1999 Isole e Olena – Cepparello / Toscana

95 Punkte – Kurz: Herrlicher Stoff !!!!!

Schon die Nase stimmt einen auf nachhaltigen Trinkgenuss ein, wobei dies ein "verstehender" Genuss sein muss, denn  der 99er Cepparello ist kein Einsteigerwein; er ist nicht unmittelbar zugänglich, er wirkt eher unnahbar und spröde auf den ersten Schluck. Dafür gefällt mir umso mehr die Tiefe und Aristokratie dieses Sangiovese. Die Nase ist sehr tief, dunkel und maskulin; von den Aromen eine Mischung aus Zedernholz, Tabakkiste und Anklängen an schwarze Kirschen, Brombeeren und nicht ganz reife Zwetschgen.

Am Gaumen fällt auch nach 8 Jahren  noch immer das mächtige Tannin sofort auf, doch die saftige, tiefe Frucht hat genug power, um dagegen zu halten. Die aussergewöhnlich gute Tiefe sowie die edel wirkende Kühle dieses Weines lassen mich ständig zum Glas greifen. Dieser Wein hat Rasse und Klasse ! Die Säure ist mächtig, aber nicht übermächtig, gleiches gilt für den Alkohol; beides sind Garanten für ein langes Leben. Die Frucht ist da: kühl, dunkel und man(n) muss kauen, um den Wein in all seinen Facetten zu erfassen. Der Abgang ist herrlich lang – endet aber vielleicht einen Tick zu viel auf Tannin. Trotzdem richtig großer Stoff !!

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2006 Erbhof Unterganzner – St. Magdalener Klassisch / Südtirol / news vom Weingut

Jedes mal die gleiche Prozedur, wenn ich zu Josphus Mayr fahre; in dem Strassengewirr aus Autobahnzu-und abfahrt, diversen Landesstrassen und Kreiseln entscheide ich mich Jahr für Jahr mindestens einmal für die falsche Strasse – aber auch in diesmal habe ich es letztendlich geschafft !  Ebenfalls Jahr für Jahr bin ich dann überrascht von der Ruhe, die auf diesem – zwischen Autobahn und Landesstrasse – eingezwengten  Erbhof herrscht. Dieses Mal war die Zeit knapp, denn es ist Erntezeit und da hat die ganze Familie alle Hände voll zu tun. Trotzdem bzw. gerade deshalb hat es mich sehr gefreut, dass Frau Mayr extra zum Hof kam, um mir meine paar vorbestellten Flaschen auszuhändigen. Ein kleiner Plausch, ein paar Infos zu den gekauften Weinen und eine trautirge Nachricht: Aus dem hervorragenden Jahr 2006 wird es keinen REIF geben, denn die Gärung des Cabernet ist stecken geblieben und alles gute Zureden und sämtliche "vernünftigen" Versuche blieben erfolglos.

 

2006 St. Magdalener Klassisch – 84 Punkte – Einen kleinen Vorgeschmack auf den 2006er Jahrgang gibt der St. Magdalener Klassisch. Grundsätzlich stammen die Weine der Zone "St. Magdalener" von  Hängen am Rand von Bozen sowie Teilen der Gemeinden Karneid und Ritten. Weine aus den historischen Lagen tragen häufig  die Zusatzbezeichnung Classico oder Klassisch  und werden aus Vernatsch (entspricht dem dt. Trollinger) gekeltert, der häufig mit einem Spritzer Lagrein (5%-10%) veredlet wird. Die 2006er Ausgabe des St. Magdalener vom Josephus Mayr ist extraktsüß, sehr aromatisch und fruchtig (eingemachte rote Früchte, Erdbeeren, rote Fruchtsirup-Drops) und hinten heraus zeigt sich eine interessante, süß-bittere Note. Für die Rebsorte hat dieser Wein ein beachtliches Tannin sowie einen schon  als mittelgewichtig zu bezeichnenden  Körper. Mir macht so ein Wein zur Brotzeit mit Speck oder zur Pizza richtig Spaß, da mag ich sogar die –  für mich ansonsten etwas zu vordergründige – extraktsüße Frucht. Ein solch konzentrierter Vernatsch kann nur mit beachtlichem Aufwand  im Weinberg (insbesondere erhebliche Ertragsreduzierung) hergestellt werden. Well done !!

Mövenpick Verkostung – Österreich 2006

Leider mit nur noch wenig Zeit bin ich gestern bei Mövenpick in Düsseldorf "eingekehrt". Zur Verkostung standen die 2006er aus Österreich an. Im Schnelldurchlauf habe ich mich auf die weißen Spitzen konzentriert – and here are the results of the German jury: Austria – two points ;-))) Nein,  so schlecht waren sie nicht, eher das Gegenteil. Der Eindruck, dass 2006 ein sehr gutes Jahr bei unseren Nachbarn war, bestätigt sich mehr und mehr. Negativ fällt mir auf, dass der Konzentrations- und Reifewahn immer stärker wird. Ein Smaragd muss 12,5% Mindestalkohol haben, aber unter 14,5% scheint fast nichts mehr zu gehen. Bei F.X. Pichler muss man allerdings sagen, dass hier das Alkohol-Versteckspiel perfektioniert worden ist. Wie ich bereits in meiner Verkostungsnotiz zum 06er Unendlich geschrieben habe, ist dieser große Wein – trotz seiner 15% Alc. – enorm trinkanimierend und elegant. Leider das Gegenteil war bei Jamek festzustellen, schon beim Ried Klaus Riesling Smaragd aber insbesondere Achleiten GV Smaragd schlägt der Alkohol durch und man bekommt gleich mit dem ersten Schluck eine volle Breitseite.

    • 2006 Bründlmayer, Kamptaler Terrassen GV: 86 Punkte – schöne, klare Frucht, geradlinig mit animierender Frische, sehr sauber, zarte Apfelfrucht, dezent kräutrig, schöner Essensbegleiter, angenehme 12,5% Alc.
        
    • 2006 Jamek, Ried Klaus Riesling Smaragd: 92 Punkte; mir ist ja bekannt, dass in Österreich für "trocken" bis zu 9 Gramm Restzucker zugelassen sind, aber dieser Wein hat schon kein Zuchkerschwänzchen mehr, das ist ein ausgewachsener Schwanz! Im Mund enorm extraktreich, kraftvoll , dicht und voluminös; ausladende, reiche Frucht, Waldhonig, reife exotische Früchte; aber auch ein recht deutlicher Alkohol. Wirkt zunächst sehr kompakt und auch schwer, mit zunehmend Luft und etwas Kauen gewinnt er hinten heraus deutlich an Komplexität. Da ausreichend Säure vorhanden ist, meine ich, dass dieser "süße Muskelprotz" eine gute Entwicklung vor sich hat, zur Zeit würde ich ihn jedoch meiden und frühestens in 4 oder 5 Jahren mal wieder eine Flasche aufmachen. Wahrscheinlich großes Potential.

    • 2006 Jamek, Achleiten Grüner Veltliner Smaragd: 91 Punkte – Der haut mich um !! Total sortentypische Aromatik in Mund und Nase, aber mit welcher Wucht wird dem Trinker hier klar gemacht, wo der Hammer hängt. Großer, schwerer Wein, gelbe Frucht, enormer Körper, fester Biß und trotzdem sehr schmelzig, fast ölig (durch den Alkohol), tolle Kräutermineralik, betont fruchtig, etwas breit – Entschuldigung für den nachfolgenden Ausdruck: "eine fette Sau". Von diesem Wein möchte ich  1(!!) Glas (dieses aber mit praller Lust) trinken und dann seelig einschlummern. Bin sehr gespannt, ob die Frucht im Kampf mit dem Alkohol in den nächsten Jahren Stand halten kann.
    • 2006 Prager, Wachstum Bodenstein Riesling Smaragd: 94 Punkte – Herrlich dichte und feste Nase, Steinobst, gelbfruchtig, Am Gaumen ebenfalls sehr kompakt, schreit nach Luft, um sich entfalten zu können. Kraftvoll, mit gutem Druck am Gaumen, sehr schöne Extraktion und perfekte Säure, die sich – wie ein Kometenschweif – von vorn bis hinten klar und brilliant durch den Wein zieht. Hervorragend strukturierter Wein, der Zeit benötigt und sicher erst in drei bis vier Jahren seine wahre Größe und Eleganz komplett offerieren wird. Großes Potential !!
       
    • 2006 Prager, Zweritaler Grüner Veltliner Smaragd: 92 Punkte – Für mich nicht der ganz, ganz große GV, aber ungemein animierend und sexy. Schöne, frische, aber etwas zurückhaltende Nase mit der leichten Brise einer Sommerwiese und Anklängen von frischen Äpfeln und Wachs. Am Gaumen frisch und betont kühl, in der Mitte ein schöner, betont mineralischer und würziger Komplex, nicht zu fett (13,5%Alc); hinten heraus frisch, aber vielleicht etwas kurz. Trotzdem glaube ich, dass dieser Wein sich gut entwickeln wird und auch in ein paar Jahren viel Genuss bietet.

    • 2006 Hirtzberger, Honivogl Grüner Veltliner Smaragd: 95 Punkte – Opulenz kann auch schön sein; wieder 15% Alc, aber hier nicht vordergründig, aber auch nicht versteckt. Ein Wein mit unglaublich schönem Schmelz, einer herrlichen Stoffigkeit, einem großen Körper und einer Lust, die ansteckt. Die Zunge wird von einem  breiten Teppich voller Aromen von gelbem Steinobst, warmen Kräuternoten und einer tabakigen Mineralität belegt, der sich bis in den tiefen Rachen hinein ausbreitet. Dieser Wein hat von allem viel: Viel Schmelz, viel Alkohol, viel Säure, viel Extraktsüße, viel Frucht, viel Länge, viel Komplexität, viel Wollust.

2006 F.X. Pichler – Riesling Unendlich / Wachau

95 Punkte – Endlich dieses Phantom ergattert (möglich geworden im Sternerestaurant "Magazin" in Salzburg. Moderne, regional angehauchte Küche in außergewöhnlichem Ambiente; man sitzt an einer langen Tafel im Tunnel und man ist schnell im Gespräch mit seinen Tischnachbarn. Für konservative "Sterne-Esser" sicherlich gewöhnungsbedürftig, aber mir hat es "supergut" gefallen.

 

 

Beim Wein werden wohl viele „Babymord“ schreien, aber ich denke ein wirklich großer Wein zeigt in jedem Stadium seine außergewöhnliche Klasse – und so war es auch hier!!

Mittleres Grüngelb; die Nase ist unerwartet fein, nicht jugendliche "Kräfteprahlerei", sondern kraftvolle Differenziertheit mit mineralisch, würzigen Noten sowie einer herrlichen Frucht von Pfirsich, Blüten, Passionsfrucht und einer exotischen Note. Am Gaumen passierte dann etwas völlig Unerwartetes. Wo verdammt sind die 15% Alkohol, die das Etikett zieren?  Zwar ist dieser 06er Riesling kraftvoll und spannungsgeladen auf der einen Seite, aber auf der anderen schon so schön, fein und balanciert, dass ich es nicht fassen kann. Hier spielen Kraft und Struktur mit Finesse und Eleganz; die herrlich frische Säure und die lebendige, leicht rauchige Mineralik machen das Bild rund und das Kunstwerk perfekt. Zum Abschluss macht der Wein seinem Namen alle Ehre und bleibt ca. 30-40 Sekunden nahezu unverändert am Gaumen haften. Wahrlich großer Stoff, der sich über die nächsten Jahre perfekt entwickeln wird und wahrscheinlich zeit seines langen Lebens seine Trinker begeistern wird. In vier oder fünf Jahre wird es spannend sein, diesen "Unendlich" gegen die großen Rieslinge aus Deutschland (z.B. Kellers Kirschspiel, Schönlebers Halenberg, Künstlers Hölle oder Mosbachers Ungeheuer) zu trinken.