2003 Côte de Brouilly Cuvee Zaccharie – Chateau Thivin – Beaujolais (Ski9)

89 Punkte – Mein lieber Freund Ole hat mich in 2005 ins Beaujolais "geschleppt" und wir haben viele, viele Wein verkostet und ich habe auch etliche eingelagert. Doch der damals aktuelle Jahrgang 2004 sollte nicht als Referenz herangezogen werden, wenn man diese Weinregion für sich entdecken möchte. Die angrenzenden Jahrgänge 2003 und 2005 sind deutlich besser und zeigen, dass Beaujolais deutlich mehr "drauf" hat, als man in Deutschland weitläufig verlautbart.

Die Weine der AOC (seit 1936) Côte de Brouilly gehören zu den 10 Crus im Beaujolais, und diese Weine sind LAGERFÄHIG, auch wenn man dies in Deutschland noch nicht wahrgenommen hat. Leider hat der Beaujolais primeur das Image aller Beujolaisweine so nachhaltig versaut, dass der gute Stoff kaum eine Chance hat, wahrgenommen zu werden. Die gute Seite dieser Medaille ist, dass auch die CRU-Weine – nach wie vor – sehr preisWERT sind.

2003 war auch im Beaujolais – so wie in fast ganz Europa  – von viel Sonne und Sommerhitze geprägt.  Dementsprechend besitzt die Cuvee Zaccharie eine ausladende Frucht und die Aromatik erinnert mich an den Rumtopf meiner Eltern aus fernen Kindertagen, der mir zwar regelmäßig vergönnt war, von dem ich aber trotzdem ab und an im Keller heimlich genascht habe. Viel Kirschfrucht und eine fruchtige Süße, die schwer zu beschreiben ist, beherrschen den Eindruck in Mund und Nase. Wenn man es negativ formulieren möchte, würde man wohl "etwas verwaschen" sagen, aber an kalten Wintertagen – wie hier im Skiurlaub – ist es genau das Richtige. Der Wein füllt Mund und Rachen und wärmt von innen. Rosinierte Töne erinnern mich ein wenig an Amarone, aber die durchaus erkennbare Mineralik zeugt davon, dass der Wein von sehr alten, tief wurzelnden Gamay-Reben stammt, die auf Vulkangestein stehen. Die Ernte der 7.000 -10.000 Reben pro Hektar erfolgt von Hand, der Ausbau wird zu 1/10 in neuem Holz vollzogen, der Rest verbringt die neun Monate in 1-5 jährigem Holz. Der Wein hat  noch kräftige, runde  Tannine, die dem Wein Struktur geben, leider wirkt aber die Säure etwas aufgesetzt und ich möchte  nicht ausschließen, dass in diesem Hitzejahr nachgesäuert wurde, wenngleich man auf dem Chateau eigentlich den naturnahen Anbau im Weinberg und den schonenden Ausbau im Keller pflegt.

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