1990 Barbaresco Sori San Lorenzo, Angelo GAJA – Piemont

93-95 Punkte: im Vergleich zum 90er der bessere Jahrgang. Was für ein dunkler, tiefer und immer noch juegendlicher Barbaresco!! Die Nase wirkt frisch, mit tiefer, dunkler Frucht, Kirsche und Holunder. Einmal im Mund kann man das Alter dieses Nebbiolos kaum glauben; er ist so frisch und jung in seiner Aromatik; die noblen Tannine sind kraftvoll und strukturgebend. Am Gaumen überzeugt mich die Frucht und die Struktur dieses Weines zu 100%; so tief, rein und klar ist dieser Wein. Aber auch der 2.Gaja stand an diesem Barolo-/Barbarescoabend im Kontext mit anderen großen Weinen der Region und so fiel es mir auch beim 90er schwer, diesen Wein klar als Barbaresco zu identifizieren. Ich weiß nicht so genau, ob es die Röstaromen aus dem Holz waren, die dem Wein zwar perfekt zu Gesicht standen und die sich hervorragend in das Gesamtbild einfügten, oder ob es vielleicht die hohen Extraktwerte/Extraktsüße waren, aber so ein richtiges Bild eines Barbaresco wollten meine Sinne mir bei diesem Wein nicht malen. Trotzdem richtig genialer, kraftvoller und komplexer Stoff, der gleichzeitig sehr harmonisch und sinnlich wirkt. An dieser Stelle auch der Hinweis, dass ich den Wein deutlich über 92 Punkte erlebt habe, nur die mir etwas fehlende (oder anders ausgedrückt, die vielleicht von mir nicht wahrgenommene) Typizität eines Barbaresco gab Abzüge in der "B"-Note.  

1989 Barbaresco Sori San Lorenzo, Angelo GAJA – Piemont

90-93 Punkte – GAJA, der große Name des Barbaresco, der Langhe, Italiens, ja eines der berühmtesten Weingüter weltweit. So einen Wein im Glas zu haben ist allein schon aus pekuniären Gründen etwas Besonderes. Aber auch die Geschichte der Familie ist so spannend wie abwechslungsreich und nicht immer war sie von dem Reichtum geprägt, zu dem es  heute Angelo Gaja, der "Unternehmer mit der Weltkarte in der Hand"  mit viel Herz, Verstand, unternehmerischem Geschick und Visionen gebracht hat. In dem vom Hallwag-Verlag und Slow food publizierten Buch (Hrsg: Carlo Petrini) "Barolo Barbaresco" kann man z.B. lesen:

"Entstanden war die Firma 1859, als es dem Urgroßvater Giovanni, einem wohlhabenden Fuhrunternehmer, gelungen war, durch seine Hände Arbeit den fünf Söhnen und zwei Töchtern je ein Bauernhof zu vererben. Drei seiner Söhne verloren, wie es in der Langhe fast schon Tradition hatte, den Hof auch gleich wieder beim Glücksspiel. Barba Cit, also "kleiner Onkel", wie der jüngste genannt wurde (er war fast zwei Meter groß), schaffte es sogar, die beiden Bauernhöfe, die seine reiche Frau mit in die Ehe gebracht hatte, gleich mitzuverspielen. Der zweitjüngste, unser Angelo (Anmerkung: der Großvater des heutigen Angelo Gaja) mit dem Maultier (Anmerkung: bezieht sich auf die frühere Ausführungen in diesem Artikel), war von ganz anderem Charakter, "der läuft mit dem Rosenkranz in der Hand rum", sagten die Leute. Er heiratete Clotilde Rey, eine strenge, unnachgiebige Frau, die in Chambéry den Beruf der Volksschullehrerin erlernt hatte. In Barbaresco wurde sie nur Madame genannt – allein den engsten Verwandten war die Koseform Tildin bekannt. Sie wusste genau, was gute Qualität und gute Arbeit bedeuteten und übernahm sogleich im familieneigenen Gasthaus Osteria del Valpore und im Weinkeller das Regiment. (…) Als Angelo Gaja 1961 seine Arbeit in dem Betrieb aufnahm, war er in der beneidenswerten Situation, bereits über einen in Italien berühmten Namen und 33 Hektar ausgezeichneter Barbaresco-Weingärten zu verfügen. (…)"

Noch detailliertere Informationen findet man im Buch "Sori San Lorenzo – Die Entstehung eines großen Weins" von Edward Steinberg, das 1996 von Slow Food herausgebracht wurde.

  

Der Barbaresco Sorì San Lorenzo ist regelmäßig geprägt von Kraft, Muskeln und Potential. Dies gilt auch für den 89er !! Ein unglaublich junger Wein, mit dunklem Kern steht er im Glas. Die tiefe Frucht ist geprägt von sehr dunklen Fruchtaromen, Wacholderbeeren und grüner Banane. Auch am Gaumen ist er kraftvoll, mit schönem, runden Mundgefühl, eher dunkler Frucht, guter Säure und schöner Tanninstruktur; gute Länge. Im Vergleich zu allen anderen Nicht-Gaja-Barolo/Barbarescoweinen an diesem Abend wirkte er sehr sooo jung, aber auch ein wenig zu glatt. Aber ich möchte dem Wein nicht Unrecht tun, daher die weit gefaßte (90-93 Punkte) Bewertung, obwohl ich glaube, dass man Schwierigkeiten haben wird – ihn blind verkostet – klar dem Piemont zuzuordnen. Muss nachverkostet werden.  

1990 Barolo Collina Rionda Riserva, Bruno Giacosa – Piemont

96 Punkte – Und da war wieder so eine süchtig machende Flasche. Für diese Sorte von Wein benötigt man jedoch Zeit, um sie zu zelebrieren und zu verstehen – dies ist kein Wein für den schnellen Genuß.

Zu Beginn im Glas (Flasche wurde mehrere Stunden vorher geöffnet) überraschend gereiftes Bukett von Rosen, Fleischbrühe und Liebstöckel, dass im Glas jedoch ausbaut und immer jünger (!) wird. Dann dunkle Fruchtnoten, etwas rauchig, Unterholz und ein Hauch Schokolade.  Am Gaumen ein unglaublich vielschichtiger Wein, mit Substanz und Tiefe. Mittelgewichtig, mit dunklen Waldfruchtaromen, erinnert an feinste Pralinen, ein Hauch malzige Süße. Wird immer  feiner und differnzierter, bestens definiert (tolle Tanninstruktur), mit lebendiger Säure und hoher Eleganz.

2001 Diana Madeline, Cullen Wines – Australien

85 Punkte – Wein benötigt etwas Luft um sich zu entfalten, kühler Stil, kräftige Säure, dunkle Frucht, recht fester, aber eher schlanker Körper, keineswegs australisch fett, reife, aber kräftige Tannine, die Frucht wirkt am Gaumen ebenfalls dunkelbeerig, angenehmer Saft, ein Hauch würzig, ein Hauch Kaffee, insgesamt eine sehr stimmige und ausgewogene Cabernet/Merlot-Cuvee, aber irgendwie uninspiriert und in der Mitte mit aromatischem Löchlein. Für eine höhere Punktzahl fehlt es an Komplexität und aromatischer Länge. Für deutlich über Euro 30,- aber zu wenig Genuss. Austrinken.

1988 Barolo Falletto di Serralunga, Bruno Giacosa – Piemont

91 Punkte – Zu Beginn etwas stallige Noten in der Nase, dann ins kräutrige  wechselnd. Am Gaumen recht schlank; eher burgundischer Stil. Positiv ausgedrückt ein "Leise-Treter", der durchaus über eine komplexe Aromenstruktur und eine subtile Art verfügt. Angenehme Länge im Abgang. Sollte jetzt oder in den nächsten 2-4 Jahren getrunken werden.

1989 Barolo Cicala, Aldo Conterno – Piemont

94 Punkte – Die Lage Bricco Cicala ist eine muldenförmige, windgeschützte Lage im oberen Teil des Tals von Bussia Soprana. Dieser Wein wird nur in guten Jahren erzeugt, ansonsten sind auch diese Trauben Bestandteil des "Standardbarolos" Bussia Soprana. Die Böden sind karg und der hier erzeugte Barollo gilt als besonders langlebig.

Der 89er Cicala strömt dunkel ins Glas – wirkt dicht und jung. Aufregend frisch betört er die Nasenschleimhäute. Am Gaumen sehr klar, tief und aromatisch. Auffallend schön sind die reichlich vorhandenen, ausgereiften Tannine, die dem Wein ein hervorragende Struktur geben. Feine Fruchtsüße, gepaart mit einer perfekt balancierten Säure; viel innere Harmonie und Eleganz lassen diesen Barolo zu einem Trinkerlebnis werden. Wie schon beim "einfachen" Barolo Bussia Soprana überzeugt auch hier die für den Erzeuger so typische Klarheit und Reinheit dieses Barolos. Fazit: pure Barolo!!

1989 Barolo, Bartolo Mascarello – Piemont

93 Punkte – Im direkten Vergleich zum 88er getrunken – es zeigt sich einmal mehr, welchen Einfluß die Jahrgänge haben können. War der 88er eher ein wenig vorzeitig gealtert, so zeigt der 89er Barolo, was es heißt ein stolzer Nebbiolo zu sein:

In der Nase betörend reife rote Früchte, Teer und Anklänge an getrockente Kräuter und Blüten; am Gaumen frisch, präsent, mit schönem Schmelz und kräftigen, aber reifen und recht runden Tanninen. Schöner Grip am Gaumen, reichlich Frucht mit eher dunklen Fruchtaromen, etwas Kohle und dunkler, herber Kakao. Das ganze ist unterlegt mit einer ausgewogenen Säure und einer feinen Fruchtsüße, sodass sich ein sehr harmonischer und sehr ausgewogener Gesamteindruck entwickelt.

1988 Barolo, Bartolo Mascarello – Piemont

85 Punkte – Der leider inzwischen verstorbene Bartolo Mascarello war ein politischer Mensch, nicht zuletzt seine offen artikulierte Abneigung gegen Berlusconi weit und breit bekannt. So klar wie seine politische Meinung waren auch seine Barolos. Gewinnmaximierung mit dem Ausbau von einzelen Cru-Lagen hat er genauso abgelehnt, wie den Einsatz von barriques. Er erzeugte stets nur einen Barolo, eine Assemblage von Trauben vier verschiedener Parzellen, drei davon stammen aus der großen Lage Cannubi. In der Regel kam sein Barolo ungefiltert auf die Flasche und bei der Füllung richtete er sich nach dem Mondkalender. Bei Barolotrinkern und -sammlern sind bis heute seine handgemalten, "naiven" Etiketten besonders beliebt.

Auch wenn ich seine Barolos sehr mag, muss man beim 88er ehrlich zugeben, dass er ein wenig vorschnell gealtert ist. In der Nase Maggi (Liebstöckel) satt, Anklänge an Fleischbrühe und Teer; am Gaumen wieder jünger wirkend, mit noch erkennbarer Frucht, aber die Tannine wirken etwas unruhig und dem Wein fehlt es an Harmonie.

1988 Bussia Soprana, Aldo Conterno – Piemont

91 Punkte – Die 88er Ausgabe von Aldo Conternos "Einstiegsbarolo" gefällt mir einen Tick besser als der 85er. In der Nase zwar sehr verhalten, zeigt er am Gaumen eine hervorragende Klarheit. Er wirkt – auch dank der straffen Säure – sehr frisch, fast noch jugendlich; mittlerer Körper; am Gaumen sehr rein und klar; mit innerer Harmonie, im positiven Sinne "unspektakulär"; für mich ein klassischer Barolo, der zum Essen getrunken werden sollte, vielleicht auch zwischen zwei Gängen, da die Zunge durch das Tannin "auf Null" gesetzt wird, sodass der nächste Gang aromatisch nicht vom letzten beeinflußt wird.

1982 Barolo Cottina Rionda Riserva, Bruno Giacosa – Piemont

98 Punkte – Was für ein traumhafter Wein !! Dieser Barolo vereint große Harmonie und Eleganz mit einer inneren Spannung und – für das Alter – großen Frische, die nur ganz, ganz, ganz wenige Weine dieser Welt vorweisen können. Jemand am Tisch sprach von einem erhabenen Wein –  das ist mir vielleicht ein wenig zu pathetisch, aber großer Stoff ist das allemal. Die Aromatik in Nase und Mund ist unglaublich tief, komplex und fein und alle Versuche einer verbalen Beschreibungen sind irgendwie zu kurz gefasst, aber die ganz feine Süße, die perfekt reife Säure und die edlen, ausgewogenen Tannine möchte ich gerne herausstellen. Die Aromatik bezeichne ich persönlich als klassisch:  Noten von (welken) Rosen, Teer, roten Früchten,  sowie feuchter Erde, etherischen Anklängen und Trüffel. Und nochmals die Tiefe, Komplexität  und die Finesse – bis weit rein in den laaaaangen Abgang – sind total beeindruckend.

  

Einen Barolo aus der Lage Vigna Rionda hat Bruno Giacosa zuletzt im Jahr 1993 vinifiziert. Da Bruno Giacosa erst Mitte der 80er Jahre (1984) damit begonnen hat, eigene Weinberge zu kaufen, stammen sämtliche Weine vorher aus zugekauften Trauben. Einen perfekten Überblick über alle erzeugten Weine und Qualitätsstufen (weißes/rotes Etikett) findet man auf folgender Seite:

http://networks.ecse.rpi.edu/~vastola/wine/giacosa/barolo/index.html