2003 Alion – Bodegas Alion (Vega Sicilia) – Ribera del Duero

92 Punkte –  Ich konnte mich an diesem Abend nicht richtig entscheiden, waren diese enorm beerigen Aromen schon zu viel. Für mich stark an oder über der Grenze zur Überreife. Macht jetzt aber trotzdem Spass, denn dieser Stoff  ist so weich, rund, geschmeidig und irgendwie sexy. Die 2003er Ausgabe des Alion ist körperreich (wohl proportiniert), samtig und hat kugelrunde Tannine. Die Frucht zeigt neben dunkelroten Beeren auch eingelegte gelbe Früchte (dürfen ja auch in keinem guten Rumtopf fehlen 😉 ); das ganze ist – wie bei einem Eismohr – mit einer leckeren Schicht Schokolade überzogen. Wie alle modernen Spanier geizt auch dieser nicht am Alkohol, aber er wirkt zur Zeit gut integriert, aber die Zukunft wird zeigen, ob dies auch für eine lange Lagerung vorteilhaft ist. Insgesamt eine runde Sache dieser 2003 Alion, kugelt aber nicht zu schnell über den Gaumen, sodass man die schöne, fruchtbetonte Länge geniessen kann. Kann man jetzt gut trinken (Karaffe ist zu empfehlen) und zeigt sicherlich in den nächsten 6-8 Jahren keine Schwächen, hat sogar etwas Potential nach oben (wenn der Alkohol nicht die Oberhand gewinnt).

Die Bodegas Alion gehören zur Gruppe Vega Sicilia und sind somit ein Teil der Geschichte eines, wenn nicht gar des prestigeträchtigsten Aushängeschildes für spanischen Wein. Die gesamte Gruppe liegt in der Hand der Familie Álvarez. Das Weingut Alion ist benannt nach der Stadt Léon, der Geburtsstätte des Firmenpatriarchen David Álvarez

1959 Volnay-Caillerets 1er Cru, Louis Latour – Burgund

92 Punkte – Dieser Wein stammte aus einem grandiosen Burgunderjahr und die Premier Cru Lage "Caillerets" gehört zu den besonders guten ihrer Art in Volnay.  Der Weine brauchte Luft, die Nase wirkte zunächst etwas muffig und zeigte Aromen, die vermuten ließen, dass der Wein überm Punkt ist. Doch am Gaumen offenbarte er von Anbeginn seine Klasse: sehr fein und ausgewogen, mit seidigem Schmelz und immer noch vorhandener Fülle; auch die Tannine sind noch spürbar. Feine Karamellnoten (zu Beginn recht deutlich), malzige Spuren und mit zunehmend Luft wird er immer komplexer in der Aromatik. Er umschmeichelt die Zunge, kullert von links nach rechts und kleidet Mund und Rachen in Seide.

2004 Chianti Classico, Castello di Ama – Toskana

84 ???  Punkte – Entweder dieser Wein ist in seiner absoluten Verschlußphase oder er hat schon seine besten Zeiten hinter sich. Die Primärfrucht scheint verdrängt, momentan dominieren dunkle und grüne Aromen. Ich glaube, dass man hier mit aller Gewalt versucht hat, dem Wein Struktur und ein langes Leben mit auf den Weg zu geben – übrig geblieben ist ein Geschmack zwischen rostigen Nägeln und harten, grünen Tanninen. Bei Robert Parker von Herrn Rovani immerhin mit 90 Punkten geadelt und als Langstrecken-Chianti mit einem Trinkfenster zwischen 2009 und 2019 angegeben; da geht man wohl davon aus, dass dieser Chianti seine Metamorphose von der häßlichen Raupe zum schönen Schmetterling noch vollziehen wird. Ich glaube das nicht und bin gespannt, wer Recht behält.

2005 Reserve du Chateau, Chateau de Sérame – Corbieres

85 Punkte – Heute beim Einkaufen im REWE-Markt hat es mich überkommen, ich habe eine Flasche im Supermarkt gekauft – normalerweise ein totales "No go" für mich, da ich bewußt die Erzeuger und die kleinen, fachkundigen Einzelhändler mit meinem dortigen Einkauf unterstützen möchte. Doch ich war irgendwie zu faul, mich heute noch groß zu bewegen und ein Ausflug in den Keller erschien mir schon zu anstrengend. Da fiel mir ein Corbieres für Euro 7,99, in die Hände; er hatte ein schönes Etikett und allerhand gewonne Medaillen aus 2007 prangten auf dem zweiten label darunter. Viel habe ich nicht erwartet, als ich die Flasche öffnete.

Aber um so überraschter war ich, als ich merkte, dass mir der Stoff richtig schmeckte, er war genau das, was ich heute brauchte: recht kraftvoller Körper, saftig, frisch,  nicht zu schwülstig; fruchtig (Waldbeerengrütze) ; mit animierender Säure, auch würzig, etwas Tabak; angenehme Tannine  und hinten heraus eine recht schöne Vollmilchschoki-Note. Alles in Allem geiler Stoff zum unkomplizierten Trinken – da geht mehr als ein Glas ;-))

Die Cuvee besteht aus Syrah, Carignan und Grenache.

1993 Cabernet Sauvignon 12th Anniversary, La Jota Vineyards – Napa Valley

94 Punkte – Ein wunderbarer Cabernet Sauvignon aus Californien. Eine nahezu perfekte Symbiose zwischen lebendiger Frucht, schönen, ausgereiften Tanninen (kraftvoll, aber weich) und einer guten Säurestruktur. Das Ganze ist eingebaut in einen wohl definiertenn und kräftigen Körper. Keine Trinkmarmelade, sondern  ein Wein mit einer ausdrucksvollen, dunklen und Genuss spendenden  Frucht. Schöner Saft; aber auch ein differenzierter, vielschichtiger Charakter, mit dem man sich lange beschäftigen kann. Ein hedonistischer Wein. Frauen würden diesen "californischen Beau" wohl so beschreiben:  "lebensfroher, sonnenverwöhnter Intellektueller, der  zum Anbeissen aussieht und umwerfend riecht.

Schöne webpage: http://www.lajotavineyardco.com/

2005 Pinot Noir „R“, Weingut Lamm-Jung – Rheingau

85 Punkte – Röstnoten, Kirschduft, ein wenig Rumtopf, wirkt in der Nase recht kühl. Am Gaumen zeigt sich vordergründig ein recht kräftiger Pinot, der seinen Alkohol von 14% gut wegsteckt; dezent kräutrig; erinnert ein wenig an Kühne-Cornichons; kräftige, aber gut eingebaute Säure; hinter heraus fehlt ihm etwas das Fett auf den Rippen, sodass die durchaus vorhandene Länge etwas mager daherkommt. Vielleicht wäre hier eine weitere Ertragsbegrenzung im Weinberg eine gute Entscheidung gewesen. Das Holz ist gut eingebunden. Für Euro 13,- ab Weingut trotzdem ein respektabler Tropfen.

www.weingut-lamm-jung.de

2002 Traiser Bastei Riesling Spätlese trocken, Dr. Crusius – Nahe

89 Punkte – Feine,  frische Nase, Anklänge an Blütenhonig; am Gaumen schlanke, frische Art; feingliedrige Säure; recht tiefe, reintönige  Mineralik; Heu- und Citrusaromen, angenehme Reife. Animierend, mit guter Länge im Abgang. Jetzt oder in den nächsten 1,2 Jahren trinken.

Für ca. Euro 10 ist das schon ein Wein, den man in vollen Zügen geniessen kann, die Hand geht kräftig zum Glas, gerne öffnet man da auch eine zweite oder dritte Flasche.  Das Weingut Dr. Crusius ist für mich stets eine sichere Bank in Sachen Qualität und die Preise sind noch nicht so abgehoben wie bei einigen anderen Spitzenweingütern an der Nahe.

www.weingut-crusius.de

1964 Gran Coronoas Reserva, Miguel Torres

93 Punkte –

Doch eines sollte man zum Jahrgang wissen, 1964 gilt im Rioja als excellentes Weinjahr, einige halten diesen Jahrgang sogar für den besten im vergangenen Jahrhundert. Gleiches gilt auch für Ribera del Duero, insofern profitiert dieser Wein natürlich auch vom sehr, sehr guten Jahrgang.

Die große Überraschung folgte als letzter Wein des Abends: Dieser überwiegend aus Cabernet Sauvignon gekelterte Wein war ein tolles Erlebnis. Eine feine und komplexe Nase verrieten eine gewisse Reife, doch die fast 45 Jahre, die dieser Wein auf dem „Buckel“ hat, haben mich doch ziemlich umgehauen, als die verdeckte Flasche aufgezogen wurde. Der Gran Coronas hat eine immer noch gute, recht feste  Struktur, ist äußerst ausgewogen und elegant; er steht lange am Gaumen und auch der lange, feine Abgang zeigt, dass hier noch nicht aller Tage Abend ist. 

1991 Mas de Masos, Cellers Capafons-Ossó – Priorat


80 Punkte – 

Dieser gereifte Priorat-Wein war eine ziemliche Pleite, denn der  hatte seine besten Zeiten eindeutig hinter sich. In der Nase erinnerte er ein wenig an Barolo, etwas Sauerkirschen, recht kühl und schlank. Schlank ist dann vornehm ausgedrückt für das, was der Wein am Gaumen darbot. Die Säure steht heraus und Trinkfreude konnte da nicht mehr aufkommen.

Auf der aktuellen Webseite ist über den Wein folgendes zu erfahren, wobei ich nicht recherchieren konnte, ob diese Infos auch schon weitgehend für den 91er Jahrgang galten: „Aus Grenache poilue, Grenache Pays, Cabernet Sauvignon und Carignan hergestellt, langer Einweichung und 12-monatiger Alterung des Weines im französischen Eichenfass. aus Grenache poilue, Grenache Pays, Cabernet Sauvignon und Carignan hergestellt, langer Einweichung und 12-monatiger Alterung des Weines im französischen Eichenfass. Der Wein MAS DE MASOS gärt in kleinen französischen Eichenfässern und altert dann auch in denselben. Letzten Endes wird der Wein in die Flasche gefüllt und im Weinkeller bei einer konstanten Temperatur zur Alterung gelagert. Die Trauben, die benutzt werden um den MAS DE MASOS herzustellen, kommen aus ca. sechs tausend sehr alten, 1852 gepflanzten Rebstöcken, mit einer Produktivität je nach Jahr von 600 bis 900 Gramm per Rebstock.

2004 Flor de Pingus, Bodega Dominio de Pingus (Peter Sisseck) – Ribera del Duero

97 Punkte –

Was für ein Parfüm, tief und einladend, Kaffee und Mokka, dunkel und kühl in der Aromatik, etwas Menthol und Wacholderbeeren. Dunkle Waldfrucht am Gaumen; edel wirken die Kaffee und Mokkaaromen; am meisten begeistert mich die hohe Extraktion, die süß und leicht würzig wirkt, jedoch stets edel und kühl bleibt. Tiefer, sehr gut strukturierter Wein, der jetzt mit seiner schönen Saftigkeit, seinen voll ausgereiften und hervorragend definierten Tanninen sowie der wunderschönen Läge viel Freude und Genuss bereitet. Ein Traumstoff, der inzwischen – im Vergleich zu seinem ersten Preis – leider doppelt so teuer ist, der aber immer noch jeden Euro wert ist. Ich bin gespannt, ob dieser Wein mit zunehmender Reife noch besser wird, oder ob er – wenn er seine sexy Jugend verliert, uninteressanter wird. Die nächsten 10 Jahre Weinleben sind sicherlich kein Problem.