Drei kleine Italiener …

Es  war ein Freitag im Frühling und ich einmal mehr Gast bei lieben Freunden in Frankfurt.

 

Schöner kann ein Frühlingsabend kaum sein. Auf der Dachterasse saßen wir bei schon sommerlichen Temperaturen mit Blick auf die Skyline der nahen Wolkenkratzer und ich war fasziniert von dem, was geschaffen werden kann, wenn Natur, Mensch und Technik Sinn und Genuss stiftend Hand in Hand arbeiten. 

 

Einerseits waren da die Hochhäuser der Banken, Sinnbild der Wirtschaft und des Geldes. An diesem Abend waren sie jedoch bloß die Leinwand für ein Lichtspektakel wie es nur die Natur hinbekommt. So hüllten sich z.B. die Zwillingstürme der deutschen Bank – dank ihrer Spiegelglasfassade – alle 10 Minuten in einen anderen Umhang aus Licht und Farbe.  

 

Eine ganz andere Form von Kunst hatten wir im Glas. Was die Natur und der Mensch vor vielen Jahren in Symbiose hervorgebracht hat, war schon schwer beeindruckend und ich war froh, dass es immer noch Menschen gibt, die nicht den sofortigen Genuss suchen, sondern mit viel Phantasie und Ruhe auf die harmonisierende Wirkung der Reife setzen und Weine Jahre im Keller liegen lassen. Im Mittelpunkt standen drei „kleine“ Italiener, die schon in die Jahre gekommen waren. – „Klein“ deshalb, weil keiner der Weine auf einem richtig berühmten Weingut das Licht der Welt erblickt hat, sondern alle zu einer Zeit entstanden ist, wo ihre Wiege wohl mit Bauernhof umschrieben werden muss. Aber da alle Wege nach Italien erst durch heimische Gefilde und Österreich führen, haben wir dort sehr erfolgreich einen Abstecher gemacht. 

 

Zum „Stimmen“ von Mund und Nase gab es vorab einen 1997 Grünen Veltliner Ried Steinsetz von Schloss Gobelsburg – Kamptal (84 Punkte). – mit seinen 12,5 % genau der richtige Start. Reifes goldgelb, deutlich gereifte Aromen in der Nase. Der Gaumen wird mit einer straffen Säure und etwas gezehrten Art konfrontiert. Da ist zwar noch Leben drin, aber ein paar Jahre früher getrunken,  war das bestimmt der größere Genuss. Im Abgang auch etwas bitter.

 

Nun begann der Abend richtig und es ging Schlag auf Schlag! Eine echte Genussgranate war der 1999 Hochheimer Domdechaney Erstes Gewächs, Domdechant Wernersches Weingut – Rheingau (94 Punkte). Dichte gelbe Farbe, fantastisch tiefe Nase – da finden sich Pfirsiche, reife Mango, ein Extrakt von getrockneten Wiesenblumen und viele Aromen mehr. Am Gaumen weich und geschmeidig, gleichzeitig dicht und extraktreich. Es baut sich ein komplexes Aromenspiel (z.B. Mandarinen, gelbe Pflaumen, süße Ananas, Kamille), das in einem langen Finale endet. Aus gleichem Jahrgang und Lage besitze ich noch eine Auslese – bin gespannt, ob sie die gleiche tiefe und komplexe Aromatik entfalten kann. Ich höre den Tiger singen: sexbomb, sexbomb –  Rheingau at it’s best !!

 

Es folgte ein Donnerschlag aus Österreich: 1999 Zöbinger Heiligenstein Riesling Lyra, Weingut Bründlymayer, 14,5% Alk. (95 Punkte). Von diesem Wein hatte ich selbst einst zwei Flaschen im Keller, die eine leider fehlerhaft und die andere definitiv zu früh getrunken. Zwar habe ich schon 2003 sehr ordentliche 91 Punkte vergeben und folgendes notiert:

 

„Reife Noten wie Pfirsich, Blutorangen, üppig und im Stil einer Auslese, dabei viel Spiel und Aromentiefe, dicht und füllig, cremige Art, viel Frucht und nahezu optimale Säure, mit viel Finesse und keineswegs nur wuchtig; im Abgang ebenfalls mit viel Frucht, auch Mineralik, rund und lang, bereits jetzt zugänglich, wiewohl jede Menge Potenzial.“

 

Nun floss der Riesling Heiligenstein strohgelb ins Glas; in Nase und am Gaumen sehr fest und dicht, ein Kräutergarten, eine berstende Mineralik, echter „Beißstoff“ – löst einen Kaureflex aus, salzig; dazu Aromen von Orangenzesten – ein Kerl von einem Wein. Doch dieses Mannsbild hat es in sich, denn da ist nicht nur schiere Kraft, sondern auch charakterliche Stärke und Komplexität. Im Glas baut er mit zunehmender Wärme und Luft weiter aus und endet dann hinten heraus auf weißem Pfeffer…… nein, es war kein GV.

1999 hat Willi Bründlmayer einfach Unglaubliches auf die Flasche gebracht, es ist wohl sein bester Jahrgang in den letzten 10 Jahren. Über 2007 wir kolportiert, dass dieser wieder das Format des 99er haben soll – leider konnte ich selbst noch nicht verkosten.

 

Nun kamen die roten, gereiften Weine aus meiner liebsten Weinregion in Italien: dem Piemont. Der 1978 Barbaresco von Livio Pavese – Piemont (91 Punkte)  ist sicherlich von der Papierform nur ein Einstiegswein, doch was ein ordentlicher Erzeuger in einem Top-Jahr auf die Flaschen bringen kann, zeigt dieser Barbaresco . In der Nase ein Waldfruchttee-Mix, Anklänge an feuchtes Unterholz und auch etwas Liebstöckel. Am Gaumen sehr lebendig, schöne Kräutrigkeit, Sauerkirschen, rote Johannisbeeren (roter Früchtetee). Dieser Wein zeigt bei aller Leichtigkeit einen erstaunlichen Charakter; ist recht fein und harmonisch und obendrein kann er immer noch einen zarten Schmelz vorweisen.

 

Der nächste Wein kommt aus einem ebenfalls großen Jahrgang, der jedoch nicht ganz das Niveau des 78er erreicht: der 1974 Barolo Annunziata von Angelo Germano – Piemont (92 Punkte) floss sehr klar ins Glas und zeigte in Mund und Nase eine hervorragende Struktur. Für sein Alter besitzt er noch viel Druck und Kraft, alle Komponenten dieses Barolo haben sich gut miteinander verwoben und seine klare, eher maskuline Art mit eher dunklen Aromen passt sehr gut zu den immer noch widerhakenden Tanninen. Frei von Liebstöckelaromen und anderen Erscheinungen, die häufig eine baldiges Ende verkünden.

Der letzte der drei kleinen Italiener war dann auch der älteste: 1961 Giacomo Damilano Riserva Speziale – Piemont (91 Punkte). Diese Kellerei ist auch heute immer noch im Familienbesitz, wenn auch im weit verzweigten. Nach Ende des 2.Weltkrieges hat man im Hause begonnen eigenen Wein herzustellen und zu vermarkten. Der heutige Standort zwischen Alba und Barolo existiert seit 1965. Dieser Weine müsste somit den damaligen Umzug miterlebt haben. Es ist schon erstaunlich, was dieser über 45 Jahre alte Wein noch so ins Glas zaubert;  die Farbe muss für einen so alten Barolo als überraschend dicht bezeichnet werden, an Gaumen und Nase zeigt er eine feine Tertiärfrucht, unterstützt von feinwürzigen Noten. Insgesamt gut strukturiert und balanciert, mit noch erkennbaren Tanninen und mineralisch wirkenden Eindrücken.

BBP – Best Bottle Party – Ein Weinfest im März

Zur Best Bottle Party (BBP) trafen sich am 20.März dieses Jahres 10 Weinfreunde im Düsseldorfer Restaurant „Schorn“, um den besten Flaschen aus den Kellern der Teilnehmer zu huldigen. Vielleicht waren es nicht die allergrößten Flaschen, aber alle Teilnehmer hatten echte „Herzblut-Flaschen“ mitgebracht. Die Probe wurde bereits vor einiger Zeit vom weinterminator ausführlich beschrieben; da ich jedoch meine eigenen Eindrücke grundsätzlich in den Computer hacke, um sie für eigene Zwecke zu dokumentieren, dachte ich, dass einige Weinfreaks und Leser meines kleinen Blogs Spaß an einer „zweiten Meinung“ haben……..

Als die Tafel voll besetzt war, starteten wir in einen Abend, der 25 (!!) außergewöhnliche Momente bescheren sollte. Wie in jedem großen Film oder Theaterstück lagen jedoch Freund und Leid eng beieinander. Mindestens genauso weit auseinander lagen allerdings auch die Geburtsjahre der Dasteller – zwischen 1910 und 1995!!

 

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Mövenpick Jubiläumsverkostung – Teil 2 – Österreich, Spanien, Frankreich, U.S.A

Nun erfolgte ein Schwenk hin zu den Weinen der Jubiläumsverkostung, von denen ich jedoch nur ganz Wenige im Glas hatte, da die Zeit fortgeschritten war und der wohlverdiente Feierabend des Mövenpick-Teams nahte.

Am Start zwei Weine aus Österreich, die ich bereits auf der Prowein in Düsseldorf verkostet hatte. Los ging es mit dem 2007 Singerriedel Riesling Smaragd von Franz Hirtzberger (93 Punkte) – Wachau. Recht aufgeknüpft zeigte sich der Singerriedel mit herrlichen gelben Steinobstaromen, einer frischen, kräutrigen Mineralik, die aber momentan gegen die jugendliche Frucht noch nicht ganz ankommt und erst in paar Jahren die Zügel übernehmen wird. Jugendlicher Schmelz, tiefe Aromatik, sehr schön strukturiert und schon in seiner Jugend in sich stimmig und ausgewogen. Wer diese jugendliche, etwas pausbäckige Art mag, wird jetzt schon Spaß beim Genießen haben; ich ziehe es vor, den Wein für 1-2 Jahre auf die Seite zu legen, um dann mal wieder zu schauen, was daraus geworden ist. Euro 45,90

Es folgte sein „Bruder“: 2007 Honivogl Grüner Veltliner Smaragd von Franz Hirtzberger (94-96 Punkte) – Wachau. Substanzreicher, tiefer, und in seiner Jugend etwas speckig daherkommender GV, dessen Frucht, Schmelz und Saftigkeit schon jetzt zu überzeugen weiß. Die Mineralik ist  – wie beim Riesling Singerriedel“- noch etwas hinter dem jugendlichen Fruchtspeck verdeckt, aber verleiht ihm schon jetzt Kraft und Tiefe. Die Extraktsüße, die mineralischen Anlagen und die saftige Frucht werden in 1-2 Jahren dafür sorgen, dass der Honivogl  2007 dann bestens definiert ist und die von ihm gewohnte Rasse und Klasse aufs Parkett bringen wird. Nice to have, werde wohl 2,3 Flaschen kaufen.  Euro 43,90


2004 Échezeaux Grand Cru von Robert Arnoux (90 Punkte) – Burgund
. Sicherlich für das Jahr 2004 ein sehr guter  Burgunder, der mit seiner tiefen, recht saftigen Frucht zu begeistern weiß; dunkle Beerenfrucht – gepaart mit den feinen Noten einer Tabakkiste erzeugen ein Spannungsbogen am Gaumen, der getragen wird durch gute Tannine, die ausgereift sind und sich bereits jetzt gut integrieren. Für Euro 132 sicherlich kein Schnäppchen, denn zum großen Kino fehlt es – trotz der schönen Frucht – etwas an Komplexität und Länge.

2001 Valbuena 5°, Bodegas Vega Sicilia (94 Punkte) – Ribera del Duero; WOW, was für ein schöner Stoff; hervorragende Fruchtigkeit (süße, reife Kirschen, Waldbeeren, Pflaumen)  gekleidet in Samt und Seide und mit dem feinen Duft von edlen Hölzern und Vanille umgeben. Tiefer Aromenansatz, bestens strukturiert; die reifen, körnigen Tannine sowie die schöne Säure sorgen für das Rückgrat dieses Weines. Ein verschwenderischer Wein, der einen Hauch Orient versprüht. Zu Hause angekommen, habe ich ein wenig über diesen Wein recherchiert und gelesen, dass in 2001 der gesamte Wein, der für den UNICO vorgesehen war, in diese Füllung gegangen ist. Spaniens Weinpapst Penin (für mich der brauchbarste unter den spanischen Weinführern) hat ihn mit 95 Punkten sogar einen Punkte höher gesetzt als den 95 UNICO, der aktuell ebenfalls im Verkauf ist. Ich hatte den 95 UNICO auch schon im Glas, kann mich erinnern, dass ich nicht sonderlich begeistert war, kann aber meine Notizen leider jetzt nicht finden.

Die rote Laterne hatte dann der 2004 Dominus von  Christian Moueix (91 Punkte) – Napa Valley. Bereits das zweite Mal in diesem Jahr im Glas hatte ich die 04er Ausgabe Dominus des Chateau Petrus Eigentümers Christian Moueix. Do beide Mal konnte mich dieser Wein nicht inspirieren. Es ist ein runder, weicher, sehr dichter, aber keinesfalls marmeladiger Wein. Die schöne Stoffigkeit und die Frucht von dunklen Beeren, schwarzen Kirschen und Lakritz sind sehr gut ins Glas gebracht, auch das runde, weiche, etwas samtige  Mundgefühl ist sehr gut, die reifen Tannine sind bestens integriert und geben dem Wein auch Struktur, trotzdem wirkt er auf mich zu glatt, zu poliert, da ist aber auch gar keine Ecke oder Kante, an der man sich stoßen oder reiben kann. Euro 99,90

 

Mövenpick Jubiläumsverkostung – Teil 1 – Deutschland 2007

Anlässlich des 60. Geburtstages von Mövenpick war die monatliche Verkostung in der Düsseldorfer Filiale gleich doppelt besetzt. Einerseits konnte die Neuzugänge aus Deutschland verkostet werden, andererseits kam im Rahmen der eigentlichen Jubiläumsverkostung   der High-End-Bereich des Sortiments ins Glas. Die schöne Sache bei Mövenpick finde ich nach wie vor, dass man für jedes Glas einzeln bezahlt und so am Ende nicht in der misslichen Lage ist, kaufen zu müssen, um auch beim nächsten Besuch noch den Verkäufern in die Augen schauen zu können.

Da ich Teile der Jubiläumsverkostung schon bei den Themenproben kennen gelernt hatte, habe ich mich auf Deutschland 2007 konzentriert. Leider habe ich nicht das volle Programm geschafft, da ich nur einen Abend dabei sein konnte. Die angegebenen Preise sind Mövenpick-Preise.

Richtig gut ging es los mit dem 2007 Blauschiefer QbA trocken von Dr. Loosen (85 Punkte) – Mosel – das ist ein Zechwein der allerbesten Sorte, frisch, geradlinig, mit mineralischen Anklängen, dabei in sich stimmig und unglaublich lecker. Für Euro 8,90 der ideale Begleiter durch diesen Sommer.

Einen Euro teurer, aber nicht besser der 2007 Saar Riesling, Fuder 13 von Van Volxem (83 Punkte) – Saar – zwar etwas dichter als der Blauschiefer von Dr. Loosen, aber zur Zeit sehr unruhig, alles steht irgendwie nebeneinander, Süße und Säure scheinen sich überhaupt nicht miteinander zu vertragen und die Saar-typische Mineralik kommt gar nicht erst zum Vorschein; ich glaube, das geht besser.

Ein anderes Kaliber ist die 2007 Niederberg Helden Riesling Spätlese trocken von Wilhelm Haag (88 Punkte)- Mosel. Das ist Moselriesling pur, verspielt, ein wenig tänzelnd, aber doch ernst zu nehmen, schönes Säure-Süße-Spiel; zur Zeit mit Aromen von Äpfeln und Weinbergspfirsich am Gaumen; dazu eine schöne Mineralik, die etwas kräutrige Aromen versprüht – und fertig ist ein schöner Riesling. Von dieser Sorte Wein trinkt man gerne ein zweites oder drittes Glas, da er eine Leichtigkeit besitzt, die beschwingt und trotzdem bietet er Stoff für den regen Meinungsaustausch. Auch der Preis verleitet den Spaß nicht, denn mit Euro 12,80 ist er angemessen bezahlt.

Die 2007 Brauneberger Juffer Sonnenuhr Riesling Spätlese trocken vom Weingut Fritz Haag (89 Punkte)- Mosel – legte dann noch eine kleine Schippe oben drauf und fand großen Anklang in der Runde. Zur Zeit steckt der Wein noch komplett in den Kinderschuhen, die Frucht ist ein wenig pausbäckig und erinnert eher an Limonade/Fanta, aber das Potential dieses Weines kann man schon riechen und schmecken. Ein paar Monate noch und der Wein wird aufblühen, sich ausdifferenzieren und so die nötige Eleganz entwickeln. Die Anlagen sind hervorragend, einerseits stoffig, dicht, andererseits nicht zu schwer und die schön eingebundene Säure puffert schon heute das kleine Zuckerschwänzchen hervorragend ab. Euro 17,90

Eigentlich mit drei Weinen vertreten, von denen ich aber nur zwei verkostet habe, war Emrich-Schönleber. Der erste hat mich ein wenig erschreckt, denn der 2007 Riesling "Mineral" QbA trocken vom Weingut  Emrich-Schönleber (85 Punkte) – Nahe –  kommt zwar mit seiner kräutrigen Mineralik gut vom Startblock weg, die Citrusaromen verleihen ihm eine schöne Frische, er ist sehr klar und zupackend, aber Abzüge in der B-Note versagen ihm bei mir eine höhere Bewertung: die Säure packt nicht nur zu, sie greift an! Euro 13,50

Das 2007 Monzinger Frühlingsplätzchen Riesling Spätlese trocken vom Weingut Emrich-Schönleber (87-91?? Punkte) – Nahe – ist aktuell eigentlich nicht zu bewerten, denn ich habe selten einen so jungen Wein erlebt, der so wenig von sich preisgeben wollte. Auffällig ist auch hier, die etwas spitze Säure. Ansonsten habe ich den Wein beatmet, gelutscht und ihm so den einen oder anderen Laut abgerungen, aber außer von einer kräuterwürzigen Mineralik kann ich nicht ernsthaft berichten. Ich glaube, der Wein hat viel Potential, aber man wird sehen…….

Nun gab es ein kleines Intermezzo, der 2006 Rüdesheimer Berg Rottland Riesling trocken von Josef Leitz (92 Punkte) – Rheingau –  kam ins Glas und der erforderte die volle Aufmerksamkeit und das nicht nur, weil er mit Euro 65 pro Flasche der teuerste deutsche Wein des Abends war.  Dieser Riesling  hat  mich  mit seiner Kraft und Wucht "gekriegt" – das ist ein Riesling Wachauer Prägung: Kraft und Saft, viel Schmelz, schöne gelbe Steinobstfrucht, Kräuter, aber auch etwas tabakige Noten, die den Abgang fordernd gestalten. Auffällig an diesem Wein ist das "Fett", dass er mit sich rumschleppt, dass aber aufgrund der Säure nicht anstrengend, gar plump oder überladen wirkt; letztlich trägt es diesen Wein bis in sein langes Finale. Schwierig ist, hier das Alterungspotential richtig einzuschätzen; wer genug Flaschen hat, bitte ausprobieren und berichten ;-)) Ansonsten eher in den nächsten 4-5 Jahren trinken. 

Es ging zurück zum aktuellen Jahrgang 2007. Der 2007 Riesling QbA vom Weingut Wittmann (82 Punkte) – Rheinhessen –bietet für seine Euro 9,80 mir deutlich zu wenig: er wirkt recht dünn, dadurch macht ihm die straffe Säure arg zu schaffen und die paar Citrusnoten hauen es dann auch nicht mehr raus. Eigentlich für einen Basiswein eines solchen Hauses zu wenig.

Hallo !! Ein ganz anderes Kaliber ist die 2007 Scheurebe QbA trocken vom Weingut Wittmann (87+ Punkte) – Rheinhessen. Schön trocken ausgebaut, mit viel Frische, nicht zu laut von den Aromen, sondern zartduftig, mit frischen, feinen Fruchtaromen (Johannisbeeren, Kiwi, etwas Minze). Recht fest im Biss und mit der Frische ihrer Jugend ist das ein geiler Wein für den lauen Sommerabend auf der Terrasse mit Freunden bei viel Spiel, Spaß und Spannung (für alles sorgt dieser Wein). Da die Scheurebe zum gleichen Preis (Euro 9,80) wie der Riesling QbA zu haben ist, gibt es keinen Zweifel, was man kaufen sollte. Jung trinken !!!

Nun ging es in die Pfalz. Der 2007 Forster Musenhang Spätlese trocken aus dem Hause Mosbacher (87 Punkte)- Pfalz. Dieser Riesling macht seinem Namen durchaus Ehre, denn er ist zartduftig, weiblich und ein wenig verspielt, aber auch eine Muse benötigt Durchsetzungskraft und so ist dieser Wein recht dicht und besitzt einen mineralischen Nachhall. Euro 14,90

Ab ging die Luzi !! Der 2007 Sauvignon Blanc vom Weingut Mosbacher (88+ Punkte) – Pfalz –  ist ein geradliniger, spritziger (im Stahl ausgebauter), unglaublich klarer und sauberer Sauvignon Blanc. Ich mag diesen frischen, knackigen, etwas grasigen  Stil mit Aromen von Pampelmusen, Johannisbeeren und Tannennadeln. Klar, straff, harmonisch und animierend – jung trinken!! Euro 11,90

Der dritte Wein aus gleichem Weingut war der 2006 Forster Ungeheuer Riesling GG vom Weingut Mosbacher (89 Punkte) – Pfalz. Etwas erschrocken war ich auf Grund der fortgeschrittenen Entwicklung dieses 2006er Großen Gewächses. Zu Beginn ganz leichter (Petrol-)Stinker, dann kandierte Früchte. Am Gaumen mit großer, saftiger Dichte; die von mir so geliebte Ungeheuer-Mineralik kommt beim 06er Jahrgang momentan leider nicht richtig zur Geltung. Stoffig, mit guter Säure, schönem Schmelz und einer eher gelbfruchtigen Steinobstfrucht ist das Ungeheuer vom Weingut Mosbacher sicherlich ein sehr guter Wein, aber die herausragende Größe anderer  Jahrgänge, die ich bei diesem Wein aus dem Hause Mosbacher schon erleben durfte (z.B. 2001), hat er nicht. Endet recht lang auf etwas tabakigen, leicht bitteren (aber nicht störenden) Noten. Kein Lagerjahrgang, in den nächsten 1-2  Jahren austrinken.

 

Nun folgten zwei Chardonnay, zunächst der 2007 Chardonnay Spätlese trocken vom Weingut Pfeffingen (87 Punkte) – Pfalz. Dieser sehr klare und frisch daher kommende Chardonnay ist für den baldigen Genuss hervorragend geeignet. Sehr sortentypisch, etwas blumig, ein Hauch von Nussigkeit, aber auch etwas würzige Anklänge, gelbe Frucht, klar und frisch. Ein schönes Ergebnis, oder sollte ich besser sagen Erlebnis, dass mit Euro 10,40 sehr fair bepreist ist.

Vom Stil ganz anders, da im Barrique ausgebaut, der 2006 Chardonnay „R“ Spätlese trocken von Hansjörg Rebholz (89 Punkte) – Pfalz. Sehr gut definierter Holz-Chardonnay, bei dem die Aromen aus dem Holz und Fruchtnoten sehr, sehr gut harmonieren und der Wein an Komplexität gewinnt. Insgesamt recht kühl, klar und sehr gut definiert. Ein breites Aromenspektrum  zeichnet dieses Chardonnay aus: Sahne; Vanille; gelbe Früchte; feine, nussige Würze. Ein sehr stimmiger, harmonischer Barrique- Chardonnay, der zum kräftigen Schweinebraten oder würzigen Hühnchen sicherlich hervorragend passt.

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2007 Ried Achleiten Grüner Veltliner Ried Achleiten, Lehensteiner – Wachau

90 Punkte – Ein sehr schönes Mitbringsel meines Freundes Bernd von seiner letzten Wachau-Tour ist dieser jungs Smaragd von einem ebenfalls jungen Winzer aus Weissenkirchen. Was hier für  Euro 12,- aus der Flasche kommt, ist Trinkfreude pur!! Nachdem ich von diesem Wein gestern am Abend – kurz vor dem zu Bett gehen – ein Glas als Schlummertrunk bereits sehr genossen habe, zeigt er heute, ca. 24 Stunden später, wo die Reise hingeht. Gestern noch etwas mit jugendlichem Speck, ist er heute viel trinkiger und deutlich animierender. In der Nase mit seinen Anklängen an Steinobst und der  leichten Kräuterwürze noch etwas zurückhaltend, erfreut er heute den Gaumen mit seiner überaus erfrischenden Saftigkeit, Reintönigkeit und komplexen Art. Dies ist ein GV, der ein hohes Mass an Sortentypizität und Mineralität besitzt und ich liebe es, wenn man nicht nur vom Pfefferl spricht, weil man weiss, dass es im GV sein soll, sondern wenn der weisse Pfeffer wirklich deutlich erkennbar ist und mit seiner feinen Schärfe den Spannungsbogen am Gaumen erweitert. Insgesamt zeigt dieser GV aus der berühmten Riede Achleiten eine tolle mineralische Würze, eine feine Frucht von gelbem Steinobst sowie eine schöne Länge; dabei geht die Hand ständig zum Glas, so dass man sich bremsen muss, um nicht im Handumdrehen eine Flasche ausgetrunken zu haben. Mit 2,2, Gramm Restzucker und 13,5% Alkohol ist er auch analytisch in dem Bereich, in dem mir persönlich die Weine Spass machen.

Ich bleibe weiter gespannt, was aus den Alkoholmonstern vieler Erzeuger aus dem Jahr 2006 werden wird.

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