1999 Grüner Veltliner Ried Lamm, Bründlmayer – Kamptal

95 Punkte- Wow, was für eine elegante Weinbombe – dieser Satz ist ein Widerspruch in sich, aber passend für diesen Wein. Inzwischen 9 Jahre alt, aber immer noch eine GV-Referenz. Im Jahrgang 1999 hat Willi Bründlmayer einen Wein erschaffen, der unglaubliche Power mit einer hedonistischen Trinkfreude kombinert, die nur unfassbares Erstaunen hinterläßt.

Die Nase ist geprägt von einem "schmerzhaften" Duft von Pfefferkuchen, Salz, Marillen, weißem Pfeffer und einer Aromendichte, die stets dazu verleitet die Nase immer und immer wieder in Glas zu halten. Für den Gaumen der ultimative Härtetest; ein Wein der die Geschmacksknospen zum Explodieren bringt (oder wie es Stuart Pigott in seiner ihm eigenen Spache zum Ausdruck gebracht hat: "Ein Neutronenstern von ungeheurer Dichte, der mit ungewöhnlich intensiver Leuchtkraft pulsiert". Wenn man dies weniger prosarisch ausdrückt, bewegt den Gaumen eine nicht endend wollende Mineralik, die sich in einer extrem spürbaren Salzigkeit ausdrückt. Paralell dazu pruduziert ein Alkoholgehalt von 15% einen wunderbaren Schmelz, der hervorragend die Aromen trägt. Da sind z.B. Marillen, Tabak, Vanille, weißer Pfeffer (kein Pfefferl, sondern ein ausgewachsener weißer Pfeffer), exotische Fruchtanklänge, Waldhonig, (…). Bei aller Kraft und Dichte ist dieser GV auf höchstem Niveau (vorausgesetzt man gibt ihm etwas Luft) ausgewogen und trinkig, die Länge ist atemberaubend und ich freue mich sehr, sehr auf die 4 Flaschen, die ich noch im Keller habe.

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2003 Chateauneuf du Pape, Domaine Charvin – Rhone

95 Punkte: was für eine herrlicher (trotz des extrem sonnigen und heissen Jahrgangs), typischer und eher klassischer CdP. Die Nase so unglaublich schön und betörend, alles andere als schwer, komplex, ja fast verspielt. Gegrillte Kräuter; rote Früchte (perfekt ausgereifte  Himbeeren), etwas abefahrene Gummireifen, Tee. Am Gaumen sehr tief, strukturiert, aber mit verspielter Finesse; ein emotianaler Wein! Die feine Fruchtsüße ist das Bindeglied zwischen Frucht, Tannin und einer reifen Säure; voller Körper; schwarze Kirschen, schwarzer Pfeffer, ein Hauch von frischem Tabak, erstaunlich kühl wirkend. Eine CdP-Referenz. Das alles ist immer noch zu bekommen für ca. 30 Euro – Weltklasse auf noch bezahlbarem Niveau.

1998 Harys, Domaine du Trapadis – Rasteau / Cotes du Rhone Villages

90 Punkte – Nun habe ich es raus gelassen….das Monster von einst. In seiner Jugend (ca. 2001) kaum zu ertragen, so viel Kraft und Tannin, dann in 2004 eine Flasche, die unerträglich war (krasser Schwefelböchser, von Frucht nahezu keine Spur) und jetzt schau her: ein fescher Kerl, der durchaus zu betören weiss. Ein eleganter Tänzer wird das nimmer mehr, aber auch ein Bauernsohn kann seinen Charme spielen lassen; er muss sich nur seiner Qualitäten bewußt sein. Dunkel, stramm und saftig – so kann man diesen Kerl wohl am besten beschreiben. Die herrliche Extaktsüße und die durchaus vorhandene Säure machen den Wein -trotz aller Kraft – fast sexy. Runde, körnige, aber immer noch richtig feste Tannine, dazu ein süßer Saft von reifen (aber nicht überreifen), schwarzen Waldfrüchten mit einem würzigen Tabak-und Holzton sowie etwas dunkler Schokolade. Der Wein ist vom ersten Mundgefühl rundlich , aber dann kommt  die stattliche Statur zum Vorschein; körperreich;  einer durchaus überzeugender Wein mit erstaunlich gut gehaltener Frische. Jetzt richtig geil zu trinken, kann aber weitere Jahre ohne Problem verkraften (wahrscheinlich hohe Flaschendiffenenz, denn bei dem Schwefelproblem von 2004 hilft auch kein längere Lagerzeit). Im Abgang wirkt das Tannin ledier etwas trocknend.

Deutsche Rieslinge – Große Gewächse 2004

Ein ganz normaler Montag – ganz normal ?? Nein, ganz normal ist das nicht, dass man für eine Weinprobe von Düsseldorf nach Hamburg reist – auch wenn am nächsten Tag ein "normaler" Arbeitstag absolviert werden muss. Doch diesmal rief ein lieber Weinfreund zur Verkostung und was kann es Schöneres geben, als an einem lauschigen Sommerabend mit engen Weinfreunden im großen Garten mitten in Hamburg zu sitzen und kritisch die Ergebnisse deutscher Spitzenwinzer unter die Lupe zu nehmen. Das ganze war ein großer Spass und man vergißt schnell an einem solchen Abend alles um sich herum und der Streß der Tage fällt besonders schnell von einem ab. Dieter, vielen Dank für diesen vergnüglichen Abend ………auch wenn am nächsten Morgen der Knüppel aus dem Sack kam und mir eins über den Schädel gebrummt hat ;-))

Here are the results of the Düsseldorf jury:

 


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2007 Burgans Albarino, Martin Codax – Rias Baixas (90 PP, Aldi Wein)

Nun steht er vor mir, der aktuelle ALDI-Knaller, der 90 Parker Punkte Spanier aus Galicien. Doch etwas genauer betrachtet hat nicht Parker persönlich die 90 Punkte vergeben, sondern Jay Miller, der für Parkers Zeitschrift Wine Advocate schreibt. Grundsätzlich ist das normal, denn in vielen Ländern hat Parker seine Adlaten eingesetzt, ansonsten ist der Menge Wein, die darauf wartet vom "Meister" bewertet zu werden, nicht mehr beizukommen. Man sollte jedoch wissen, dass Jay Miller einer der high scorer in Parkers team ist und gerne viele Punkte vergibt. Und das schreibt er zum 2007 Albarino Burgans:

"Burgans is a custom cuvee made for importer Eric Solomon. While it’s not the best Albarino on the market, in terms of bang for the buck, it has no challenger. The 2007 Burgans Albarino is light gold-colored with a sprightly nose of mineral, spring flowers, and lemon peel. Ripe, balanced, and concentrated, this is an ideal match for flaky fish courses. Drink it over the next 1-2 years"

Quelle: www.erobertparker.com

Bei so viel Vorschusslorbeeren wird man natürlich neugierig und Dank einer kleinen Tauschauktion habe ich nun eine Flasche zum Verkosten und das erste Urteil ist: "lecker !!!"

Die für die DO Rias Baixas typische Rebsorte Albarino bringt Weissweine mit einer knackigen Säure hervor und die kann man diesem Wein attestieren ohne Weinkenner zu sein. Die Nase ist frisch, mit Anklängen von Mandarinen und Frühlingsblüten (nicht bei Parker abgeschrieben ;-))). Am Gaumen zeigt sich gleich die knackige Säure, aber er hat genug Fett auf den Rippen, um nicht säurelastig zu sein. Schöner Schmelz, recht extraktreich, in der Aromatik eine Mischung aus Mandarinen, Granny Smith und ein Hauch von Honigmelonen. Ich habe versucht ihm ein schweres Leben zu bereiten und habe ihn aus dem großen Burgunderglas getrunken, aber selbst da fällt er nicht auseinander, sondern zeigt Standfestigkeit. Auch nach dem Schlucken bleibt er am Gaumen und an der Zunge aromatich haften.

Fazit: 89 Punkte – Knackig, frisch, dicht und ein richtiges Maul voll Wein. Nicht lagern, in diesem Sommer (2008 !!) trinken.

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Ein Weinabend mit Freunden / Schäfer-Fröhlich, Deiss, Stodden, Le Cedre und Vin Santo von Felsina

Nachdem ich die 400km von Düsseldorf nach Hamburg einmal mehr "gefressen" habe, kamen meine Freunde Andreas und Mathias zum "Männerabend" vorbei. Mit Brot. Käse und ein paar Flaschen Wein machten wir uns einen netten Abend.

Der Startschuss fiel und ein 2005 Schäfer-Fröhlich, Felseneck Großes Gewächs – Nahe (89 Punkte) kam ins Glas. In der Nase ein recht deutlicher Schwefelböchser, dahinter viel Mineralik und eine frühe (zu frühe) Petrolnase, die (noch dezent) zum Vorschein kam. Am Gaumen dicht, fest gewoben, straffer Zug, kräutrige Mineralik. Wenig Frucht, dafür viel Mineralik, fest, ein Wein zum Beißen. Schöne, tragende Säure, mittlere Länge. Wenn man den Schwefelböchser zu Beginn (wird mit viel Luft etwas schwächer) ein wenig ausblendet, hat er momentan die 89 Punkte verdient; künftiges Entwicklungspotential hat er meiner Meinung nach nicht.

Ein ganz anderer Stil war der nun folgende 2001 Grünspiel, Marcel Deiss – Elsass (92 Punkte). Ein gemischter Satz  von Gewürztraminer, Riesling und Pinot Noir – goldgelb im Glas, mit opulenter Nase von kandierten (exotischen) Früchten, Orangenzesten, aber auch blütigen Noten; dahinter ein Hauch grüne Walnuss. Ein dichter Schmeichler mit ausladender Aromatik, aber ohne jede Gefahr zu sehr in die Breite zu gehen. In seiner Jugend wirkte er mineralischer, dafür hat er jetzt an Tiefe und Substanz zugelegt. Die schöne Säure bildet ein gutes Gegengewicht, sodass man einen intensiven, aromatischen Wein genießen kann, ohne Gefahr zu laufen, dass man schon nach dem ersten Glas satt ist. Der Wein ist nicht ganz trocken, aber die Süße ist bestens integriert und der Grünspiel 2001 hat Potential für viele Jahre.

Weiter ging es mit dem ersten Rotwein, einem 2003 Recher Herrenberg Auslese JS ***, Stodden – Ahr (88 Punkte). In der Nase kräutrig, holzgeprägt, mit leicht gemüsigen Anklängen. Am Gaumen kühl, recht fest, mit roter Beerenfrucht, leider etwas säuerlich und hinten heraus stören etwas die grünen Holztöne. Die 88 Punkte bewerten insbesondere das Potential, vorausgesetzt der Wein verliert noch die grünen Holznoten. Da die Frucht ausreichend kräftig ist und der Wein auch an diesem Abend mit zunehmender Luftzufuhr die Holznoten etwas verliert, habe ich die Hoffnung noch nicht aufgegeben. Sollte dies nicht der Fall sein, müssen leider weitere 3-4 Punkte abgezogen werden. Positiv ist der schöne Biss und die durchaus feine Mineralik, die die Recher Herrenberger Auslese *** erkennen lässt.

Der zweite Rotwein kam aus Frankreich: 1998 Le Cedre, Chateau du Cedre – Cahors (92 Punkte). Diese reinsortige Malbec ist schon etwas Besonderes. Inzwischen hat er zehn Jahre auf dem Buckel und er befindet sich wohl in seiner ersten Reifephase. Im Glas ein komplexer Aromenstrauss mit vielen Früchten und einem Hauch von Nelken, dabei erstaunlich kühl und harmonisch. Mittlerer Körper, kein Alkoholmonster, sondern enorm trinkig und mit schöner Länge am Gaumen.

Den Abschluss dieses Weinabends zu dritt, bildete einer meiner liebsten Weine überhaupt, der 1988 Vin Santo von Fattoria di Felsina – Toscana (98 Punkte)  – Die Notiz aus dem August 2005 stimmt noch zu 100% – http://weinwelt.blogg.de/eintrag.php?id=46