2004 Le Pergole Torte; Montevertine – Toskana

94 (88) Punkte – Geburtstagswein Nr.2 – Was für ein Pech, ich habe diesen Wein schon zweimal in seiner absoluten Jugend genossen und war unendlich begeistert, aber an diesem Abend hatte er beschlossen, sich zu verkriechen, sich einzuigeln, um für kein gutes Geld dieser Welt mehr aus sich  heraus zu kommen. Pergole Torte ist die Bastion der Individualisten und Genusstrinker in einer Zeit, wo häufig nur Konzentration, Power und Zungenkleister angesagt sind.

Dieser Wein war schon in seiner Jugend ein Ausbund an Feinheit, an Nuancenreichtum und großer Eleganz. Bitte nicht falsch verstehen, der Wein hat Struktur, Rückgrad und ein riesiges Potential, aber er ist eben kein vordergründiger Blender, der mit viel Alkohol, viel Konzentration beim ersten Schluck begeistert, dann aber den "Langeweiletod" stirbt. Dieser Wein ist spontan vergoren, in seiner Stilistik eher einem traditionellen Nebbiolo oder gar Pinot Noir gleich – eben ein Wein für Menschen, die sich einlassen wollen, die horchen, riechen, schmecken und nachfragen, kein Wein für Fast-Wine-Trinker!!!

Grundsätzlich gilt dieses Hohelied für alle "Torten" aus dem Hause Montevertine, aber nicht an diesem Abend. Er wollte und wollte nicht aus dem Knick kommen, getrunken haben wir ihn trotzdem und zum hervorragenden bistecca (800 Gramm T-Bone-Steak) im Saittavini in Düsseldorf war er trotzdem lecker. Die Struktur und die Anlagen waren erkennbar, aber schon die Frucht war – hmmm wie soll ich es sagen – rudimentär. Wer diesen Wein im Keller hat, sollte ihn da mindestens 2 weitere Jahre lassen und dann mal wieder ein Flasche verkosten, vielleicht dauert es auch noch länger, bis er aus dem Knick kommt, aber dann ist er mit Sicherheit ein Hochgenuss – für diesen Weine und diesen Jahrgang verbürge ich mich gegenüber allen Hedonisten dieser Welt!! Dann wieder mindestens 94 Punkte, an diesem Abend leider deutlich darunter, vielleicht bei 87,88 Punkten.

 

P.S.  Jedes Jahr ziert ein anderes Damenportrait des Künstlers Alberto Manfredi das Etikett dieses Weines. Wirklich sehenswert ist die kleine Galerie auf er homepage des Weingutes unter:

http://www.montevertine.it/ita_prodotti_vini_pergoletorte_artistiche.html

P.S.S. Winespectator und Parker könnten kaum unterschiedlicherer Meinung sein …

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2001 Barolo Campé, La Spinetta – Piemont

94 Punkte – Am gestrigen Abend gab es etwas zu Feiern und so gönnten wir uns bei meinem Lieblingsitaliener in Düsseldorf (Saittavini) zwei schöne Flaschen. Giorgio Rivetti und seine Familie haben es innerhalb weniger Jahre geschafft, in den Olymp der modernen Nebbioloweine aufzusteigen. Die Geschichte des Hauese ist spannend nachzulesen unter http://www.la-spinetta.com/ 

Mitte der 90er Jahre begann man mit den großen Lagen-Weinen aus dem Barbaresco-Gebiet. Genial war seit Anbeginn die Wahl des Etiketts. Im Jahr 2000 folgte dann der erste Barolo, dessen Etikett diesmal kein Rhinozeros, sondern ein Löwe zierte. Für den Barolo hat man eine völlig neue Kellerei gebaut und Millionen investetiert. Der zweite Jahrgang stand nun vor mir im Glas, und ich muss unmittelbar an meinen Besuch der Kellerei von vor 2 Jahren denken – so modern die Gebäude auch sind, so fest ist man auf der anderen Seite  mit den Traditionen im Barologebiet verwurzelt . Von gleichem Charakter sind die Weine, sehr modern vinifiziert, aber trotzdem als Barbaresco und Barolo klar und deutlich zu erkennen.  

Der 2001er Barolo Campé ist irgendwie die Quadratur des Kreises, einerseits sehr modern: mit dichter, ausladender Nase; reifer Frucht, wunderbar integriertem Holz (barrique), Kaffeearomen, einer dunklen Beerenfrucht, Schwarzkirschen, Lakritz, feinen Würzaromen; dichten, aber vollreifen Tanninen und trotzdem zeigt er eine tiefe und ausgeprägte  Struktur und Säure (Eisenfaust in "fetten" Samthandschuhen), die typisch ist für einen sehr guten Barolo.  Und so ist der 2001 Campé als typischer Wein der Nebbiolorebe  klar zu erkennen.

Trotz seiner wolllüstigen Art ist der Wein noch sehr jung und hat auch weiterhin eine tolle Zukunft vor sich. Wer von diesem recht teuren Stoff (wer ihn für unter Euro 100 bekommt, darf sich freuen) vielleicht  2,3,4 oder mehr Flaschen sein Eigen nennt, sollte ihn jetzt unbedingt einmal trinken. Diese Symbiose aus Kraft, Weichheit und Sexapeal ist echt "geil". Die weiteren Flaschen können getrost bis zu  10 Jahre den Keller zieren, bevor sie getrunken werden.

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2004 Clos de la Roilette, Coudert Père et Fils – Beaujolais

Als Arbeitnehmer im banknahen Bereich wird man dieser Tage demütig und greift zu "bescheidenen" Flaschen im Keller, denn wer weiss, ob man nicht die großen Bordeaux Grand Crus eines Tages als Tauschwährung gegen eine Portion Brot, Wurst und Käse benötigt. Trotzdem muss der Genuss nicht zu kurz kommen, wie die nachfolgende, vor Ort,  für Euro 6,50 gekaufte Flasche zeigt.

87 Punkte – Einst zum Preis eines Supermarktweines (Euro 6,50)in Fleurie gekauft und jetzt mit großem Genuss zu Brot, Wurst und Käse getrunken. Beaujolais aus einer der Cru-Lagen hat mit dem bei uns bekannten Beaujolais-Primeur fast nichts gemeinsam, allenfalls die gemeinsame Rebsorte Gamay.

 

Dieser Fleurie stammt von Lagen, die bis in die 20er Jahre noch zur Nachbarlage  Moulin-à-Vent gehörte, dann aber mit Schaffung der Appelation Fleurie der neuen Cru-Lage zugesprochen wurde. Der damalige Besitzer war über diese Umwidmung so erbost, dass er seine Weine nicht mehr in Frankreich verkaufte und nur unter dem Etikett – benannt nach einem damals berühmten Rennpferd (das heute noch das Etikett ziert) nach Deutschland, der Schweiz und England verkaufte. Irgendwann hat auch dies den Besitzer nicht mehr inspiriert und die Rebflächen lagen fortan brach. Mitte der 60er Jahre hat Fernand Coudert das kleine Weingut gekauft und mit neuen Reben bestockt. Von nun an stieg die Qualität wieder und es wurde ein Fleurie geschaffen, der mit seiner Tiefe und seinen Tanninen bis heute eher an einen Moulin-à-Vent erinnert als an die blumigen und filigranen Fleurie-Weine. Inzwischen (1984) hat der Sohn von Fernand, Alain das Ruder übernommen und die Weine sind Jahr für Jahr ein Prototyp eines durchaus ambitionierten Beaujolais-Weines.

Wenngleich 2004 eher ein mittelmäßiger Jahrgang war, ist der Clos de la Roilette jetzt schön zu trinken. Die Nase duftet nach kleinen Walderdbeeren, Hagebutte und etwas Wacholder. Am Gaumen ein Mittelgewicht, mit recht schöner Struktur und durchaus kräftigen Tanninen. Die Frucht ist rotbeerig (Erbeeren und Kirschen), durchzogen mit einer feinen Graphitnote (der Boden hat relativ hohe Mangananteile) sowie Anklängen an Leder und Moos;  schöner Saft. Jetzt wunderbar zu trinken; hält sich sicherlich auf diesem Niveau die nächsten 1,2 Jahre.

Darüber hinaus wird eine Cuvée Tardive gefüllt, die noch mehr Lagerpotential und Substanz besitzt und die ersten 1,2 Jahre nach der Füllung besser im Keller verschwindet. Die beiden nachfolgenden Jahre 2005 (großer Beaujolais-Jahrgang) und 2006 sind noch besser.

2001 Gourt de Mautens, Jérôme Bressy – Rasteau

Fehlerhaft – Weil einst in der Fachpresse hoch gelobt (Parker: 92 Punkte, Rene Gabriel: 18), war das Erstaunen nach dem Ausschenken sehr groß. Gemeinsam mit einem Weinfreund, der grundsätzlich in jedem Wein das Gute sucht, schüttelte es uns schon bei der kleinsten Annäherung an das Glas: Vollkommen krasser Schwefelböchser – so ausgeprägt habe ich das noch nie erlebt, man prallt regelrecht ab. Nach großer Überwindung und ausgiebigem Lüften habe ich dann einen Schluck genommen, aber mehr auch nicht!! Es läßt sich zwar die Kraft und die dichte Frucht erkennen, aber der Böchser überlagert alles und der Wein ist schlicht ungenießbar.

Ich kann mich erinnern, dass es schon mal so eine Diskussion um diesen Wein im Jahrgang 2001 gab. Sofern ich mich recht erinnere ist man damals zu dem Urteil gekommen, dass es mindestens 2 Füllungen geben muss. Ich werde jedenfalls meine restlichen Flaschen gegen den neuen Jahrgang eintauschen, der Weinhändler hat diesem Procedere sofort zugestimmt und ich freue mich, dass es so etwas wie verantwortungsvolle Kundenpflege noch gibt.

Das Bild zeigt den abweichenden 2003er Jahrgang

2006 Röttgen 1.Lage, Heymann-Löwenstein – Mosel

92 Punkte – Gerade sitze ich mit meinem Freund Ole über 2 Gläsern Riesling 2006 aus der Lage Röttgen von Heymann-Löwenstein und wir sind überrascht, wie trinkig, animierend und ausgewogen dieser Tropfen schon ist. Das Lesegut scheint – trotz des Jahrgangs kerngesund gewesen zu sein.

Sattes goldgellb – direkt nach dem Öffnen benötigt er Luft, am besten dekantieren und große Bordeauxgläser nehmen. In der Nase viel kräutrige (Wiesenkräuter) Kraft, etwas tabakig, andeutungsweise spontane Gärungsaromen, reife gelbe Früchte, etwas Honig. Am Gaumen lebendig mit erkennbarer Restsüße, schmelzig und reife gelbe Früchte einerseits, auf der anderen Seite deutliche Mineralik und wunderbare, reife Säure, insgesamt jetzt schon ausgewogen und mit viel Genuss zu trinken, langer Abgang. Das leere Glas riecht einfach wunderbar und der Wein zeigt hier, welche Differenziertheit sich hier noch entwickeln wird. Kleiner Haken, der recht kurze Korken suppte schon ein Jahr nach der Abfüllung. Leider triftt dies auf 30% meiner Flaschen zu. Dies ist leider auch bei anderen Jahrgängen zu beobachten.

1986 Chateau Talbot – St. Julien

96 Punkte – Was für ein Baum von Wein. Dunkel, würzige Nase, rauchig, Tabak und Zedernholzbukett, schwarze Beeren. Am Gaumen straff und kraftvoll konzentriert – ein Powerstoff, der gleichzeitig tief und nachhaltig den ganzen Mund ausfüllt. Davon eine Flasche und jeder Strohwitwerabend ist gerettet. So stelle ich mir einen Zehnkämpfer vor – sehnig und kraftvoll zugleich; da gibt es nichts, was ihn aus der Bahn wirft, egal ob Sprint, Weitsprung, Kugelstoßen oder Langstrecke – auch in 10 Jahren wird er sein genussverwöhntes Publikum noch begeistern.

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1975 Pichon Longueville Comtesse de Lalande – Pauillac

88 Punkte – recht hell in der Farbe, wirkt augenblicklich reif und rund; insgesamt recht weit in ihrer Entwicklung, mittlerer Körper; feines Leder und balsamisch; wirkt frisch, was aber primär durch die leicht spitze Säure bewirkt wird, auch in Sachen Komplexität nicht allererste Wahl. Sollte jetzt wohl endgültig ausgetrunken werden.

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1990 Chateau Cos d‘ Estournel – St. Estephe

94 Punkte – Auch hier dezente Stallnoten zu Beginn, wirkt in der Nase dunkel, toastig, es duftet wie in der Lederwarenabteilung im Alsterhaus in Hamburg . Am Gaumen aber ein Schmeichler vor dem Herrn: erstaunlich schmelzig, weich, ja fast verspielt mit Aromen von Kakao(milch) und  Backflaumen einerseits sowie dunklen Anklängen von Cassis, Kaffee und Tabak andererseits. Besonders gefällt mir die innere Harmonie dieses mittelgewichtig wirkenden Weines; hedonistisches Trikvergnügen ohne große Ecken und Kanten.

1989 Pichon Longueville Baron – Pauillac

94 Punkte – der 89er Pichon Baron wirkt immer noch sehr jugendlich; zu Beginn ein ganz kleiner Pferdestall in der Nase, doch dann öffnete sich dieser dicht, dunkel und kompakt wirkende, klassische Pauillac mit nahezu perfekter Struktur. Dunkle Cassis- und Heidelbeeraromen, mit  herrlichen Röstaromen veredelt, dezent Mokka und Minze. Am Gaumen straff, fest  und edel gebaut, läßt kaum Wünsche offen und wird sicherlich auf diesem hohen Niveau die nächsten Jahre sich weiter entwickeln und vielleicht noch eine Spur an Komplexität drauf legen. Ein edler Herrenwein.

1979 Grand Vin Jaune, Louis Chaudoy – Appellation Chateau Chalon

87 Punkte – Die XING-Raritäten-Weinprobe im Düsseldorfer Restaurant Schorn, zu der jeder Teilnehmer eine besondere Flasche (Herzblutflasche) Wein mitbrachte,  begann mit einem Aperitif der besonderen Art. Ein 1979 Grand Vin Jaune von Louis Chaudoy, App. Chateau Chalon kam ins Glas und wir, also die gesamte „Mannschaft des Abends“, saß recht ratlos vor diesem Schluck. Ich hatte schon einmal über diese Art Wein aus dem Jura gelesen, aber rekapitulieren konnte ich es an diesem Abend leider nicht.

Der Wein wirkte wie eine trockener Sherry, war nussig, aber trotzdem frisch, kräutrige Anklänge waren ebenfalls gut erkennbar;  hinten heraus mit einer gewissen Schärfe belegt, aber letztlich bleibt er lange, lange am Gaumen haften und beschäftigt so den interessierten Weintrinker lange über das Schlucken hinaus. Christian Baumgart, der für diese Flasche an diesem Abend  „verantwortlich zeichnete “ wusste da schon mehr zu berichten.

Für mehr Infos bitte weiterlesen……

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