Wachau Probe 2006 & 2007

Am vergangenen Samstag fand bei einem Weinfreund eine wunderbare Wachauprobe statt, die einen schönen Überblick über die Jahrgänge 2006 und 2007 gab. Neben den Weinen der Altmeister F.X. Pichler und Emi Knoll gab es auch phantastische Neuentdeckungen zu machen, so z.B. ein 2007 Neuburger vom Weingut Schneeweis oder einen 2007 Grünen Veltliner Smaragd vom Zornberg (toller Lagenname!) von Sighardt Donaubaum. Auch nicht zu vergessen der 2006 GV Smaragd "Von der Schön" aus dem Winzerthaus Graben-Gritsch. Die Krone des Abends ging dann doch an einen altbekannten Starwinzer der Wachau: Emi Knoll hat mit seiner Riesling Vinothekfüllung 2006 wohl einen der besten Weine überhaupt in Österreich in 2006 erzeugt.

 

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1) 2007 Grüner Veltliner (Liter), Domaine Wachau – Wachau

84 Punkte – Straff, frisch, klar und sehr sauber in der Aromatik; leichtes Pfefferl – klasse Zechwein und toller Liter für sehr kleines Geld.

2) 2007 Neuburger Smaragd Gasselreith, Weingut Schneeweis – Wachau

 
92 Punkte – In der Nase wie ein GV; Käse; gelbe Frucht; extraktreich, mit Schmelz und viel Mineralik; feine, nussige Aromen; schönes Spiel, sehr gute Länge. 92 Punkte Für nicht mal 8 Euro – eine Sensation ab Hof – bitte nicht verwechseln mit Anton Schneeweiss (auch ein sehr guter Winzer, aber eben ein anderer)

3) Riesling Smaragd Gasselreith, 2007 Weingut Schneeweis – Wachau

 
89 Punkte – Frisch, recht druckvoll, eher schlank, kräftige Säure, sehr von den Citrusaromen geprägt, etwas rauchige Mineralik, dezente, kräutrige Salzigkeit (wie Kräutersalz).

4) 2007 Grüner Veltliner  Loibner Gärten Federspiel, Weingut Schmelz – Wachau

85 Punkte – Zu Beginn etwas unsaubere/verwaschene Nase, würzige Note, am Gaumen druckvoller Start, aber in der Mitte mit aromatischem Löchlein, angenehme Säure, endet eher floral, insgesamt aber recht kurz. 

5) 2007 Sauvignon Blanc Donaufeld Federspiel, Weingut Schmelz – Wachau

 
88+ Punkte – Sehr hell in der Farbe, Cassis und Lakritz. Am Gaumen knackig trocken, Cassis, ein zarter Hauch von Rosen, angenehme Salzigkeit; sehr reintönig, ohne laut zu sein; schön frisch und angenehme 12,5% Alk.; glockenklar (Gebirgsbach), in der Aromatik dezenter SB, sehr stimmig und reintönig; für den akuten Genuss 😉

6) 2007 Riesling Niederhäuser Felsensteyer GG, Weingut Crusius – Nahe (Pirat)

 
90 Punkte – Dezent kräutrige Nase, Noten von Apfelsaft. Erstaunlich niedrige 12,5% Alc, doch trotzdem recht dicht und druckvoll; gelbe Früchte, leichte Citrusaromatik (Orangenzesten), sehr frisch, saftig und klare Mineralik. Trotz erkennbaren Restzuckers sehr animierend; aktuell nur mittlere Länge im Abgang. Ich glaube, der Wein wird sich entwickeln.

7) 2007 S.Dona Grüner Veltliner  Smaragd Zornberg, Sighardt Donabaum – Wachau

92 Punkte – Etwas trüb; intensive, tiefe Nase, Biskuitteig, Tabak, sehr "gelb" von der Frucht, Waldmeister. Am Gaumen sehr cremig und saftig; Kräuteraromen; intensive, gelbe Frucht; Butter, druckvoll, sehr gut integrierte Säure, doch insgesamt ein Schwergewicht. Ich mag ab und an solche Brocken, die kein Essen als Begleiter benötigen! Der Wein ist in sich sehr stimmig und wer Rubensfiguren mag, ist hier genau richtig.

8) 2007 Grüner Veltliner Vinothekfüllung, Weingut  Knoll – Wachau

 
91 Punkte – Immer noch etwas Kohlensäure, sehr hefig in der Nase; Kirschkerne, gelbe Äpfel, wirkt in der Nase recht schwer. Am Gaumen ungemein dicht, man kann sogar sagen, fett. Wieder gelber Apfel, reifer Tabak, rund und mollig, braucht sicherlich Zeit, um sich in der Aromatik zu differenzieren, sehr gute Länge. Habe ich aber in anderen Jahrgängen (ähnlich jung) schon besser erlebt. 91 Punkte.

9) 2006  Grüner Veltliner Federspiel – Von der Schön, Winzerhaus Graben-Gritsch – Wachau

85 Punkte – Quitte; gereifte, gelbe Äpfel, etwas weißer Pfeffer. Am Gaumen geschmeidig, von mittlerer Statur, wirkt einerseits recht komplex, andererseits sind die Aromen auch ein wenig verwaschen. Es mangelt ihm etwas an Druck und Frische. Hand geht bei mit nicht zum Glas. Trotzdem noch 85 Punkte.

10) 2006 Grüner Veltliner Smaragd – Von der Schön, Winzerhaus Graben-Gritsch – Wachau

91 Punkte – Nicht nur 1% mehr Alkohol (13,5% statt 12,5%), auch insgesamt hat man hier – verglichen mit dem Federspiel aus gleicher Lage – doch deutlich den besseren Wein im Glas. Powerstoff, runder Schmelz, trotzdem hohe Frische, stoffig, viel Mineralität, gelbe Frucht, der für mich für die Rebsorte typische, leicht käsige Geschmack kommt auch recht deutlich heraus; sehr gut integrierte Säure; macht recht satt; etwas spitz wirkender Alkohol.

11) 2006 Grüner Veltliner Smaragd Von den Terassen, F.X. Pichler – Wachau

88 Punkte – Reifer Apfel, sehr kraftvoll, sehr extraktreich, viel Schmelz, aber auch viel Alkohol. Ein fleischiger GV, dem es allerdings etwas an Struktur und Aromentiefe mangelt, für mich ein typischer 2006er, die teilweise einfach zu reif geerntet wurden. Ich möchte nicht generell über die 2006er den Stab brechen, aber es ist nicht der Jahrhundertjahrgang, zu dem ihn einige gemacht haben, sondern ein Jahr mit großen Spitzen, aber auch ziemlich viel alkoholbelasteter Muskelprotze, denen es etwas Klasse fehlt.

12) 2006 Riesling Smaragd Dürnsteiner Hollerin, F.X. Pichler – Wachau

90 Punkte – Frisch, kraftvoll, pikant. Entfaltet am Gaumen einen schönen Druck, zeigt eine schöne Säure und bietet eine kräutrige Mineralik; Citrusaromen. Ihm fehlt es etwas an "monetärem Feingefühl" – so oder ähnlich beschrieb jemand am Tisch den Umstand, dass der Wein, viel Power besitzt, aber auch ordentliches Geld kostet, es ihm letztlich aber auch etwas an Stil und Klasse fehlt, um sich ganz nach oben durchzuboxen. (Für den JG angenehme 13,5% Alk.)

13) 2006 Grüner Veltliner Vinothekfüllung, Weingut Knoll – Wachau

93 Punkte – Es gibt doch die Highlights im JG 2006. Die beiden nun folgenden Weine von Emi Knoll darf man getrost dazu zählen. Kraftvoller, stoffiger GV mit viel Saft und einer intensiven Aromatik, die mich ihn ihren Bann zieht. Schöner Schmelz, gleitet durch Zeit, Mund und (Rachen-)Raum; weißer Pfeffer, Citrusnoten, Orangenzesten, viel kräutrige und tabakige Mineralik. Hand geht bei mir voll zu Glas. Sehr gute Länge. 

14) 2006 Riesling Vinothekfüllung, Weingut Knoll – Wachau

95 Punkte – Für mich nicht nur der Sieger an diesem Wachau-Abend, sondern wirklich großer Wein – ein Stoff aus dem Träume sind. Im ersten Eindruck sehr frisch, dicht und straff; ein Hauch Kleister in der Nase stört nicht, sondern passt in diesen bunten Strauß aus Aromen mit diversen Bergkräutern und gelben/exotischen Früchten. Insgesamt nicht laut oder aufdringlich, sondern eher tief und nachhaltig. Auch am Gaumen ein "Bild" von Wein, mit perfekt konturieter Statur; kraft- und druckvoll, gleichzeitig aber auch sehr klar, komplex und elegant. Ein Wein mit viel Struktur und Ausdruck, ein Hauch von Tannin findet man ebenfalls. Hat ein langes, schönes Leben vor sich und ich leider nur eine Flasche im Keller.

3 Gedanken zu „Wachau Probe 2006 & 2007“

  1. Hallo Michael,
    was Wein 14 angeht, kann ich Dir nur zustimmend beipflichten.
    Die Vinothekenfüllung hat das Zeug zum Gänsehauterlebnis. Für mich einer der schönsten österreichischen Rieslinge, die ich in 2008 getrunken habe.
    Kraft und Eleganz in selten schöner Harmonie.
    Davon hätte ich gerne die EINE Flasche im Keller… 😉

  2. Der Wein ist ja aber noch zu bekommen.
    Begeistert bin ich von Deinem Hirtzberger Singerriedel Riesling Smaragd 2000, Michael. Ich hatte ursprünglich vor, auch einige gereifte Smaragde der Freien Weingärtner in die Probe einzubeziehen, aber sie überzeugten mich nicht. Ihre Schuld oder meine?, fragte ich mich. Nach dem Genuss des 2000ers von Hirtzberger weiß ich wieder, wie ein gereifter Smaragd schmecken kann und dass meine Entscheidung richtig war. Unfassbar, geradezu herzzerreißend wie der Wein zwischen schmelziger Milde und Bitternis, der Anmutung von getrockneten Früchten und Säurestichen hin und her geht. Groß und fast genial wird er für mich durch sein „Spiel“. Es ist nicht wie die ruhige Wanderung über eine Ebene, wo man sich über jeden Busch und Felsen freut, sondern ein atemberaubender Wechsel von Perspektiven, als ziehe man Dinge mit dem Blick an sich heran, die sich sogleich wieder in eine Kulisse einfügen etc. Später dann auch mehr Festigkeit – der Wein wurde üppiger! „Schöpferische“ Dynamik aber, die sich nicht in stiller aromatischer Klasse erschöpft, ist für mich das Schönste.

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