worst bottle tasting

Am 29.02. durfte ich bei einer Weinverkostung der anderen Art teilhaben. „Worst bottle“ hiess das Thema, dass sich der weinterminator (www.weinterminator.de) für diesen außergewöhnlichen Abend ausgedacht hatte.  Aufgerufen wurden Flaschen, die alle eine äußerliche „Macke“ hatten: entweder war der Füllstand auf niedrigem, teilweise desaströsem Niveau oder der Wein hatte seine Farbe ausgefällt, sodass der Rotwein aussah wie ein blasser Rosé. Im Ergebnis mussten wir jedoch feststellen, dass das Füllniveau bei Altweinen eine eher untergeordnete Bedeutung spielt und die allgemeinen Lagerbedingungen maßgeblich für die Güte der Flasche sind. Ausführliche Verkostungs­notizen dieser Probe findet man auch direkt unter www.weinterminator.de. Ich möchte es jedoch nicht versäumen meine Eindrücke wiederzugeben, angereichert um ein paar Flaschen, die in der tiefen Nacht während der After-Proben-Party im Düsseldorfer Restaurant Schorn (Franz-Josef hat uns kulinarisch mal wieder verwöhnt) noch ihrer Bestimmung zugeführt wurden.

 

91 Punkte – Los ging es mit einer gut konditionierten Flasche Champagner Brut Reserve aus dem Hause Pol Roger – Jahrgang 1955. Helles Bernstein mit kupferfarbenen Reflexen und schönem Glanz – ein Auftakt nach Maß dachte ich und wurde nicht enttäuscht. Schöne Brioche-, Brot- und Nussaromen sowie eine recht kräftige Firne standen diesem weinartigen Champagner sehr gut. Getragen wurde er durch eine deutliche, aber angenehme Säurestruktur, die auch für die charmante Frische zuständig war. Die immer noch zart vorhandene Perlage verstärkte diesen Eindruck und sorgte für ein überaus angenehmes Mundgefühl.

33 Wein folgten  – bitte weiterlesen

 

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2005 Impresario, Paul Kerschbaum – Burgenland

90 Punkte – Einerseits erschöpft vom fast 3-tägigen IKEA-Küchenaufbau und andererseits immer noch berauscht vom Weinerlebnis am vergangenen Freitag sitze ich nun bei einem Glas österreichischem Rotwein vom Falstaff-Winzer des Jahres aus 2007 –>  und bin ratlos !!!

Was war das am vergangen Freitag für eine Achterbahnfahrt der Gefühle und des Geschmacks ! "Worst bottle" war das Motto, das Achim Becker (alias weinterminator – www.weinterminator.de ) ausgelobt  hatte – doch dazu später mehr.

Würde man die Finesse, die Harmonie, die Verwobenheit der Aromen und die Eleganz einiger dieser Altweine zum generellen Maßstab erheben, dann wäre ein (sehr gut gemachter) Impresario ein armes Würstchen. Diese Cuvee aus 50% Blaufränkisch, 30% Zweigelt und jeweils 10% Cabernet Sauvignon und Merlot  ist (wie fast alle österreichischen Rotweine) ein nahezu perfekt ‚gemachter‘ Wein; eine Cuvee, die vieles hat, doch letztlich auch vieles offen läßt. Impresario ist  Handwerk (zugegebenermaßen sehr gutes Handwerk), doch die großen Bühnen der Welt, die Tempel der Kunst und der Freude wird dieser Wein nie von innen sehen – geschweige denn  dort wirken.

Eine gute Beschreibung des Weines liefert das Weingut weitgehend selbst: "Üppig-volles Bukett mit voll ausgereiften, rauchig-dunklen Beerennoten, Heidelbeeren, Veilchen  und Lakritze, dezente Würze, süße Holznoten." Die Würzarmoen aus dem neuen Holz würde ich eher als kräftig beschreiben und um Schokoladenkomponenten erweitern. Die Frucht ist zur Zeit deutlich von Pflaumen geprägt. Am Gaumen zeigt er einen geschmeidig-opulenten Fruchtschmelz, Extraktsüße und eine beachtliche Fülle; anfangs eher samtig-weich, geht dann ordentlich auf, zum Abgang hin eher fest, recht lang und mit  Reserven. Trotzdem fehlt diesem Weine einfach die Leichtigkeit des Seins, die Hingabe, der überraschende Moment – einfach etwas, das ihn besonders macht. So ist er ein saftiger Wein, dessen Konturen nach Außen Kraft und Opulenz demonstrieren, aber letztlich bleibt er eher harmlos.


P.S. Schönes Etikett.