2004 Domaine Laffont – Hecate / Madiran

91 Punkte – Die dichte, schwarz-purpurne Farbe dieses 100%-igen Tannats aus dem Madiran ist unglaublich. Am ersten Tag – aufgrund der Tannine – eingentlich nicht trinkbar, offenbart er am zweiten Tag erste Eindrücke, in welche Richtung sich der Wein in den nächsten Jahren entwickeln wird: 

Eine dichte und komplexe Nase mit Noten von gerade reifen Waldfrüchten, Heidelbeeren sowie eine kühle Kräutrigkeit strömen einem entgegen; Anklänge an Tinte und Schlammkreide erinnern ein wenig an die Schulzeit. Am Gaumen kämpft die satte Frucht (ähnlich der der Nase) mit dem genauso satten Tannin. Die Säure kann sich nicht entscheiden und unterstützt beide. Trotzdem kriecht der Wein mit einer gewissen Seidigkeit über die Zunge – schon beeindruckend, was der aus Belgien stammende Pierre Speyer Jahr für Jahr aus dieser Rebsorte zaubert. Entwerder man trinkt den Hecate 2004  jetzt zu gegrilltem Fleisch oder man läßt ihn mindestens 2, oder besser 3 Jahre liegen, damit sich die Tannine etwas abrunden können. Ich gehe davon aus, dass der Wein dann zu großer Form auflaufen wird; in der darauf folgenden Dekade wird er voll überzeugen und seine Geniesser sicherlich begeistern.

Guigal-Probe im November 2006 / 5 Jahrgänge La Mouline, La Landonne und La Turque

Ein unglaublicher Abend !

 

Nach einem langen Wochenende auf dem Meraner Weinfestival und viele, viele  Weine später (die auch in 2006 wieder jede Aufmerksamkeit wert waren) erwartete mich am Montag, den 12.11.06 auf dem Pretzhof ein Highlight der besonderen Art. Ein Weinfreund aus Bottrop hatte seine Schatzkammer geöffnet und gemeinsam mit Karl und Ulli Mair vom Pretzhof, die für das leibliche Wohl und einen perfekten Rahmen gesorgt haben, eine Probe der Superlative organisiert. So nahm ein wunderbarer Abend seinen Lauf. Begleitet von – hervorragend mit den Weinen abgestimmten – Südtiroler Spezialitäten haben wir an diesem Abend folgende Guigal-Weine verkostet ? Halt!! Nein!! Ich habe nicht verkostet, sondern mit unglaublich viel Genuss jeden einzelnen Wein Schluck für Schluck getrunken:

 

1982 La Mouline

1982 La Landonne

1987 La Mouline

1987 La Landonne

1987 La Turque

1993 La Mouline

1993 La Landonne

1993 La Turque

1997 La Mouline

1997 La Landonne

1997 La Turque

1999 La Mouline

1999 La Landonne

1999 La Turque

1999 Rene Rostaing ? La Landonne

1999 J.M. Gerin ? La Landonne

 

Doch der Reihe nach! Gestartet wurde mit den beiden 82ern, La Turque gab es damals noch nicht, er erblickte erst 1985 das Licht der Welt. Um es vorweg zu nehmen, für mich die hedonistischsten Weine an diesem Abend. Zwar nicht mit der höchsten Punktzahl, aber so unglaublich vielschichtig, komplex, filigran und elegant, dass keine Wünsche offen blieben. Diese unglaubliche Finesse und Leichtigkeit ? ja fast schon ?Schwerelosigkeit? dieser Weine haben mich restlos begeistert. 1982 La Mouline (97 Punkte) ? wie öfters noch ? eine Nasenspitze vorne, feinste Noten von Speck, Rauch, verbrannter Erde, Eisen (wie in einer Schlosserei), kombiniert mit immer noch vorhandenen Fruchtnoten, unglaublich tief und komplex, Rosen, ein Wein, der alle paar Minuten neue Aromen offenbart, dabei die Leichtigkeit des Seins besitzt und mit unglaublicher Eleganz daherkommt, aber im Hintergrund Rückgrad zeigt und Struktur offenbart. Was für eine Länge, Hedonismus pur !! Der 1982er La Landonne (96 Punkte) zeigt noch eine Spur mehr Frucht, feinste rote Beeren, an Malven und Hagebuttentee erinnernd, auch ein Spaziergang durch den frühlingshaften Laubwald kommt mir in den Sinn; dicht, unglaublich tief und finessenreich, mineralische (kalkige) Noten, weich am Gaumen, für mich auf dem Höhepunkt des Trinkgenusses, unglaublich lang.

 

Der nächste Flight bestand aus der 87er Dreierbande. Der 1987er La Mouline (97+ Punkte) für mich auf Rang Eins ? sowohl von der Trinkreihenfolge als auch vom Genuss. Die kraftvolle Nase ist überwältigend, wirkt noch sehr jung kurz vor dem 20. Geburtstag des Weins. Deutlich dunkler und mit weniger Farbaufhellungen als der 5 Jahre ältere Bruder. Dieses Bild spiegelt sich auch am Gaumen wieder – man fragt sich, wo diese Kraft bei einem 87er herkommt?  Ein herrlicher Syrah: komplex, kraftvoll, voller Geheimnisse, die er nur nach und nach beim Trinken offenbart. Auch im 1987er La Landonne (96 Punkte) findet man diese Kraft wieder, die Tannine sind immer noch fest, das perfekte Säurespiel unterstreicht die Frucht und lässt sie voll erblühen. Gigantische Länge. Hier könnte ich mir vorstellen, dass der 87er La Landonne in ein paar Jahren noch besser ist. Zwischen beiden siedelt sich der 1987 La Turque (97 Punkte) an. Die Spur Pfefferminz hat mir bei dieser vielschichtigen und ätherischen Kräuternase besonders gut gefallen. Die feine Süße am Gaumen spielt hervorragend mit ihren Kollegen Säure, Tannin und Frucht, sodass dieser kraftvolle Wein  – bis in sein langes Finale ? das hält, was die Nase schon verspricht.

 

Der dritte Flight war sicherlich in dieser Runde ? relativ gesehen ? der schwächste, doch wirklich schwach war keiner dieser Weine. Mit Punkten zwischen 90 und 93 befindet sich Guigal mit seinen Paradepferden selbst in einem nicht starken Jahrgang auf einem Niveau, wo sich andere freuen würden  in Top-Jahren zu landen. La Mouline ist für mich – schon fast selbstredend – der primus inter pares. Der 1993er La Mouline (93 Punkte) offenbart zu Beginn etwas Kleber-Noten, dann eine sehr schöne und dichte Nase nach dunklen Früchten, gefolgt von einem eher runden und weichen Ansatz, am Gaumen Noten von Rauch und Speck, tiefe Frucht, schlanker und nicht ganz so tief wie die Vorgänger; dennoch gute Länge. Der 93er La Landonne (90 Punkte) hat zu Beginn ebenfalls eine leichte ?Klebernase?, ist leider nicht ganz so ausgewogen wie seine Vorgänger, im Körper eher mittelgewichtig. Die kräftige Säure zehrt an Balance und Finesse und mit ?nur? 90 Punkten bekommt dieser Weine die Schlusslaterne an diesem Abend. Eine sehr würdige Figur machte der 93er La Turque (91+ Punkte) ? so wie  La Mouline mit runder, recht dichter und angenehm süßer Frucht, eine schöne Saftigkeit offenbart er ebenfalls; am Gaumen auch etwas animalische Anklänge, leider ein wenig spitz der Alkohol; kraftvoll bis in den mittellangen Abgang.

 

Flight Nummer 4 war dann schon wieder großes Kino. Der 97er La Mouline (94 Punkte) diesmal nicht an vorderster Front ? wirkte noch unglaublich jung. In der Nase offenbarte sich eine üppige, herrliche Frucht; diverse Kräuter, aber auch Blut und Eisen waren mit im Spiel. Ein dichter, fast süßer Extrakt, auffallend die Cremigkeit und die milde Säure in diesem Jahrgang.  Der 97er La Landonne (95 Punkte) ist da anders, die Frucht ist deutlich eingepackt in ein kraftvolles Tannin, das aktuell etwas spröde wirkt. Am Gaumen ist er unglaublich tief, neben der wunderbaren Beerenfrucht ist er etwas stärker beeinflusst durch das Holz: Teer- und Mokkanoten weisen den Weg, aber auch Anklänge an grüne Tomaten und Sauerkraut mischen sich dazwischen.  Auffällig im Vergleich zu den Vorgänger-Jahrgängen ist die milde Säure. Trotzdem wirkt er vielschichtig und sehr klar, gute Länge. Last but not least der 97er La Turque (96 Punkte) ? zeigt eine 97er typische Frucht: sehr dicht und extraktsüß, Anklänge von Rumtopf, süßer Lakritz und Süßholz. Mit den 96 Punkten möchte ich aber nicht selbiges für diesen Wein raspeln, sondern mir gefällt das Spiel, die dieser Wein trotz aller Üppigkeit besitzt. Im Vergleich zu den beiden Jahrgangsbrüdern hat er die stärkste Säure, sodass er mir noch etwas mehr Trinkfreude bereitet. Langes, sehr fruchtbetontes Finale.

 

Nun der Hammer des Abends! Noch einmal werden alle Sinne wach und trotz des etwas fortgeschrittenen Alkoholeinflusses bin ich auf einmal wieder voll bei der Sache und kann gar nicht genug bekommen von dem Duft, der jetzt aus dem Glas strömt. Der 99er La Mouline (99 Punkte) hat alle Anlagen, die ein perfekter Wein benötigt ? eine überaus verschwenderische Aromenfülle eines Korbes voller reifer Früchte (besonders intensiv: reife Kirschen).  Die aromatische Komplexität und intensive Mineralität sind beeindruckend, dabei extrem klar und überaus präzise definiert. Säure, Tannin und Frucht sind perfekt aufeinander abgestimmt; wunderbarer, dichter, süßer Extrakt, dabei verspielt und gleichzeitig druckvoll ? nein, das ist kein Widerspruch, das ist groß! Die mineralische Frische trägt bis in den unglaublich langen Abgang. Noch vom La Mouline völlig eingenebelt und high, habe ich beim 99er La Landonne (98 Punkte) leider vergessen mir die Punkte zu notieren, aber im Nachhinein sind es mindestens gefühlte 98! Meine Notizen lauten: Grandiose Frucht, sehr viel Extrakt(süße), dabei sehr rauchig und speckig, ?Pah, packt der zu?, höre ich neben mir Karl Mair sagen und denke nur, wie recht er hat. Die sandigen Tannine, die herrliche Würzigkeit, Aromen von Speck, Teer und der Eindruck von Sandelholz  und einem Hauch Vanille sind nur ein paar Eindrücke, die dieser Wein in seiner Entwicklung an diesem wundervollen Abend offeriert. Wahre Begeisterung ruft die perfekte Balance aller Bestandteile bei mir hervor. Den Abschluß dieser denkwürdigen Reihe bildet der 99er La Turque (98 Punkte) ? Von den Anlagen ähnlich wie seine Brüder aus dem Jahrgang: überaus groß, kraftvoll, tief, nachhaltig und allerbestens strukturiert; dabei perfekt balanciert und mit eindrucksvoller Finesse ausgestattet. Trotzdem ist dieser Wein ein wenig anders. Die Frucht erinnert eher an süße, exotische Früchte, ein Hauch von Banane und viel Kaffee. Am Gaumen auch deutliche Anklänge an Marzipan und reife, schwarze Kirschen (oder vielleicht doch eher Schwarzwälderkirsch); sehr saftig und mit herrlichen, dichten und körnigen Tanninen ausgestattet. Von den dreien aus 1999 zur Zeit sicherlich am Besten zu trinken, trotzdem hat er ? wie die beiden anderen auch ? noch eine grandiose Zukunft vor sich.

 

Es folgten zwei weitere Weine aus der Lage La Landonne: 99er Rene Rostaing ? La Landonne (96 Punkte) und ein etwas enttäuschender J.M. Gerin ? La Landonne (88 Punkte).