1976 Weingut Ph. und G. Schäfer – Oetricher Lenchen Auslese / Rheingau

86 Punkte – Ein Wein aus einem sehr guten / großen Jahrgang. Als der Wein ins Glas läuft schaue ich ein wenig ungläubig, nach dem strahlend goldgelben 77er von Schloss Reinhartshausen ist dieser klar, aber mahagoniefarben. In der Nase aber sauber, deutlich gereifter, aber trotzdem schön; Noten von Orangenzesten, Honig, Maracuja und Marzipan. Am Gaumen mit noch deutlicher Restsüße, die sich zunehmend besser einfügt, der Wein benötigt Luft, um sich zu entfalten. Im Abgang etwas bittersüßes Mandelaroma, insgesamt eine schön gereifte Auslese, die mit Luft an Komplexität und Harmonie zugelgt hat, sich aber nicht zu großen Höhen aufschwingen konnte.

1977 Schloss Reinhartshausen – Erbacher Marcobrunn Kabinett

90 Punkte – UNGLAUBLICH !! Was für ein schöner, lebendiger und eleganter Wein, ein Kabintt aus einem kleinen bis maximal mittleren Jahrgang. Broadbent schreibt in: Das große Buch der Weinjahrgänge, Luzern 1983: "Leichte Weine, vorwiegend von gewöhnlicher Qualität, rasch zu trinken. (…) Weine eines solchen Jahrganges sollten bereits getrunken sein."

Dieser Riesling zeigt sich im Glas goldgelb und von brillianter Klarheit. Die Nase läßt auf keinen ganz jungen Wein schliessen, aber das wahre Alter verrät sie nicht. Man findet Noten von reifen gelben Früchten, Kamille, Blüten, Wachs (ein Freund sprach auch von Bohnerwachs) und sie animiert mit ihrer frischen und noblen Art zum Trinken. Die Frische zeigt sich auch am Gaumen, da sind Aprikosen, reife Quitten und Orangenzesten. Die Säure ist herrlich,  der Körper mittelgewichtig und die Länge hervorragend, aber der Gipfel dieses Kabinetts ist seine Ausgewogenheit, seine Differnziertheit und Finesse sowie die nahezu nicht erklärbare Frische.

Ach, wenn ich von diesem Stoff doch noch ein paar Flaschen hätte !!

1999 Chateau Clos l’Eglise – Côtes de Castillon / Bordeaux

88 Punkte – Dies ist ein schöner, sehr ausgewogener Bordeaux für jeden 2.Tag ;-). Aktuell zeigt er sich mit einer eher dunklen Frucht, die eingerahmt wird durch leicht florale Noten und eine feine Kaffeeröstung. Am Gaumen weich und seidig (70% Merlot und jeweils 15% Cabernet Sauvignon und Franc), aber mit guter Statur und einer saftigen Frucht. Insgesamt sehr stimmig und harmonisch; gute Länge. Der Wein  ist jetzt auf seinem Höhepunkt angelangt, dürfte aber die nächsten 3 bis 4 Jahre dort verharren und bietet so echtes Bordeaux-Trinkvergnügen für relativ kleines Geld (aus Subskription für Euro 15; aktuell Euro 18 bei der Weinzeche in Essen und Euro 22,50 bei Unger).

Ein paar erklärende Worte zum Weingut findet man auf der homepage von Unger: "Das ist die Cotes de Castillon Dependance von Gerard Perse und Dr. Alain Raynaud (Chateau Quinault L´Enclos), bekannt von Chateaux wie Pavie, Pavie Decesse, La Clusiere, Monbousquet. Und sein Cotes de Castillon, der übrigens nichts mit dem gleichnamigen Pomerol Weingut zu tun hat, zählt zur Top-Liga in dieser Appellation. 70% Merlot, 25% Cabernet Franc und 5% Cabernet Sauvignon, die in 100% neuem Holz verfeinert wurden, kreieren einen Wein mit weicher, dichter Frucht und hohen, Perse-typischen Extraktwerten"

1922 Luigi Rizzi – Barolo (Notizen einer Probe aus März 2007)

96 Punkte – Schon die Flasche ist ein Unikat und das Trinkerlebenis muss jeden Hedonisten erfreuen. In der Nase verströmt dieser Barolo – aus einem wirklich großen Jahrgang (vgl.  www.baroloworld.it/ger/annate_de.html  ) – einen erhabenen Duft nach z.B. getrockenten Rosenblättern, Veilchen und erdigen Tönen. Mit langsam fortschreitender Zeit entwickelten sich im Glas Anklänge an Liebstöckel. Am Gaumen aber zu jeder Zeit hochkomplex, die Aromatik wirkt sehr zart, fast zerbrechlich – dabei immer elegant. Dieser 85 Jahre alte Wein nimmt einen mit auf eine Zeitreise und versetzt seine Geniesser in eine Art Rausch, eine Leichtigkeit des Seins, in einen Freudentaumel. Man glaubt jedes Jahr anhand einer Geschmacksknospe zu erleben, da sind heitere Jahre, da sind lebendige Jahre, aber da sind auch melancholische und traurige Momente. Weinpoesie !!

2004 Jean Stodden – Spätburgunder Recher Herrenberg

87 Punkte – Dieser Wein dürfte jetzt in seiner besten Trinkphase sein. Er benötigt ein paar Minuten im großen Burgunderglas, dann zeigt er, was in ihm steckt:

Mit deutschem Spätburgunder haben die Weine aus dem Hause Stodden wenig zu tun, so überrascht es auch nicht, dass dieser 2004er Spätburgunder geprägt ist von einer, dunklen, sehr kräuterwürzigen Frucht. Der Wein ist durchaus eckig, insbesondere am Gaumen zeigt er eine herbe Kräuteraromatik (die durch das Holz noch unterstützt wird) gepaart mit einer Frucht, die deutlich dunkel und maskulin wirkt. Der Wein offeriert ein hohes Mass an Mineralität sowie eine sehr lebendige, vielleicht etwas spitze Säure. Vom Köper und Extrakt eher mittelgewichtig zeigt er eine kleine Schwäche im Abgang, der ein wenig zu sehr auf  Säure und Tannin endet. Trotzdem für mich ein guter Wein, den ich zum Essen getrunken klar einer Solokarriere vorziehe. Innerhalb der nächsten 2 Jahre austrinken.

2005 Meyer-Näkel „S“ – Ahr

89 Punkte – Fruchbetonte Nase nach roten Beeren mit stark kräuterwürzigen Anklängen. Am Gaumen dicht, saftig, und extraktreich. Die reife Frucht schmeckt nach roten Beeren mit würzigen Untertönen von Kräutern, Rauch und Speck sowie einer schönen Mineralik. Der 2005er  "S" ist ein sehr guter Wein,  der durch seine  kraftvolle Art und Ausgewogenheit überzeugt. Er dürfte auch vielen "Nicht-Weinfreaks" locker aus dem Glas in den Schlund fließen. Die Tannine sind reif und rund; sie  bilden dennoch ein gutes Rückgrad, auf dem die saftige Frucht bestens aufbauen kann. Schönes, fruchtbetontes und würziges Finale, das in einer guten Länge endet. Insgesamt ein ernstzunehmender Pinot, der seine deutsche Herkunft nicht sofort preisgibt.

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1999 Chateau Griffe de Cap d’Or – Saint Georges Saint Emilion

89 Punkte – Dieser Wein stammt aus einem Jahrgang, in dem ich zum zweiten Mal  Bordeaux subskribiert habe. Entsprechend habe ich diesen Wein  über die Jahre meines Besitzes schon einige Male verkostet und mit scheint, dass er jetzt auf seinem Höhepunkt angekommen ist:

Der 99er Griffe de Cap d’Or  hat sich wunderbar harmonisiert, in der Nase verströmt er Düfte von Kaffee/Mokka, reifen Kirschen und Pflaumen. Am Gaumen zeigt er sich saftig und mit weichem Mundgefühl; mit jetzt runden, weichen Tanninen gleitet er über den Gaumen, schöne Viskosität; seidig. Die Frucht tendiert zu dunklen, schwarzen Kirschen und feinen Röstaromen, Kaffee; aber auch eine zarte, schöne Würze kommt zum Vorschein. Mittlerer Körper, gute Länge. Ein schöner, typischer  Merlot, den man ohne großes Aufhebens an vielen schönen Abenden trinken möchte.


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1990 Desiderio – Avignonesi – Toscana

89-91 Punkte: Der "Toro chiannino DESIDERIO" ist immer noch gut im Saft und erfreut sich bester Statur. Auffallend bei diesem Merlot ist sein kraftvoller, saftiger Stil; er ist körperreich und hat immer noch stramme Tannine. Die Frucht ist schön, man schmatzt ein wenig, wenn man auf ihr kaut und die freigesetzten Aromen von Kirschen und Pflaumen sind umwoben von einer angenhemen, Merlot-typischen Würze.

Die saftige Aromatik im Mund  erlebt man um so überraschter, als die Nase zunächst eher schon auf das Alter hinweist; "erinnert ein wenig an gereiften Barolo" steht da in meiner kleinen Gladde zu diesem Wein geschrieben ; auch nasse Pappe, erdige Töne, Kartoffelkraut. Zu jeder Zeit ein Italiener !! Gute Länge, die leider etwas austrocknend auf dem Tannin endet. Wenn dieser Wein etwas differenzierter und komplexer wäre, würde eine deutlich höhere Punktzahl zu Buche stehen, denn die Anlagen (Struktur und Körper) sind sehr gut.

Drei Tage später eine weitere Flasche geöffnet und siehe da, diese Flasche ist etwas besser –  der Wein ist  ein wenig druckvoller und komplexer. Die sehr gute Saftigkeit und die immer noch strammen Tannine zeichnen auch diesen Desiderio aus. Auf Grund der erhöhten Komplexität und Finesse zaubere ich diesmal 2 Punke mehr aus dem Hut.  — Für mich eine interessante Erfahrung — ein Wein mittleren Alters innerhalb von drei Tagen zweimal getrunken und mit leicht unterschiedlichen Wertungen, da die Flaschen eine ähnliche, aber nicht die gleiche Qualität zeigten

1998 Peyre Rose – Clos des Cistes – Languedoc

94 Punkte – Über Marlène Soria, der "guten Hexe des Languedoc" ist im Netz schon vieles geschrieben worden. Leider ist es mir bisweilen vergönnt geblieben, die Dame und den guten Geist hinter der Domaine kennen zu lernen und ich musste, nein durfte bisweilen mit Ihren Weinen vorlieb nehmen. Doch ein, zwei Dinge sind wichtig zu wissen, wenn man Ihre Weine geniesst:  Marléne verzichtet komplett auf den Einsatz von Holz/barriques (kann man kaum Glauben bei der Statur der Weine) und es wird biodynamisch gearbeitet. Die Reben wachsen auf sehr kargen Böden, mitten in der Garrique-Landschaft und so findet sich in den Weinen auch die Urwüchsigkeit dieser Landschaft stets wieder. Eine gute Beschreibung der Domaine und Ihrer Besitzerin findet man bei PdP(http://www.pinard-de-picard.de/katalog/wein/erzeuger/303-Domaine_Peyre_Rose_Coteaux_du_Languedoc.html).

Auch der 98er Jahrgang ist eine Cuvee aus Syrah und Grenache (ca. 85%/15% – die andere große Schwester Clos Syrah Léone ist eine Cuvee aus Syrah und Mouvedre). Die 98er Ausgabe des Clos des Cistes ist wieder ein kraftvoller, dichter, urwüchsiger Wein, der aber deutlich mehr kann, als nur einen "auf dicke Hose zu machen". Die Nase ist  so unglaublich intensiv, komplex und animierend, dass man das Glas kaum wieder absetzen möchte: Wildkräuter, Gewürze, dunkle Früchte, Cassis, Holunderbeeren und dann die durchaus elegante Kühle der Syrahtraube, die diesen Wein so besonders  macht. Zunge und  Gaumen werden belegt mit einem großen Strauss an Aromen: da sind dunkle Schokoladen-Marzipan-Pralinees mit rot-violettem Cassis-und Kirschkern, da findet man sich in einer ganzen Kräuterküche wieder, aber auch Anklänge an Lakritz und schwarzen Pfeffer prägen sich ein. Der Körper ist fest, die Tannine sind edel, aber deutlich präsent. Die sehr gute Struktur basiert auch auf einer schönen Säure und so vewundert es nicht, wenn auf diesem Gerüst die Aromen bis in den langen Abgang getragen werden. Fazit: Richtig guter, schöner, komplexer  und sehr individueller Stoff.

2001 Chateau Carbonnieux blanc – Pessac Leognan / Bordeaux

90 Punkte – zweimal, mit einem Abstand von ca. einen Jahr getrunken und konsistent bewertet. Weisser Bordeaux wird in Deutschland leider kaum wahrgenommen. Dabei sind dies häufig Weine, die  Frucht, Schmelz und Frische hervorragend in sich vereinigen. So auch dieser weisse Carbonnieux. Ein feines Goldgelb mit schönem Glanz strahlt mir aus dem Glas entgegen. Die Nase offenbart ein Gemisch aus reifen Citrusfrüchten, dezenten Noten von Blütenhonig und Gerstenschrot, vielleicht auch ein Malz. Am Gaumen findet sich diese schöne Gemisch aus Frucht, Schmelz unf Frische. Das Ganze ist dann noch beheimatet in einem mittelschwerem Körper, zeigt Tiefe und eine gute Komplexität und macht bis in den recht langen Abgang Spaß. Der Wein füllt den gesamten Mund aus und trinkt sich für sich allein gut, passt aber auch sehr gut zu cremigen Suppen, hellem Geflügel und Schweinebraten. 

(getrunken im Bistro vom Schiffchen in Düsseldorf – daher einen kleiner Tip am Rande: Solche Weine sind oft auf den Weinkarten der Topgastronomie noch zu akzeptablen Preisen zu finden und man erweckt das Interesse des Sommeliers, da er diese Weine selten aus dem Keller holt darf.)