2002 Gesellmann – Opus Eximium Cuvee No 15 / Burgenland

90 Punkte- Ich hatte heute irgendwie Lust auf einen saftigen "Schmackofatz" und habe die richtige Wahl getroffen. Dieser Wein ist nicht schwierig zu verstehen, er ist einfach nur sexy und lecker. Seine Vorzüge trägt er  offen zur Schau – und gut ist !!!!!!! Die Nase ist – nach kurzer Belüftung – voll da; die Aromen von Pflaumen, Vanille, dunkler Schokolade und einer soliden Holzwürze bauen ein Lustgefühl auf.   Am Gaumen extraktsüsse Frucht, sehr saftig, rund und geschmeidig; durchaus mit einer ordentlichen Tiefe und Strukturausgestattet. Die runden, weichen und fast molligen Tannine ergeben ein wohliges Mundgefühl, während die  gute Säure dafür sorgt, dass man nicht vordergründig satt ist, sondern dass die Hand zum Glas geht. Der Alkohol von 14%  bremst einen spätestens nach einer halben Flasche aus, aber dann sollte der Abend auch gerettet sein.  Dieser Wein ist keine intellektuelle Offenbarung, aber er hilft ………. !!! 

2006 Weingut Melsheimer – Reiler Mullay-Hofberg Riesling Auslese trocken ‚Kellerchen‘

92 Punkte – Am Samstag bin ich in Düsseldorf über den Markt am Karlsplatz gelaufen und habe mich ein wenig treiben lassen. Dabei ist mir ein kleiner Weinstand ins Auge gefallen, der nur biologisch erzeugte Weine von Weingütern verkauft, die zur Spitze in Deutschland gehören. Da finden sich Namen wie Wittmann, Kühn oder Linxweiler im Sortiment und mein Interesse ist geweckt. Auf den zweiten Blick entdecke ich ein Etikett, dass mir bislang total unbekannt war, aber trotzdem ein deja vu bereitet, denn die letzte Ausgabe der VINUM titelte mit dem deutschen Rieslingpreis und bildete genau das Etikett dieses Weingutes ab. Kurzer Schnack mit dem Verkäufer, Flasche gekauft.

Kaum ist die Flasche geöffnet, strömt mir schon ein unglaublich dichter und voller Duft entgegen. Reife, gelbe Pfirsicharomen, satte kräuterwürzige Aromen von einer Mineralität, die einen schon in der Nase anspringt. Am Gaumen dann ein ähnliches Bild: satte Frucht, satte Mineralität, satte Tiefe !! Ein extraktreicher Stoff, der sein Terroir voll zum Ausdruck bringt; der Schiefer ist bei jedem Schluck gegenwärtig – man hat fast das Gefühl direkt auf ihm zu lutschen. Die Fruchtaromen erinnern mich irendwie an Rheingauer Weine, aber die Mineralität ist "voll Mosel". 14,5% Alkohol sind hervorragend eingebunden; trotz aller Üppigkeit ist dieser Wein komplex, tief und unglaublich trinkanimierend. Die Säure und die Frische sind ein gutes Gegengewicht zu der Üppigkeit, die man erkauen kann. Die Mineralität ist wirklich beeindruckend und zieht sich in Form einer positiven Bitterkeit bis in den schönen, langen Abgang. Das leere Glas duftet nach Kräutern und Mineralien und man schwelgt noch in den Aromen, wenn schon längst der letzte Schluck die Kehle hinuntergelaufen ist. Ein wirklich toller Riesling, der auf dem gleichen Niveau spielt wie z.B. die GG von Wittmann.

1998 Chateau de la Negly – Clos du Truffiers

93 Punkte – Chateau de la Negly kenne und schätze ich bislang von seinem unter PLV-Gesichtspunkten hervorragenden ‚La Falaise‘. Darüber hinaus produziert Jean Rosset zwei rare Syrahweine aus winzigen Erträgen (zwischen 10 u. 15 hl/ha), namentlich: Porte de Ciel (Himmelspforte) und Clos des Truffiers (Trüffelberg). Aufgrund der Preisgestaltung – aktuelle Jahrgänge kosten zwischen  Euro 80,- und 100,- – muss man einen Spitzenwein erwarten dürfen; die Vorschußlorbeeren aus kundigem Munde lassen die Erwartungen ebenfalls hochschnellen. Parker (WA 139) setzt Chateau de la Negly an die Spitze der Weingüter im Languedoc und vergibt für den 2001er Clos du Truffiers in seiner online-Ausgabe (www.erobertparker.com) 98+ Punkte. Rene Gabriel sieht in den südfranzösischen  Syrah-Weinen von Chateau de la Negly eine Mischung aus Chambertin und „Grange“ von Penfolds in Australien.

Erwähnenswert ist noch; dass der Clos du Truffiers nicht – wie  die restlichen Weine des Chateaus – von Reben in der Appelation La Clape stammt, sondern aus Lagen in unmittelbarer Nähe zu Peyre Rose’s Weingärten in Saint-Pargoire im Département Hérault.

Tiefdunkel und strahlend steht dieser Wein vor mir und die erste Nase ist – trotz der 14,9% Alkohol – eher kühl geprägt. Die Aromatik ist dicht, komplex und von einer sehr guten Frucht (nach Waldbeeren, einem Hauch Teer und Lakritze) geprägt. Kombiniert mit den typischen Würzaromen des Syrah entwickelt der Wein eine schöne Tiefe, die Lust auf mehr macht. Am Gaumen entdeckt man die kühle Stilistik der Nase wieder, die mich – kombiniert mit der herrlichen Frische – an  einen großen Côte Rôtie denken lässt. Die Saftigkeit, die gute Frucht und Dichte des Weines vermag ebenso zu überzeugen, wie die runden, äußerst geschliffenen Tannine, die ausreichend vorhanden, dem Wein eine gute Statur verleihen. Für ganz großes Kino fehlt es ein wenig an Komplexität und Länge.

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2001 F.X. Pichler, Grüner Veltliner Dürnsteiner Kellerberg / Wachau

99+ Punkte (lach)- Frankfurt, Klappe die Zweite: Nochmals eine ganz andere Liga war der nächste Wein – um es vorwegzunehmen, es war wohl der beste Grüne Veltliner, den ich bislang im Glas hatte. Ein Ausnahmewein von vorne bis hinten – eine bench mark für alle Weine, die Attribute wie Kraft, Intensität,  Tiefe und Komplexität für sich beanspruchen. Selbst im komplett leer getrunkenen Glas offenbart der 2001er Kellerberg  immer noch eine Duftintensität, an der man sich berauschen kann. Das leere Glas hatte sogar den Vorteil, dass man die einzelnen Aromen etwas besser zuordnen konnte. Wer immer das Pfefferl im GV gesucht hat, wird hier definitiv fündig, nur ist es kein „Pfefferl“ sondern weißer Pfeffer pur. Die Mineralik springt einem förmlich an und ich kann mir nicht vorstellen, dass es einen zweiten Wein gibt, der  eine solche abgrundtiefe Mineralik bereits in der Nase erkennen lässt. Die Kräuteraromatik ist überwältigend, dieser GV nimmt einen gefangen, er reißt einen mit und man fühlt sich schnell als Entdecker in bislang nicht gekannten Galaxien. Am Gaumen – wow !!! Anfangs noch etwas skeptisch, ob – wie so oft – der Gaumen das hält, was die Nase verspricht, aber das ist für mich Wein in Perfektion. Kann man so etwas noch steigern, ich meine nicht.  Dieser Wein hat alles: Kraft, Dichte, Frische, Mineralität, Komplexität, Länge und vor allem animiert er ständig mehr davon haben zu wollen. Ich saß wie elektrisiert vor diesem Wein und habe auch nach diversen nachfolgenden Rotweinen immer wieder mal an meinem Glas genippt, um festzustellen dass er  jedes Essen, jeden Rotwein, einfach in die Tasche steckt und nur ein winziger Schluck reichte aus, um dieses Feuer in mir wieder zu entfachen. Selbst bei Zimmertemperatur und mit viel Luft, die er über den gesamten Abend im großen Glas gezogen hatte, war er zu jeder Zeit komplett frisch und voll überzeugend. Ein grandioses Meisterwerk.

1997 Hiedler – Maximum Chardonnay halbtrocken / Kamptal (=Weinrätsel in Frankfurt)

Ein normaler Donnerstag in Frankfurt/Main – ich hatte hier beruflich zu tun und da man liebe Freunde grundsätzlich viel zu selten sieht, nutzte ich die gute Gelegenheit bei Birgit und Bernd zu nächtigen. Kaum angekommen hatte ich ein Glas in der Hand und wunderbaren Speck aus Südtirol auf dem Teller. Bernd sagte nur kurz: „Wir verzichten heute auf das Vorgeplänkel“ und tauchten ein in die Tiefen des Weingenusses. Grundsätzlich waren wir uns aber einig, dass Vorgeplänkel (in Form von guten, aber nicht herausragenden Weinen) wichtig ist, um überhaupt die späteren Top-Weine in ihrer Qualität, ihre Komplexität und den durch sie erlebten Genuss richtig einordnen zu können.

 

Los ging es mit einem Wein der besonderen Art, ich war aufgrund der Aromatik recht verunsichert, was ich da im Glas hatte und versuchte mich über das Land zu nähern. Frankreich war mein erster Versuch und ich war mir eigentlich sicher, dass ich Recht haben würde, aber mir schallte nur ein „No“ entgegen. Ich wurde vorsichtiger, aber mit „Wein aus der Alten Welt“ lag ich zumindest richtig. Aber woher ? Ich erinnerte mich, dass die beiden kürzlich Portugal bereist hatten und erklärte Bernd, dass ich von portugisischen Weißweinen überhaupt keine Ahnung habe, aber man sollte weniger denken und auf seine Sensorik vertrauen. Ok !! Ich konzentrierte mich wieder auf den Wein – aufgrund der Cremigkeit, der Aromatik am Gaumen wurde ich mir hinsichtlich der Rebsorte etwas sicherer und ergatterte   mit „Burgunderrebsorte“ und „Chardonnay“ ein zweimaliges Kopfnicken. Aber dann verließ es mich auch schon wieder, meine gesamte Trinkerfahrung brachte mich nicht weiter, so einen Wein hatte ich bislang noch nicht im Glas:

 

In der Nase eine dichte Frucht, die insbesondere durch zwei Aromen getragen wurde, durch Mandarinen und einem herrlich würzigen, dunklen Waldhonig. Beides konnte man auch am Gaumen wieder finden, aber da war nicht nur die Würze des Kräuterhonigs, da war gleichzeitig auch die dazu passende Honigsüße, dieser Wein hatte einen deutlichen Zuckerschwanz. Aber ein wirklich restsüßer Wein war es nicht. Der Wein wirkte auf der anderen Seite erstaunlich frisch, hatte eine tiefe Mineralik, die den Eindruck von Frische weiter untermauerte, aber gleichzeitig waren da auch Aromen, die mir klarmachten, dass ich keinen ganz junger Wein vor mir hatte. Auffallend schön seine Dichte, seine saftige, extraktreiche Art und die Cremigkeit, mit der dieser Wein über die Zunge zu gleiten vermochte. Die gute Länge und Aromen von Karamell und Sahne rundeten das Bild ab. „Bild“ ein gutes Stichwort – denn inzwischen war ich mir sicher, dass ich dieses Bild noch nie in meinem Leben gesehen hatte und so musste ich die Segel streichen, um nicht endgültig in willkürliches Rätselraten zu verfallen.  90 Punkte

 

Lösung: Hiedler, Chardonnay 1997 Maximum halbtrocken  – Kamptal / Österreich

1985 Leoville Las Cases / St. Julien / Bordeaux

96 Punkte – Zu Beginn ein starkes Aroma von Kaffee, Mokka und Tabak in der Nase; sehr tief, kühl und aromenreich – man ist beschäftigt. Am Gaumen sehr frisch, kühl und eher maskulin. Schöner, kräftiger Körper; herrliche Tanninstruktur; reife und körnige Tannine, die der tollen Frucht den nötigen Widerstand geben und dem Wein so eine perfekte Statur verleihen. Röstaromen, Kaffee, feinste Schokolade, Cassis, beerig, herrlicher Stoff …. mehr Worte muss man einfach nicht machen.

1985 Castello di Rampolla – Sammarco

94 Punkte – Wow, dieser Supertuscan zeigt deutlich, dass italienische Weine aus großen Jahrgängen sehr gut altern können. Leider kann ich meine detaillierten Verkostungsnotizen nicht finden, aber in bleibender Erinnerung sind mir geblieben:

# die erstaunliche Frische
# eine schöne, saftige (dunkle Beeren-)Frucht
# die immer noch unglaublich strammen Tannine,
# sowie Ecken und Kanten, 

die zu diesem Wein passen und ihn sehr individuell und eigenständig dastehen lassen und die gleichzeitig den Trinker dazu anstacheln sich mit dem Wein auseinanderzusetzen. Die kräftige Säure unterstützt den Eindruck von Frische. Es wird – trotz der fast reinsortigen Cabernet –  deutlich, dass dies kein Bordeauxwein ist, sondern ein Italiener – obwohl die schönen Graphitnoten  jedem Bordeaux zu Ehre gereichen würden. Insgesamt hat mir der Druck am Gaumen, die Frische, letztlich aber auch die Stimmigkeit aller Komponenten auf hohem Niveau so gut gefallen, dass mit die Vergabe von 94 Punkten leicht gefallen ist.

1985 Chianti Ruffina Vigneto Bucerchiale – Fattoria Selvapiana / Toscana

91 Punkte – Was für ein Erlebnis, eine Chianti Ruffina, der sicherlich viele Classicos hinter sich lässt und immer noch unglaublich jung und frisch daherkommt.

Fattoria Selvapiana ist ein Weingut, dass gerade durch seine Weine aus den  80er Jahrgängen aufgefallen ist . Die Riserva Bucerchiale ist reinsortiger Sangiovese, der erstmals 1979 das Licht der Welt erblickte.

Im Glas vor mit steht ein Wein, der mir "altem Wunschitaliener" das Herz höher schlagen lässt. Der Wasserrand läßt mich einen Wein nach Mitte der 90er Jahre ausschliessen, aber was ist das im Glas ?? Die Nase ist erdig, tief und frisch, ein Bild von dunklen Waldfrüchten entsteht in meinem Kopf, eine knackige schwarze Kirsche huscht vorbei und irgendwie schlage ich auch einen Bogen zu eher teerigen Noten. Die eher hintergründig erkennbaren Anklänge an Lösungsmittel wische ich bei Seite und dann ist da wieder diese kühle, frische  Frucht, die mich schon in der Nase begeister hatt. Ein guter Extrakt belegt die Zunge, ein Hauch von eleganter Bitterschokolade kombiniert mit einer schönen, dunklen Waldfrucht sowie ein Hauch von Malz umschmeichelt die Zunge. Feinkörnige, nachhaltige Tannine, eine gute Säure und die ordentliche Länge runden das harmonische Bild dieses Weines ab. Die Kombination mit den Steinpilztaglitelle ist nicht perfekt, da sie zu Lasten der Finesse des Weines geht, aber für sich allein ist der 85er Vigneto Bucerchiale ein echter Genuss.

1985 Corton – Bressandes / Domaine P. Dubreuil – Fontaine / Burgund

89 Punkte – die erste Nase hinterlässt einen etwas (kuh-) stalligen Eindruck, der jedoch mit zunehmender Belüftung verfliegt und einer schlanken, etwas kräutrig wirkenden Frucht mit Anklängen an Zwetschgen Platz macht.

Der Gaumen ist geprägt von einer angenehmen Extraktsüße, einer eher kühlen Aromatik (die etwas metallisch wirkt) sowie einer guten Länge. Die immer noch vorhandene Frucht erinnert an rote Beeren, Erdbeeren. Der Wein wirkt mit seinem mittelgewichtigen Körper durchaus elegant, alle Komponenten (Frucht, Säure, Tannine) sind harmonisch miteinander verschmolzen . Für eine Benotung deutlich über 90 Punkten fehlt es etwas an Komplexität und Tiefe, wenngleich der Wein eine gewisse Eleganz vorweisen kann, die insbesondere durch die schönen, weichen und runden Tannine geprägt ist.