2004 Copa Santa, Domaine Clavel – Coteaux du Laguedoc

Noch spät sitze ich vor der Kiste und hämmere ein paar Weinnotizen in meine Datenbank. Trotz des warm-schwülen Wetters habe ich heute Lust auf einen kräftig, saftigen Rotwein und werde fündig im Keller bei Clavel. Gerade jung machen mir die Weine von Pierre unheimlich viel Spass, das ganz große Lagerpotential haben sie sowieso nicht. Freunde haben letztens eine größere Verkostung durchgeführt und waren recht enttäuscht, ob der Ergebnisse. Gerade auch der 98er (und das war mal einen Granate) soll recht enttäuscht haben und schon auf dem absteigenden Ast sein. Muss ich demnächst unbedingt selbst nachprüfen, habe auch noch 2,3 Flaschen im Keller davon.

90 Punkte – Die 2004er Ausgabe macht jetzt richtig Spass, sie hat viel Frucht (Blaubeeren, Pflaume, schwarze Kirschen), gleichzeitig ist der 2004er Copa Santa speckig, würzig und auch ein wenig rauchig – ein echtes Maul voll Wein, mit guter Konzentration und schönem Schmelz, der jedoch durch reife, aber kräftige Tannine recht deutlich aufgerauht wird. Ein Naturbursche in recht feinen Zwirn gekleidet. Ich freue mich über solchen Stoff, der für ca. Euro 13 echt viel bietet und auch als Einstiegsdroge verstanden werden kann.

P.S. Bitte abstimmen: http://www.localwineevents.com/Blogs/blog-521.html

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2007 Sauvignon Blanc, Georg Mosbacher, Pfalz

84 Punkte – Grundsätzlich bin ich ein großer Freund von Sauvignon Blanc und es freut mich, dass immer mehr Weine dieser Rebsorte auch aus Deutschland kommen. Der 2007er aus dem – von mir sehr geschätzten – Hause Georg Mosbacher überzeugt mich jedoch nicht ganz.

Die Nase ist geprägt von frischen Zitrusaromen (Zitronen und Grapefruit), etwas Cassis, grünen sowie etwas unreifen Stachelbeeren. Sowohl in der Nase als auch am Gaumen klar als Sauvignon Blanc erkennbar. Ganz frisch im Glas wirkt er sehr frisch und zeigt eine etwas spitze Säure. Die Aromen reichen von leicht grasig bis hin zu den bereits in der Nase festgestellten Citrusfrüchten. Insgesamt mangelt es ihm leider etwas an reifem Extrakt und die Aromen wirken leicht grün. Die etwas mangenlnde Substanz zeigt sich auch, wenn der Wein im Glas wärmer wird – dann wird er aromatisch recht breit und fällt  recht schnell auseinander; die eigentlich recht lang anhaltende citrusartige Frische im Abgang verschwindet leider auch. Trotzdem ein Wein, der im kommenden Hochsommer – richtig gekühlt – die Gaumen erfrischen wird. Bis zum Sommer 2009 würde ich nicht warten.

2006 Winningen Uhlen R „Roth Lay“, Heymann-Löwenstein -Mosel

Ich sitze gerade über meinen Aufzeichnungen einer best bottle party aus dem März diesen Jahres. Da es ein längerer Bericht wird, habe ich mir eine Flasche Uhlen R "Roth Lay" von Heymann-Löwenstein genehmigt und bei mir geht die Hand ständig zum Glas, auch wenn er jetzt – in seiner Jugend – noch ein wenig speckig ist und Zeit benötigt um bei der Finesse zuzulegen.

91++ Punkte – Saftiger Riesling, mit mittlerer Tiefe und reichlich würzigen Anklängen; Tabak; viel reifer Pfirsich in der Nase und am Gaumen. Dicht gewirkt, das "süße Fett" drückt die erkennbare Mineralik noch ein wenig in den Hintegrund. Die saftige, extraktreiche Art macht aber jetzt schon Spass, und es fällt schwer die Hand vom Glas (vorausgesetzt man gibt ihm etwas Luft)zu nehmen; auf Grund der guten Säure baut sich ein Spannungsbogen bis in den langen Abgang auf. Geschmeidig schmiegt er sich an den Gaumen und im Abgang zeigt die schöne Länge wohin die Reise mit zunehmendem Alter gehen wird: nach oben !!

2001 Domaine Laffont, Hecate – Madiran

93 Punkte – Bereits bei seiner Ankunft in 2003 habe ich diesen Wein mit viel Euphorie verkostet und bewertet, ihn dann aber auf die Seite gelegt, da es letztlich Babymord war und ich vermutete, dass ein paar Jahre später, der Genuss – auf Grund gestiegener Komplexität – um so höher sein müsste.  Nun, fünf Jahre später ist der Hecate immer noch ein Baby. All diejenigen, die ihn im Keller haben, sollten ihn liegen lassen!!

Direkt nach dem ersten Schluck war ich entsetzt, denn das Tannin stand harsch im Vordergrund. Zwar war die saftige und süße Frucht im Hintergrund erkennbar, aber – auf dem Holzweg befindlich – vermutete ich, dass es das war mit Hecate 2001, und dass das Tannin die Frucht um die Ecke gebracht hatte, kaltblütig ermordet in den letzten 5 Jahren. Doch weit gefehlt!! Mehr aus Verlegenheit, denn als aus Kalkül, stellte ich die halb volle Flasche zwei Tage unbehandelt (also Kork wieder auf die Flasche) und ungekühlt in die Ecke. Jetzt, nach zwei Tagen habe ich eine fruchtigen, komplexen, ja fast sinnlichen Wein im Glas. Die runde, süße Frucht stützt sich auf ein mollig, sandiges Tanningerüst, dass zwar (in bester italienischer Tradition) den Rachen nach dem Essen putzt, aber die tolle Frucht (von reifen Waldbeeren, Lakritz, Schokolade, Leder  und Graphit)  hält voll mit  und so baut sich ein Spannungsbogen auf, der meine Hand – trotz der Üppigkeit dieses Weines – klar zum Glas gehen läßt. Die Extraktsüße, die der Wein am Ende zeigt, macht ihn fast wolllüstig. Ich mag solche Dinger, die einen kräftigen Kern haben und gleichzeitig wissen, wie sie ihre wohl proportionierten Rundungen zu ihrem Vorteil einsetzen. Sexbomb, Sexbomb höre ich den Tiger hier singen.  Geiler Stoff, was für den Winter !!!!

In 2003 hatte ich folgens notiert:

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2005 Ankunftsverkostung Bordeaux bei Mövenpick – Notizen aus dem März

Inzwischen sind die aktualisierten Parkerbewertungen draußen und leider habe ich meine beiden Favoriten der Probe nicht gekauft, da wäre sicherlich eine kleine Arbitrage drin gewesen (obwohl einmal im Keller, hätte ich sie vermutlich nicht wieder hergegeben).

Letztlich sind die 2005er Bordeaux ein Jahrgang, der bereits in der Subskrption sau teuer war, aber preislich dennoch deutlich in den letzten Monaten zugelegt hat. Man muss sich einfach mal auf der Zunge zergehen lassen, dass eine 12er Kiste Premier Crus in der Subskription ca.  Euro 6.000 gekostet und nun steuert die gleiche 12er-Kiste auf das Doppelte zu. Demnächst wird es wohl heißen: Tausche meinen neuen Peugeot 208 gegen eine 12erKiste Chateau Latour 2005 – das sind Marktauswüchse (!!)  und dies sollte man nicht nur markttechnisch, sondern insbesondere auch mal moralisch hinterfragen. Letztlich muss das aber jeder für sich selbst tun und  für sein Handeln die richtigen Schlüsse daraus ziehen.

Doch nun zu den einzelnen Weinen:

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