1997 Hiedler – Maximum Chardonnay halbtrocken / Kamptal (=Weinrätsel in Frankfurt)

Ein normaler Donnerstag in Frankfurt/Main – ich hatte hier beruflich zu tun und da man liebe Freunde grundsätzlich viel zu selten sieht, nutzte ich die gute Gelegenheit bei Birgit und Bernd zu nächtigen. Kaum angekommen hatte ich ein Glas in der Hand und wunderbaren Speck aus Südtirol auf dem Teller. Bernd sagte nur kurz: „Wir verzichten heute auf das Vorgeplänkel“ und tauchten ein in die Tiefen des Weingenusses. Grundsätzlich waren wir uns aber einig, dass Vorgeplänkel (in Form von guten, aber nicht herausragenden Weinen) wichtig ist, um überhaupt die späteren Top-Weine in ihrer Qualität, ihre Komplexität und den durch sie erlebten Genuss richtig einordnen zu können.

 

Los ging es mit einem Wein der besonderen Art, ich war aufgrund der Aromatik recht verunsichert, was ich da im Glas hatte und versuchte mich über das Land zu nähern. Frankreich war mein erster Versuch und ich war mir eigentlich sicher, dass ich Recht haben würde, aber mir schallte nur ein „No“ entgegen. Ich wurde vorsichtiger, aber mit „Wein aus der Alten Welt“ lag ich zumindest richtig. Aber woher ? Ich erinnerte mich, dass die beiden kürzlich Portugal bereist hatten und erklärte Bernd, dass ich von portugisischen Weißweinen überhaupt keine Ahnung habe, aber man sollte weniger denken und auf seine Sensorik vertrauen. Ok !! Ich konzentrierte mich wieder auf den Wein – aufgrund der Cremigkeit, der Aromatik am Gaumen wurde ich mir hinsichtlich der Rebsorte etwas sicherer und ergatterte   mit „Burgunderrebsorte“ und „Chardonnay“ ein zweimaliges Kopfnicken. Aber dann verließ es mich auch schon wieder, meine gesamte Trinkerfahrung brachte mich nicht weiter, so einen Wein hatte ich bislang noch nicht im Glas:

 

In der Nase eine dichte Frucht, die insbesondere durch zwei Aromen getragen wurde, durch Mandarinen und einem herrlich würzigen, dunklen Waldhonig. Beides konnte man auch am Gaumen wieder finden, aber da war nicht nur die Würze des Kräuterhonigs, da war gleichzeitig auch die dazu passende Honigsüße, dieser Wein hatte einen deutlichen Zuckerschwanz. Aber ein wirklich restsüßer Wein war es nicht. Der Wein wirkte auf der anderen Seite erstaunlich frisch, hatte eine tiefe Mineralik, die den Eindruck von Frische weiter untermauerte, aber gleichzeitig waren da auch Aromen, die mir klarmachten, dass ich keinen ganz junger Wein vor mir hatte. Auffallend schön seine Dichte, seine saftige, extraktreiche Art und die Cremigkeit, mit der dieser Wein über die Zunge zu gleiten vermochte. Die gute Länge und Aromen von Karamell und Sahne rundeten das Bild ab. „Bild“ ein gutes Stichwort – denn inzwischen war ich mir sicher, dass ich dieses Bild noch nie in meinem Leben gesehen hatte und so musste ich die Segel streichen, um nicht endgültig in willkürliches Rätselraten zu verfallen.  90 Punkte

 

Lösung: Hiedler, Chardonnay 1997 Maximum halbtrocken  – Kamptal / Österreich

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