2002 Philippi Spätburgunder „R“, Koehler-Ruprecht – Pfalz (Ski12)

91+ Punkte – Eigentlich hätte ich drauf kommen müssen, denn wenige Wochen zuvor hatte ich einen 1989er Pinot Noir aus gleichem Hause im Glas und das war ein ebenfalls tolles Ding, das mich total überrascht hat.  Trotz der weit auseinanderfallenden Jahrgänge gibt es Parallelen zwischen beiden Weinen – dies gilt insbesondere für die Komplexität und die feinen Würzaromen, die beide Weine auszeichnet. Der "R" aus 2002 ist zu Beginn mit etwas Erdbeerduft und Noten von rotem Tee (Hagebutte) eher unspannend. Aber im Glas baut er so etwas von aus, dass man weder Nase noch Gaumen vom Glas trennen möchte. Mich hat insbesondere die Komplexität und die feine Kräuter- und Würzaromatik begeistert. Der Wein zeigt dabei eine schöne Saftigkeit und auch die eher kräftige Säure wirkt noch gut integriert. Lediglich im Abgang gab es Abzüge aufgrund einer nicht so ausgeprägten Länge. Jetzt aus großen Gläsern trinken.

2002 Saumur Champigny, Clos Rougeard – Loire (Ski11)

88 Punkte – Die Weine der beiden Brüder Nadi und Charlie Foucault sind nicht nur biologisch erzeugt, sondern geniessen bei eingefleischten Kennern auch einen gewissen Kultstatus. Bei den Weißweinen setzt man auf die Chenin Blanc Traube, bei den Rotweinen wird fast ausschließlich Cabernet Franc angebaut. Anders als in fast allen Regionen Europas gilt – zumindest bei den Weißweinen – das Jahr 2002 als ganz, ganz großer Jahrgang. Aber auch den Roten wird ein sehr guter Jahrgang attestiert.

Dieser Wein braucht Luft, zu Beginn ist er ziemlich zugenagelt und wirkt grün (feuchtes Holz, feuchtes Heu). Aber schon am Gaumen zeigt er sich dann harmoischer, aber auch hier tut ihm etwas Luft gut. Feine Extraktsüße, dabei recht kühl und mineralisch (die Kreide auf der die Reben wachsen, ist förmlich zu erschmecken); das kleine Bitterle zum Ende verschwindet später noch. Mit zunehmend Luft (1 Std. vorher dekantieren) entwickeln sich Aromen von Kirschen, Erdbeeren und Vanille. Auch eine Brise Nelken (Gewürz) mischt sich darunter. Am Gaumen fehlt es vielleicht etwas an Komplexität; die leichte Pfeffernote am Ende überrascht. Da es sich bei diesem Wein eher um den Einstiegswein handelt, habe ich es an diesem Abend sehr bedauert, nicht noch die beiden Saumur-Champigny-Weine "les Poyeux" und "le Bourg" verkosten zu können, denn ich muss gestehen, bei reinen Cabernet Franc Weinen ist meine Trinkerfahrung bislang eher begrenzt.

 

Wachau Probe 2006 & 2007

Am vergangenen Samstag fand bei einem Weinfreund eine wunderbare Wachauprobe statt, die einen schönen Überblick über die Jahrgänge 2006 und 2007 gab. Neben den Weinen der Altmeister F.X. Pichler und Emi Knoll gab es auch phantastische Neuentdeckungen zu machen, so z.B. ein 2007 Neuburger vom Weingut Schneeweis oder einen 2007 Grünen Veltliner Smaragd vom Zornberg (toller Lagenname!) von Sighardt Donaubaum. Auch nicht zu vergessen der 2006 GV Smaragd "Von der Schön" aus dem Winzerthaus Graben-Gritsch. Die Krone des Abends ging dann doch an einen altbekannten Starwinzer der Wachau: Emi Knoll hat mit seiner Riesling Vinothekfüllung 2006 wohl einen der besten Weine überhaupt in Österreich in 2006 erzeugt.

 

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2000 Pouilly Fuissé Vieilles Vignes, Domaine Cordier – Mâconnais (Ski10)


90 Punkte – Es war reiner Zufall, aber passend, dass wir am Vorabend mit Beaujolais aufhörten und nun einen Wein aus dem nördlich angrenzenden Mâconnais im Glas hatten. Ein Schicksal teilen sich beide Regionen leider: In Deutschland assoziiert man mit ihren Namen nur schwache Weinqualitäten, wobei dem Mâcconais noch der Umstand anhaftet, dass viel zu wenig Leute diese Anbauregion überhaupt kennen.

Jedoch gibt es im Mâcconais ein Gebiet, das sich als "gallisches Dorf" erweist und das seit jeher ein besseres Image genießt: in der Gegend von Pouilly Fuissé finden die Chardonnayreben auf  den welligen Kalksteinhügeln – mit ihren Lössböden – ideale Bedingungen. Die Domaine Cordier ist Ende der 90er Jahre bekannt geworden, nachdem Robert Parker die Weine von Christophe Cordier entdeckt hatte und sie teilweise höher bepunktete, als die weißen Burgunder (und Preisknaller) von Coche-Dury oder Comte Lafon.

Doch die Wahrheit liegt bekanntlich im Glas. Unser Chardonnay verströmte reife, fruchtige Noten, insbesondere eine gereifte Birnenfrucht. Darüber hinaus wirkte er ein wenig rauchig und auch käsige Anklänge habe ich mir notiert. Am Gaumen dann recht frisch; mit gutem Extrakt und einer kräftigen Säure. Die kalkige Mineralik steht ihm gut, die Citrus- und Maracujanoten passen gut dazu und mit zunehmender Luftzufuhr wird er auch etwas geschmeidiger. Die Reife des Weines verrät sich durch eine dezente Nussigkeit und Punktabzug gab es für die wenig vorhandene Länge im Abgang.

2003 Côte de Brouilly Cuvee Zaccharie – Chateau Thivin – Beaujolais (Ski9)

89 Punkte – Mein lieber Freund Ole hat mich in 2005 ins Beaujolais "geschleppt" und wir haben viele, viele Wein verkostet und ich habe auch etliche eingelagert. Doch der damals aktuelle Jahrgang 2004 sollte nicht als Referenz herangezogen werden, wenn man diese Weinregion für sich entdecken möchte. Die angrenzenden Jahrgänge 2003 und 2005 sind deutlich besser und zeigen, dass Beaujolais deutlich mehr "drauf" hat, als man in Deutschland weitläufig verlautbart.

Die Weine der AOC (seit 1936) Côte de Brouilly gehören zu den 10 Crus im Beaujolais, und diese Weine sind LAGERFÄHIG, auch wenn man dies in Deutschland noch nicht wahrgenommen hat. Leider hat der Beaujolais primeur das Image aller Beujolaisweine so nachhaltig versaut, dass der gute Stoff kaum eine Chance hat, wahrgenommen zu werden. Die gute Seite dieser Medaille ist, dass auch die CRU-Weine – nach wie vor – sehr preisWERT sind.

2003 war auch im Beaujolais – so wie in fast ganz Europa  – von viel Sonne und Sommerhitze geprägt.  Dementsprechend besitzt die Cuvee Zaccharie eine ausladende Frucht und die Aromatik erinnert mich an den Rumtopf meiner Eltern aus fernen Kindertagen, der mir zwar regelmäßig vergönnt war, von dem ich aber trotzdem ab und an im Keller heimlich genascht habe. Viel Kirschfrucht und eine fruchtige Süße, die schwer zu beschreiben ist, beherrschen den Eindruck in Mund und Nase. Wenn man es negativ formulieren möchte, würde man wohl "etwas verwaschen" sagen, aber an kalten Wintertagen – wie hier im Skiurlaub – ist es genau das Richtige. Der Wein füllt Mund und Rachen und wärmt von innen. Rosinierte Töne erinnern mich ein wenig an Amarone, aber die durchaus erkennbare Mineralik zeugt davon, dass der Wein von sehr alten, tief wurzelnden Gamay-Reben stammt, die auf Vulkangestein stehen. Die Ernte der 7.000 -10.000 Reben pro Hektar erfolgt von Hand, der Ausbau wird zu 1/10 in neuem Holz vollzogen, der Rest verbringt die neun Monate in 1-5 jährigem Holz. Der Wein hat  noch kräftige, runde  Tannine, die dem Wein Struktur geben, leider wirkt aber die Säure etwas aufgesetzt und ich möchte  nicht ausschließen, dass in diesem Hitzejahr nachgesäuert wurde, wenngleich man auf dem Chateau eigentlich den naturnahen Anbau im Weinberg und den schonenden Ausbau im Keller pflegt.

2006 Mittelheim St. Nikolaus 3 Trauben; Peter Jakob Kühn – Rheingau (Ski8)

92 Punkte – Viel habe ich hier über die Weine von Peter Jakob Kühn bereits geschrieben (um die einzelnen Notizen zu lesen, bitte die Suchfunktion, s.o., benutzen), und auch dieses Mal ist klar: "normaler" Riesling ist das nicht. Muss auch nicht, wie ich finde. Weinunikate, an denen man sich reiben und diskutieren kann, gibt es viel zu wenig – aber hier war mal wieder ein eben solches im Glas.

Zu Beginn sehr blütig, mit Anklängen an Rosen, Lavendel und Bergamotte; mit zunehmend Luft setzen sich die Fruchtnoten und die klare Mineralik (Feuerstein) mehr in Szene. Am Gaumen extrakt- und körperreich, klar und mit zupackender Mineralik; gelbe Früchte, Pfirsich und Waldmeister: schöne Würzaromen, die ich mit Baumrinde assoziiere. Kühle Art und mit geradliniger Saüre, die dem Wein ausgezeichnet steht; sehr gute Länge. Letztendlich verändert der Wein sich permanent und es ist schwierig ihn richtig zu fassen zu bekommen, aber das macht auf der anderen Seite die Faszination, die er auf mich ausübt, aus. Der Wein hat Potential für ein langes Leben und wird sicherlich auch Phasen durchlaufen, in denen er nicht so charmant daherkommt, wie ich ihn erlebt habe – aber so ist es nun mal mit Weinen, die charakterstark sind und die Phasen des Lebens voll mitnehmen.

2007 Kirrweiler Mandelberg Weißburgunder Großes Gewächs, Weingut Bergdolt – St. Lamprecht (Ski7)

92 Punkte – Ich erinnere mich noch gut an den 2001er Jahrgang, von dem ich vor ca. einem halben Jahr die letzte Flasche getrunken habe (vgl. http://weinwelt.blogg.de/eintrag.php?id=289 ) –  einerseits glücklich genossen, andererseits  hat es mich gewurmt, dass nicht noch weitere im Keller liegen, denn der Wein wäre auch in den nächsten 2,3 Jahren noch ein Hochgenuss gewesen – und welcher so alte trockene Weißburgunder kann das von sich behaupten.  

 

Auf Basis dieser Erfahrung habe ich mir vom 07er ein paar Flaschen mehr gekauft, denn ich glaube, dass es zwischen den Jahrgängen 2001 und 2007 deutliche Parallelen gibt. Vielleicht war der 01er noch etwas mineralischer und strukturbetonter, aber ich gehe fest davon aus, dass ich auch den 07er Jahrgang  locker bis zum 2014/15 trinken kann.

 

Doch bereits jetzt in seiner Jugend bringt dieses Musterexemplar von Weißburgunder reichlich Genuss ins Glas. Frisch und glockenklar verströmt er ein Parfüm von gelben Äpfeln, Melone und Cassis. Am Gaumen findet man Anklänge an Honig, Nüsse und Wiesenblumen. Der Wein besticht mit einer hohen Reintönigkeit, seiner wunderbaren, mineralischen Klarheit und einem guten Druck, mit dem er Mund und Rachen vollkommen auskleidet. Hinzu kommen eine feste Struktur, ein zarter Schmelz und eine richtig gute Länge –   für mich ist das ein Referenzwein in Sachen Weißburgunder. Well done !!

1999 Cabernet Sauvignon Premium Reserva, Zar Simeon – Bulgarien (Ski6)

92 Punkte – Gesehen habe ich diese Premium-Version der „normalen“ Reserva noch in keinen Weinhandel, aber umso schöner, dass wir sie – Dank Mathias – verkosten konnten. Laut Etikett hat man für diesen Wein nur die „reifesten Trauben von den ältesten Rebstöcken, die man finden konnte“ (Klasse Formulierung 🙂 verwendet. Für den 12-monatigen Fassausbau hat man zu 100% neue Hölzer verwendet. Beweis für die besonders reifen Trauben sind die 14% Alkohohl – gegenüber 12,5% bei der „einfachen“ Reserva aus gleichem Jahrgang.

 

Die Nase wirkt kühl und zeugt von reifen, dunklen Früchten. Hinzu kommt ein Touch Vanille, Schokolade und die kühle Frische von Eukalyptus und Minze. Am Gaumen ein ähnliches Bild, saftig, voll ausgereifte Tannine und eine dunkle, kühle Frucht (Knubberkirschen, Cassis, Zwetschgen), die kombiniert mit ätherischen Noten sowie Anklängen von Schokolade und  Zedernholz zu einem kraftvollen und eleganten Wein beiträgt. Diesen Wein würde ich gerne in jede Bordeaux oder Napa-Probe als Pirat einschmuggeln.

1999 Cabernet Sauvignon Reserva, Zar Simeon – Bulgarien (Ski 5)

85 Punkte – Es war schon lustig, wie wir um diesen – ebenfalls blind getrunkenen – Wein herumgeraten haben. Letztlich lag ich nicht ganz daneben, wurde aber für meine etwas flapsige These: „Ostblock“ gescholten und gefragt, ob ich die letzten zwei Jahrzehnte Winterschlaf gehalten habe. Dennoch wurde es zum running gag des Skiurlaubs und bei jeder Flasche Wein, zu der wir bei unserem allabendlichen Weinquiz  keine rechte Meinung hatten, kam die Frage: „Ostblock“? 

 

Gut gereift und immer noch schön frisch zeigt sich diese Cabernet Reserva. Zu Beginn recht schlank, baut er im Glas jedoch leicht aus und eine recht saftige Kirsch- und Cassis-Frucht kam zum Vorschein. Mag es das Bitteraroma von Orangenzesten sein oder ist es kleines Bitterle aus dem Fassausbau, richtig stören tat es nicht und letztlich hatten wir einen ordentlicher Wein, mit Struktur, Substanz und einer gewissen Länge im Glas.   

 

2004 Pinot Grigio Sialis, Agricola Franco Terpin – Venezien (Ski4)

80 Punkte – Die Farbe ist äußerst ungewöhnlich, nicht rosé, sondern eher ein sehr blasses orange mit Nuancen zu rosé und ocker. In der Nase ist der Wein zunächst recht verhalten, mit zunehmender Luftzufuhr wird sie jedoch ausgeprägter. Ich kann mich des Gefühls nicht erwähren, dass ich hier eigentlich nicht wirklich Wein vor mir habe, sondern eher ein weinhaltiges Softgetränk – so weich, rund und gemacht kommt mir der Wein vor. Von der Aromatik erinnert er mich ein wenig an roten (Malven-) Tee; ein Hauch von Tannin ist spürbar, von der Säure her wirkt er eher weich und reduziert.

 

Ein besonderes Phänomen konnten wir feststellen, als bereits ca. 2/3 der Flasche getrunken war und der Wein erneut in die leeren Gläser nachschenkt wurde. Das bislang in der Flasche verbliebene 1/3 des Weines war einerseits deutlich dunkler und trüber, andererseits auch im Aroma deutlich intensiver und so fanden wir auch noch Aromen (Walderdbeeren und gelbe Melone), die bis dato im Wein nicht auszumachen waren. Der Grund hierfür dürfte in den Trübteilen liegen, die dieser ungefilterte Wein während der Maischestandzeit mitbekommen hat. Diese für Weißwein völlig ungewöhnliche Methode, den Most während der Vergärung nicht von den Schalen zu trennen, dürfte dafür ebenso verantwortlich sein, wie für die ungewöhnliche Farbe. Zwar gehört der graue Burgunder zu den Rebsorten, die bei der Traubenreifung die Farbe wechseln und rote Farbpigmente (chemisch nicht identisch mit denen der roten Rebsorten) ausbilden, jedoch regelmäßig ohne Einfluß auf den Wein, da es keine Maischestandzeiten gibt, in denen die Farbpigmente in den Wein ünergehen können.  Auch wenn eine Maischestandzeit bei Winzern, die versuchen alte Ausbaumethoden wieder zu beleben, auch bei Weißweinen Anwendung findet (vgl. Gravner in Italien oder P.J. Kühn im Rheingau), so muss man jedoch bei diesem Erzeuger feststellen, dass solche Experimente nicht immer von Erfolg gekrönt ist.