1999 Franz Künstler – Hochheimer Hölle Riesling Auslese trocken – Rheingau

97 Punkte – Liebe Leute, was für ein Stoff in was für einer Verfassung. Mein besonderer Dank gilt meinem lieben Freund Bernd Fussy, der mich mit diesem Stoff mitten in der Woche überrascht hat.

Tiefes, frisches Gelb mit grünlichen Reflexen. In der Nase Aprikose und Quittengelee, daneben ein Hauch Exotik von Physalis und Ananas; feine, kräuterwürzige (mineralische) Noten, ein Hauch von Feuerstein – dabei sehr konzentriert und auf den Punkt gebracht. Die "Wucht in Tüten" am Gaumen, ein perfekter Riesling, der alles bietet. Druck, Kraft, dabei hochgradig elegant und einladend, sodass die Hand immer wieder zum Glas geht. Deutlich spürbare Mineralik und scheinbar erkennbare Tannine, im Abgang Wachauanklänge (wie ein Schütt 99 von Knoll). Die Hand geht permanent zu Glas, mehr, mehr, mehr. Die Frucht darf nicht unterschlagen werden. Grosses Kino !!!!   

2001 Knipser – Im großen Garten – Großes Gewächs / Großkarlbacher Burgweg / Pfalz

92 Punkte (12/2007) – Eine Freude war dieser schöne Spätburgunder zur geschmorten Stelze vom Salzwiesenlamm. Die Komponenten des Weines haben sich nahezu perfekt harmonisiert, selbst die zuletzt als etwas zu spitz kritisierte Säure ist immer noch kräftig, aber sie steht nicht heraus.

Der Wein ist elegant und  komplex in seiner Aromatik. Er überezeugt mit einer wunderbar feinen und saftigen Frucht sowie einer "kühlenden" Mineralik. Hinzu kommt ein perfekt integriertes Holz, dass dem Wein eine feine Rauchigkeit verleiht und die eher rotbeerigen Aromen durch "dunkle" Aromen ergänzt. Viel Spiel, feine Aromatik, guter Druck, perfekt ausgereifte Tannine und ein langer Abgang machen diesen Wein zum echten Genuss.

89 Punkte (08/2006)- Die Nase ist vom ersten Augenblick an betörend, klassische Pinot-Nase kombiniert mit herrlichen Aromen aus dem Holz, wirkt nobel und elegant. Am Gaumen eine schöne, tiefe Frucht (rote Beeren und einem Hauch von Pflaumen) gepaart mit eleganten Noten aus dem sehr gut integrierten Holz, ein bisschen rauchig, tolle Tannine; eher kühler Ansatz.  Einziger Wehmutstropfen ist die Säure, die ihm zwar grundsätzlich gut zu Gesicht steht, die das Spiel des Weins erhöht, aber gegen Ende etwas zu spitz herauskommt. Schöner, langer von Frucht und Säure gertragener Abgang.

1997 + 1998 Ruffino – Romitorio di Santedame / Toscana

93 Punkte – Die 97er Ausgabe des Romitorio ist als Cuvee aus Colorino und Prugnolo Gentile (Sangiovese-Clon) auf die Flasche gekommen. Ruffino ist ein wahrer Weingigant (mengenmäßig) und hat mit dem Romitorio eine Lanze für den Colorino gebrochen. Früher wurde diese Rebsorte – wie der Name schon verrät – primär als Deckwein zur Erzeugung einer intensiveren Farbe verwendet.  

Da ich den Wein sehr schätze, habe ich ihn die letzten Jahre ein paar Mal im Glas gehabt und behaupte nun, dass er auf seinem Höhepunkt angekommen ist. Eine wunderschöne, tiefe und  strukturbetonte Nase von "schwarzen" Kirschen, Bleistift (Graphit – sehr deutlich) und einem Hauch Cassis, dabei kühl, kraftvoll und doch elegant. Am Gaumen ebenfalls wunderbar strukturiert, harmonisch und doch kraftvoll und nachdrücklich. Die Frucht korresponidert mit den Eindrücken von der Nase – schwarze Kirschen, Brombeeren, Graphit, kombiniert mit einer feinen Süße, die durch einen Hauch Vanille und einer feinen Würzigkeit unterstützt wird. Die Säure und etwas dunkle, fast schon bittere Anklänge puffern die Fruchtsüße sehr gut ab; ein Vergleich mit einer wunderbaren, 50- oder 60-prozentigen Bitterschokolade kommt mir dabei in den Sinn. Der Vergleich ist auch aus einem anderen Grunde stimmig, denn der herrliche Schmelz, der – anderes als bei einer Vollmilchschokolade – nicht nur süss die Zunge umschmeichelt, sondern auch ein bisschen fordert,  lässt den Wein bis in sein langes Finale den Rachen hinuntergleiten.

91 Punkte – Auch die 98er Ausgabe ist eine Cuvee aus Colorino und Prugnolo Gentile (anders als z.B. der 2000er – 60% Colorino und 40% Merlot). Die Nase ist ausdrucksstärker und intensiver, aber am Gaumen machte mir der 97er einen Tick mehr Spass. Der 98er ist etwas runder, etwas weicher, aber der Stil und der Ausdruck sind mit dem 97er absolut vergleichbar. Dieses Spiel von üppiger Frucht, gepaart mit einer schönen, leicht süßen Würzigkeit  und den Graphitnoten machen auch diesen Jahrgang für mich zu einem großen Genuss. Für mich ist der Romitorio immer eine Freude, ein eleganten Wein, der aber an den richtigen Stellen "Pölsterchen" aufzuweisen hat.