Deutsche Rieslinge – Große Gewächse 2004

Ein ganz normaler Montag – ganz normal ?? Nein, ganz normal ist das nicht, dass man für eine Weinprobe von Düsseldorf nach Hamburg reist – auch wenn am nächsten Tag ein "normaler" Arbeitstag absolviert werden muss. Doch diesmal rief ein lieber Weinfreund zur Verkostung und was kann es Schöneres geben, als an einem lauschigen Sommerabend mit engen Weinfreunden im großen Garten mitten in Hamburg zu sitzen und kritisch die Ergebnisse deutscher Spitzenwinzer unter die Lupe zu nehmen. Das ganze war ein großer Spass und man vergißt schnell an einem solchen Abend alles um sich herum und der Streß der Tage fällt besonders schnell von einem ab. Dieter, vielen Dank für diesen vergnüglichen Abend ………auch wenn am nächsten Morgen der Knüppel aus dem Sack kam und mir eins über den Schädel gebrummt hat ;-))

Here are the results of the Düsseldorf jury:

 


1) 2004 Dürkheimer Michelsberg Riesling GG, Weingut Fritz Ritter – Pfalz


89 Punkte – Einen ungewöhnlichen Einstieg in diese Rieslingprobe hatten wir mit diesem Fritz-Ritter-Wein. In der Nase kräutrig, florale Noten, Raps, Quitte. Am Gaumen dann ein ungewöhnlich weicher, schmelziger, fast cremiger Riesling. Begleitet von einem hauchzarten Petrol, überwiegen zunächst blütige Aromen (z.B. Lindenblütentee, Margarine) sowie Citrusnoten, die später – mit zunehmender Luftzufuhr – von einer feinen Mineralik abgelöst werden. Der Wein wirkt dadurch straffer.  Kein Kraftpaket, aber sehr schön strukturiert, harmonisch und komplex; von einer schönen, reifen Säure getragen; gute Länge.

Jetzt sicherlich auf dem Höhepunkt, dürfte aber weitere 2,3 Jahre sehr genussreich zu trinken sein.

2) 2004 Iphöfer Kronsberg Riesling GG, Weingut Hans Wirsching – Franken


91 Punkte: Tief kräutrig-mineralischer Eindruck, gelbes Steinobst, wirkt in der Nase noch sehr jung. Auch im Mund macht dieser Riesling einen unglaublich robusten, jungen Eindruck: rauchig-mineralisch, viel Citrusaromen (rosa Grapefruit), sehr saftig, „Kaustoff“; recht kräftiger Körper, druckvoll. Die kräftige Säure und die Mineralik stemmen den Wein bis ins lange Finale. Ich mag diesen kräftigen, eher monolithischen Riesling-Stil, echte Filigrantrinker werden diesem Stoff jedoch eher skeptisch gegenüber stehen. Hat erhebliches Potential für weitere Jahre.

3) 2004 Erbacher Marcobrunn Riesling GG, Schloss Reinhartshausen  – Rheingau


89 Punkte: Eher verhaltene Nase, die Art lässt eine Spontanvergärung vermuten, zarte Citrus-Aromatik; am Gaumen zeigt er eine gewisse Reife, ist dabei aber glockenklar; sehr reintönig; kräutrige Mineralik, scheint auf dem Punkt zu sein und zeigt viel Spiel und ist harmonisch. Einzig im Abgang zeigt sich ein zartes „Bitterle“. Jetzt sehr schön zu trinken.

4) Loibner Berg Riesling Smaragd, F.X. Pichler – Wachau


91+ Punkte: ist wohl schon mal an einer Tankstelle vorbeigelaufen (ganz leichte Petrolnote), schlanker Fruchtansatz von gelben Früchten und Birnen. Am Gaumen reife Noten, mit feiner Würze von weißem Pfeffer und Thymian, hohe Dichte, aber trotzdem wirkt dieser Riesling erstaunlich leichtfüßi; deutliche Mineralik (man kaut Steine) – habe ihn blind an die Mosel gesetzt.

5) 2004 Casteller Schlossberg Riesling GG, Domänenamt Castell – Franken


84 Punkte: Noten von Wachs, Mandeln, dezent Honig, Sahne, aber auch Anklänge an Kohl – hat wohl einen kleinen Anteil edelfauler Trauben mit im Gepäck gehabt. Am Gaumen zeigt schöne reife Noten, wirkt aber letztlich nicht gut balanciert, leider recht kurz und hinten heraus wirkt er leicht säuerlich. Wird garantiert nicht mehr besser. An diesem Abend – bei starkem Wettbewerb – der eindeutig schwächste Wein im Feld.

 

6) Forster Pechstein Riesling GG, Weingut Mosbacher – Pfalz

93+ Punkte: Für mich das Highlight der Verkostung. Sehr klare und reine Nase, zeigt den Duft eines Bündels getrockneter Wiesenkräuter und eine tiefe Mineralik, die man schon riechen kann. Der erste Schluck begeistert mich, diese Art von Riesling liebe ich ohne Ende:  fest, druckvoll, stoffig, aber klar wie Gletscherwasser; sehr tief, hervorragend strukturiert und reintönig, dabei harmonisch und ziemlich komplett. Großer Stoff, der aktuell richtig schön zu trinken ist, jedoch habe ich keine Angst, dass dies in ein, zwei oder Jahren anders sein wird.

7) Hattenheimer Wisselbrunnen, Weingut Spreitzer – Rheingau


92+ Punkte: Ein Ausspruch eines Weinfreundes am Tisch fasst diesen Riesling süffisant zusammen, ohne despektierlich zu sein: „Weinlimonade auf höchstem Niveau“. In der Nase dominieren erdige Noten, Waldmeister und eine schöne Steinobstfrucht. Am Gaumen erkennbare Restsüße, die jedoch gut mit der reifen Säure harmoniert. Ergänzt wird das ganze durch eine schöne mineralische Salzigkeit. Ausdrucksstarker Riesling mit schöner innerer Spannung, erdigen Aromen sowie einem ganz kleinen Bitterle im Abgang. Jetzt ohne Eile sehr gut zu trinken.

8) Birkweiler Kastanienbusch Riesling GG, Weingut Ökonomierat Rebholz – Pfalz


89 Punkte: Riecht schon etwas süß, leicht medizinale Anklänge, etwas Melisse, auch exotische Anklänge (Ananas) – scheint nicht frei von Botrytis zu sein; in der Nase sehr geschmeidig. Gelbe Früchte, eine Mineralik, die auch ein wenig an Graphit erinnert, am Gaumen jedoch ein wenig sperrig und leider auch nicht ganz die erwartete Länge. Das alles ist jedoch Jammern auf extrem hohen Niveau. Drei andere Weinfreunde  attestieren dem Wein jedoch große Harmonie und wählen ihn an Platz 1 in ihrer persönlichen Hitliste an diesem Abend. Sollte jetzt und im nächsten Jahr getrunken werden.

9) Birkweiler Kastanienbusch Riesling GG, Weingut Dr. Wehrheim – Pfalz


88 Punkte: Sehr sauber und reintönig im Bukett, kein Nasenbär; dafür am Gaumen mit feiner Frucht (Zitrusfrucht, Orangen) und zarter Mineralik. Die Säure ist fein und wirkt perfekt verwoben, eher ein „Leisetreter“, der durch „unauffällige“ Harmonie einen positiven Eindruck vermittelt. Ein in sich stimmiger Riesling mit guter Länge, man muss Zeit mitbringen und sich auf ihn einlassen, dann bringt er Genuss. Jetzt trinken.

 

10) Forster Ungeheuer Riesling GG, Weingut Mosbacher – Pfalz


92 Punkte: Ich bin und bleibe ein Fan der Forster Weine und insbesondere des Hauses Mosbacher. Eine kraftvolle, kühle und komplexe Nase offeriert dieses „Ungeheuer“ mit Anklängen von gelbem Steinobst, Ananas und Citrusnoten. Am Gaumen dicht und druckvoll, gleichzeitig jedoch auch mit einem schönen, schmelzigen Mundgefühl, herrlichem Süße-Säure-Spiel, wobei ich vermute, dass die wahrgenommene Süße weniger ein Restsüße, denn eine Extraktsüße ist. Hervorragender Stoff, der viel Tiefe, Kraft und Spiel offeriert. Davon möchte ich gerne heute und in den kommenden Jahren noch ein paar Flaschen öffnen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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