2006 Alto Moncayo, Alto Moncayo – Campo di Borja

93 Punkte – Draußen tobt der Winter und was macht man da? Man geniesst mollige Weine, die von innen richtig wärmen. Unfassbare 16% Alkohol bringt dieses kleine Monster ins Glas – trotzdem ist dieser 100%ige Garnacha, geerntet von über 60 Jahre alten Rebstöcken keinesfalls zu brandig oder untrinkig. Ganz im Gegenteil, man muss sich bremsen, nicht ein Glas nach dem anderen zu trinken und damit risikieren, dass man am nächsten Morgen verschläft.

Im Glas verströmt der Wein satte Aromen von einem Korb voller Beerenfrüchte (Blaubeeren,  schwarzen Johannisbeeren und schwarzen Kirschen), gemixt mit ein bunten Strauß von Gewürzen (Wacholder, Zimt, Lavendel und Vanille). Am Gaumen herrlich saftig und fleischig, getragen von körnig, runden Tanninen, die strukturbildend wirken. Der beerigen Süße steht eine gute Säure und eine erstaunliche Mineralik ausgleichend gegenüber, sodass der Wein insgesamt sehr voluminös, aber nie plump wirkt. Abgerundet wird der Genuss durch einen flüssig gewordenes Stück  halbbitterer Schokolade, das – zusammen mit den Fruchtnoten – lange am Gaumen haftet. Wow, ist das lecker!!!! Kleiner Tip am Rande, nicht zu warm trinken, habe ihn mit ca. 12 Grad aus dem Keller geholt und selbst bei dieser Temperatur hat er Spaß gemacht; wird er zu warm (>18 Grad) Celsius macht sich der Alkohol immer deutlicher bemerkbar und wirkt insbesondere in der Nase zu intensiv. Eventuell Messer und Gabel bereit legen, denn eigentlich kann man diesen Wein essen, so dicht wirkt er. Zwar kostet der Wein ca. Euro 35, aber so ein hedonistisches Konzentrat wird man nicht billiger bekommen.

Zum Weingut gibt es auf der Seite von Silkes Weinkeller (www.internetoase.de) folgendes zu lesen:

"Bodegas Alto Moncayo wurde 2001 gegründet. Davor war die Winzerfamilie Teil der führenden Cooperative BORSAO in der kleinen D.O. Campo de Borja süd-östlich der Rioja.
Entscheidend für den Ausstieg aus der Cooperative war die Zusammenarbeit mit Jorge Ordonez. Jorge Ordonez ist einer der erfolgreichsten Exporteure für spanische Weine weltweit und widmet sich darüber hinaus seit einigen Jahren leidenschaftlich und mit großem persönlichen Einsatz, um die Modernisierung und qualitative Verbesserung des Weinbaus in den lange unterschätzten Weinregionen in Spaniens Süden, wie Jumilla, Calatayud und auch Campo de Borja. Durch seine Vermittlung konnte der angesehene australische Önologe Chris Ringland als Weinmacher für den Eigenausbau der Weine von Bodegas Alto Moncayo gewonnen werden. Mit seinem Know How schuf er aus den bis zu 100 Jahre alten Garnacha-Reben aus bevorzugten Weinbergen an den Hänger der Moncayo Berge, derart dichte, konzentrierte Weine mit überwältigenden Fruchtaromen und Eleganz (…)"

2001 Tirant, Rottlan Torra – Priorat (Spannendes Spanien – Flight 4)

94 Punkte – Rottlan Torra ist ein Familienbetrieb im Herzen des Priorat. Man hat bereits 1984 begonnen selbst erzeugte Wein zu vermarkten, noch bevor die „große“ Entdeckung der brach liegenden Rebschätze in der Region einsetzte. Doch richtig losgelegt im Qualitätsweinbau in der heutigen Ausprägung hat man erst 11 Jahre später, im Jahr 1995. Für mich haben die Weine von Rottlan Torra immer etwas sehr ursprüngliches, ja bisweilen auch wildes – ohne jedoch auf eine gewisse Eleganz und Trinkigkeit zu verzichten. Da passt die Geschichte hinter dem Namen „Tirant“ ganz gut : Tirant lo Blanc war ein heroischer Ritter im Mittelalter, der für seine Heldentaten weit über die Landesgrenzen hinaus berühmt war. Dieser kräftige, stämmige, intelligente, oft auch raffinierte und stets elegante Ritter steht heute als Symbol für die Eigenschaften des Weines, der nach ihm benannt ist. So zumindest lautet die schöne Geschichte, die man seitens des Weingutes erzählt.

 

Bei uns im Glas steht ein überaus animierender Wein, der einerseits eine tiefe Aromatik zeigt, die an rote Beerenfrüchte und roten Tee erinnert, andererseits aber eine gewisse Leichtigkeit des Seins besitzt, die von einer wunderbaren Mineralität getragen wird. Mit zunehmender Luftzufuhr entwickelt diese Cuvee aus jeweils 25% Grenache, Carignan (von 90-100 Jahre alten Rebstöcken) und Cabernet Sauvignon sowie 15% Syrah und 10% Merlot eine feine Süße, die mir sehr gut gefällt und die u.a. dafür sorgt, dass meine Hand freudig zum Glas geht. Mit jetzt gut 8 Jahren Reife ist der Wein herrlich zu trinken, der Babyspeck ist nun abgelegt und ein mittlelschwerer, schön definierter Körper bildet die Basis für ein ziemlich elegantes und komplexes Aromenspektrum. Die schöne Länge im Abgang rundet das Bild dann nur noch ab.

2001 Chateau Pavie – St. Emilion (Spannendes Spanien – Flight 4)

97 Punkte – Duftmonster!! Was für ein unglaublicher Stoff, was für eine "Piratenbraut" in unserer Spanienprobe: so sexy, so feminin, rund und weich. Dieser betörende Stoff besteht aus 70% Merlot, 20% Cabernet Franc und 10% Cabernet Sauvignon. Ausladende Fruchtaromen, perfekt in Szene gesetzt und schon jetzt unglaublich harmonisch und animierend zugleich. Kraftvoll, dicht, extraktreich und saftig – Schicht um Schicht möchte man diesen Stoff zerlegen und man wird immer wieder auf etwas Neues stoßen: ein Korb voller Früchte, viel süße Lakritze, Kakao, feinste Schokolade, diverse Kaffeearomen – einfach herrlich. Runder Ansatz, dabei saftig und mit perfekt ausgereiften Tanninen sowie einer kräftigen, sehr gut korrespondierenden Säure, ausgestattet. Dieser Wein ist mustergültig und ich kann mir schwer vorstellen, dass es in diesem Jahrgang einen besseren Bordeaux gibt, vielleicht noch Latour (aber völlig anders). Phantastisch langer und wunderbar fruchtbetonter Abgang, dabei stets dicht, kraftvoll und durchaus Eleganz zeigend – soweit dies eine junge Diva entwickeln kann. 

2001 Clos Mogador, Rene Barbier – Priorat (Spannendes Spanien – Flight 4)

95 Punkte – Sicherlich einer der größten Jahrgänge des Clos Mogador: kraftvoll, saftig, dicht und wunderbar vielschichtig – so präsentiert sich dieser Wein Nase und Gaumen. Die vielfältigen Fruchtaromen (Knubberkirschen, Blaubeeren, Brombeeren) sind unterlegt mit einem feinen Schokoladen-und Kaffeearoma; dazu gesellt sich eine feine Fruchtsüße, die sich bis in den langen Abgang durchzieht. Die dichten und herrlich körnigen Tannine sowie die hervorragende Mineralik geben dem Wein Struktur und erstere sorgen sicherlich noch für ein langes, genussfreudiges Leben. Dieser Wein ist Hedonismus pur. Hmm, sooo lecker und doch auch intellektuell.

1996 Finca Dofi, Alvaro Palacios – Priorat (Spannendes Spanien – Flight 3)

90 Punkte – Dieser Wein zeigt eine „herbe“ Frucht und ist überaus kräutrig in seiner Aromatik. Am Gaumen mit noch reichlich Tannin beladen, zeigt sich auch hier eine dichte Kräutrigkeit, die viele orientalische Anklänge hat (z.B. Kardamon). Kombiniert mit einer interessanten Fruchtaromatik (Mischung aus Kiwi und Kirschen) hatten wir einen interessanten Wein im Glas, den man aber nicht weiter lagern muss.

1996 Clos Erasmus, Clos i Terrasses (Daphne Glorian) – Priorat (Spannendes Spanien – Flight 3)

92 Punkte –Daphne Glorians (mittlerweile die Frau des US-Weinimporteurs Eric Salomon) Clos Erasmus gehört mit zu den meist gesuchten und teuersten Weinen Spaniens. Er hat gezeigt, dass er in sehr guten Jahrgängen das Potential hat, bei Parker und Co. Höchstpunktzahlen abzuräumen und so gehört er heute zu den Wein-Kultobjekten der iberischen Halbinsel. Förderlich für die Preisgestaltung ist sicherlich auch die winzige Menge (zwischen 300 und 500 Kisten p.a.), die von diesem Wein nur erzeugt wird.

Der Clos Erasmus aus dem Jahrgang 1996 ist ein sehr gut strukturierter Wein mit einer feinen Süße und runden, feinkörnigen Tanninen. Am Gaumen ist er mit einer schönen aromatischen Dichte ausgestattet; die vielen kräutrigen Aromen (z.B. weißer Pfeffer) wirken animierend; durch den leichten Hauch von Liebstöckel wirkt er jedoch schon deutlich entwickelt. Insgesamt ist der 96er Clos Erasmus aber ein eleganter Wein von mittlerer Statur, den man jetzt trinken sollte.

 

1996 Clos Mogador, Rene Barbier – Priorat (Spannendes Spanien – Flight 3)

93 Punkte – Einen ausführlichen Bericht zu den Weinen von Rene Barbier habe ich anlässlich seines Besuchs in Düsseldorf geschrieben (http://weinwelt.blogg.de/eintrag.php?id=431). Die 96er Ausgabe seines Clos Mogador zeichnet sich durch eine intensive, dichte Frucht mit vielen Anklängen an Zwetschgen- und Pflaumenmarmelade aus, ein Hauch Zimt und andere feine Gewürzaromen runden das Bild ab. Der Wein hat eine sehr schöne aromatische Tiefe, ist dicht und die Tannine sind reif und rund; er endet auf der Frucht und haftet wirklich lange am Gaumen.

2000 Chateau Beau-Sejour Bécot – St. Emilion (Spannendes Spanien – Flight 2)

87 Punkte  – Bei unserer Spanienprobe als Pirat sofort zu erkennen gewesen, aber wieso er bei Parker konsistent zwischen 90 und 94, zuletzt 93 Punkten bekommen hat, erschließt sich mir aktuell nicht. Zwar muss man auch bei diesem 2000er feststellen, dass er wohl in einer etwas schwierigen Phase ist, aber 6 Punkte Potential sind da nicht drin. Erstaunlicherweise hatten wir einen St. Emilion im Glas, denn der Wein hatte für mich eine so deutliche Cabernet-Nase, dass ich ihn klar an das linke Ufer gesetzt habe. Deutliche Paprika- und Kräuternoten dominieren die Frucht in der Nase und am Gaumen. Er zeigt zwar viel Saft und einen gewissen Schmelz, aber die Tannine sind noch ultrafest und der Wein packt zu. Der Wein wird sicherlich ein Langstreckenläufer, aber zur Zeit fehlt ihm jedwede Harmonie und man sollte ihn noch ein paar Jahre weglegen, bevor man die nächste Flasche aufmacht.

2000 Vina el Pison, Artadi – Rioja (Spannendes Spanien – Flight 2)

93 Punkte – Der teuerste Wein von Artadi ist der Vina el Pison. Der Wein stammt vom 2,4ha großen „Familienweinberg“, der bereits 1945 vom Großvater der heutigen Eigentümer angelegt wurde und seit 1991 wird er als Einzellagenwein separat ausgebaut. Der aus 100% Tempranillo bestehende Wein reift 18-24 Monate in französischer Eiche.

 

Für den Vina el Pison gilt das gleiche wie für den Bruder, den Grandes Anadas, leider haben wir den Wein zur Unzeit getrunken, das heißt, er will nicht wirklich zeigen, was in ihm steckt. Der Wein ist unglaublich dicht, fest und hat viel Kraft, zeigt auch einen gewissen Schmelz und erinnert mich ein wenig an den herrlichen Pflaumenkuchen meiner Mutter. Aber wenn dieses Teil mal aufmacht und sich ausdifferenziert, dann dürfte der „perfekt trainierte Körper“  eine Eleganz entwickeln, um als Solist ganz groß rauszukommen. Aktuell aber nur 93 Punkte, mit dem Potential, dass weitere zwei, drei Punkte hinzukommen.

2000 Grandes Anadas, Artadi – Rioja (Spannendes Spanien – Flight 2)

94 Punkte – Artadi gehört sicherlich zur ersten Garde der Weingüter, die mit neuen Methoden und einem uneingeschränkten Qualitätsstreben den spanischen Weinbau beeinflußt haben. Im Jahr 1985 gegründet, gehören die Weine von Artadi zu den besten und teuersten, die man aus Spanien beziehen kann.

 

Die Reben für den Grandes Anadas stehen im Herzen der Rioja Alavesa; der Wein wird nur in besonders guten Jahren erzeugt. In der Nase offeriert er ein dichte und tiefe Aromatik, die sehr komplex wirkt. Am Gaumen kommt der Wein aktuell sehr dicht und ein wenig verschlossen daher. Die Tannine wirken zwar perfekt ausgereift, aber sie dominieren zurzeit den Wein. Trotzdem ist die Klasse des Weins sehr gut erkennbar und mir gefallen der Druck und die Kraft, die der Grandes Anadas am Gaumen aufbaut. Bissfest und mit noch riesigem Potential für ein langes Leben sollte man (gute Lagerung vorausgesetzt) dem Wein noch zwei oder drei Jahre auf der Flasche geben, bevor man die nächste Flasche öffnet; ich vermute, dass er diese Zeit mindestens braucht, um dann aus seinem Winterschlaf zu erwachen und aufzublühen. Meine 94 Punkte beinhalten sicherlich auch eine gewisse Potentialbewertung und sind insofern mit einem kleinen Fragezeichen zu versehen.