1997 Fontodi – Vigna del Sorbo Chinati Classico Riserva

91 Punkte – Dies ist für mich ein ein wirklich sehr guter  Chianti, der aktuell sicherlich auf seinem Höhepunkte ist, sich aber auch dort noch zwei oder drei Jahre halten wird.  Er offenbart ein wunderbares Spiel von klassischen Chianti-Noten; Knubberkirschen, roten Früchten, etwas Lakritz und einer leicht balsamischen Note; jetzt wunderbar balanciert: saftige, extraktsüße  Frucht, elegante Noten aus dem Holz und eine sehr schöne Tannin- und Säurestruktur. Wirkt nachhaltig, körperreich und besitzt eine schöne Länge. Ein Musterbeispiel für einen eher modernen, aber trotzdem authentischen Chianti (85% Sangiovese, 15% Cabernet Sauvignon).

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2003 Ampeleia – Ampeleia / Maremma Toskana

86 Punkte – Mit viel Presse wurde dieses Projekt in den Markt eingeführt. Kein Wunder, denn nicht nur eine der attraktivsten und professionellsten Winzerinnen Italiens ist engagiert, sondern auch ihr Kollege Baron Widmann aus Südtirol und Giovanni Podini, ein Mann, der sein Geld bislang auch ausserhalb des Weinbusiness verdient hat. So verschieden alle drei nach Beruf und Herkunft aus dem Trentino oder aus Südtirol auch sind, sie eint die Freude am Ursprünglichen, ihr Gespür für Natur wie Kultur. Im Jahr 2002 findet sich ein geeignetes Gut zum Kauf, schrittweise wird Land hinzu gekauft. Heute sind es gut 50 ha mit sieben verschiedenen mediterranen Rebsorten. Die Rebanlagen liegen ungefähr 30 km von der Küste entfernt, in den bis auf 600 Metern ansteigenden Hügeln um Roccatederighi und Roccastrada.

2003 ist der zweite Jahrgang dieses Weines, der aus den Rebsorten Cabernet Franc (60%), Sangiovese (30%) und Merlot (10%) gekeltert worden ist. Er reifte 16 Monate im Holz, davon 40% in neuen Fässern.  Die 92 Punkte des österreichischen Weinführers Falstaff empfinde ich als überaus schmeichelhaft, aber trotzdem: der  03er Ampeleia präsentiert sich  mit einer würzig-kräutrigen Nase, leicht laktischen Tönen und einer eher dunklen Frucht sowie Lorbeer – in der Nase durchaus interessant und vielfältig. Am Gaumen büsst er etwas ein: mittlerer Körper, schönes Säuregerüst, aber die Frucht ist etwas spröde und ich vermute auch etwas vom Holz zerstört. Ansonsten ist er ein guter Essensbegleiter, der hierbei seine Stärken besser ausspielt. Ordentliche Länge !

2004 Jean Stodden – Ahrweiler Rosenthal – Großes Gewächs / Versteigerungswein

91 Punkte – Mit dem 2004er Jahrgang präsentiert Gerhard Stodden seinen ersten Jahrgang als VDP-Mitglied und erstmals nach den Regeln der Großen Gewächse. Insgesamt drei Große Gewächse – aus den Lagen Sonnenberg, Herrenberg und Ahrweiler Rosenthal – sind in 2004 auf die Flasche gekommen, wobei der letztgenannte als Versteigerungswein bei der alljährlichen Veranstaltung des VDP angestellt wurde.

An diesem Wochenende passierte mir ein größeres Malheur: beide Schlüssel zum Weinkeller habe ich im Büro in Düsseldorf vergessen, da kam mir die "Restlieferung Versteigerungswein"  gerade recht. So musste dann auch die erste Flasche dran glauben.

Mit der Luft von ca. 5 Stunden in der Karaffe verströmt dieser Spätburgunder einen so schönen, wohligen Duft nach edlen Gewürzen, Wildrosen, roten Früchten und Sandelholz, dass man die Nase kaum aus dem Glas (Burgunderglas von Denk’Art – ein Glasserie aus Österreich, von einem Pfarrer entworfen, die meiner Meinung nach den Riedel-Gläsern in der Qualität und der Art und Weise, wie sich Weine entfalten deutlich überlegen ist) bekommen kann. Am Gaumen zeigt sich eine weiche, ausdrucksstarke  Burgunderfrucht, Noten von roten Beeren, ein wenig Tabak und grüner Tee, die von guten Tanninen und einer lebendigen Säure getragen wird. Schöner, voller Körper, sehr saftig und mit einer ausgesprochen schönen Schiefermineralik ausgestattet, macht der Wein schon in seinem jetzigen Stadium Spass (sofern man ihn hinreichend dekantiert). Für mich nach den 2003er Wuchtbrummen (die sicherlich ab  dem nächsten Jahr richtig Spass machen !!) ein Wein aus einem sehr guten, aber nicht großen Jahr, der zeigt, auf welchem Niveau man inzwischen bei Stodden arbeitet.

Die Kritik von zu viel Holz (vgl. Wein-Plus) kann ich nicht nachvollziehen, sofern man dem Wein ein paar Stunden in der Karaffe gönnt.