2001 Chateauneuf-du-Pape, Domaine de la Vieille Julienne, Chateauneuf-du-Pape (Ski3)

91 Punkte – Der Wein zeigt eine etwas überreife, extraktsüße Frucht mit angenehmer Saftigkeit; dunkle Beeren, Brombeeren, Pflaumenkuchen, Lakritze, Kaffee und eine feine Würze. Die ungeschönte und ungefilterte Cuvee aus 90% Grenache (mit kleinen Anteilen von Mourvedre, Syrah, Cinsault und Counoise) zeigt eine mittlere Komplexität, ist druckvoll und zeugt von einer gewissen Eleganz. Die gute Säure und die festen Tannine verleihen ihm Struktur, sodass auch eine Lagerung über weitere Jahre kein Problem darstellen sollte.

 

Parker berichtet in einer Notiz zu Domaine de la Vieille Julienne, dass Weinmacher und Eigentümer Jean-Pierre Daumen mit dem Jahrgang 2001 sich erstmals von alten Traditionen löste. Bei den Flaschen setzt er fortan nur „normale“ Burgunderflaschen ein (die nicht mehr die traditionelle CdP – Glasgravur/-prägung aufweisen) und das Etikett wurde komplett aufgeräumt.

2001 Hardiesse Pic Saint-Loup, Chateau Valflaunès – Coteaux du Languedoc (Ski 2)


92 Punkte – Was für ein Paukenschlag, wenn man die Nase in ein mit Hardiesse 2001 gefülltes Weinglas hält. Eine so intensive Kräuteraromatik kenne ich ansonsten nur von Kräuterlikören, aber hier entfaltet sich im Wein ein Aromenstrauß von Garrigue, Thymian, Rosmarin, Chinarinde und süßer Lakritze – erinnert mich insgesamt ein wenig an Barolo Chinato, diesen mit bis zu 70 Kräutern „veredelten“ Wein aus dem Piemont. Die Kombination aus Süße, Kräutern und Gewürzen wirkt fast berauschend, man möchte die Nase gar nicht mehr aus dem Glas nehmen.  Am Gaumen wirkt der Wein einerseits kühl (Noten von Eukalyptus und Menthol), anderseits zeigt er eine explosive, sehr extraktsüße Beerenfrucht, vermählt mit Noten von Chilischokolade und weißem Pfeffer. Durch die geschmeidigen Tannine und die ausreichende Säure ist dieser saftige, körperreiche Wein so strukturiert, dass das Extraktionsmonster ausreichend Frische und sogar ein wenig Eleganz entwickeln kann. Fazit: „sex in a bottle“ – für einst Euro 14,90.

2003 Riesling Rüdesheimer Schlossberg Alte Reben Spätlese trocken, Weingut Leitz – Rheingau (Ski 1)


88 Punkte – Läuft bereits mit hoher Viskosität ins Glas; die Nase ist dominiert von gelben und exotischen Früchten; aber auch Anklänge an Nüsse und Pfeffer sind zu finden. Am Gaumen spiegelt sich die hohe Viskosität wider, der Wein wirkt weich und seidig, fast ölig. In der Aromatik erinnert er mich an eine schöne Obsttorte, die einen (vielleicht zu) kräftigen Gelatineüberzug mit auf den Weg bekommen hat. Am Tisch fiel die Aussage: „ Ein Riesling im Gewand eines Weißburgunders“ – ein gutes Fazit für diesen Riesling, der jahrgangsbedingt „anders“ als in sonstigen Jahrgängen ausgefallen ist. Für mich stellt sich am Ende die Frage (analog zu vielen 2006er Weißweinen aus Österreich): Kann dieser Wein noch Altersschönheit entwickeln oder wird er in 2,3 oder 4 Jahren einfach durch sein.  

Wenn man Leitzweine kaufen möchte, sollte man beachten, dass weder eine Weingutsbesichtigung noch ein Ab-Hof-Einkauf möglich sind. Da Josi (Josef) Leitz große Teile seiner Produktion ins Ausland verkauft, kann man diese Politik unter Effizienzgesichtspunkten verstehen, andererseits empfinde ich diese Methode als arrogant gegenüber den Weinliebhabern und Konsumenten, die letztlich seine Existenz sichern.  Aber letztlich sind die Menschen frei und das Urteil fällt der Markt. 

Ski und Wein

Was passiert, wenn drei ski-, koch- und weinbegeisterte Buben eine gemeinsame, Reise in den Schnee veranstalten?? Auf der Hinfahrt in den Urlaubsort (Bad Hofgastein) ist das Auto fast doppelt so voll gepackt, wie auf dem Weg zurück. Zwar wurde die Menge dieses Jahr genau definiert, trotzdem ist es kein Pappenstiel, wenn man neben den Skisachen, dem normalen Gepäck noch 18 Flaschen Wein im Kofferraum unterbringen muss. So im Nachhinein betrachtet ist es dieses mal besonders auffällig gewesen, dass für die allabendliche Blindverkostung eher die Weinexoten bemüht wurden. Fragt sich nur, was war die Motivation dafür? Die Überzeugung, auf die enorme Qualitätssteigerung einiger Anbauregionen hinzuweisen oder ehemals berühmte Weine und Anbauregionen wieder in das Licht zu stellen, dass sie verdient haben oder war es einfach der Wunsch, die Freunde zu fordern und sich ein bisschen daran zu freuen, wenn die Kollegen beim blinden Probieren und anschließenden Zuordnen mal wieder so richtig daneben liegen 😉 ?  Wahrscheinlich war es eine Mischung aus allem – folgende 18 Weine haben unsere abendlichen Kochkünste (! lecker und weit weg von Spaghetti, Pizza & Co.) bereichert und werden im Folgenden vorgestellt:

1996 Chateau Durfort-Vivens – Margaux

87 (++) Punkte – Die auf Chateau Durfort Vivens erzeugten Weinqualitäten sind bis in die 20er Jahre des letzten Jahrhunderts ihrem  Status als Deuxième Grand Cru sicherlich gerecht geworden. Inzwischen ist in großem Umfang in das Weingut investiert worden, aber an alte Glanzzeiten konnte man noch nicht anknüpfen. Der 96er Jahrgang ist ein Lichtblick, doch muss man schon verdammt viel Geduld aufbringen, wenn man diesen Wein in seinem Genussstadium erleben möchte.

 

Sehr dunkles, undurchsichtiges rubinrot; in der Nase viel würzige Holzaromen, Cassisfrucht, Paprika und grüne Walnüsse.  Am Gaumen zu Beginn Tabak/Zigarrenaromatik; sehr kräutrig; dunkle Frucht; Blut (Eisen); immer noch sehr straffe Tannine. Hat sicherlich noch Potential für etliche Jahre, dürfte sich auch weiterhin positiv zu noch mehr Harmonie und Finesse entwickeln. 

1996 Cuvée Millesimée Champagner Grand Cru / dosage zéro, Pierre Moncuit – Champagne

94 Punkte – Dieser Blanc de Blanc (=reiner Chardonnay) Champagner ist für mich mit das Beste, was ich bislang an Champagner getrunken habe. Die champagnertypischen brotigen Anklänge sind wunderschön ausgeprägt, die Aromen reichen von exotischen Früchten wie Ananas und Papaja, über frisch aufgeschnittene Äpfel bis hin zu ganz zarten Noten von frischem Sauerkraut.  Im Mund ist er sehr frisch und trocken mit weichem, zartem Schmelz. Sehr feine, gleichmäßige Perlage und tolle Länge. Die Champagner von Pierre Moncuit werden auf Grund ihrer Qualität Jahr für Jahr bekannter und so ist dieser Champagner ab Hof bereits ausverkauft. Der aktuell im Verkauf befindliche 2002er Jahrgangschampagner ist ebenfalls eine besondere Empfehlung, denn der ab Hof Preis (etwas über Euro 30,-) ist leicht gesunken.  Auch wenn die Preise des 96er etwas höher lag (knapp Euro 40,-), so ist er doch weit, weit entfernt davon, was vergleichbare Qualitäten (z.B. Dom Perignon in sehr guten Jahren) der  großen Champagnerhäuser  kosten.

 

2006 Grüner Veltliner Ried Loibenberg Smaragd, Weingut Knoll – Wachau

90 (?)  Punkte – Für mich war es wichtig zu sehen, wie meinen Weinfreunden und mir dieser Wein schmecken wird, denn einerseits liebe und schätze ich die Weine von Emi Knoll Jahr für Jahr, andererseits habe ich so meine Probleme (wie schon öfters hier berichtet) mit dem fetten, alkoholstarken Jahrgang 2006 in der Wachau und Österreich insgesamt.

Schon die Nase verrät die Üppigkeit dieses Weines; ein Aroma von (über-)reifen gelben Früchten, Muskatnuss, ein wenig Rauch. Am Gaumen ein Donnerschlag an Schmelz, Frucht und Fett; sehr voller Körper; dichte, weiche (gelbe) Frucht – viel Marille/Aprikose; Anklänge an Muskat und Sahnebonbons (Werthers Echte), intensive Frucht. Es würde mich nicht wundern, wenn dieser Wein bei einer Blindverkostung in einer Batterie von Aromasorten wie z.B. Traminer nicht als Pirat auffallen würde. Wäre die Säure etwas ausgeprägter, würde der Wein mehr Spiel entwickeln und würde mir aktuell besser gefallen. Für mich einer typischer 2006er und die Zeit wird es zeigen, ob der kräftige Alkohohl die Frucht frisst und ein hohles, fettes Monster übrig bleibt, oder ob der Wein Power und Frucht in zusätzliche Komplexität umsetzt. Ich bleibe weiterhin skeptisch, aber auch neugierig genug, um ein paar Flaschen im Keller zur weiteren Beobachtung aufzubewahren.

2006 Riesling Oestricher Doosberg, P.J. Kühn – Rheingau

92 Punkte – Dieser Wein macht mich mal wieder fertig; mit himmelhoch jauchzend bis zu Tode betrübt möchte ich meine Stimmungslagen beschreiben, wenn ich die Weine der letzten 4/5 Jahrgänge von Peter Jakob Kühn getrunken habe. Ich habe mit seinen Weinen schon singuläre Weinerlebnisse gehabt, die kaum zu toppen sein dürften, andererseits gab es Flaschen, wo ich den Wein scheinbar im total falschen Zeitpunkt getrunken habe, denn die waren so schwierig, dass ich selbst bei größtem Bemühen, keine Trinkfreude entwickeln konnte.

 

Seitdem Peter Jakob Kühn  (zu Beginn dieses Jahrtausends) immer mehr auf biologischen und jetzt biodynamischen Weinbau umgestellt hat, sind seine Rieslinge alles andere, nur keine typischen Rheingauer Rieslinge aktueller Prägung. Sein Credo ist es, einerseits das auf die Flasche zu bringen, was die Natur einem schenkt (d.h. totaler Verzicht auf alle chemischen Mittel; Stärkung der natürlichen Heilungskräfte von Böden und Pflanzen – und nicht nur der Reben; Beachtung natürlicher Abläufe, z.B. Mondphasen; etc.), kombiniert mit einem Ausbau im Keller, der vielleicht so schon vor 100 Jahren und früher betrieben worden ist. Man könnte zu diesem Thema noch ganz viel schreiben, doch ich kann nur jedem empfehlen, sich einmal selbst mit den Weinen auseinander zu setzen und dann vielleicht den ruhigen, aber äußerst sympathischen Peter-Jakob auf seinem Weingut zu besuchen und sich Infos aus erster Hand geben zu lassen.

 

Aktuell gefällt mir der 2006er Doosberg sehr gut (ob dies so lange bleibt, muss man einfach ausprobieren, denn die Rieslinge von P.J. Kühn leben und verändern sich, wie kaum ein zweiter Wein, den ich kenne). In der Nase wirkt der Wein sehr traubig, soll heißen, er duftet für mich wie frischer Traubensaft; dazu kommen Noten von kühlem Rauch, frischen Birnen und noch etwas grünen Bananen. Auf der Zunge wirkt der Wein sehr klar und saftig; er hat ein schönes, weiches Säurespiel, das sich auch im Mundgefühl  durch  einen zarten Schmelz ausdrückt. In der Aromatik assoziiere ich so Sachen wie Bienenstich, weißen Pfeffer und ein wenig Vanille; im Abgang zeigt der Doosberg eine schöne Länge. Toller Stoff, der zum Nachdenken und Probieren anregt. Der Wein hat sicherlich großes Lagerpotential und man sollte nicht nur eine Flasche im Keller haben, denn es wird überaus spannend sein, zu beobachten, welche verschieden Phasen und Aromenbilder dieser ungewöhnliche Riesling noch durchlaufen wird.

 

2003 Gewürztraminer Nussbaumer, Kellerei Tramin – Südtirol

91 Punkte – Das, was ich bereits zur Kellerei St. Michael-Eppan geschrieben habe, gilt für die Genossenschaft Tramin mindestens in gleichem Maße. Hier wird seit Jahren Wein auf allerhöchstem Niveau erzielt – dies freut sowohl die genießenden Weintrinker, als auch die Genossen, denn inzwischen verdient man richtig gutes Geld und die produzierten Weine fehlen in keinem gut sortierten Weinhandel in Italien.

 

Völlig überrascht hat mich dieser Gewürztraminer aus dem Hitzejahr 2003. Auch nach 6 Jahren besitzt er noch eine angenehme Frische, die besonders bei dieser aromenintensiven Rebsorte keine Selbstverständlichkeit ist. Intensives Bukett von Rosen, Haselnüssen und Litschis, eine Spur Jod ist ebenfalls erkennbar. Am Gaumen ein ähnliches Bild, dazu gesellen sich Eindrücke von Rosinen, Muskat und Mango. Jahrgangstypisch besitzt der Wein einen vollen Körper, läuft schwer/ölig ins Glas und den Mund und besitzt einen kräftigen Alkohol. Dennoch reichen für mich Frische und Säure aus, um einen Gegenpol zum Alkohol und zur „Öligkeit“ zu bilden, sodass der Wein nie schwer, langweilig oder gar sprittig wirkt. Der Gewürztraminer Nussbaumer ist für mich Jahr für Jahr eine feste Größe und ich kaufe ihn regelmäßig für meinen Keller ein. Grundsätzlich hat er das Potential für 10(+) Jahre Lagerung, viele trinken ihn jedoch sehr gerne jung bzw. können die Finger nicht davon lassen, sodass sie ihn nie im gereiften Zustand erleben.

 

2001 Sauvignon Blanc St. Valentin, St. Michael-Eppan – Südtirol

90 Punkte – Der 2001er Sauvignon Blanc St. Valentin zeigt eine reife Frucht, die immer noch  mit einer schönen Frische glänzt, aber natürlich nicht mehr die Knackigkeit jüngerer Jahrgänge besitzt. Dafür ist er jetzt besonders harmonisch und die Säure scheint perfekt dosiert und eingebaut. Am Gaumen zeigt sich ein feiner Schmelz; der Wein ist mittelgewichtig und die Hand geht bei mir klar zum Glas. Bei der Frucht dominieren Aromen von gelben Früchten und reifen Stachelbeeren; die grasigen Noten der Jugend sind zurückgegangen; hinten heraus bleibt er leider nicht mehr ganz so lange am Gaumen stehen, wie in früheren Jahren. In den nächsten 12-18 Monaten austrinken.

 

Für mich gehört Kellereigenossenschaft St. Michael-Eppan – mit den Genossenschaften Tramin und Terlan – zu den besten Erzeugern, die Südtirol zu bieten hat. Ich frage mich, was unterscheidet diese Genossenschaftsbetriebe von den deutschen Kellereigenossenschaften, die solche Qualitäten einfach nicht auf die Flasche bekommen. Eine Vermutung meinerseits sind die klaren Organisationsstrukturen der südtiroler Genossenschaftskellereien. Da gibt es leitende Geschäftsführer (und keine Handlanger, die ausschließlich an Firlefanz-Entscheidungen der Genossen gebunden sind) in allen Bereichen, die eigene, klare Entscheidungen treffen, und an die sich die Mitglieder/Genossen halten müssen. Beispielhaft sei hier die Traubenqualität genannt: in den Südtiroler Genossenschaften gibt es klare Festlegungen, ob die Trauben einer Lage und eines Betriebes in den „Erstwein“ kommen oder für die Weinbereitung der Zweit- und Drittweine herangezogen werden. Hat ein Weinbauer Reben in sehr guten Lagen und hat er in den letzten Jahren seine Rebanlagen so gepflegt, dass hier hochwertige Trauben heranreifen können, so merkt er dies auch deutlich im Geldbeutel, denn für hervorragende Trauben zahlt die Genossenschaft bei der „Einlieferung“ einen deutlich höheren Preis als für die Trauben aus „einfachen“ Lagen. Vorraussetzung für einen guten Traubenpreis ist jedoch auch die Umsetzung der Genossenschaftsvorgaben über das gesamte Jahr. Strenge Kontrollen stellen sicher, dass z.B. die grüne Lese und andere die Qualität fördernde Maßnahmen dann vollzogen werden, wenn der optimale Zeitpunkt dafür – lt. Ansage der Verantwortlichen – gekommen ist.