15. Mai – Rene Barbier von Clos Mogador (Priorat) in Düsseldorf

Am 15.Mai gibt es die hervorragende Chance einen der ganz großen Weinmacher Spaniens persönlich kennenzulernen. René Barbier kommt nach Düsseldorf, um im Weinland Mövenpick (Herzogstrasse 29-31, 19.30 Uhr; Tel. 0211- 9944877) seine großen Weine Clos Nelin, Manyetes und CLOS MOGADOR vorzustellen. Darüber hinaus hat er seine Olivenöle im Gepäck, die man getrost zu den besten Ölen Spaniens zählen darf.

 

René Barbier gehört zu den Pionieren des PRIORAT. Er und eine kleine Gruppe von „Sehenden“ haben Ende der 70er / Anfang der 80er Jahre das Potential dieser in Vergessenheit geraten Region, mit teilweise uralten Rebanlagen wieder entdeckt. Bis zu dieser Zeit fristete die Region, mit ihren kargen, felsigen Böden ein karges Dasein; viele der jungen Leute wandten sich ab und verließen die Heimat, um das Glück in Barcelona und anderen Städten zu suchen. Doch mit dem kometenhaften Aufstieg von Weinen (der Jahrgang 1989 zählt dabei als Geburtsstunde), die heute zu den weltweit gesuchten Pretiosen gehören, haben René Barbier, Josep Lluis Pérez und eine Handvoll anderer Weinmacher es geschafft, das Priorat in die Gruppe der bekanntesten und berühmtesten Weinanbauregionen Spanien zu führen. Das Priorat ist heute ein Synonym für (Rot-)Weine, die für Individualität und Größe und Eleganz stehen. Wer etwas mehr über Land, Leute und die Geschichte erfahren möchte, dem empfehle ich die folgende Seite: http://www.gratallops.com

 

Doch das Leben von René Barbier verlief nicht immer einfach. So darf er bis heute nicht unter seinem Name die Firma führen, mit der er seine Weine vermarktet. Während der Rumasa-Zeit (vgl. http://www.zeit.de/1983/10/Enteignung-kurz-vor-Zwoelf) starb Renés Vater. Durch eine Kette widriger Umstände gelangte die vor über 100 Jahren von seiner Familie gegründete Firma "René Barbier" und der Privatbesitz der Familie in das Eigentum von Segura Viudas und später von Freixenet. Zu dieser Zeit studierte René gerade in Frankreich und konnte René nach seiner Rückkehr nicht in das Familienunternehmen zurück, sondern er arbeite bis zur Gründung seiner Bodega bei Palacios in der Rioja, wo er auch den jungen Alvaro Palacios kennen lernte, den er ebenfalls für das Priorat begeisterte und der heute ebenfalls zu den erfolgreichen Erneuerern des Priorat zählt.

 

Die Bodega von René Barbier firmiert heute unter "Clos Mogador S.C.C.I." und die Jahresproduktion liegt bei ca. 20.000 Flaschen.

 

Der Clos Nelin ist ein Weißwein, der aus den Rebsorten Garnacha Blanca (Grenache blanc), Viognier, Marsanne, Macabeo und weiß gekeltertem Pinot Noir gekeltert wird. Bis dato habe ich den Wein noch nicht verkostet, aber irgendwo einmal gelesen, dass er wie eine Kreuzung aus weißem Chateauneuf du Pape und weißem Hermitage schmecken soll.

 

Der Manyetes ist ein Cuvee, die überwiegend aus Carinena (ca. 65%) und einen größeren Anteil Garnacha (ca. 25%) sowie kleineren Mengen von Cabernet Sauvignon und Syrah (zusammen ca. 10%) besteht. Der überwiegende Anteil im  Flagschiff CLOS MOGADOR  entstammt von alten Garnacha-Reben, die mit einem größeren Anteil Carinena und kleineren Mengen Syrah und Cabernet Sauvignon vermählt werden.

 

Meine Notizen dieses sicherlich spannenden Weinevents folgen……

2001 Chateau Gloria – St. Julien

 

87 Punkte – habe ich mir bei diesem Wein notiert. Dazu habe ich in mein kleines Notizbuch, das ich stets am Mann trage, wenn ich zu Weinveranstaltungen unterwegs bin, folgendes geschrieben: Kaffee, Tabak, viel Karo-Kaffee, sehr dunkel in der Farbe. Am Gaumen ebenfalls dunkle Frucht von Pflaumen und Schwarzkirschen; angenehme Frische und runder, recht weicher Ansatz. Kein großer Wein, aber klar, geradeaus und gut zu trinken.

 

Beim kleinen cross-ckeck mit den Ergüssen der bekannten Weinjournalisten las ich bei Rene Gabriel: „04: Aufhellendes Rubin-Granat. Reduktives, schwierig anzugehendes Bouquet; Phenol- und Leimton, gewisse Wildbretaromen. Im Gaumen weich, rote Pflaumen, zeigt jetzt schon erste Schokonoten und endet mit einem gewissen Humustouch, wird sich eher schnell entwickeln und im Geschmack artisanal, ja sogar dumpf werden. 16/20 2006-2018“. (Vgl. Rene Gabriel, Bordeaux Total, S. 133, WeinWisser Verlag (Anmerkung des Autors: Rene Gabriel bewertet nicht nach der 100 Punkte Skala, sondern mit maximal 20 Punkten)) Es ist absolut normal, dass verschiedene Verkoster zu verschiedenen Punktwertungen kommen können – meist sind die Differenzen klein, ab und an auch mal größer. Wie aber bitte schmeckt „artisanal“???????

 

Mit meinen bescheidenen Sprachkenntnissen habe ich das Wort in „artis“ und „anal“ zerlegt und frei übersetzt „Am/Im Arsch der Kunst“ – aber da stellt sich doch gleich die nächste Frage: Wie schmeckt so etwas? Ne,ne,ne, da bin ich wohl auf dem Holzweg.

 

Mal sehen was raus kommt, wenn man diesen Begriff googelt. Siehe da, der erste Eintrag stammt von Wikipedia – das verspricht Aufklärung! Da steht dann: „Artisanal ist eine der zugelassenen Herstellungskategorien der französischen Appellation d’Origine Contrôlée für Käsesorten. Hierbei muss der Käser die Milch von Kühen, Ziegen oder Schafen verwenden, die auf seinem Hof gehalten werden. Anders als bei der Fermier-Kategorie darf er jedoch auch Milch von anderen Höfen hinzukaufen.“ Hmmm, …. der Wein schmeckt also wie eine Herstellungskategorie von französischem Käse???

 

Also liebe Leute, die Weinsprache ist schon eine besondere, aber ab und zu scheinen doch die Gäule mit uns Verkostern / Weinliebhabern durchzugehen. Lieber Rene, solltest Du das jemals lesen, kläre mich doch bitte auf, was Du mit „und im Geschmack artisanal, ja sogar dumpf werden“ gemeint haben könntest. ;-)))))

1999 Brunello Montosoli, Altesino (Cantine di Palazzo Altesi da Altesino) – Toscana

 

93/94  Punkte – Auf einem Hügel östlich von Montalcino erhebt sich der eindrucksvolle Palazzo Altesi, der im 15. Jahrhundert von der toskanischen Familie Tricerchi errichtet wurde. Ihr weißes Marmorwappen ist bis heute über dem alten Eichentor zu sehen. Seit 2002 ist das Weingut Altesino im Besitz der Römerin Elisabetta Gnudi Angelini (auch Eigentümerin der Tenuta Carparzo). Das Gut war häufig ein Vorreiter bei strukturellen Neuerungen, die der Brunello di Montalcino in den vergangenen dreißig Jahren erfahren hat. Bereits 1979 begann man bei Altesino mit dem Ausbau der Weine in französischen Barriques. 1975 führte das Gut mit dem Cru Montosoli den ersten Lagenwein des Montalcino-Gebiets ein. Die ersten "Futures" für Subskriptionskäufe von Brunello wurden für den Brunello Altesino von 1985 ausgegeben.

Unser Wein im Glas war genau dieser Einzellagen-Brunello Montosoli aus dem Jahr 1999. Der Winespectator beschreibt ihn in seiner Ausgabe Okt. 2004 als strengen Burschen, der weiterer Lagerung bedarf und empfiehlt folgerichtig erst einen späteren Genuss – ab 2009. Das Jahr ist gekommen und so schau’mer mal:

Sehr kraftvoll präsentiert sich dieser Brunello, immer noch sehr saftig und mit voller Körper presst sich der Wein an den Gaumen. Dazu passen die Extraktsüße und das Aroma von dicken, schwarzen Knubberkirschen sowie vollreifen Waldbeeren. Aromenstark, mit festen, aber gut integrierten Tanninen, die dem Wein Struktur verleihen. Trotzdem kein Monsterwein, sondern dicht, stark und ausdrucksvoll. Er baut im Glas aus und besitzt eine delikate Art sowie eine schöne Länge, die den Gaumen auch noch lange nach dem Schlucken beschäftigt. Ich habe in meinem kleinen Verkostungsbüchlein dreimal die Punkte geändert/durchgestrichen und so bekommt der Wein halt um die 93/94 Punkte.

1978 Solaia, Marchese Antinori – Toscana

96 Punkte –  Über das Haus Antinori gibt es eine Vielzahl von Büchern und der Platz hier reicht nicht im Ansatz aus, um die vielen kleinen und großen Geschichten zu erzählen, die man hier aneinander reihen könnte, ohne beim Leser lange Weile zu erzeugen. Seitens der Familie schaut man auf eine fast 700 jährige Weinbautradition zurück und das Weingut wird heute in der 26sten Generation geführt. Man kann heute ohne Übertreibung sagen, dass Marchese Piero Antinori den Familienbesitz zu einem die Welt umspannenden Weinimperium ausgebaut hat. So ganz „nebenbei“ hat er durch sein Handeln maßgeblich dazu beigetragen, dass wir heute bei Chianti wieder an Qualitäts- und Spitzenweine denken und nicht nur an Touristentropfen für die Pizzeria um die Ecke. Wahrzeichen dieses Qualitätsstrebens sind sicherlich die beiden Referenzweine Tignanello (er erblickte 1971 das Licht der Welt) und Solaia (dessen Geburtsstunde mit dem 78er Jahrgang schlug), beide aus -überwiegend – Cabernet Sauvignon bereitet. Nicht unerwähnt darf an dieser Stelle bleiben, dass auch Renzo Cotarella, der seit 30 Jahren als Önologe/Chefönologe für die Familie Antinori tätig ist, einen großen Anteil am Erfolg des Weingutes in den letzten Jahrzehnten hat. In den beiden ersten Solaia-Weinjahrgängen 1978 und 1979 bestand der Rebsatz noch aus 80% Cabernet Sauvignon und 20% Cabernet Franc. In den folgenden Jahrgängen (ab 1982) kam Sangiovese hinzu, aktuelle Jahrgänge bestehen aus 75% Cabernet Sauvignon, 20% Sangiovese und 5% Cabernet Franc. Die Jahrgänge 1980, 1981, 1983, 1984, 1992 und 2002 wurden mangels ausreichender Qualität nicht lanciert.

 

Es ist schon ein besonderes Gefühl, wenn man einen solchen Wein ins Glas bekommt, schließlich hat er Weingeschichte geschrieben. Noch aufregender wird es, wenn solch ein Stoff eine Qualität in Mund und Nase zaubert, von der man mitgenommen wird auf die Reise durch die Aromenwelten, die nur ein großer Wein offenbaren kann. Gerade bei solchen Weinen bleibt es für mich schwierig, meine Eindrücke in Worte zu fassen; zu umfangreich sind sie, als dass man das Trinkerlebnis nachvollziehbar beschreiben könnte.  Trotzdem ein Versuch: Für mich hatte die Nase eine Mischung aus Cassis, gereiftem Honig, Tapetenkleister, Leder und Eindrücken von getrockneten Wiesenblumen und Sandelholz. Am Gaumen sehr komplex, erinnert mich an den gigantisch leckeren Zwetschgen-Hefekuchen meiner Mutter. Der Wein hat eine hervorragende innere Kraft und eine Balance, die so nur große Weine besitzen.  Ein nobler Wein, sehr komplex, mit einer feinen Kühle, einer ganz, ganz zarten Süße und einer Spur Minze, die bis in das lange Finale reicht.

 

1998 Chateau Rouget – Pomerol

  

 

90 Punkte – Ganz tiefe und dunkle Farbe. In der Nase zu Beginn recht verhalten, baute aber mit zunehmender Luft etwas aus. Dunkle Noten von Tabak, Backpflaumen und reifen Brombeeren; hinzu kommen Eindrücke von Schokolade und Blut (Eisen). Positiv fällt mir die feine Süße, die reifen (aber festen) Tannine und die schöne Ausgewogenheit bei dieser Cuvee aus 85% Merlot und 15% Cabernet Sauvignon auf. 1997 kam Michel Rolland (prominentester flying winemaker aus Bordeaux) zu diesem Chateau und der Wandel begann – schon der 1998er zeigt deutlich seine Handschrift. Die Kombination aus spät geerntetem und sehr reifem Lesegut, einer saftigen Extraktsüße und einer kräftigen Struktur (auch Dank eines geschickten Holzeinsatzes) im Wein, sind für mich ein Spiegelbild seiner Arbeit. Hinzu kommt, dass der Jahrgang 1998 am rechten Ufer in Bordeaux allgemein sehr gute Weine hervorgebracht hat und fertig ist der Stoff, der ein Chateau aus dem Mittelmaß (in dem sich Chateau Rouget jahrelang befand) zu neuen Ufern führt.

2002 Chateau Mouton Rothschild – Pauillac

 

95 Punkte – Die 20 Punkte von Rene Gabriel kann ich nicht ganz nachvollziehen, doch mit seiner Bemerkung, dass dieser Mouton sich aktuell in einem ersten Trinkfenster zeigt, liegt er nicht daneben. Voll der „Nasenbär“ habe ich mir notiert. Viele Röstaromen, wie Kaffee, Kakao/Bitterschokolade und Malz, hinzu kommen feine Würzaromen und ein Eindruck von Creme Fraiche. In Mund und Nase hinterlässt er einen kühlen Eindruck (Eukalyptus und Menthol); viel Waldbeerengelee-Aromatik, Cassislikör. Am Gaumen sind die aromatischen Eindrücke vergleichbar, auffallend auch hier die elegant wirkende Kühle und die „Sahnigkeit“. Die schon recht mürbe wirkenden Tannine haben jedoch Kraft für viele, viele Jahre der Lagerung. Insgesamt ein angerundeter, cremig-saftiger Tropfen, der jetzt wirklich schon Spaß macht, der aber auch ausreichend Kraft, Struktur und Potential für die nächsten 15 bis 20 Jahre bietet. Sicherlich ist Mouton Rothschild immer teuer, aber wer solche Kaliber einmal genießen möchte, dem sei empfohlen, bei diesem Jahrgang zuzugreifen, denn hier bekommt man 4 Flaschen 2002er zum Preis einer aus den Jahrgängen 2005 oder 2006. Selbst in der jetzt anstehenden Subskription wird man dieses Preisniveau nicht sehen.

1990 Erbacher Schlossberg Riesling Auslese, Schloss Reinhartshausen – Rheingau

 

89 Punkte – Wer mich kennt, weiß, dass ich Altweine von Schloss Reinhartshausen liebe. Doch zu Beginn der 90er Jahre begann eine Schwächephase, die erst seit wenigen Jahren zu überwunden scheint. Die 90er Auslese aus dem Erbacher Schlossberg hat noch viel Süße zu bieten. In der Nase eindeutige Anklänge von Orangenzesten; am Gaumen ebenfalls Noten von Orangen, Aprikosen und etwas kräutriger Würze. Gut gefallen haben mir die animierende Säure und die ordentliche Länge, die der Wein im Abgang zeigt.

1966 Wehlener Sonnenuhr Feine Auslese „Wachstum“, S.A. Prüm – Mosel

91 Punkte – Ein wunderbar gereifter Tropfen! In der Nase ein feines Parfüm aus mürben Äpfeln, Quitten und reifen Feigen. Im Mund begeistert mich die cremige Textur des Weins, der keinesfalls einen müden Eindruck macht, sondern den gesamten Mund geschmeidig auskleidet  und aromatisch einen schönen Bogen zwischen Noten von Mürbeteig einerseits und schieferwürzigen Anklängen anderseits  spannt. Interessant fand ich die Ergänzung „Wachstum“ auf dem Flaschenetikett, dies bedeutet – so die Aussage eines Weinfreundes-  dass das Traubenmaterial für diesen Wein aus den eigenen Parzellen stammte. Stellt sich für mich die Frage, ob man damals auf dem Weingut schon mit zugekauftem Traubenmaterial gearbeitet hat? Wer weiß eine Antwort? 

1997 Riesling „Singerriedel“ Smaragd, Franz Hirtzberger – Wachau

 

95 Punkte – Der Singerriedel war da schon ein ganz anderer Schnack. Ausdrucksvoll, ausladende und animierende Frucht; gelbe Früchte, Apfelnoten, rauchig und schon in der Nase ist die hohe Frische erkennbar, die diesen 12 Jahre alten Weißwein auszeichnet. Am Gaumen zeigt er ein Feuerwerk von Aromen (z.B. Orangen, Cassis, Zitronenmelisse), das Säurespiel ist perfekt und die deutliche Mineralik verleiht ihm viel Komplexität und einen Trinkfluss, sodass es wirklich schwer fällt das einmal gefüllte Glas wieder abzustellen.

 

Ähnlich wie der 2002er scheint auch dieser Wein ein Spiegelbild seines Jahrgangs zu sein, denn die Frische und das geniale Säurespiel sind wohl auf die kräftigen Temperaturschwankungen bis tief in den Herbst zurückzuführen. Bei der Vinea Wachau, der im Jahr 1983 gegründeten Qualitätsvereinigung der Wachauer Winzer beschreibt man den Jahrgang wie folgt: „Eher später Austrieb. Ein schöner Mai holt wieder viel auf. Rebblüte ca. 10. bis 20. Juni. Auf einen kühleren Juli mit guter Wasserversorgung folgt ein warmer August und ein traumhafter September. Gesundes Traubenmaterial und die großen Temperaturunterschiede im Herbst geben den Weinen des Jahrgangs 1997 seinen unverwechselbaren Charakter.“

1992 Grüner Veltliner „Rotes Tor“ Smaragd, Franz Hirtzberger – Wachau

 

86 Punkte – Diese Magnum hatte ich vor ca. 2 Jahren bei einer Auktion eines renommierten Auktionshauses erstanden und eigentlich war 1992 ein vom Witterungsverlauf sehr gutes Weinjahr in der Wachau (Einem späten Austrieb der Reben folgte ein Frühling, der mit einem Vegetationsvorsprung und einer recht frühen  Rebblüte vom 5. – 15. Juni abschloss. Ein sehr heißer und trockener Sommer bedingte einen frühen Lesebeginn mit sehr reifen Trauben). Aber nicht nur die Wetterdaten stimmten mich positiv für diesen Wein, denn vor einiger Zeit hatte ich bei Freunden in Frankfurt den gleichen Wein aus gleichem Jahr als Federspiel getrunken und war positiv überrascht, wie lebendig und frisch er noch im Glas stand.

 

Aber bei diesem Smaragd wollte sich die „Handbremse“ nicht lösen. In der Nase Eindrücke von mürben Äpfeln und gedecktem Apfelkuchen. Am Gaumen zwar immer noch mit Kraft, doch scheint er diese aus dem Alkohol zu ziehen, denn dieser steht leider etwas im Vordergrund. Vom Mundgefühl ein deutlich trockener Wein, der wenig Frucht erkennen lässt, aber auf der „Haben“-Seite eine kräftige Mineralität für sich verbuchen darf. Auch von der Säure ist er mir weich und verwaschen. Insgesamt leider nur ein durchschnittlicher Eindruck und ich glaube auch nicht, dass der Wein nochmals in eine bessere Phase kommt.

 

Sofern nicht eine falsche Lagerung für die Schwäche verantwortlich ist, kann ich es mir nur so erklären, dass die Federspiele noch rechtzeitig gelesen wurden und man bei den Smaragd-Weinen auf Grund der späten Lese Probleme mit den Säurewerten in den Trauben bekommen hat. Die allgemeine Jahrgangsbeschreibung der Vinea Wachau scheint diese These zu bestätigen, dort schreibt man über den 1992er: „Der Jahrgang bringt vollmundige, geschmeidige Weine, denen in der Jugend etwas die Säurepikanz fehlt.“ Da der Wein im Alter nicht an Säure zulegen kann, fehlt sie ihm wohl auch im Alter 😉