1997 + 1998 Ruffino – Romitorio di Santedame / Toscana

93 Punkte – Die 97er Ausgabe des Romitorio ist als Cuvee aus Colorino und Prugnolo Gentile (Sangiovese-Clon) auf die Flasche gekommen. Ruffino ist ein wahrer Weingigant (mengenmäßig) und hat mit dem Romitorio eine Lanze für den Colorino gebrochen. Früher wurde diese Rebsorte – wie der Name schon verrät – primär als Deckwein zur Erzeugung einer intensiveren Farbe verwendet.  

Da ich den Wein sehr schätze, habe ich ihn die letzten Jahre ein paar Mal im Glas gehabt und behaupte nun, dass er auf seinem Höhepunkt angekommen ist. Eine wunderschöne, tiefe und  strukturbetonte Nase von "schwarzen" Kirschen, Bleistift (Graphit – sehr deutlich) und einem Hauch Cassis, dabei kühl, kraftvoll und doch elegant. Am Gaumen ebenfalls wunderbar strukturiert, harmonisch und doch kraftvoll und nachdrücklich. Die Frucht korresponidert mit den Eindrücken von der Nase – schwarze Kirschen, Brombeeren, Graphit, kombiniert mit einer feinen Süße, die durch einen Hauch Vanille und einer feinen Würzigkeit unterstützt wird. Die Säure und etwas dunkle, fast schon bittere Anklänge puffern die Fruchtsüße sehr gut ab; ein Vergleich mit einer wunderbaren, 50- oder 60-prozentigen Bitterschokolade kommt mir dabei in den Sinn. Der Vergleich ist auch aus einem anderen Grunde stimmig, denn der herrliche Schmelz, der – anderes als bei einer Vollmilchschokolade – nicht nur süss die Zunge umschmeichelt, sondern auch ein bisschen fordert,  lässt den Wein bis in sein langes Finale den Rachen hinuntergleiten.

91 Punkte – Auch die 98er Ausgabe ist eine Cuvee aus Colorino und Prugnolo Gentile (anders als z.B. der 2000er – 60% Colorino und 40% Merlot). Die Nase ist ausdrucksstärker und intensiver, aber am Gaumen machte mir der 97er einen Tick mehr Spass. Der 98er ist etwas runder, etwas weicher, aber der Stil und der Ausdruck sind mit dem 97er absolut vergleichbar. Dieses Spiel von üppiger Frucht, gepaart mit einer schönen, leicht süßen Würzigkeit  und den Graphitnoten machen auch diesen Jahrgang für mich zu einem großen Genuss. Für mich ist der Romitorio immer eine Freude, ein eleganten Wein, der aber an den richtigen Stellen "Pölsterchen" aufzuweisen hat.

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