannter Erde und heißen Steinen – und vielleicht ist ja auch etwas Rhone drin ;-)))  passen würde.

1967 Martha’s Vineyards, Heitz Cellars – Kalifornien (Top of the Pops)

97 Punkte – Unglaublich „LECKER“ habe ich mir bei diesem 67er Martha’s Vineyards notiert, aber das ist nicht dieses „lecker“, das man häufig aus lauter Verlegenheit benutzt, wenn einem nichts anderes einfällt und man seinen Gastgeber nicht brüskieren möchte. Dieses „LECKER“ steht für mich für die wahre Freude und den großen Genuss. Dies ist ein Stoff von klassischer Schönheit, der mich durch seine wunderbare aromatische Tiefe und Struktur sowie sein hohes Maß an Komplexität und Länge total begeistert hat. Mit Momentaufnahmen wie: feine Pfefferwürze, dezente Malzsüße oder elegante Minzaromatik kann man diesem Wein nicht gerecht werden, aber es sind kleine Hinweise auf die Schönheit der Reise, auf die man bei diesem Wein mitgenommen wird. Ich glaube zwar kaum, dass es nochmals einen Leser geben wird, der diese Eindrücke nachvollziehen kann, denn so rar sind alte Matha’s Vineyards, aber umso mehr möchte ich unserem Weinfreund danken, der diese Flasche angestellt hat!

1993 Chateau Valandraud – Bordeaux (Top of the Pops)

90 Punkte – Das Pendant in diesem fünftem 2er-Flight, der 1982er Grand-Puy-Lacoste hatte leider einen schleichenden Kork und war kein Vergnügen (daher ohne Bewertung). Umso erfreuter war ich als ich die Nase bei diesem Wein zum ersten Mal ins Glas hielt. Zwar hatte ich zu Beginn eine Assoziation mit Pferdemist (aber man kann es ja auch etwas freundlicher formulieren und von Pferdebox oder –stall reden), aber dann zeigte dieser immer noch sehr jung wirkende Wein sowohl in der Nase, was in ihm steckt: viel Röstaromen, Schokolade und grüner Tabak – insgesamt etwas uneben und vielleicht sogar ein Hauch bäuerlich, aber andererseits gefallen mir die Frucht und die Eindrücke von wilden schwarzen Beeren, Wachholder und Lorbeer, gepaart mit etwas grünem Paprika. Am Gaumen hält er leider nicht ganz das, was die Nase verspricht, denn die Frucht ist den etwas grün wirkenden Tanninen nicht mehr ganz gewachsen

1995 Cheval Blanc – Bordeaux (Top of the Pops)

91 Punkte – Vielleicht kam dieser Beau, dieser weichgespülte Jüngling nach diesem Kerl von Wein in der Bewertung etwas schlecht weg, denn irgendwie hätte ich lieber den 1982er Gruaud Larose weiter getrunken, als diesen Wein, der einem dieser bildschönen Hugo (Boss)-Bubi-Models auf dem Laufsteg in Paris gleicht, denen zwar auch die Mädels zu Füßen liegen, aber die sooo schön sind, dass man sie als Mann eigentlich nicht ernst nehmen kann – glatt und septisch eben.  Zu Beginn laktische Noten in der Nase, dann viel Kirsch durchzogen mit Eukalyptus. Einerseits sehr weich am Gaumen, mit sahnigem Schmelz und Noten von Heidelbeerkuchen mit Schmand, andererseits mit sehr lebendiger Säure, die etwas außen vor steht. Modern gemachter Wein, der jetzt schon getrunken werden kann, aber leider hinten heraus nicht ganz das halten kann, was die fruchtige Aromatik zu Beginn verspricht. Klingt vielleicht alles etwas negativ, aber 91 Punkte sind ja nicht schlecht – oder? Obwohl bei dem Preis?

1982 Chateau Gruaud Larose – Bordeaux (Top of the Pops)

97 Punkte – Rrrrh, what a man, die Damenwelt wäre wohl begeistert, denn dieser Stoff ist der Wein gewordene Sean Connery, eine Mischung aus Kerl und Gentleman, aus schottischer Derbheit und weltgewandtem Auftreten, einem von der Natur gegerbtem Gesicht mit spitzbübischem und verführerischem Lächeln. Für mich ist dieser Wein der Inbegriff eines klassischen Bordeaux; intensive Nase mit Noten von Speck und Rauch; einerseits urwüchsig, fast animalisch, andererseits mit viel Charme und Finesse. Am Gaumen immer noch unglaublich jung, mit viel Kraft, Druck und kernigem Körper – hat einen mächtigen Bums würde man wohl beim Rugby oder Fußball sagen. Dazu passen die ledrigen Noten genauso gut wie die schwarzen Beeren und die getrockneten Kräuter- und Lorbeernoten. Bei so einem Wein geht bei mir die Hand permanent zum Glas, aber es gibt auch Momente, da sitzt man fast meditativ in der Ecke und genießt die aromatische Länge jedes Schlucks.

1937 Chateau Climens – Barsac (Top of the Pops)

95 Punkte – Beim Climens hatten wir dann endgültig funkelnd süße Cola im Glas. Bereits beim ersten Schnuppern war klar, das ist eine kleine Aromenbombe, die aber zur Zündung noch viel Luft brauchte. Bedingt durch eine heftige Druckwelle werden die Aromen an den Gaumen gepresst. Sehr süßer und voluminöser Eindruck, aber trotz dieser power, die auch für einen so alten Süßwein absolut beeindruckend ist, hat mir der vorhergehende 21er Doisy Daene auf Grund seiner Differenziertheit und Eleganz einen Hauch besser gefallen.

 

1921 Chateau Doisy Daene – Barsac (Top of the Pops)

97 Punkte – Alte Süßweine sind ein Kapitel für sich, in ihrer Jugend kann ich selten etwas mit ihnen anfangen, selbst „midage-Ausgaben“ zeigen nicht häufig das, was diese „alte Dame“ an Komplexität, Eleganz und Genuss ausstrahlte. Der Anblick im Glas wird ungeübte Altweintrinker eher abschrecken, denn es sah so aus, wie das Mixgetränk, das man den Japaner immer andichtet: ein Mix aus Cola, Weißwein und Wasser. In der Nase der totale „Nasenbär“, denn diese Melange aus frisch geröstetem Malz und vielen, vielen getrockneten Kräutern erinnert mich einerseits an Kräuterlikör, andererseits an eine Mischung aus Kinderhustensaft und Colaflaschen von Haribo. Ja, ja ich weiß, das ist keine professionelle Weinbeschreibung, aber muss es auch nicht 😉 Am Gaumen nicht minder interessant – man gleitet nach jedem Schluck mit der Zunge über die Lippen, um noch mal die gewonnenen Sinneserlebnisse Revue passieren zu lassen. Zunächst ein furioser Auftakt mit viel Karamell, dunkler Edelschokolade und malzigen Kräuterbonbons. Dann wird der Eindruck etwas „leiser“, der Wein gewinnt weiter an Komplexität (mit feiner Rosenaromatik) und Eleganz, um sich in einem nicht enden wollenden Abgang nur ganz, ganz langsam zu verlieren.

1947 + 1943 Gröver Engelberg Riesling naturrein, Drei Giebelhaus Kellerei – Mosel (Top of the Pops)

90 Punkte ?? – Auch der 2. Weißweinflight  war ein Knaller, denn als Roman Niewodniczanski von Van Volxem uns fragte, was wir von den beiden vor uns liegenden Weinen halten würden und was wir glaubten, wie alte diese Weine sind, griffen wir schon alle in die etwas älteren „Kisten“, aber dass wir hier einen „gewöhnlichen“ 1943er und 1947er Moselriesling vor uns hatten, auf diese Idee konnte keiner kommen. Aber um diese beiden Weine rankte sich noch eine weitere schöne Geschichte, denn Roman erzählte, dass ein ehemaliger polnischer Mitarbeiter, der jetzt bei einer Baufirma arbeitete eines Tages anrief und berichtete, dass man beim Erdaushub eines bereits vor vielen, vielen  Jahren abgebrochenen Hauses auf alte Flaschen gestoßen war. Die Weine der heute  nicht mehr existierenden „Drei Giebelhaus Kellerei“ wurden so aus ihrem „Gefängnis“ gerettet, in dem sie über Jahre, Jahrzehnte unter einem absoluten Vakuum und ohne jeden Lichtstrahl zugebracht hatten. Auch wenn diese idealen Bedingungen sicherlich besonders günstig waren, ist es dennoch faszinierend, dass ein naturreiner Riesling, der in diesen Kriegs-bzw. Nachkriegsjahren garantiert ohne besondere Technikausstattung absolut natürlich vergoren wurde, heute noch eine solche Performance hinlegt.

 

Die 43er Ausgabe des Trabener Geispfad (so hieß zumindest damals das Teilstück der heute leider flurbereinigten und somit namentlich nicht mehr existierenden Lage) war zu Beginn etwas rauchig in der Nase, auch etwas medizinal, mit leichten Noten von Nagellack, was jedoch mit der Zeit verflog. Am Gaumen hat mich die glockenklare (kühl und klar wie ein Gletschersee) Art begeistert. Der Wein hat immer noch eine tolle Struktur, ist mineralisch und etwas sehnig, so wie der Marathonläufer, der einmal um den Gletschersee läuft. Gut zu Gesicht standen dem Wein auch die feinen, sehr dezenten Citrusnoten.

 

Die 47er Ausgabe war etwas barocker, in der Nase zu Beginn ein Mix aus Misthaufen und Pfefferminz – klingt lustig, aber manchmal ist es wirklich schwer die erlebten Eindrücke zu assoziieren. Beim Trinkgenuss kamen dann Eindrücke von frischer Maracuja und einer gewissen Kräutrigkeit (frische Bergkräuter) hinzu. Stämmiger Stoff, der leider im Abgang dann etwas kurz ist.

 

Mit der Bepunktung der beiden Weine ist das so eine Sache – absolut gesehen liegt so ein Wein knapp unter 90 Punkten,  betrachtet man jedoch z.B. die Relation aus Alter und Frische, dann strebt das Ganze  in Richtung Höchstmarke. Letztlich habe ich versucht alle Aspekte in die Bewertung einzubeziehen, auch die Freude beim Trinken … und diese alte Knochen „liefen“ unglaublich gut, wobei mich die Leichtigkeit und Frische des 43er (bei 10,5% Alc.) etwas mehr begeistert hat, als die aromatische Fülle des 47er (11,0% Alc.).