2013 Mil Reis Syrah Grande Reserva, Herdade da Maroteira – Alentejo

94 Punkte – In der Uhrmacherkunst würde man von einem „Masterpiece“sprechen.

Das Familienweingut Herdade da Maroteira füllt erst seit einigen Jahren unter eigenem Label Weine ab. Den – bescheiden als „Gehöft“ (=Herdade) bezeichneten Besitz von über 540 ha Land bearbeitet die Familie mit Anglo-Portogisischen Wurzlen seit fünf Generationen. Wirtschaftliche Keimzelle und Kern der Farm ist bis heute ein stattlicher Korkeichenwald, der auf ca. 2/3 des Farmlandes steht.

Herdade_da_MaroteiraDie erst vor wenigen Jahren getroffene Entscheidung, die Trauben der eignenen Rebstöcke nicht nur zu verkaufen, sondern Wein unter dem eigenen Namen zu produzieren, hat sich schnell als Erfolgsstory herausgestellt. Mit der „normalen“ Cem Reis Syrah Reserva (für ca. 20 Euro im Handel) hat man nicht nur in Portugal schnell Aufsehen erregt und eine Erfolgsstory geschrieben.

Die 3.652 Flaschen Mil Reis sind quantitativ der berühmte Tropfen auf den heißen Stein, qualitativ hat man sich damit aber in die Spitze der besten Rotweine Portugals katapultiert. Stilistisch ist man einem Top-Shiraz aus Australien näher als einem Syrah von der Côte Rôtie, aber letztlich ist dieser Weine ein portugiesisches Meisterstück.

Im Glas zeigt er ein dichtes, sattes, cassisartiges Dunkelrot mit noch leicht violetten Reflexe. Die Nase ist ein wildes Aromen-Potpourrie von dunklen Beerenfrüchten, edlen Hölzern, balsamischen Noten, überzogen von einem feinbitteren Schokoladenguss.  Am Gaumen erstaunlich cool für seine 15,5 Prozent Alkohol. Unter der seidigen Softtouch-Oberfläche präsentieren sich eine feingliedrige Wildbeerenfrüchte, perfekt verwoben mit balsamischen Noten, getrockenten Kräutern, Feigen- und Zedernholzaromen.  Ein kraftvoller und mächtiger Körper sind dank der guten Struktur nicht die Grundlage einer sattmachenden, aromatischen Fruchtbombe, sonders die Attribute eines dichtmaschigen und saftigen Weins, der mit feinen und eleganten Zwischentönen zu überzeugen weiß. Das edle Holz verleiht dem Wein eine kühle Eleganz und Charme. Wegen der Verbindung von Kraft und Körper mit einem subtilem Charme kann man dem Wein nur schwer widerstehen und bei einem Glas am Abend wird es sicher nicht bleiben. Schöner Partner zu geschmortem Fleisch oder als Solist mit einem guten Buch.

Berlin SPÄTBURGUNDER Cup 2015

2013_Fürst_Hundsrück (1)Genussmensch und Veranstalter Martin Zwick hat einmal mehr die besten deutschen Spätburgunder des neuen Jahrgangs zusammengetragen, um sie einem Verkostungsteam aus Weinschreibern, Weinhändlern, Sommeliers und Weinliebhabern zu präsentieren. Als Vertreter für den WEINWISSER (www.weinwisser.de) habe ich dieses Jahr auch den dritten Berlin Cup absolviert.

Das Jahr 2013 war für viele Winzer kein einfacher Jahrgang. Zur Ernte gab es eine feuchte und regnerische Periode, die schnell hohen Fäulnisdruck erzeugte. Mit einer „rapido“ Lese (teilweise mit verdoppelter Lesemannschaft) und penibler Traubenselektion konnte Mutter Natur vielfach ein Schnippchen geschlagen werden. Auch der Umstand, dass der Spätburgunder – anders als es der Name es vermuten lässt – eine eher früh reifende Rebsorte ist, war in manchen Regionen von Vorteil. Aus den bisherigen Erfahrungen kann ich zusammenfassend sagen:

  1. Der Jahrgang 2013 ist ein sehr schönes Burgunderjahr. Ein guter und präziser Säurebiss in Verbindung mit einer subtilen Burgunderfrucht bringen viele Wein weit nach vorne. Die Tannine sind meist fein und ausgereift, sodass grüne Noten kaum zu finden sind. Ein Terroirjahrgang, in dem man vieles über die Charakteristiken einzelner Lagen lernen kann.
  2. Der Umgang mit dem Holz hat sich in den letzten Jahren deutlich verbessert, die meisten Winzer spielen inzwischen technisch perfekt auf dieser Klaviatur, einige beherrschen das Instrument inzwischen geradezu virtuos. Holzexzesse bzw. ein allzu ungeschickter Einsatz von neuem Holz scheint weitgehend der Vergangenheit anzugehören – wie schön!!
  3. Die Spitzengruppe der Erzeuger von guten und sehr guten Spätburgundern ist in den letzten Jahren – ähnlich wie beim Riesling – merklich breiter geworden. Eine für den Weingenießer in jeder Hinsicht erfreuliche Entwicklung.
  4. Ein wenig überraschend war, dass viele Weine jetzt schon – in ihrer Jugend – bereits sehr harmonisch sind und einen hohen Trinkfluss besitzen. Trotzdem sollte die ganz große Mehrzahl der Weine eine ordentliche Lagefähigkeit (mindestens 7 bis 10 Jahre) aufweisen. Die absoluten Topweine sind in den nächsten 15-20 Jahren gerne gesehene Kellerkinder, um dann mit viel Genuss perfekt gereift getrunken zu werden.

2013_Huber_Wildenstein

Referenzweine, die international keinen Vergleich zu scheuen brauchen und für mich global zu den großen Grand Crus gezählt werden können sind: Fürsts 2013 Bürgstadter Hundsrück Spätburgunder GG und Hubers 2013 Bienenberger Wildenstein GG Spätburgunder R. Großer Stoff, der jetzt eher am 2. und 3. Tag nach dem Öffnen genossen werden sollte, als am Tag des Öffnens.

Ganz knapp dahinter und unter Preis-/ Leistungsgesichtspunkten so attraktiv, dass man an ihnen nur schwerlich vorbeikommt (ich habe nicht widerstanden und bestellt): der 2013er Fellbacher Lämmler Spätburgunder GG von Schnaitmann und der 2012 Pinot Noir Reserve; Auslese trocken von Koehler-Ruprecht (der genaue Preis kommt jedoch erst zur Freigabe des Weins Mitte 2016)

Siegerwein des Berlin Spätburgunder Cups ist der 2013 Kallstadter Saumagen Spätburgunder der Brüder Rings aus Freinsheim in der Pfalz. Die fabelhaften Baker Boys bedurften einer Susie Diamond alias Michelle Pfeiffer um ihr Talent in bare Münze umzuwandeln. Die Brüder Rings schaffen das auch ohne weibliche Unterstützung. Sie besitzen das richtige Gespür für ihre Lagen, den Wein, das Holz, die Balance und den Markt. Ihre Spätburgunder sind zwar nicht die ganz große, intellektuelle besonders wertvolle Weinoper, aber es sind Spätburgunder, die ein geiles Niveau haben und die gleichermaßen Freaks, Kritiker oder einfach „normale“ Weintrinker in großer Zahl begeistern. Pavarotti & Friends lässt grüßen.

2013 Pinot Noir Kalkstein – Frank John, Pfalz (€45,-)

Dunkles Rubinrot mit deutlicher Transparenz, fruchtig-süßer Ansatz, Walderdbeeren, Himbeeren, etwas Sauerkirsch; klare Frucht und schöne Säure; mittelgewichtig mit guter Struktur; dezent medizinale Note im Abgang. 86-88 Punkte

2013 Lorcher Kapellenberg Pinot Noir, QbA trocken – Chat Sauvage, Rheingau (€45,-)

Recht dunkles Rubinrot; dunkle, leicht vom Alkohol getragene Nase, etwas rauchig, geschnittenes Holz, saftiger Ansatz, schöne aromatische Tiefe mit festem Kern, gutes Tannin, klare Frucht; fest gewirkte, gute Struktur; Holz ist sehr gut eingebunden; druckvoll, mit guter Länge. 89-90 Punkte

2013 Laumersheimer Kirschgarten Spätburgunder, QbA trocken – Zelt, Pfalz (€25,-)

Mittleres Rubinrot mit leicht purpurnen Reflexen, viel Himbeeren und Kirschen, saftiger Ansatz, gute Säure, trinkig, etwas vordergründig und leicht dropsig, geht in Richtung easy drinking, ordentliche Länge; 86-87 Punkte

2013 Birkweiler Kastanienbusch Köppel Spätburgunder, QbA trocken – Siener, Pfalz (€17,50)

Dunkles Rubinrot, die Nase noch leicht vom Holz dominiert, dahinter dunkle Waldbeeren, leicht mineralische Komponente, mittlerer Körper, zugreifende Tannine, sehr ausgewogen und mit guter Struktur, hat schönen Widerstand. Insgesamt sehr stimmiges Bild. Bereits jetzt mit großer Freude zutrinken, aber auch mit gutem Potential. Geht in die burgundische Richtung. 90-92 Punkte

2013 Blauer Spätburgunder, QbA trocken – Karl H. Johner, Baden (€23,90)

Deutlich vom Holz geprägte Nase, viel Toasting, Rauch, Röstaromen, Zigarrenkiste. Dahinter dunkle Frucht, Zwetschge, Schwarze Kirsche, Tabakblätter. Am Gaumen überraschend fruchtig, mit guter Säure, aber auch leicht laktischen Noten, kraftvoll mit deutlichem Alkohol. Gut gemacht, Biber-Wein. 88-89 Punkte

2013 Spätburgunder Rhini, Landwein trocken – Ziereisen, Baden (€34,-)

Kühler, geschliffener Duft, dezent nach Beeren, Tomaten, leicht kräutrige Anklänge, zeigt Tannin und Struktur (aktuell aber noch leicht trocknend), kühl-herbe Ausrichtung mit deutlich mineralischem Nachhall. Balanciert, schöne Säure, insgesamt eher wenig Frucht, kräutrig, zart tabakig, hier steht Mineralik und Terroir im Vordergrund. 89-91 Punkte

2013 Ihringer Winklerberg Häusleboden Spätburgunder GG – Dr. Heger, Baden (€71,40)

Mittleres, ziemlich transparentes Runbinrot, sehr schöner Glanz, wunderbar balancierte, ruhige Art, feine Textur, eleganter Stil. Die Komponenten Frucht (rot- und dunkelbeerig, subtile Kirschfrucht), Tannin und Säure sind perfekt aufeinander abgestimmt; schöne Struktur; sehr klare und reintönige Art, richtig guter Stoff, feinsandiges Tannin, nachhaltig und subtil zugleich, erstaunlich früh zu trinken, aber mit gutem Lagerpotential 92-94 Punkte

2013 Freinsheimer Musikatenbuckel Spätburgunder, QbA trocken – Krebs, Pfalz (€28,-)

Geschliffene Frucht mit dezent holzwürziger Noten in der Nase, am Gaumen deutlicher von der Frucht geprägter Wein, Waldbeeren, Erdbeeren, rote Johannisbeeren, recht deutliches, noch etwas rauhes Tannin, dunkle Mineralik, pikante Säure, wirkt noch! nicht komplett harmonisch; trägt aber nachhaltig, kühl und lange am Gaumen. 89-90 Punkte

2013 Alsheim Spätburgunder, QbA trocken – Juwel Juliane Eller, Rheinhessen (€12,-)

Sehr helle, transparente rubinrote Farbe, noch ganz leichte Gärkohlensäure; leichte, rotbeerige Frucht, feinduftig, Schattenmorellen. Am Gaumen aber ein etwas saurer Geselle, dezent rauchige Noten, die eher transparente Frucht ist rotbeerig, schlank, letztlich ein wenig zu dünn. Wenig Tannin. 85-86 Punkte

2013 Avantgarde / Hölle Spätburgunder QbA trocken – Bergdolt-Reif & Nett, Pfalz (€16,-)

Frischer, feinsaftiger Ansatz, zeigt klare Frucht, wunderbar reintönig, es fehlt ihm etwas an Tiefe und Komplexität, feines Tannin, sehr stimmig. Trinkanimierend, sauber und gut! Schöne feinfruchtige Länge. 86-88 Punkte

2013 Marienglas – Untertürkheimer Gips Spätburgunder GG – Aldinger, Württemberg

Sehr kräutrig-erdige Geschichte, dezent rot-schwarzbeerige Fruchtnoten. Am Gaumen aromatisch tiefer Ansatz, feinsaftig; dezente, recht feine Tannine, mittelgewichtig, guter Saft, dunkle Beerenfrucht, etwas Kirsche, macht Freude. 88-89 Punkte

2013 Fellbacher Lämmler Spätburgunder GG, – Heid, Württemberg (€25,-)

Bordeauxrot mit mittlerer Transparenz, tiefer Ansatz, feinsaftig, ernst, eher dunkelbeerig, Schattenmorellen; kühle Stilistik. Am Gaumen mit herrlicher Struktur und geschliffener Textur, feinsaftig, perfekte Tannine, großartige Tiefe, dunkler Ansatz, dunkle Kirschen, ein Hauch schwarze Oliven, Kräuter, Mineralik – hier ist alles an seinem Platz! 91-93 Punkte

2013 Spätburgunder Terra 1261, QbA trocken – Weingut Stadt Klingenberg / Benedikt Baltes, Franken (ca. €100 – als Teil einer Lagenkiste)

Helles Rubinrot mit mittlerer Transparenz. Feine, dezent rotbeerige Frucht, etwas roh-fleischige Noten, Nuancen von Kirschen und getrockneten Kräutern, filigran gewirkte Nase. Am Gaumen hochelegant, perfekte Balance, mit sehr schöner aromatischer Tiefe, verspielt, feine und noble Tannine, mineralische Anklänge, mit ganz vielen Facetten, besitzt eine wunderbare Leichtigkeit des Seins. Aristokratisch und subtil bis lange Finale. 93-94 Punkte

2013 Fellbacher Lämmler Spätburgunder GG – Schnaitmann, Württemberg (€42,-)

Herrlich intensives und nachhaltiges Parfum; dicht und gleichzeitig vielschichtig und facettenreich – so schön! Am Gaumen ein wunderbare Aromen-Melange. Feinsaftig und eher kühl in der Aromatik, kein bisschen vordergründige Frucht, sondern eher vegetabil-kräutrige Noten, Kirschkerne, erdig und mineralisch; wunderbares Säurespiel, viel Substanz, noch recht fest gewirkt, aber mit sehr feinen Anlagen, nachhaltig und mit formidabler Länge. 93-95 Punkte

2013 Melandor Pinot Noir, QbA trocken – Metzger, Pfalz (€48,-)

Sehr klare und reintönige Burgunderfrucht mit herrlicher Fruchtsüsse, ziemlich dicht, saftig, hohe Frische, rote Frucht mit einem Hauch dunklem Holz. Feinsaftig und reintönig, geschliffene Tannine und eine wunderbar frische und perfekt integrierte Säure, animierend, das macht müde Seelen munter. Sehr stimmig und mit schöner Länge. 90-91 Punkte

2013 Pinot Noir, QbA trocken – Jülg, Pfalz (€36,-)

Sehr substanzgetriebener Wein mit viel Anspruch, eher dunkle Beerenfrüchte, tabakige Holznoten. Am Gaumen dicht gewirkte Frucht, die sich aktuell mit dem deutlichen Holz noch nicht richtig vermählt hat. Dunkle Beerenfrucht, rauchig erdige Noten, ganz schön dunkel ;-). Kraftvolle Tannine, strukturgetriebener Pinot. Wirkt ein bisschen gewollt, es bleibt abzuwarten, ob alle Komponenten mit ein, zwei Jahren Flaschenreife noch richtig zueinander finden. Jetzt 86-87 Punkte

2013 Kalkmergel Spätburgunder, QbA trocken – Wageck, Pfalz (€15,80)

Klare, transparente und etwas parfümiert wirkende rote Beerenfrucht. Am Gaumen mit frischer Saftigkeit, zeigt viel rotbeerige, süßlich wirkende Frucht, Erdbeeren, Himbeeren; wenig Tannin, etwas laktische Anmutung, eher leichtgewichtig. 85-86 Punkte

2013 Birkweiler Kastanienbusch Pinot Noir, QbA trocken – Siener, Pfalz (€32,-)

Ausdrucksvolle Frucht, dunkelbeerig, Kirsche, balsamische Anklänge, ein Hauch von dunkler Fleischsoße. Am Gaumen mit tiefer Aromatik, hat gute Substanz, feinsaftig mit schöner, dunkler Pinot-Frucht; feine Extraktsüsse; ein Hauch von Schokolade und balsamische Anklänge. Mittelgewichtig, mit sanfter Oberfläche und einem schönen, runden und mürben Tannin. Gute Verbindung von Holz und Frucht. Substanzreicher und hedonistischer Tropfen. 91-93 Punkte

2013 Probstey Spätburgunder QbA trocken – Thörle, Rheinhessen (€26,-)

Fruchtig holzduftige Nase mit Waldbeeren- und Cassisarmoatik. Am Gaumen ebenfalls eine Aromatik von reifen Waldbeeren, kombiniert mit Tabak-und Kakaotönen aus dem Holz, angenehme Saftigkeit, dezent mineralische Anklänge. Ordentlich gebaut; mittleres Tannin. Man wünscht sich etwas mehr aromatischen Ausdruck und Komplexität. 86-87 Punkte

2013 Assmannshäuser Höllenberg Spätburgunder GG – Allendorf, Rheingau (€25,-)

Luftiger Ansatz, ein Spiel von Erdbeeren, roten Beeren und Rhabarber mit einem Hauch von Vanille. Insgesamt ein eher leichtfüßiger, subtiler Spätburgunder mit einer luftig-lockeren Frucht, dahinter auch mineralische Anklänge. Die Tannine passen in ihrer eher zarten Art zu diesem fruchtbetonten, mit guter Säure ausgestatteten Spätburgunder. Hatte es im in diesem Umfeld etwas schwer. 86-88 Punkte

2013 Hochheimer Stein Spätburgunder GG – Künstler, Rheingau (€ 24,90)

Im Kern rubinrot, am Rand jugendlich purpur. Das Bouquet verströmt eine Duft von Kirschen und reichlich Kräutern. Am Gaumen schlanker Ansatz mit festem Kern und herrlichem Widerstand. Die dunkle Seite der Macht bestimmt das Fruchtbild. Kirschkerne, erdig-würzige Anklänge und ein Hauch von Malz. Gut definierter, schlanker Körper, herrlich frische, mineralische Art, das Holz ist perfekt eingebunden. Im langen Finale eher leise und subtil. 91-92 Punkte.

2013 Muschelkalk Spätburgunder, Landwein – Enderle & Moll, Baden (€32,50,-)

Zu Beginn mit luftiger und ausdrucksvoller Frucht, noch etwas vordergründig, rote Beerenfrucht, Hagebutten, ein Hauch Cassis, auch getrocknete Kräuter und florale Anklänge. Am Gaumen mit aromatischer Tiefe und sehr klaren, reintönigen Aromen. Auch wenn noch nicht alles perfekt zueinander gefunden hat, überzeugt die aromatische Vielfalt. Feinsaftig, feiner Säurebiss. Klare Art und Frische; moderate und feine Tannine; ein schöner Luftikus/Seiltänzer mit Nachhall und der Leichtigkeit des Seins. 90-92 Punkte

2013 Niersteiner Paterberg Sptätburgunder GG – St. Antony, Rheinhessen (€32,90)

Tiefes Rubinrot mit noch dezent violetten Randreflexen. Ausdrucksvolle und tiefe Burgunderfrucht, vielschichtig, dunkel, Kirschkerne. Am Gaumen ebenfalls dunkle Beeren, verwoben mit einer komplexen Kräutrigkeit (getrocknete Kräuter). Viel Substanz und überaus strukturiert, es passt alles zusammen: die für einen Burgunder recht nachhaltigen Tannine, die trotzdem weiche Oberfläche, die schöne Säure, die sehr reintönige Frucht von dunklen Beeren und Kirschen, die aromatische Tiefe und der gute Extrakt. Herrlich zupackender Wein. Er gibt ein Versprechen für lang anhaltenden Genuss. 92-94 Punkte

2013 Saulheimer Hölle Spätburgunder, QbA trocken – Thörle, Rheinhessen (€29,-)

Dunkle Spätburgunderfrucht, noch von Holz und Toasting geprägte holzwürzige Nase. Am Gaumen mit guter aromatischer Tiefe und Substanz. Klar und mit dunkler Frucht, packt zu, hat Kraft und Tannin, eher kühl gewirkt mit erkennbarer Extraktsüße. Dezent kräuterwürzig, eher maskuliner Spätburgunder. 88-90 Punkte

2013 Dernauer Pfarrwingert Spätburgunder GG – Meyer-Näkel, Ahr (€48,-)

Dichtes Rubinrot. Dichte Waldbeerenfrucht, Erdbeeren, dezente Kräutrigkeit. Am Gaumen schöner Extrakt. Dunkle Waldbeeren, Kirschfrucht und Erdbeeren, dahinter dezent kräutrige Noten. Etwas Extraktsüße – abgepuffert mit schöner Säure. Insgesamt mittelgewichtig mit guter Frische und fein eingepassten Gerbstoffen. Ausgewogener und harmonischer Spätburgunder, der bereits jetzt gut zu trinken ist. 89-91 Punkte

2013 Bürgstadter Hundsrück Spätburgunder GG – Fürst, Franken (€94,-)

Rubinrot mit mittlerer Transparenz und schönem Glanz. In der Nase feiner, tiefer und kühl-mineralischer Ansatz, überaus reintönige Aromen, eher dunkelbeerig und kräutrig. Am Gaumen die gleiche reintönige und transparente Art. Baut viel Zug und Druck auf, viel innere Stärke, dabei nie schwer. Packt zu, feinwürzig, mit herrlichem Säurebiss und subtiler Extraktsüße; feinsaftig und überaus klar. Hedonistischer Wein mit riesigem Potential und tollem Harmonie-Versprechen. Großartig; feistes Teil! 94-96 Punkte

2013 Bienenberger Wildenstein Spätburgunder R / GG – Huber, Baden (€120,-)

Von Anbeginn eine ungeheuer subtile und vielschichtige Aromatik. Betörende Nase mit ätherisch/balsamischen Anklängen, feinen Kirsch- und dunklen Beerennoten, auch würzige Aromen. Am Gaumen eine vergleichbar komplexes Aromenspiel zwischen Frucht, Gewürzen (z.B. roter Pfeffer) und erdig, mineralischen Anklängen. Kühle, sehr geschliffene Art. Hier ist alles bestens definiert, passend dimensioniert und auf eine lange Zukunft hin strukturiert. Frucht, frische Säure, feingliedrige Tannine und ein wunderschönes, langes und elegantes Finale. Groß!  94-95 Punkte

2013 Berntaler Felsenberg Spätburgunder – Rings Pfalz (€?)

Subtanzreicher und reintöniger Duft, dunkle Beerenfrucht, viel Kirsche und eine schöne Röstaromatik. Am Gaumen ebenfalls viel Substanz, viel innere Spannung, eher dunkle Aromatik mit erkennbar mineralischen Anklängen. Gute Tannine, die Struktur bringen; schöne, feinsaftige dunkle Kirsch(kern)frucht, gute Frische & ein gut eingebundenes Holz. (Anmerkung: Weinberg in 2010 restauriert, in Naturschutzgebiet gelegen, mit Kalksteinmauern umgeben – quasi ein Clos. Jungfernjahrgang, sehr kalkige Böden mit etwas Eisen; nur 2 Barriques, bislang noch ohne Preis) 90-92 Punkte

2013 Kallstadter Saumagen Spätburgunder, QbA trocken – Rings, Pfalz (€38,-)

Kühler, intensiver Duft von rotschwarzen Beeren und Kirschen, durchzogen mit einem wunderbaren Potpourrie von getrockneten Kräutern und Gewürzen. Am Gaumen geil-saftig (sorry des Ausdrucks), tief und nachhaltig. Der Wein hat Power und Frische, ist klar, kühl und substanzgeladen. Insgesamt fest gewirkt, mit ein paar schönen Pölsterchen an den richtigen Stellen und runden, weichen, aber nachhaltigen Tanninen. Irgendwie ein crowdpleaser, aber aktuell passt hier einfach alles. Alles ist richtig dimensioniert, dicht und very sexy! Frisch & jung, mit schönem Schmelz und herrlicher Frucht. Es gibt viel zu entdecken in den Ecken und Winkeln dieses Weins. Vielleicht nicht der nobelste aller Spätburgunder, aber selbst ein Weinintellektueller wird sich dem Charme des Saumagens nicht entziehen können. Eine perfekte Spätburgunder-Praline, die irre lang am Gaumen haftet. Jetzt schon super zu trinken. 93-95 Punkte

2013 Teufelspfad Spätburgunder, QbA trocken – Braunewell, Rheinhessen (€22,50)

Schöner Spätburgunder mit fruchtig floraler Art, reintönige Art. Am Gaumen schöne Saftigkeit, viel Kirschfrucht sowie rote und schwarze Beeren, mittelgewichtig, recht konzentriert und mit passendem Holz abgerundet. Die ziemlich feinen Tannine sind gut eingepasst, die Säure ist stimmig und die mineralische Note im Hintergrund gibt ihm eine kühle Note. Insgesamt ein sehr schöner und stimmiger Wein, der gute Anlagen mitbringt und gut ausbalanciert ist. 89-91 Punkte

2013 Koepfle Spätburgunder; QbA trocken – Henrik Möbitz, Baden (€39,-)

Dunkles Rubinrot mit mittlerer Transparenz und schönem Glanz. Tiefe aromatische Art, subtil und kraftvoll zugleich, eine gewisse Form von Kargheit, dafür herrlich mineralisch und mit herben Zug, feine Tannine, insgesamt vielschichtig, aktuell noch sehr jung und mit starkem Terroirausdruck. Richtig guter Stoff! 91-92 Punkte

2012 Pinot Noir; Auslese trocken – Koehler-Ruprecht, Pfalz (ca.€20,-)

Klare, dunkle Beerenfrucht mit deutlichen Kirschnoten, aber auch etwas medizinale Anklänge. Am Gaumen kraftvolle Art mit guter innerer Spannung; vielschichtige, eher herbe Frucht. Mittleres Tannin, packt trotzdem zu, gute Säure. Animierend. Schöne Länge. 89-91 Punkte

2012 Pinot Noir Reserve; Auslese trocken – Koehler-Ruprecht, Pfalz (k.A. erscheint Mitte 2016)

Tief und vielschichtig, mit sehr schöner Dichte und viel innerer Spannung, feinsaftig mit schönem Spiel und superber Frische Die Tannine sind feinkörnig. Viel innere Spannung und doch ungemein variabel und komplex. Das neue Holz ist bestens integriert und die leichte nussig-schokoladige Röstaromatik fügt sich perfekt ein. Zupackend und gleichzeitig hedonistisch. Dann bleibt der Zettel leer und die Deklination einzelner Aromen fehlt – habe einfach gedankenverloren genossen! Für eine Zahl auf dem Papier hat es nach der Träumerei dann doch gereicht: 93-94 Punkte

2012 Brauneberger Klostergarten Spätburgunder** – Molitor, Mosel (ca.€45,-)

Feiner und frischer Duft von dunklen Kirschen, rotbeerige Noten zusammen mit kühlen erdigen und mineralischen Anklängen. Am Gaumen ebenfalls sehr klar, kühl und reintönig. Wieder eine schöne Melange aus dunkler Sauerkirschfrucht und kühlen mineralisch-würzigen Anklängen, schwarzer Pfeffer, auch etwas kalter Rauch. Insgesamt mit schöner innerer Spannung, gutem Säurebiß und klarem Ausdruck. Viel Potential, wirkt sehr burgindisch. 90-92 Punkte

2012 Brauneberger Klostergarten Spätburgunder*** – Molitor, Mosel (ca.€80,-)

Sehr tiefe Burgundernase, unglaublich klar und reintönig, gerade aus und doch äußerst vielschichtig, es benötigt viel Zeit im Glas, damit der Wein sich zu offenbaren beginnt. Es deutet sich erst langsam an, was in dem Wein steckt. Dieser Stoff ist für ein langes, genussvolles Leben bereitet und stellt die hohe Winzerskunst dar. Sehr pur und rein, mit viel innerer Vibration und sehr fein definierten Aromen, dunkelfruchtig, dunkle Sauerkirschen, blütige Anklänge. Die Tannine bilden Struktur, sind in ihrer Wahrnehmung aber sehr feinkörnig und weich. Wunderbarer Tropfen mit riesigem Zukunftsversprechen. 91-94 Punkte

2012 Westhofener Morstein Spätburgunder GG – Gutzler, Rheinhessen (€31,-)

Recht dunkle rote und schwarze Frucht, deutlich vegetabile, herbe und erdig-mineralische Anklänge im Duft und am Gaumen; am Gaumen auch tabakig-kräutrige Anklänge. Insgesamt ein sehr individueller Spätburgunder, der einen etwas herberen Stil charakterisiert. Die für einen Spätburgunder straffen Tannine sind ebenso gut eingebunden wie das moderate Holz. Erkennbar strukturierter und nicht auf vordergründiger Frucht aufbauender Charakter. Gute Länge. Lagerpotential. 88-90 Punkte

2012 Großkarlbacher Burgweg Spätburgunder, QbA trocken – Wageck, Pfalz (€28,90)

Interessanter Stoff, in der Nase mit kühler Frucht, herbe rote Beerenfrucht, durchzogen mit ein paar kräutrigen Noten. Am Gaumen extraktreicher Stoff, mit feinsaftiger Frucht und schönem Schmelz, der insbesondere auch aus dem deutlichen, aber sehr gut integrierten, Fassausbau stammen dürfte. Erkennbare Extrakt- und Holzsüße, aber am Gaumen auch dunkle Früchte wie Pflaumen, kombiniert mit Kirschen, ein bisschen Schwarzwälder Kirsch. Schöner Zug und ordentliche Länge. 86-88

2012 Pinot Noir Reserve – Koch, Baden (€48,-)

Hellrot, transparent mit schönem Glanz. Herrlich reintönige Nase, vielschichtig, mit einer wunderschönen roten Beerenfrucht, feine Fruchtsüße, rote Johannisbeeren, Schattenmorellen. Am Gaumen eher zart, mit seiner eher kühlen roten Beerenfrucht tanzt er auf der Zunge, ist verspielt, aber nicht kitschig, die gute Struktur bleibt im Hintergrund. Der schöne Säurebiss passt sehr gut zu seiner feinsaftigen Frucht. Mit macht dieser reintönige und sehr klare Spätburgunder sehr viel Spaß. Gerade als letzter Wein in einer 41 Spätburgunder umfassenden Probe, überzeugt mich die 2012er Ausgabe von Holger Kochs Pinot Reserve sehr. Ich werde wieder munter! 91-93 Punkte

Berlin Riesling Cup 2015 – Große Gewächse

 

 Berlin Riesling Cup 2015 (2)

 

Bereits zum 7. Mal rief Martin Zwick zum Berlin Riesling Cup. Auf Basis reichlich eigener Erfahrungen und einer Auswertung der Berichte befreundeter Verkoster von der Wiesbadener VDP – Vorpremiere „Große Gewächse 2014“ hat er einmal mehr eine formidable Vorauswahl an Großen Gewächsen für seinen Berlin Riesling Cup getroffen.

 

Fazit: Deutlich verbreiterte Spitzengruppe mit sehr guten Weinen. Keine Jahrhundertweine.

 

Der Griff nach den Sternen, das(!) Weinunikat im Sinne vollkommener Perfektion oder eines „once in a lifetime Weins“ gab es in 2014 bei den trockenen Rieslingen nicht. Kein Großes Gewächs hat nach meinem Empfinden mit 96,97 oder 98 Punkten (19 Punkte WEINWISSER) reüssiert. Die „1“ mit Sternchen in Form von 99 oder 100 Punkten (20/20 beim WEINWISSER) bleibt anderen Jahrgängen vorbehalten. ABER……..

Die Spitze bei den Großen Gewächsen wird immer breiter. Immer mehr Weine schaffen den Sprung auf das Podest mit mindestens 18/20 bzw. 93-95/100 Punkten. Die Leistungsdicht hat in den letzten Jahren enorm zugenommen. Es ist wunderbar zu sehen, dass in allen Regionen eine faszinierende Dynamik in Sachen Qualitätsstreben zu beobachten ist. Neben den meisten Top-Winzer-Betrieben, die sich stets zu hinterfragen scheinen und immer weiter an der Schraube ihres Stils und der Qualität drehen, gibt es zwei Gründe für die erfreuliche Verbreiterung der Spitzengruppe: Einerseits sind es Traditionsbetriebe, die teilweise bis zum Ende des letzten Jahrzehnts – also viel zu lange – auf ihren großen Namen, ihre Geschichte und eine bis dato sehr solide, aber nicht konsequent an der Spitze ausgerichtete Qualität gesetzt haben. Nach Jahren des „Bewahrens“ scheinen die Verantwortlichen nun (aus Angst davor den Zug endgültig zu verpassen?) die Weichen endlich richtig zu stellen. Noch viel dynamischer und voll auf dem Gaspedal steht jedoch eine junge Generation Rebflüsterer. Zwischen Mitte 20 und Mitte 30 sind diese jungen Winzerinnen(!) und Winzer alt und geben mal so richtig Gas. Mit reichlich Geschick, häufig internationalen Erfahrungen im Gepäck und einer gesunden Portion Ehrgeiz treiben sie die Leistungen im Wingert und im Keller immer mehr in Richtig Spitze.

Nur konsequent ist daher die jährlich wiederkehrende Entscheidung von Martin Zwick 2,3 oder 4 wenig bekannte, junge Winzer mit ihren besten trockenen Rieslingen in das Verkostungspanel aufzunehmen – auch wenn sie (noch) ohne VDP-Mitgliedschaft sind und bis dato kein Großen Gewächs auf die Flasche gebracht haben. Voll das „Bull-Eye“ – das Epi-Zentrum des Rieslings getroffen haben dieses Jahr die beiden Brüder Stephan & Georg Schwedhelm. Gemeinsam verantworten sie das Weingut Schwedhelm-Zellertal (www.schwedhelm-zellertal.de) und mit 92 Punkten für ihren Schwarzen Herrgott haben sich die beiden Nordpfälzer Mitten in das Feld der besten Großen Gewächse des Jahrgangs 2014 katapultiert. Die ca. 60 ha große Lage gehört einerseits zur Pfalz, anderseits zu Rheinhessen, wo man die Lage meist mit Namen Battenfeld-Spanier verbindet.

Über die nicht einfachen Bedingungen des Jahrgangs – im Generellen – und die Besonderheiten beim Einbringen der Großen Gewächse – im Einzelnen – wurde schon viel berichtet. Kurz zusammengefasst: Geduld, Risikobereitschaft, ein eingespieltes Leseteam und viel, viel Selektion waren die Voraussetzungen, um echte Qualität auf die Flasche zu bringen. In der Spitzengruppe der Großen Gewächse war Botrytis kein wirkliches Thema. Die Arbeiten im Wingert übers Jahr wurden belohnt und bei der Selektion der Träubchen waren alle Betriebe konsequent genug, um die Voraussetzungen für sehr gute Qualitäten zu schaffen.

Die SIEGER des BERLIN RIESLING CUPS sind:

  • 2014 Riesling Pechstein GG, Bürklin-Wolf – Pfalz
  • 2014 Riesling Johannisberg GG Silberlack, Fürst von Metternich-Winneburg’sche Domäne, Schloss Johannisberg – Rheingau
  • 2014 Riesling Ungeheuer GG, von Winning – Pfalz

 

 

Meine persönlichen TOP-5 mit jeweils 95 Punkten (in zufälliger Reihenfolge) sind:

  • 2014 Riesling Brunnenhäuschen „Abtserde“ GG, Keller – Rheinhessen
  • 2014 Riesling Morstein GG, Wittmann – Rheinhessen
  • 2014 Riesling Pechstein GG, Bürklin-Wolf – Pfalz
  • 2014 Riesling Halenberg GG, Schäfer-Fröhlich –Nahe
  • 2014 Riesling Johannisberg GG Silberlack, Fürst von Metternich-Winneburg’sche Domäne, Schloss Johannisberg – Rheingau

 

2014 Riesling Gau-Odernheimer Herrgottspfad, Winzerfamilie Flick Rheinhessen: Reintönige, dezent kräuterwürzige Nase, leicht wachsige Nase, Akazienblüten, dicht, mit gutem Druck, dürfte vom kalkbetonten Böden kommen, leichte Kräutrigkeit, zarte gelbe Früchte, dezente Citrusnote im Abgang. Schön gebaut, schlank, aber mit sauber definierten Muskeln. 88 Punkte

2014 Riesling Frühmesse, Juliane Eller, Rheinhessen: mittleres bis tiefes Goldgelb, dunkelblumige Nase, Sumpfdotterblumen; schlanke, etwas spitze Nase, weißgelbe Früchte. Am Gaumen ziemlich runder Ansatz, mittlerer Saft, moderate Säure, weißgelbe Frucht. Bleibt am Ende überraschend lange am Gaumen haften. Runde Sache! 87 Punkte

2014 Riesling Hattenheimer Wisselbrunnen, Hans Lang – Rheingau: Duftige Nase, Orangenblüten, gelbes Obst, Brioche mit gelber Konfitüre. Am Gaumen körperreich, weiche Oberfläche, rund und etwas füllig, gelbe Frucht, dezente Bitterorange, aber irgendwie fehlt es mir letztlich an Definition. Ordentliche Länge im Abgang; aus dem leeren Glas sehr duftig. 87 Punkte

2014 Riesling Gräfenberg GG, Robert Weil – Rheingau: Strahlendes weißgelb, im ersten Moment noch etwas unruhige, leicht dropsige Nase, die er mit zunehmender Luft verliert, dann blütig-kräutrig, sehr reintönige Aromenkomposition. Am Gaumen zeigt er eine klare und sehr gut strukturierte Art, eher schlanker Ansatz, aber nachhaltig. Feine Säure und bereits jetzt mit guter Balance. (Anm. die erst kürzlich durchgeführte Vertikale hat gezeigt, dass die GG aus dem Gräfenberg besonders viel Zeit zur Entwicklung des aromatischen Potentials benötigen) 91++ Punkte

2014 Riesling Beutelsbacher Altenberg, Leon Gold – Württemberg: Noch deutlich vom Holz (neues Fass?) geprägte Nase, wirkt dadurch noch etwas holprig und verschlossen in der Nase. Dahinter eine feinduftige, gelbe Frucht; baut mit Luft deutlich aus. Fest gewirkter Stoff, hat Kraft, besitzt hinter der auch am Gaumen noch etwas vordergründigen Holznote eine feste, feinsaftige Frucht mit mineralischen Anklängen und einem leichten Gerbstoff. Eher moderat in der Säure. Erkennbare Tiefe. Auf Grund des Holzes (Anm.: Ausbau erfolgte im Halbstückfass) noch etwas schwierig zu beurteilen; bin fest davon überzeugt, dass er mit zusätzlicher Flaschenreife deutlich zulegt. 87++ Punkte

2014 Riesling Steingrüben GG, Weingut Dautel – Württemberg: Sehr kräuterwürziger Auftakt, tiefer und klarer Ansatz. Am Gaumen sehr sauber und reintönig, mit schöner Konzentration und feinem Druck. Kräutrige, salzige und mineralische Art, klarer Saft, hat leichte Ecken und Kanten, sehr schöne Säure. Gute Länge, mit innerer Stärke und Komplexität, schöne Balance. 93 Punkte

2014 Riesling Am Lumpen 1655 GG, Horst Sauer – Franken: Frischer und sehr klarer Ansatz, viel frische, fruchtige Noten: Maracuja, grüne (damit ist nicht unreif gemeint) Früchte und Aromen einer frisch geschnittenen Waldwiese. Trinkanimierende, klare und reine Stilistik, deutlich! mineralische Art, sehr schöner Riesling mit gut balancierter Säure. Insgesamt ein komplexer, eleganter und sehr guter Riesling! Besonders gefällt mir, dass die Frucht mal nicht über gelbes Steinobst kommt. Gute Länge! 92 Punkte

2014 Riesling Centgrafenberg GG, Fürst – Franken: reintönige, duftige Nase mit schöner, frischer traubiger und gelbfleischiger Frucht; saftiger Typ, konzentriert, aber nicht zu kompliziert, gute Struktur, noch etwas mehr Zug und Druck würde den Wein richtig groß rauskommen lassen, im Hintergrund entwickelt sich etwas, zeigt eine leicht salzige Mineralität, könnte noch deutlich aus dem Knick kommen. Aktuell 91 Punkte

2014 Riesling Niederberg Helden GG,  Schloss Lieser – Mosel: phenolische Art mit dichter Frucht, Orangensaft, wachsige Noten, etwas aufgewühlte Säure. Wirkt insgesamt nicht fertig, hat seine Balance (noch) nicht gefunden. Kann schon in ein paar Monaten viel besser sein – oder auch nicht 😉 Aktuell schwer zu bewerten. In dieser Tagesform 89 Punkte

2014 Riesling Ayler Kupp GG, Peter Lauer – Mosel: unruhige Spontinase, klare Stilistik, typische MSR Aromatik, schöne mineralisch, klare Art; sehr feine Würzigkeit, hat viel Zug und Druck im Hintergrund, Tabak, Zitrusnoten, sehr gute Balance, ein Spieler, ein Tänzer, so vital und ausdrucksvoll. Die Leichtigkeit des Seins, großer Wein mit toller Länge! 94 Punkte

2014 Riesling Aulerde GG, Groebe – Rheinhessen: Zum Auftakt Honignoten und viel gelbe Frucht, wachsige Noten, deutet etwas Botrytis im Lesegut an. Zeigt am Gaumen viel Frucht und auch Spiel, allerdings fehlt ihm etwas die Frische und eine – für sein Alter – notwendige jugendliche Spritzigkeit; runde Frucht, geschmeidige Oberfläche, viel Samt und Seide, im Hintergrund erkennbare Mineralik. Hat vieles, begeistert mich aber nicht. 88 Punkte

2014 Riesling Ben, Katharina Wechsler – Rheinhessen: Ausgewogene Art in der Nase, leise aber mit Balance und jetzt schon angenehmer und unaufgeregter Trinkigkeit; mineralische Züge, zarte Fruchtnoten, irgendwie eine Riesling auf einem Flokati gebettet, mir macht das Freude, da die Anlagen stimmen und der Wein mich gefangen nimmt. 89 Punkte

2014 Riesling Morstein GG, Wittmann – Rheinhessen: Klare Art, zeigt die Morstein-typische dunkle Mineralik, würzige Kräutrigkeit, sehr stimmig, sehr sauber und reineintönig, guter Stoff, etwas Minze und Zitronenmelisse, großartig, viel mineralisches Spiel, weiße Noten, viel Zug und Definiertheit. Soooo viel Spiel, großartig! 95 Punkte

2014 Riesling Heerkretz GG, Wagner-Stempel – Rheinhessen: Sehr klar und definiert in Nase und Gaumen, gute Saftigkeit und Konzentration, schöne Balance zwischen Mineralik, Frucht und Säure, jetzt schon sehr zugänglich und balanciert. Minze, feiner Tabak, weiße Frucht, Kräuter, nachhaltig, sehr schöner Wein mit guter Länge. 93 Punkte

2014 Riesling Brunnenhäuschen GG, Wittmann – Rheinhessen: Groß gewachsener, nordisch-karger Typ mit irrer Präsenz. Rauchig, mineralisch, tiefer Ansatz, hier ist Kraft und Spiel im Glas, hier passiert was, Kräutermineralik – von der Sorte Gebirgsregen auf Fels im Sommer, packt zu, superb, leichte Adstringenz, Salzigkeit, Zitrone in Salz, endet mineralisch lang. 94 Punkte

2014 Riesling Brunnenhäuschen „Abtserde“ GG, Keller – Rheinhessen: Jetzt wird’s schmutzig! Hier spricht das Terroir– komplexe mineralisch vegetative Nase; Spontinoten mit noch leicht kohligen Gäraromen (die mit Luft oder Zeit in der Flasche verschwinden), Tabak, salzig-kräuterwürzig; im Hintergrund ein Hauch von Citrus, grünem Apfel und Cassis. Am Gaumen mächtig viel Zug, wirkt aktuell wie eine in der Werdung befindliche Skulptur. Vielschichtig, komplex, eröffnet ständig neue Einblicke und Ansichten; harmonische Säure. Der Wein trägt, ist dicht und erdig-mineralisch; trotz aller Komplexität ein sehr klarer und irgendwie auch puristischer Stoff, der beschäftigt. Einer der wenigen Weine, der definitiv noch Flaschenreife benötigt. Großer Wein! 95 Punkte

2014 Riesling Pettenthal GG, Gunderloch – Rheinhessen: Feinfruchtige Nase, Cassis, Steinobst und Holunderblüten, schlanker Ansatz, im Hintergrund etwas Tannin. Aktuell fest und schlank; sehr klare und saubere Frucht, hochgradig reintönig, gelbe Frucht, mineralisch präzise und definiert, Nicht laut, dafür nachhaltig und noch etwas eng, zupackend, mit superber Länge. Well done! 94 Punkte

2014 Riesling Pettenthal GG, Keller – Rheinhessen: Noch deutliche Spontinase. Fülliger Stoff, zu Beginn noch etwas unruhig, baut mit Luft im Glas richtig aus, dann viel Druck und Kraft, etwas Tabak, und ein Hauch Currykraut. Herrlicher Zug, gute Säure, salzige Art, lebt aktuell von seiner mineralischen Ader. Die Frucht braucht noch Zeit – wartet aktuell im Hintergrund ihren Auftritt noch etwas ab; schöner Körper mit sehr gut balancierter Säure. (Anm.: Etwas fülliger und aktuell eine Spur breiter angelegt als Gunderlochs Pettenthal). 94 Punkte

2014 Riesling Rothenberg GG, Gunderloch – Rheinhessen: Sehr klare Aromatik, da werden keine Gefangenen gemacht, wenig beerige Frucht, noch etwas hefig, dahinter ein kräutrig mineralischer Kern, der noch wenig von sich preisgibt. Am Gaumen ebenfalls ziemlich eng und dicht, lässt wenig zu, Gerbstoff, wirkt aktuell etwas steinig, monolithisch ungelenk, hat aber tolle Anlagen, die sich hoffentlich so entwickeln, Anis und Lakritze, viel Phenolik. Bleibt abzuwarten, ob er das Potential im Alter voll umsetzten kann. Der 2013 war in der Jungend ähnlich straff und Sieger des letztjährigen Berlin Riesling Cups. Mit zunehmender Reife über das letzte Jahr hinweg, konnte er sein Versprechen bislang leider nicht voll einlösen. 93 Punkte

2014 Riesling Zehnmorgen GG, St. Antony – Rheinhessen: Diese Lage gehörte früher zum bekannten Weinbaubetrieb von Franz Karl Schmitt. Während Hipping & Pettenthal heute die Etiketten von Klaus Peter Keller zieren, kaufte St. Antony diese alte, aber aktuell etwas unbekanntere Lage. Im April 2015 stellte man dem GG Komitee eine kleine Vertikale der Jahrgänge 2012-2014 vor. Die potentiellen Großen Gewächse mussten sich anschließend in einer Blindverkostung im Feld der anderen GG zu beweisen und schwupp die wupp, mit dem 2014er Jahrgang steht nun das erste offizielle Große Gewächs aus der Lage Niersteiner Zehnmorgen im Glas. Noch mit dezenter Spontinote, im ersten Moment denke ich Orbel? Greift zu, ist mineralisch, zeigt viel vom Boden, hat Grip, macht Spass, mit guter Defintion, die Säure ist harmonisch eingepasst, insgesamt jetzt schon überraschend zugänglich. 90 Punkte

2014 Riesling Mandelgarten, Christmann – Pfalz: Kühle Art, noch unruhige, hefige Spontinase, sehr kräutrig, dezente Zitrusnoten im Hintergrund. Sehr fest im Hintergrund, ein Wein zum Beißen, packt zu, purer Fels –was für eine Mineralik aktuell, großartig, ordentliche Säure, griffig, insgesamt in der Aromatik mit viel pflanzlich kräutrigen und erdigen Aromen, sehr tief und nachhaltig, wenn auch aktuell noch ein klein wenig verwaschen und unruhig, aber das wird! Da könnte eine Weinriese heranwachsen – mehr groß als artig (großartig)!!! 94 Punkte

2014 Riesling Hohenmorgen GG, Bassermann Jordan – Pfalz: Duftige Nase Viel Frucht, deutliche Bitternoten, ziemlich unruhig im Moment, mineralische Ader, aber auch reichlich Phenole, noch sehr hefig, vegetabile Noten, Wildgräser, straffe Mineralik, aktuell noch etwas anstrengend, aber mit sehr guten Anlagen. Braucht Zeit. 90 Punkte

2014 Riesling IDIG, Christmann – Pfalz: Viel gelbe Frucht, klare Frucht, eher fruchtbetont, schöne Pfirsichfrucht, trinkig, geschmeidig, im besten Sinne unkompliziert zu verstehen, schöne Würze, mit super schönem, saftigen Kern, reintönige Frucht, richtig schön. 92 Punkte

2014 Kallstadter Saumangen Riesling, Rings – Pfalz: Seit dem 01.06.2015 ebenfalls ein VDP-Betrieb, die 2014 sind zwar noch keine offiziellen GG, spielen aber eindeutig in dieser Liga. Herrlich klare und reintönige Frucht, gelbfleischig mit kalkigen Parfum. Am Gaumen saftig, lebendig und belebend, wiederum gelbfruchtig, mit würzigem Spiel, überaus lebendig, spielerisch, belebend, Nussigkeit, Mandeln – alles durchzogen mit einer schönen, mineralischen Ader. Alles da, wo es hingehört – jetzt schon erstaunlich runde Sache, trinkiger Stoff mit schöner Länge. 91 Punkte

2014 Riesling Ungeheuer GG, von Buhl – Pfalz: Ungeheuer viel Cassis und Minze, Stachelbeeren, kühl, komplexer Stoff, zu Beginn in Richtung kräutrig, dann Rosa Grapefruit, Nadelholz, Citrusnoten, irgendwie im sau-positiven Sinne karg, trocken, aber mit glockenklarer Art. Auf den zweiten Schluck wird dieser Riesling immer erdiger und die Vermählung mit dieser wahnsinnig inspirierenden Frucht ist einfach perfekt. Ein Rieslingkonzert bei dem ich nur eins möchte: Tanzen. Die Hand geht sowas von zum Glas, höchst animierend. 93+ Punkte  

2014 Riesling Ungeheuer GG, Bürklin-Wolf – Pfalz: Runde, weiche und sehr geschmeidige, im wahrsten Sinne des Wortes runde Art. Weiß-gelbe Frucht, verhaltene Säure, feine saftige Frucht, geschmeidig, gefällig im positiven Sinne, aber irgendwie ohne den Funken, der überspringt. Auf Grund des Verdachts eines leichten Flaschenfehlers ohne Wertung

2014 Riesling Ungeheuer GG, von Winning – Pfalz: Ungeheuer schöne Kombination aus feinen Gerbstoffen, nassen Kräutern und vielschichtiger Frucht; fester Kern, mit irrer Energie ausgestattet – da geht die Luzi ab: Kräuter, Frucht und Mineralik, dichter Kern, fokussiert, präzise. Riesling Vibrations – 94 Punkte

2014 Riesling Ungeheuer GG, Bassermann Jordan – Pfalz: Kräuterwürzige Art, recht karge Frucht, erdige Noten, viel Fokus, mustergültig definiert und präzise; harte stahlige Kanten, brutale Mineralik, ein Wein wie eine Laser, ist das gut oder schon too much? Nein, davon kann ich nicht genug bekommen. Sehnig, klar und irre gerade durch. Bin sehr gespannt, was daraus wird!! 94+

Punkte 2014 Riesling Pechstein GG, von Buhl – Pfalz: Wow, was für eine kräutrige und vor allem würzige Naase, alles ziemlich gelb. Eher exotische Gewürze: Curry und Kukuma, sehr eigenständig, viel Holz, trotz allem passt da alles zusammen und es entwickelt sich jetzt schon Harmonie. Großes Festival- oder Programmkino! 93 Punkte

2014 Riesling Pechstein GG, Bürklin-Wolf – Pfalz: Feinsaftige Art, pur und reintönig, im besten aller Sinne unkompliziert, weil perfekt proportioniert. Perfektion wirkt immer leicht und spielrisch unkompliziert. Das ist zwar alles noch tierisch unentwickelt, aber es hat den goldenen Schnitt – einfach erstklassig. Aber je perfekter ein Wein, umso schwieriger läßt er sich in Worte fassen.Viel Zug, klar, reinönig, irre präzise; mineralischer, felsiger Kern, Kräuter auf Eis, hintergründig eine feine Frucht (very british mit understatement) – großartig. 95 Punkte

2014 Riesling Schwarzer Herrgott, Weingut Schwedhelm-Zellertal – Pfalz: noch etwas Kohlensäure, dann ziemlich klare und mineralische Nase mit viel Frische und einer dezenten, von Kernobstaromen geprägten Frucht. Der Gaumen hat von allem viel, präsentiert sich mit einer schönen, schon erstaunlich ausgewogenen Art; feinsaftig; von einer deutlich mineralisch, kalk-kräutrigen Ader durchzogen ist. Gute Länge. (Nach dem Aufdecken: Sehr, sehr gutes Preis-Genuss-Verhältnis; die Lage Schwarzer Herrgott ist ca. 60 ha groß und gehört einerseits zur Pfalz und andererseits zu Rheinhessen) – 92 Punkte

2014 Riesling Schwarze Herrgott GG, Battenfeld-Spanier – Rheinhessen: Subtile Nase mit vegetabilen und floralen Noten, Orangenblüten. Überaus geschmeidiger Riesling, ohne echte Ecken und Kanten, aber mit nobler Kühle und sehr schönem inneren Zug. Leichte Gerbstoffe, wenig Frucht, dicht gewirkt, Stoff zum Kauen, erkennbare erdige und dunkle Mineralik; sehr sauber definiert, aber irgendwie kommt er noch nicht aus sich heraus. In dieser Form wirkt er weniger inspiriert als andere. Ein bekannter Wein-Advokat schrieb früher dann immer: sleeper oft he vintage. 91++ Punkte

2014 Riesling Grainhübel GG, von Winning – Pfalz: Sehr geschmeidige, feine ziselierte Frucht, feinsaftig, mal ein Großes Gewächs, dass nicht so sehr von der mineralischen Seite kommt, sondern hier steht die Frucht klar im Vordergrund, das mag ich trinken, das ist nicht kompliziert, aber trotzdem vielschichtig und vor allem auch jetzt schon zugänglich und animierend. Feiner Saft. 91 Punkte

2014 Riesling Felsenberg GG, Schäfer Fröhlich – Nahe: Tiefe, noch deutlich von Spontanaromen (Kohl; Bier, Hefe und wenig Frucht) geprägte Nase. Am Gaumen dann ein Feuerwerk mit allem was zu gehört – soo viele Ohhhh und Aaahhhs! Überaus vital, die Faust im berühmten Samthandschuh. Im ersten Moment ist man geblendet von der überraschend geschmeidigen Oberfläche, darunter brodelt jedoch ein kleiner Vulkan. Sehr viele vegetabile Noten, überaus kräutrig-mineralisch, jeden Moment wieder anders, straff gewirkt, mit lebendiger Säure, pikant-animierend, ein polarisierender Stoff, der mir überaus gut gefällt. Ein Kauf für meinen privaten Keller. 93 Punkte

2014 Riesling Halenberg GG, Emrich Schönleber – Nahe: recht kräutrig-vegetabile Nase mit schöner Frische und mittlerer, grün-gelber Frucht, kräutrig-mineralische Art, insgesamt schon ziemlich ausgewogene Stilistik. Mittelgewichtiger Körper, überraschend zugänglich und filigrane Frucht, auch blütige Noten, hat Stil und subtilen Charme, wirkt etwas leiser. Sehr schöner Wein, der auch nachhaltig und lang am Gaumen steht. (Anmerkung: dieser Wein ist seit über 10 Jahren eine Bank und einer meiner persönlichen TOP 3 Lieblings GGs. Insbesondere auf Grund seiner Jahr für Jahr sehr dunklen, kräuterwürzigen und erdigen Mineralität, die kombiniert mit viel Druck und Zug einen maskulinen Wein mit viel Ausdruck und großer klarer Präzision prägt, ist er für mich ein echter Rockstar. Doch der 2014er singt dieses Mal eher eine Balade, subtil und vielschichtig – ja! Es ist auch noch die gleiche Stimme! – Aber ich will ihn lieber rocken sehen) – 92 Punkte

2014 Riesling Halenberg GG, Schäfer-Fröhlich –Nahe: Tiefe noch sehr Spontannoten behaftete Nase, sehr fokussiert, klar, richtig gut und fordernd in der Nase. Da ist (noch) nicht viel Frucht, sondern eher eine kompakte Mischung aus feuchten Steinen, nassem Salz und vielen herben Wiesenkräutern nach ein Sommergewitter, frischer Tabak. Das ist kommt keine Frucht-Duselei, da hämmert Schweizer Präzessionsmaschine einen neuen Stollen in den Fels. Glockenklar, präzise, sehr viel Druck und Substanz, fester Kern, sooooo herrlich krass, viel Substanz, ein Bolide, der wie an der Schnur gezogen auf der Piste seine Runden dreht. Wirkt zu keinem Zeitpunkt angestrengt, sondern einfach nur schön – wie eine Uhr von Lange & Söhne aus Glashütte. – 95 Punkte

2014 Riesling Goldloch GG, Diehl – Nahe: Viel Zitrusnoten und Orangenblüten in der Nase, exotische, gelbe Früchte, deutliche Phenolik. Klar und definiert am Gaumen, zeigt schöne Frische, knackig, reine Fruchtaromen, ausdrucksvoll, erinnert mich stark an Dosenmandarinen. Ein wirklich aufmunternder, animierender Wein, der richtig gute Laune verbreitet. Mir gefällt es besonders gut, dass er nicht nur die mineralische Seite betont, sondern auch eine sehr feinsaftige und vielfältige Frucht spielen lässt. Bitte googlen: Meryl Davis und Charlie White im Glas – 92+

Punkte 2014 Riesling St. Nikolaus GG, Spreitzer – Rheingau: Sehr schöne, duftige und animierende Nase. Im Hintergrund deutlich Zitrusnoten und gelbfleischige Früchte, die aktuell noch von kräutrigen, dezent holzigen Aromen, Haselnuss und sahnigen Anklägen dominiert werden. Deutlich burgundischer Stil, eher oxidativ ausgebaut, schönes Spiel. Menschenwerk. Am Gaumen ruhig, unaufgeregt und sehr sauber; geschmeidiger Trinkfluss; feine gelbe Frucht, wieder ein wenig Holz und eine ganz denzent laktische Noten; weich und rund, aber mit toller Frische. Auch hier eher burgundische Stilistik. Sehr sauber, reintönig, mit ruhiger Eleganz. Ziemlich singuläre Interpretation, mir gefällt das sehr, sehr gut. Bleibt die Frage nach dem Reifepotential? Die nächsten 5-8 Jahre ohne Probleme, danach lasse mich ich mich gerne überraschen. Mit einem Lieblingsweinpunkt: 94 Punkte 

2014 Riesling Hohenrain GG, Jakob Jung – Rheingau: Reichlich spannende, frische Fruchtnoten, fest gewirkt. Am Gaumen klar und definiert; dabei ziemlich dunkle, saftige Frucht, deutlich tabakig, mit herrlich mineralischem Biss, zentriert und fest. In der Form kein Wein für Weicheier, aber mit etwas Reife oder reichlich Luft wird das ein ganz großer werden. Tiefer und überaus komplexer Wein, der seine Genießer voll in den Bann zieht. Zielsicher und definiert bis in die letzte Ritze des langen Abgangs. 92 Punkte

2014 Riesling Johannisberg GG Silberlack, Fürst von Metternich-Winneburg’sche Domäne, Schloss Johannisberg – Rheingau: Lebendige, kraftvolle und eine überaus vielschichtig, reife Frucht (Zitrus- und gelbfleischige Kernfrüchte), sehr tief und fordernd. Am Gaumen voll da; viel Präsenz, hat Kraft, gleichzeitig aber innerlich ruhig und geordnet. Guter Saft mit viel Extrakt und einem genialen Säure-Extraktsüße-Spiel. Obendrüber ruht ein mineralischer, kühler und leicht wiesenwürziger Schleier – so wie an einem kühlen, leicht dunstigen Sommermorgen, wenn die Nacht sich gerade verabschiedet und die Sonne erste Wärmestrahlen aussendet. Perfekt gebaut, mit Struktur und Pölsterchen – genau an richtigen Stellen; da „beißt“ man gerne rein. Ein Hauch Gerbstoff stützt zusätzlich. Großartiger Rheingau-Riesling. 95 Punkte

2014 Riesling Pettenthal GG, Kühling-Gillot – Rheinhessen: Kraftvolle, dichte und noch von Spontannoten geprägte Nase. Hat Zug und Kraft, reichlich Kräuterwürze, ist saftig und mit reichlich frischer, gelber Frucht ausgestattet. Dicht und kompakt, aber auch mit Spiel; etwas adstringierend, da passt alles gut zusammen, die Säure gibt ihm eine formidable Frische und ist sehr gut eingebunden. – 93 Punkte

2014 Riesling Gips GG, Aldinger – Württemberg: klare Frucht mit Anklängen von Zitrusnoten und gelbem Steinobst, dazü eine schöne mineralisch anmutende Kräutrigkeit, leicht vegetabil. Am Gaumen dicht und mit leichtem Bitterton, sehr schön definiert und reintönig, klare Aromatik, mit Luft gewinnt er an Saft und Körper. Zunächst scheint die Mineralik im Vordergrund zu stehen, aber mit Luft kommt die Frucht in großen Schritten hinterher. Mit Reife wird die Frucht die klare Führungsrolle übernehmen, feiner Schmelz. Da passt alles, sehr ausgewogen. Ziemlich gute Länge! – 93 Punkte

2014 Riesling Goldtröpchen GG, Reinhold Haart – Mosel: Animierender, intensiver Duft von gelben und tropischen Früchten. Am Gaumen ebenfalls mit schöner und intensiver Frucht, reintönig. Sehr saftig und fruchtbetont, viel Extrakt, sehr rund und mit schönem Schmelz sowie einer guten und durchaus eleganten Säure. Die Frucht ist klar auf der gelben Seite, frisches Obst mit richtig viel Substanz, traubig, zum ganz großem Rauskommen fehlt mit ein Überraschungsmoment, die 3. Dimension. Solide 92 Punkte

2014 Riesling Röttgen, Heymann Löwenstein – Mosel: Mischung aus Apfelbrei, Hefe und Gäraromen – in dieser intensiven Form Spontinotenstinker erinnern mich das immer an Babykotze (aber das darf man ja nicht schreiben ;-)). Am Gaumen herrlich kräutrig, intensiv, packen und mit salziger Mineralität ausgestattet; ziemlich griffiges Teil, dezente Nussigkeit, ein Touch Holz, leichter Gerbstoff. Klar und Gut!! Im Moment noch etwas unruhig, aber es passiert viel im Glas. (Anmerkung: Die von mir soo ungeliebte Überreife vieler Heymann-Löwenstein-Wein scheint in den letzten Jahren etwas weniger zu werden. Das geht in die richtige Richtung!) 92+ Punkte

Nicolas Rossignol – Ankunftsverkostung

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(veranstaltet von Nobbi Müller – http://www.nobbimueller.de)

Hintergrund:

Nicolas Rossignol, geboren 1974, ist Winzer in der 5. Generation. Seine Weine sind ein prädestiniertes Beispiel für die vollzogene stilistische Wandlung von strukturbetonten Burgundern hin zu Weinen mit viel Frische, Klarheit und Finesse. Früher waren die Weine des Familienweingutes Rossignol Jeanniard bekannt für massive, tiefdunkle und gerbstoffbetonte Burgunder. Nicolas Weine sind dagegen stets anregend, frisch und elegant.

Nach Stationen in Südafrika, der südlichen Rhône und in Boredeaux startet Nicolas Rossignol 1997 sein eigenes Weingut mit knapp 3ha in den Lagen von Volnay, Pommard, Beaune, Aloxe-Corton and Pernand- Vergelesses. Bereits ein Jahr später kommen weitere 1,5 ha hinzu. Heute werden Weine aus über 20ha vinifiziert, wovon ein Teil aus den eigenen Weinbergen stammt, den Rest kauft er vom Familienweingut seines Vaters – zunächst nur gewisse Partien, inzwischen wird die komplette Ernte von Nicolas übernommen.

Sein Credo sind Lagentypizität und Transparenz. Im Keller verzichtet er auf kellertechnische Maßnahmen wie Kaltmazeration vor der Gärung oder Schönung und Filtration bei der Füllung. Im Weinberg sind chemische Unkrautvernichter tabu und bei der Pflege seiner Rebstöcke übernimmt der Mondkalender eine gewichtige Rolle.

Jahrgang 2013:

Der 2013er Jahrgang hielt für Nicolas Rossignol die gleichen, schwierigen Bedingungen bereit wie schon der 2012er Jahrgang. Einziger Unterschied: in 2013 kam zum Ende der Ernte noch massiver Botrytisdruck hinzu. 2013 suchten die Hagelstürme die Weinberge über drei Wochen später heim als ein Jahr zuvor. Die Reben waren zu diesem Zeitpunkt in ihrer vegetativen Entwicklung ca. drei Wochen hinter 2012 zurück, sodass das Schadensbild fast identisch zu 2012 ausfiel. Die Weinberge in den höheren Lagen haben dabei mehr gelitten als die flacher gelegenen Rebflächen. Viele der getroffenen Beeren sind nach dem Hagel abgetrocknet und anschließend abgefallen, sodass am Ende in keinem Weinberg ein Totalschaden entstanden ist. Größtes Problem für Nicolas Rossignol in 2013 sind die super geringen Mengen, die Ernte betrug nur 30% eines durchschnittlichen Jahrgangs. Bei der Vinifikation und im Ausbau hat Rossignol in 2013 besondere Vorsicht walten lassen. Die Extraktion von Farbe und Tannin wurde besonders schonend betrieben. Der Anteil an neuem Holzes im Ausbau beträgt nur 15-20%.

Im Ergebnis zeigten die verkosteten Weine eine gute, klare und durchaus konzentrierte Frucht mit einer belebenden Frische. Alle verkosteten Weine zeigen bereits heute einen jugendlichen Charme und sind deutlich zugänglicher als in anderen, strukturbetonten Jahren (z.B. 2005). Über die Lagefähigkeit mache ich mir keine Gedanken, die nächsten 10 Jahre sollten für die Einzellagenweine kein Problem darstellen.

Verkostungsnotizen:

2013 Bourgogne Heritière, Nicolas Rossignol – Burgund

Duftige, bereits erfreulich geöffnete Nase nach blauen und roten Beeren, leicht würzig. Am Gaumen leicht- bis mittelgewichtig, mit einer offenen, etwas rauhen Frucht, dezente Würzigkeit; offener Typ, mit gut eingepasster Säure, zeigt viel und will jetzt gefallen. Ein sauberer Burgunder für den Einstieg. Macht jetzt und in den nächsten 3,4 Jahren Spaß. Stammt von alten Reben in Pommard, in 2013 komplett entrappt, statt der üblichen ca. 3.800 Flaschen nur 660 Flaschen. 15/20 – jetzt bis 2019.

2013 Pommard „Les Vignots“, Nicolas Rossignol – Burgund

Sehr dunkel in seiner Robe. Schöne Burgundernase mit toller dunkler Frucht von schwarzen Johannisbeeren und anderen dunklen Beeren, feine Würzigkeit mit Anklängen von Pfeffer. Am Gaumen mit guter Substanz, dunkler und feiner Frucht, kombiniert mit einer Vielzahl erdiger Noten. Die feine Extraktsüße steht ihm heute gut, die Frucht ist an der Grenze zur Überreife, aber letztlich doch noch voll im „grünen Bereich“. Die mineralische Ader sorgt für ein komplexes, sehr stimmiges und schönes Burgundererlebnis. Das macht heute bereits viel Freude; von 12-18 Monaten zusätzlicher Reife im Flaschenkeller wird er dennoch profitieren. 17/20 – 2015 bis 2020

2013 Pommard 1er Cru, Nicolas Rossignol – Burgund

Schöne, tiefe Nase mit viel Substanz und einer offenen Frucht. Fruchtbetont mit viel roten Früchten, Himbeeren, Pflaumen und einer angenehm, erdigen Ader; frisches Brot. Am Gaumen mit guter Substanz, schönem Extrakt, mittlerem Körper, einer gut eingepassten Säure und einem klaren, von Mineralität geprägten Gesamteindruck. Hinten heraus wird er etwas strenger und schmuckloser. Aktuell gefällt mir der Les Vignots einen Tick besser. Mit zusätzlicher Reife dreht sich das Bild voraussichtlich.

Neue Cuvée mit nur 540 Flaschen, es befinden sich alle 1er Cru Lagen aus Pommard – außer Epenots und Chaponnieres darin wieder. Ein separater Ausbau hat in 2013 nicht gelohnt. 16+/20 – 2015bis 2022

2013 Volnay „Les Chevrets“ 1er Cru, Nicolas Rossignol – Burgund

Der animalisch, an gekochtes Rindfleisch erinnernde Auftakt überrascht zunächst etwas. Mit Luft baut die dahinter liegende, dunkelbeerige Frucht wunderbar aus, sie wird zunehmend komplexer, intensiver und tiefer in der Aromatik. Am Gaumen ein Wein mit schöner Substanz und Tiefe; pure, reintönige Frucht mit guter Dichte; mittlerer Körper. Die Tannine geben Struktur, sind an der Oberfläche rund und geschliffen. Der Wein besitzt Kraft, eine gute Säure und präsentiert sich bestens balanciert. Im Abgang mit Länge und sehr sauberer Pinotfrucht. 17+/20 – 2015 bis 2023

2013 Volnay „Les Caillerets“ 1er Cru, Nicolas Rossignol – Burgund

Ganz andere Stilistik in der Nase als alle verkosteten 2013er Rossignol-Weine zuvor. Kühler Duft, überaus kühl, geschliffen und elegant. Die Kombination aus dunkler Frucht, Tee, Zedernholz und einem Touch Menthol vermittelt einen aristokratischen Eindruck. Er zeigt seine Kraft und die Frucht nicht so offensiv wie der Les Chevrets, doch die Substanz ist sehr gut, von kühler Eleganz und edlem Zuschnitt. Die mineralische Ader ziert ihn wie eine silberner Nadelstreifen die gesamte Robe. Jetzt schon – mit ausreichend Belüftung – überaus genussvoll, wird aber sein Niveau sicherlich in den nächsten 10 Jahren halten. 18/20 – 2015 bis 2023

Grundsatz: Alle verkosteten Weine entstammen entweder dem eigenen Keller oder wurden vom Winzer kostenlos zur Verfügung gestellt. Eine darüber hinaus gehende Bezahlung oder  andere Art von Gratifikation ist grundsätzlich ausgeschlossen.

 

 

 

 

2011 Chateau des Tours – Côtes du Rhône Reserve Blanc

Chateau des Tours Reserve 2011 blanc

92 Punkte – Dieser reinsortige Grenache Blanc ist prall, drall und geil – man möge mir die Sprache verzeihen, aber wenn ich so etwas im Maul habe, kann mir der ganze Eleganz-Firlefanz gestohlen bleiben. Dieser Wein ist pures Leben, prall, üppig und ein Ausbund an Energie. Sahne, Milch und Honig. Üppige gelbe Früchte, Akazienblüten, Vanille, Myrrhe, im Hintergrund eine ausgeprägt würzige und mineralische Ader. Körperreich, trotz aller Üppigkeit schafft es die kraftvolle Säure die Dinge in Balance zu bringen. Der Wein ist zu keinen Zeitpunkt schwer oder zu alkoholisch, vielleicht ein Hauch von Bitterness bitter, aber hej, wen interessiert das schon – das Ding säuft (trinkt) man in Mengen, weil so endgeil und laaaaang am Gaumen. Am Ende betrunken, aber glücklich.

2015 Berlin Riesling Kabinett Cup

Martin Zwick hat seine Berlin Cup Serie als Weinveranstaltung und Gradmesser für den jeweiligen Jahrgang weiter professionalisiert. Perfekt temperiert wurden die 39 Riesling Kabinett Weine in Zalto-Gläsern präsentiert. Hochkonzentriert arbeiteten 12 Verkoster das Programm in 2er Flights zügig ab. Die Ergebnisse aller Verkoster wurden um den besten und schlechtesten Wert bereinigt und anschließend der Mittelwert gebildet. Die Sieger sind somit durch das Votum aller Verkoster ermittelt. Einziger Wehmutstropfen war, dass auf Empfehlung eines jungen, erfolgreichen Moselwinzers alle Weine erst direkt vor ihrer Präsentation geöffnet wurden. Zwar mag dies denjenigen Rieslingen zu Gute kommen, die kein botrytisfreies Lesegut hatten, andererseits kommt dies weder den Bedingungen nahe, unter denen ein Verbraucher seinen Wein genießt, noch lässt es Raum und Platz für eine Entfaltung, die viele dieser jungen Weine erleben, wenn man ihnen nur etwas Luft und Zeit gibt. Die am nächsten Tage von mit in Ruhe durchgeführte (aber ohne Einfluss auf die nachfolgenden Notizen) Nachverkostung hat dies bestätigt.


Die Qualität des Jahrgangs 2014 ist insgesamt gut, aber nicht herausragend. Die Zahl der fetten, deklassierten Spätlesen scheint etwas zurück zu gehen. Es war schön festzustellen, dass man wieder mehr Wert auf animierende Trinkigkeit legt. Die gute Säure, die dieser Jahrgang reichlich hervorgebracht hat, ist dabei sicherlich förderlich gewesen. Das Haar in der Suppe ist, dass einige Weine mit etwas weniger Restsüsse noch besser dastehen würden.

Die 5 Kabinettweine auf dem Siegertreppchen sind wunderschöne Vertreter ihrer Art.

Berlin Kabinett Cup - die Sieger

Besonders angetan haben es mir jedoch 2 Weine, die es knapp nicht auf das Treppchen geschafft haben. Der von Hövel – Vollmondwein hat mich mit seiner steinigen und erdigen Art besonders begeistert. Er ist fest gebaut und für mich gab es keinen anderen Wein, der mehr Energie besaß und mich so animierte, wie dieser bei Vollmond gelesene Wein. Ebenfalls herausstellen möchte ich einen Wein von Joh. Babt. Schäfer. Er hat mit seinem sehr mineralischen, klaren und fokussierten Dorsheimer Pittermännchen Kabinett ein kleines Meisterwerk abgeliefert, das zeigt, dass Widerstand am Gaumen und Harmonie im Wein auf einer Seite der Medaille stehen können.

von Hövel

1) 2014 Wagner Stempel Siefersheim Riesling Kabinett, 8%: Nasse Steine, helles Steinobst, Apfel, feinsaftiger Typ, Restzuckerspiel, leicht kräutrig, sehr limonadig, Zitrone, gute Säure, sehr vielfältige Frucht, animierende Säure. Am Abend noch ziemlich zu und unausgewogen, am kommenden Tag deutlich animierender und vielschichtig. 85-88 Punkte

2) 2014 Schätzel KabiNett Niestein, Rheinhessen, 8,5%: Duftige, noch stark von Gäraromen geprägte Nase fruchtig, deutliche Restsüsse andeutend, angenehmer Saft, am Gaumen überraschend Verhalten in der Süße, zeigt sich schön, pikante Säure, leicht rauchig, zum Kauen, 87 Punkte

3) 2014 Schloss Johannisberg Riesling Kabinett feinherb, Rotlack, Rheingau: Verhaltene Nase, schöne ausgewogene Frucht, Frische, Zitrusnoten, etwas Orangensaft, krasse Säure, gute Länge, schlank, schwer zu bepunkten – 87 Punkte

4) 2014 Schäfer Fröhlich Felseneck Riesling Kabinett, Nahe: Deutliche Spontannoten, rauchig. Viel Schweiß, stark reduktiv, animierende Frucht mit schönem Spiel, ein wenig exotisch, Orangenblüten – 89 Punkte

5) 2014 Robert Weil Riesling Kabinett, Rheingau 8,5%: Schöner junger, ziemlich unaufgeregter Stil, weißgelbe Frucht, schöne Säure, hat Zug und ein wenig Druck, sehr angenehme, feinsaftige Art, mittlerer Extrakt, wirkt schon balanciert, 87 Punkte

6) 2014 Diel Dorsheimer Goldloch Riesling Kabinett, Nahe, 8%: Sehr viel gelbes Steinobst – Rheingaustilistik !? noch sehr jung und auch etwas schwefelig, saftig, recht extraktreich, zeigt deutliche Restsüsse, etwas dicklich, nicht ganz mein Stil 86 Punkte

7) 2014 Joh. Babt. Schäfer Dorsheimer Pittemännchen Kabinett, Nahe 8% Sponitnase, sehr klar, dichte Stilistik, wat zum Kauen, sehr kräutrig mineralisch, noch Spontinoten, fest angelegt, schönes Spiel, ein Hauch Gerbstoff, richtig gut, bleibt lange stehen 90+ Punkte

8) 2014 Diel Dorsheimer Pittemännchen Riesling Kabinett, Nahe, 7,5% blütige, leicht kräutrige Nase, am Gaumen, sehr steinig, Schiefer, rauchig, kräutrige, trüber Apfelsaft, saftig traubig, auch mit Restsüsse, echt lecker, da geht die Hand zumGlas. 89 Punkte

9) 2014 Meierer Kesten Kabinett, Mosel, 8% kräutrige Frucht, getrocknete Blätter, animierende Säure, unaufgeregt schön, angenehme Trinkigkeit, 87 Punkte

10) 2014 Fritz Haag Braunebeger Riesling Kabinett, 8%, brutale Spontinoten, deutliche Steinobstfrucht, gelb exotisch, Ananas, animierende Säure, Spiel mit der Süße, 88+ Punkte (am Tisch wurde leider (versehentlich gequatscht) und vermutet wegen leichtem Championnote Weinfehler, pilzig, die Gruppendynamik schlug zu; ich bin anderer Meinung.)

11) 2014 Karthäuserhof Kathäuserhofberg Rielsing Kabinett, Ruwer, 8% leichte Sponitnase, feinsaftig, leichte Steinigkeit, mineralisch saftig, frische Frucht am Gaumen, gute Säure, sehr lecker und animierend. 88 Punkte

12) 2014 Dönnhoff Oberhäuser Leistenberg Riesling Kabinett, Nahe, 9%,sehr exotische Frucht, sehr dicht, viel gelbe Frucht, viel Zitrusnoten, gute Säure, dicht, etwas extrovertiert, schön saftig, kompakt, leichte Würzigkeit, dicht, ein Hauch Gerbstoff, der schmeckt wahrscheinlich jedem. 88 Punkte

13) 2014 Willi Schäfer Graacher Himmelreich Riesling Kabinett, Mosel, 7,5% Kräuterbionade mit Waldmeistereinschlag, sehnig, schlanker Stil, kräutrig, tolle Säure, hier geht was ab im Glas, belebend, 91+ Punkte

14) 2014 Weiser-Künstler Enkircher Ellergrub, Riesling Kabinett, Mosel, 7,5% kräutrig, gute Säure, tief, ziemlich komplex und „intelligente“ Frucht, dreckige Mineralität, stimmig, richtige Spätlese 90 Punkte

15) 2014 Forstmeister Zilliken Bockstein Kabinett, Mosel, 7,5%: verhaltene Nase, leicht würzig, wird mit Wärme dropsig, am Gaumen recht dicht, aber irgendwie nicht stimmig, guter Extrakt, aber wo ist die Harmonie, BSA? – wo ist das Spiel? 85 Punkte

16) 2014 St. Urbanshof Ockfen Bockstein Kabinett, Mosel, 8,5% typische Rieslingnase, traubig, am Gaumen viel Frucht und Süße, dropsig zu Beginn, ordentliche Säure, baut im Glas schön aus, wird kräutriger, viel Aprikosen und Pfirsichfrucht, weiße Plattpfirische, die Spontannoten und die reichlich vorhandene Restsüsse stehen ihm ziemlich gut. 87 Punkte

17) 2014 A.J. Adam Hofberg Kabinett, Mosel, 8,5%, ungewöhnliche Frucht, Orangenblüten, etwas Tabak, Gerbstoff, hat Kraft und schöne Schlankheit, feine Saftigkeit, am Gaumen feine Würze, nicht zu schwer, der ist gut balanciert. Wirkt edel, steht lang am Gaumen. 91 Punkte

18) 2014 Julian Haardt Oligsberg Riesling Kabinett, Mosel, 7,5%, deutliche Spontannoten, herrliche Frucht, feinsaftig, tolle Säure, hier geht was ab, mit der Luft/Wärme kommt die Süße deutlich raus, ist aber balanciert, deutliche Steinobstaromatik, schöne Länge. 90 Punkte

19) 2014 Julian Haardt, Goldtröpchen Riesling Kabinett, Mosel, 7,5%, leichte Spontinase, blütig, kräutrige Nase, verspielt. Am Gaumen saftig, mit Druck, Schießpulver, mineralisch, animierend, tolle Länge, 89 Punkte

20) 2015 Reinhold Haardt Goldtröpchen Kabinett, Mosel,8,5% deutliche Spontannoten, viel Süße, gute Säure, etwas klebrig, gelbe Frucht, saftig, dicht, kompakt, leckeschmecker, unkompliziert, lebt von der Süße. 87 Punkte

21) 2014 von Kesselstadt Scharzhofberger Riesling Kabinett feinherb, Mosel, 9,5% rauchig verhaltene Nase hier wurde am Tisch bei beiden Flaschen UTA ausgesprochen und die Gruppendynamik schlug zu. Am Folgetag aus Konterflasche nachverkostet, schöne saftig weißgelbe Frucht, Kräuterlimo, dezente Mineralik, hat schönen Körper und steht jung und frisch im Glas. 88 Punkte am Folgetag

22) 2014 von Hövel Scharzhofberg Riesling Kabinett, Mosel, 9,0% animierende kräutrige, sehr mineralische Nase, kompakt, fest, herrliche Säure, packt zu, extravagant, Tabak, etwas medizinal, am Gaumen: Orangensaft, blütig, präsentiert sich frisch noch etwas unaufgeräumt. 88 Punkte

23) 2014 Max. Grünhäuser, Abtsberg Riesling Kabinett, Mosel, 7,5% etwas kinderkotzige 😉 spontane Nase, Kräuter, mineralisch, animierend, schlank, gute Säure, Birne, Steine, etwas Schießpulver, sehr gute Länge 88 Punkte

24) 2014 von Hövel Oberemmler Hütte Riesling Kabinett, Mosel: ungewöhnliche Geschichte, dieser Wein ist daneben, Sumpfdotterblumen, medizinal, am Gaumen irgendwie komische Aromatik, Krokus, Safran, macht mich ratlos. wie soll ich das finden? Würzigkeit, saftig, recht dicht und hat Extrakt, gute Säure, 87 Punkte

25) 2014 Willi Schäfer Graacher Domprobst Riesling Kabinett, Mosel, 7,5% schöner, guter, etwas gefälliger Riesling, feine Süße, auch angenehme Saftigleit, aromatisch gut, aber irgendwie auch etwas einfallslos, traubig, schöne Süße, Säure, 86 Punkte

26) 2014 Dr. F. Weins-Prüm Graacher Domprobst Riesling Kabinett: Kork o.W,

27) 2014 Max. Grünhäuser Herrenberg Riesling Kabinett, Mosel, 7,5% Deutlicher Spontanstinker, feinsaftig, animierend, Hallo Wach Wein, belebend, gute Säure, Kabinett, straff und präzise, kräutrige Mineralik, schöne Länge. Dieser Kabinett strahlt und bringt mich zum Strahlen. 90+ Punkte

28) 2014 Forstmeister Zilliken Rausch Riesling Kabinett, Mosel, 7,5% runder, fruchtig, saftiger Riesling, ohne Ecken und Kanten, macht Spass, etwas würzig, Botrytis, Honig, Würzigkeit rund, im guten Sinne unkompliziert. Spätlese. 89 Punkte

29) 2014 Von Hövel Oberemmler Hütte Vollmondwein Vesteigerungskabinett, Mosel, 9,0%: klar, sehr fest, sehr mineralisch, steinig, erdig, sehr reintönig. heftiger Stoff. Das animiert, ist dicht, mit viel Zug; leichte, mir gefallende Bitterkeit, das ist gut, das ist lang. Love it! 92 Punkte

30) 2014 Schloss Lieser Braunebeeger Juffer, Mosel, 7,5% Heftige Spontannoten, Austernwasser, Tang, Käse, am Gaumen saftig, gelbe Frucht, Steinobst, runde und mollige Frucht, 87 Punkte

31) 2014 Max. Ferdinand Richter, Wehlener Sonnenuhr Riesling Kabinett, Mosel, 9%, So etwas habe ich bei einem Wein noch nie erlebt, das riecht zu 100% nach Ziegler Obstbrand, Kirsche und Vogelbeeren, was für eine Frucht, am Gaumen fruchtig, etwas süß aber aromatisch! Irgendwie in der Art daneben, Gelbe Pflaumen, gelbes Steinobst, gute Säure. Heute! 84 Punkte

32) 2014 Schloss Lieser Wehlener Sonneruhr Riesling Kabinett, Mosel, 7,5% Spontannoten, Schießpulver, schöne Frische, reintönig, gute Frucht, Cassis, gelbe Frucht, geschmeidig, trinkig, animierend, ein geiler Kabinett, der seinem Namen alle Ehre macht, rauchig, 89 Punkte

33) 2014 Max. Ferd. Richter Veldenzer Elisenberger Riesling Kabinett**, Mosel, 8,5% Spontinoten, sehr vegetabile Noten, 2.Flasche besser, gute Säure, animierend, kräutrig mineralisch. Am folgenden Tag nachverkostet, was für ein Unterschied, deutlich ausgebaut, viel straffe Schiefermineralik, guter Zug, kräutrig, animierend. 86-89 Punkte

34) 2014 Dr. Loosen, Edener Treppchen Riesling Kabinett, Mosel, 8%, schöne, saftige Frucht, leicht würzig, dabei klar und animierend, schöne rund, Apfelringe, gute Säure, gefällig, der schmeckt jedem zu jeder Zeit, unglaublich trinkig, 87 Punkte

35) 2014 Peter Lauer Ayler Kupp Riesling Kabinett Fass Nr. 5, Saar, 7,5%, rauchig, Jod, Sponti, Kabinett, schöne kräutrige Frucht, schöne Säure Süße, hat Frische und Ordnung, kraftvoll, hat Zug, animiert und hat Länge. 90 Punkte

36) 2014 St. Urbanshof Piesporter Goldtröpchen, Mosel, 9,5% Almdudler, fruchtig, weiße Johannsibeeren, kräutrig mit ein wenig viel Restsüsse, Limo – fast klebrig, üppig, nicht wirklich stimmig. 85 Punkte

37) 2014 Werther Windisch Riesling Kabinett, Rheinhessen, 10,5% ultrajung, Brausepulver, Cassis, rauchig, mineralisch, macht wach, animierend, etwas parfümig noch, im Abgang pikant. 88 Punkte

38) 2014 Gunderloch Jean Baptiste Riesling Kabinett feinherb, 11% klare Aprikosenfrucht, sehr klar, reintönig, am Gaumen ordentlicher Saft, guter Extrakt, stimmig, gute Frucht, gelb, schöne Spätlese, saftig, gute Länge 89+ Punkte

39) 2014 von Kesselstadt Domprobst Riesling feinherb: blütig, herrlich frisch, animiert, hat gute Säure, etwas grün, hat Gerbstoff, animiert. Schöne Länge. 88 Punkte

2005 Ten Years After – Große Gewächse – Teil 1


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UPs, hmmm – doch nicht so schlecht wie gedacht ;-))

2005 war ein sonniger Jahrgang. Das Weingut Robert Weil berichtet: „Der Vegetationsverlauf war geprägt von einer Sonnenscheindauer, die deutlich über dem Soll lag. So waren schon Ende Juli für den Rheingau 150 Sonnenscheinstunden mehr erreicht, als im langjährigen Mittelwert (1971-2000). Die Niederschlagsverteilung war über das gesamte Jahr und vor allem über die Vegetationsperiode ideal für die Rebe.“ Dieses Glück war jedoch nicht jeder Anbauregion beschieden, denn es gab zeitweise erhebliche Regenmengen, die stellenweise zu einem erheblichen Pilzdruck führten. Der goldene September hat es dann vielerorts rausgerissen. Viele Weinjournalisten waren schnell einig, dass der Jahrgang zwar viele hochreife Weine hervorgebracht hat, denen eine gute Lagerfähigkeit abgesprochen und eine frühe Trinkreife attestiert wurde. Der Gault Millau hat nahezu allen deutschen Anbauregionen für den 2005er JAhrgang nur 3 von Trauben zuerkannt, einizge Ausnahme bildeteten die Nahe und die Region Mosel-Saar-Ruwer, hier stehen 5/5 Trauben zu Buche.

Unsere Ten Years After Probe – Grosse Gewächse 2005 zeigt ein anderes Bild. Nahezu alle angestellten Weine zeigten sich in einer guten bis sehr guten Verfassung, lediglich die Moselweine schwächelten auf breiterer Basis. Der weit überweigende Teil der Großen Gewächse zeigte sich überaus trinkanimierend, gut balanciert und aktuell in einer schönen Reife. Einige Weine haben locker Luft für weitere 5 Jahre; sie jetzt zu trinken ist aber in keinem Fall ein Fehler und verspricht Rieslinggenuss auf dem Punkt.

Beim Spätburgunder deutet sich ein schwieriges Bild, drei von vier Weinen konnten nicht nachhaltig überzeugen und einer war eine Unverschämtheit. Ich denke, beim Spätburgunder hat Deutschland in den letzten 10 Jahren einen massiven Qualitätssprung gemacht, 2005 haben jedoch viele Winzer noch geübt – insbesondere beim Umgang mit dem richtigen Holz. Dies gilt ausdrücklich nicht für den verkosteten Spätburgunder von Knipser – diese Jungs haben schon damals ihr Handwerk hervorragend beherrscht.

Am ersten Abend tranken wir mit 9 Personen 11 Weine komplett blind, am zweiten Abend mit 7 Personen 12 Weine. Der zunächst korkige Saumagen Auslese R wurde am Ende der Probe mit der Konterflasche in die Probe aufgenommen. Die dritte und letzte Runde beschlossen 6 Verkoster mit 9 Rieslingen.

2005 Winninger Uhlen Riesling Laubach, Weingut Heymann-Löwenstein – Mosel: Tiefes Goldgelb, reife Nase, viel hochreife gelbe Früchte, Schuhpolitur, Sahne, am Gaumen ebenfalls reichlich gelbe und exotische Früchte, Mango, rund, recht saftig, leichte Würze am Gaumen, extraktreich, Fenchelhonigbonbons, trockene Art, im Mund deutlich trockener als bei der Nase erwartet. Moderate Säure, gute Länge. Diese Flasche war deutlich besser, als die ca. 2 Monate zuvor. Bitte austrinken, mit zunehmendem Alter büßt der weiter an Frische ein. 17 Punkte – austrinken. (90, 93, 89, 92, 91, 91, 92, 91, 91 – 91,11)

2005 Riesling Rüdesheimer Berg Schlossberg, Weingut Breuer – Rheingau: Zum Auftakt eine wunderbar delikate und kühle Frucht, sehr klar, kräuterwürzig, Anis, Brennnessel, Melisse, die Nase ist bewegend vielschichtig, animierend und überaus charmant. Am Gaumen sehr klar und reintönig; schöne Dichte, sehr gute Säure, harmonisch, hier passt alles vom Anfang bis zum langen Ende. 18 Punkte – 2015 bis 2018 (93,92, 94, 94, 92, 93, 94, 95, 92 – 93,22)

2005 Karthäuserhofberg Riesling Auslese trocken, Karthäuserhof – Ruwer: Schwierige Nase, etwas Spargel, erkennbare Reife, blütig, cremig. Am Gaumen fehlt etwas die Spannung, traubig, weich, ordentliche Säure, nicht ganz trocken, recht kurz. Das hat man im Hause Tyrell in vielen anderen Jahrgängen schon besser hinbekommen. 16 Punkte – austrinken (88, 89, 89, 89, 90, 89, 88, 89, 88 – 88,77)

2005 Westhofener Morstein Riesling GG, Weingut Wittmann – Rheinhessen: Weißgelbe Frucht, Kräuterbionade, nasse Steine, etwas rauchig, Spontannoten, ein Hauch Ingwer, Jod, Meer, Austernwasser, Salzzitrone, baut im Glas enorm aus, gewinnt an Mineralik, gute Säure, gewinnt an Länge, beschäftigt mich, hat Zug und Länge. 18 Punkte – 2015 bis 2020 (93, 90, 93, 93, 90, 94, 94, 94, 91 = 92,44)

2005 Niersteiner Pettenthal Riesling GG, Weingut Kühling-Gillot – Rheinhessen: Sehr kräutrige, etwas medizinale Note zum Auftakt, dann Orangeat, Birnen und Gelbes Steinobst. Aromatisches Dickschiff. Am Gaumen dicht und dezent salzige Mineralität, traubig, aromatisch wie ein Riesling mit Muskateller, Traminer oder gemischter Satz ;-), flüssiges Gold, gute Säure, Aprikose, reife Birnen, gelbes Kernobst, viel Glyzerin, opulent, würzige Botrytis im Abgang, wohl sehr spät geerntet. 16 Punkte – 2015 bis 2019 (88, 90, 90, 90, 89, 87, 90, 91, 88 – 89,22)

2005 Kiedricher Gräfenberg Riesling GG, Weingut Robert Weil – Rheingau: Frisches Zitronengelb. Weißgelbe Früchte mit feinwürzigen Noten. Am Gaumen herrlich saftig, schöne Frische, mit Luft kräutriger, macht richtig Spass, hochgradig trinkig, wirkt sehr jung, sehr viel Frucht, sehr klar, an Gaumen blüht er auf, baut im Glas aus, wird etwas steiniger, aber nicht mineralisch, hat herrliche Spannung, bekommt richtig Zug; reintönig in seiner Art. Nicht mit riesem Spiel, aber nachhaltig lecker, auf hohem Niveau trinkig und schönem, feinfruchtigem langen Abgang. 18 – 2015 bis 2018 (93, 94, 92, 96, 91, 95, 93, 94, 92 – 93,22)

2005 Niederhäuser Hermannshöhle Riesling GG, Weingut Dönnhoff – Nahe: Hochgradig animierende kräutermineralische Nase, glockenklar, leichte Kernobstnoten, fest, tiefgründig, tief und komplex. Im Mund präsentiert sich dieser Ausnahmeriesling mit unglaublicher Frische, zeigt viel Zug und Kraft, ist klar und rein wie ein Gewitterregen, dezente Zitrusnoten, dieser Riesling beschäftigt den Gaumen, changiert und ist spannungsgeladen, der Wein strahlt mit Eleganz aus allen Knopflöchern, großartige gelbgrüne Frucht, hochgradig mineralisch, feinkräutrig, enorme Länge. Nahe an der Perfektion. 19 Punkte – 2015 bis 2020 (96, 97, 95, 97, 95, 96, 97, 95, 95 – 95,88)

2005 Forster Pechstein Riesling GG, von Buhl – Pfalz: Vegetabile Noten, im besten Fall ist dahinter eine weissgelbe Steinobstfrucht zu erkennen. Irgendwie stumpf, da passt einiges nicht zusammen. Dieser Riesling lässt mich ein wenig ratlos zurück – am Gaumen etwas Gerbstoff, ordentliche Frucht, dezente Mineralik, wirkt aber irgendwie eckig und bricht ziemlich schnell ab. 15 Punkte – austrinken (86, 87, 87, 85, 88, 88, 88, 87, 86. – 86,88) 2005 Birkweiler Kastanienbusch Riesling GG, Ökonomierat Rebholz – Pfalz: Sehr duftige Nase, wirkt jung, klar, aber etwas grüne vegetabile Aromatik, kühl, ein Hauch unreifes Steinobst. Am Gaumen eng, recht fest, irgendwie ungeschmeidig, wenig Genuss, Efeu, bittere Anklänge, aufgesetzte Säure, die Komponenten wirken nicht gut vermählt. 15 Punkte – austrinken (86, 87, 88, 89, 89, 89, 87, 89, 87 – 87,88)

2005 Rüdesheimer Berg Schlossberg Spätburgunder GG, August Kesseler – Rheingau: Duftige Cassis-Nase mit holzwürziger Note, Holzkohle, Rauch, ein wenig Schoki, die Frucht wirkt ein etwas aufgesetzt/dropsig. Am Gaumen saftige Frucht, recht kühl, wieder Cassis, noch sehr jung (bei 4 Stunden Karaffe), gute Frische, ist genau auf dem Punkt, hat noch schöne Primärfrucht, aber auch schon etwas balsamische Anklänge; dunkle Frucht, Campino Cassis, ein Hauch Vanille, Veilchen, gute Säure. Ordentliche Länge. 16 Punkte – 2015 bis 2017 (87, 81, 89, 90, 90, 89, 90, 92, 91- 88,77)

2005 Laumersheimer Kirschgarten Spätburgunder GG (Auslese trocken), Weingut Knipser – Pfalz: dunkle kühle Frucht, Kirschkerne, Pflaume, schöne, tiefe Aromatik, ein Hauch Cassis. Am Gaumen widerholt sich das Bild: dunkle, kühle Frucht, Kirschkerne, schöne Säure, mittlerer Körper, feinsaftig mit schönem Druck, schöne, geschliffene Tannine. Hier passt alles gut zusammen, der Wein ist animierend im Trunk und zeigt Länge. Jetzt herrlich zu trinken. 17 Punkte – 2015 bis 2017 (92, 91, 92, 92, 93, 91, 91, 93, 92 – 91,88)

 

2005 Ten Years After – Grosse Gewächse – Teil 2

GG2005

Der zweite Abend war ebenso erfreulich bei den Rieslingen wie enttäuschend bei den Spätburgundern. Ein Hurra auf die Ergebnisse von Mosbacher und Wittmann. Das Ungeheuer von Mosbacher ist seit Jahren immer wieder ganz vorne dabei, gerade wenn man den Großen Gewächsen ein paar Jahre der Reife zubilligt. Zufriedene Gesichter bei Ole und Dieter nach den beiden Proben sprechen Bände…

GG2005_Gesichter

 

2005 Mittelheimer St. Nikolaus Riesling*** GG, Peter Jakob Kühn – Rheingau: Tiefes, dunkles Gelbgold; kraftvolle, reife Nase von getrockneten Kräutern, Waldhonig, Trockenobst, deutliche Phenolik. Der Wein braucht immer noch Luft um sich zu entfalten; gelbe trockene Frucht, kernig; kräftiger, körperreicher Bursche; viel Extrakt; erkennbar oxidativ ausgebaut, Riesling mit Maischestandzeit, geht in Richtung Orange Wine. Nach der üppigen Nase erwartet man eigentlich ein Zuckeschwänzchen, dass er nicht hat. Etwas grüner Tee, gelbe Trockenfrüchte, viel Mineralik, die immer salziger wird, je länger man auf dem Wein kaut. in der Aromatik ungewöhnlicher Riesling, bleibt lange am Gaumen haften. Jetzt super, aber ohne Eile. 17+ Punkte – 2015 bis 2020; (92,91, 93, 92, 93, 91, 91)

2005 Riesling R, Peter Jakob Kühn – Rheingau: Tiefes Gelbgold, etwas heller als der Nikolaus. Reichlich getrocknete Blüten und Kräuter, ein Hauch medizinal. Nicht das Gewicht des 2005er St.Nikolaus, aber etwas offener und vielschichtiger, gelbes Steinobst, weniger phenolisch, dafür etwas eleganter. Insgesamt ziehe ich den St. Nikolaus auf Grund seiner inneren Stärke, der mineralischen Ausdrucksstärke und größeren Länge knapp vor. Jetzt langsam austrinken. 17 Punkte – 2015 bis 2020 (91,93, 94, 93, 93, 93, 90 – Mittelwert )

2005 Hochheimer Hölle Riesling GG, Künstler – Rheingau: Duftige Nase; intensive, exotische Frucht; süße, gelbe Früchte, darunter Gesteinsmehl, Spontannoten, am Gaumen cremiges Mundgefühl, sehr ausgewogen, zugänglicher Stil, gelbe Früchte, fluide Frucht; runder Ansatz, saftige Rieslingaromatik mit leichter Würze im Hintergrund. Guter Körper, ausreichende, harmonische Säure. Schöne, fruchtbetonte Länge. Bleibt auf diesem Niveau sicherlich noch ein paar Jahre. 17+ Punkte – 2015 bis 2017 (92, 94, 89, 89, 92, 92, 91)

2005 Calidus Mons Riesling, Franzen – Mosel: Waldhonig in der Nase, entwickelte Reife, gelbe Noten, etwas eindimensional, sehr weinig, gewisse Würzigkeit, neigt auf Grund seiner Reife jetzt zur Breite, am Ende bekommt noch einmal eine gewisse Spannung, gelbe Frucht, gewisse Süße, es fehlt ihm etwas von der Spannung, die er in seiner Jugend hatte. Das war in seiner Jugend ein spannungsgeladenes Mineralienfass, davon ist leider nicht viel geblieben. 16 Punkte – austrinken (86, 85, 86, 90, 90, 87, 89)

2005 Rüdesheimer Schlossberg Riesling GG, August Kesseler – Rheingau: Zu Beginn leichte Rauchigkeit, gelbe Frucht, Aprikose, Pfirsich, Steinobst. Am Gaumen feinsaftig, kraftvoll, mit gutem Körper, gelbe Frucht, junge Birne, etwas Kirsch, Limettenfrucht. Hand geht zum Glas, trinkt sich auf hohem Niveau unkompliziert. Gute Säure, Zitrusnoten, hat Spiel, schöne Länge. 18- Punkte, 2015-2018 (93, 92, 93, 93, 93, 93, 93)

2005 Forster Ungeheuer Riesling GG, Mosbacher – Pfalz: Zitronengelb; fokussiert, klar, sehr mineralisch, und reintönig. Herrliche Frische und Energie. Rauchig- kräutriges Aromenspektrum. Am Gaumen Druck, zieht voll durch, prägnante Säure, ohne Schnörkel, richtig trocken, etwas Zitrusnoten; geradliniger, sehniger Typ, Basalt, mehr Mineralik als Frucht, super animierender Trunk, große Länge; wirkt immer noch jung; Säure, Länge, der Wein ist Null üppig, deutliche Salzigkeit, stundenlanger Nachhall; ich will mehr! 18 Punkte – 2015 bis 2020; (94, 96, 95, 94, 94, 95, 96)

2005 Westhofener Aulerde Riesling GG, Wittmann – Rheinhessen: Helles Zitronengelb; Frische Nase, Kräuter, sehr dicht und fest gepackt, griffig, mineralisch, dreckiger Kalkschlamm. Hochgradig interessant. In der Nase eine Idee von Burgund. Rauchig, reichlich Extrakt, aber schlank; am Gaumen feinwürziger guter Gripp, erstaunlich jung, Zitronenzesten, geradlinig, Minze, mineralisch, hat Muskeln und noch mehr Sehnen, großes Kino. Animierende Säure, eine geile Sau, Struktur, kristalline Qualität, sehr erdig. Irgendwie erscheint er mir rough, nicht wirklich gesellschaftsfähig, andererseits unglaublich animierend und hintergründig, kann meine Finger nicht von lassen. Mit Suchtpotential. 19 Punkte – 2015 bis 2022 (96, 91, 94, 95, 95, 97, 95)

2005 Monzinger Halenberg Riesling GG, Emrich-Schönleber – Nahe: Helles Gelb. Kleiner Stinker zum Auftakt, Sylvester, leichten Petrolton, dann sehr kräutrig. Am Gaumen kraftvoll, mit maßvoller Säure, leider ohne diese besondere Säurespiel anderer Jahrgänge. Dicht, fokussiert, extraktreich; aromatisch sind die Scheuklappen angelegt, steinig, mineralisch, hat Muskeln, wirkt modelliert; endet auf der mineralischen, steinigen Noten. Gute Länge! 17 Punkte – 2015-2019 (92, 90, 92, 93, 92, 90, 90)

2005 Bockenauer Felseneck Riesling GG, Schäfer-Fröhlich – Nahe: ziemlicher Spontanstinker, Schießpulver, immer noch sehr reduktiv, was ein junger Wein, monolithisch, zieht durch, geradlinig, sehr fest und ultrajung, Prümsche Züge. Am Gaumen kräuterbittere Mineralik, verhaltene Frucht (am ehesten in Richtung grüner Früchte), sehr fokussiert und geradeaus; gute Säure, viel Zug und Frische; sehr jung. Nicht wirklich überraschend ist diese „schmutzige“ harte Mineralität, die unglaublich lange am Gaumen stehen bleibt. Felseneck ist Jahr für Jahr auf Grund seiner Stilistik und Radikalität eine polarisierender Wein; ich liebe ihn, kann aber alle verstehen, die sich an diesem „Charakterkopf“ reiben. 18 Punkte  – 2015 bis 2020 (93, 85, 89, 91, 88, 87, 87)

2005 IDIG Spätburgunder GG, Christmann – Pfalz: Bordeauxrot mit orangebraunen Reflexen am Rand; sehr reife Nase, Rumtopf, erdig, Pferdeäpfel und Käsemauken (Fußschweiß), vergammelte Kartoffeln. Am Gaumen ist der Auftakt gar nicht so schlecht, zunächst leicht rote Frucht, das Holz ist erkennbar, mit Luft bekommt er aber schnell unsaubere Noten, zerfällt und endet grausam. Leider keine Konterflasche verfügbar. Sollte sich vergleichbares Bild einstellen, dann ist dieser Wein der Stellung / Preis eines Großen Gewächses völlig unwürdig. 13 Punkte – vorbei (79,78, 80, 88, 84, 79, 82)

2005 Bühlertaler Engelsfelsen, Pinot Noir SD, Duijn – Baden: Reifes, dunkles Burgunderrot. Im Auftakt eine deutliche Rauhigkeit, Holzkohle, auch etwas Speck, die rotschwarze Frucht setzt sich nur langsam in Szene Am Gaumen zunächst ein vergleichbares Bild, das Holz dominiert die Frucht zu stark. Mit Luft baut die Frucht etwas aus, Kirschfrucht; durchaus erdig und mineralisch. Letztlich ist die Frucht aber zu keinem Zeitpunkt generös genug, um die speckig holzwürzigen Aromen ins Gleichgewicht zu bringen. Der 2005er SD bleibt leider hinter den Erfahrungen anderer Jahrgänge zurück. (am nächsten Tag mit noch mehr Luft ganz leicht gewonnen, aber letztlich ohne Änderung der Wertung) 16- Punkte – 2015-2020 (87, 88, 85,86, 87, 89, 84) 

2005 Kallstadter Saumagen Riesling Auslese trocken „R“, Koehler-Ruprecht – Pfalz: Zitronengelb mit viel Glanz; in der Nase fokussiert, sehr klar und erdig, mineralisch. Am Gaumen mit Kraft und Zug, bleibt auch ohne dicken Körper lange am Gaumen hängen, klar, erdig pikant, fokussiert. Reintönige, weiß gelbe Frucht, die insgesamt eine etwas untergeordnete Rolle spielt – der Wein spielt primär sein kräutriges, ätherisch mineralisches Blatt aus. Herrliches Säurespiel, toller Trinkfluss; ausgewogen und harmonisch. – Jetzt richtig gut, ohne Eile für die nächsten Jahre. Langer mineralisch kühl-würziger Abgang. 18- Punkte, 2015-2020 (93, 93, 94, 95, 91, 91, 90)

2013 Moulin à Vent Les Trois Roches, Domaine Vissoux – Beaujolais

Heute Abend wieder mal bei der lieben Madame Hu in Hamburg vorzüglich gespeist (französisch-asiatische Küche, ausschließlich Bio, null convenience, one women show in der Küche und meine Lieblingsgastgeberin in Hamburg-St.Pauli, von Außen schrabbelig, von innen unkompliziert elegant)

2013_VissouxZum wunderbaren3-Gang-Überraschungsmenü (Euro 39 – wer da nicht hingeht, ist selbst schuld) hatte ich mir diesen wunderbaren 2013 Les Trois Roches von Martine und Pierre-Marie Chermette ausgesucht.

Nomen est omen – der Wein stammt aus drei verschiedenen Parzellen: La Rochelle bringt die Kraft, Roche Noire die Säure und Lebendigkeit und Rochegrès sorgt für die wunderbare Eleganz.

Die 2013er Ausgabe ist bereits in ihrer Jugend wunderbar zu trinken: Strahlend, transparentes rubinrot mit purpurnen Reflexen,  ein duftender, bunter Strauss von roten Früchten (vorwiegend Himbeeren, Kirschen, aber auch Johannisbeeren & Brombeeren) und blauen Blüten (Iris, Kornblume). Trotz der schönen Saftigkeit, wirkt der Wein herrlich leichtfüssig. Am Gaumen ist die Frucht ein bisschen kompakter als in der Nase, dafür sorgen insbesondere die steinigen, kreidigen Anklänge sowie ein feines Tannin, dass eine erkennbare, aber sanfte Struktur ausbildet. Die feine Würze rundet das Bild ab, die Länge ist sehr beachtlich!

Fazit: Die Flasche war bereits nach der Vorspeise fast leer. – 91 Punkte

Ggf. gibt es den Wein noch bei Nobbi Müller (http://www.burgunder-suesswein.de)

 

 

2012 Sancerre Edmond, Alphonse Mellot – Loire

2012_EdmondA19/20 bzw. 96/100 – Blasses Gelb mit grünlichen Reflexen und strahlendem Glanz. Das Parfum ist glockenklar, reintönig, frisch und animierend. Es duftet nach kaltem, reinen Bergwasser, das man bei der Wanderung direkt mit der Hand aus dem Wasserlauf schöpft. Ein dezenter Duft von Wiesenblumen, Zitrusfrüchten, Waldmeister und einigen Gräsern. Am Gaumen hochgradig rein, voller Energie und innerer Spannung. Gazellengleich springt und tanzt dieser Wein auf der Zunge. Die Mineralität ist enorm ausgeprägt, fast staubig, der Wein hat Zug und Kraft und ist doch schlank, elegant und schon in seiner Jugend enorm ausgewogen. Der Edmond bekommt jedes Jahr eine Portion neues Holz, aber von der ist weit und breit nichts zu riechen oder zu schmecken, die Mineralität scheint diese Aromen vollends zu absorbieren. Trotzdem hat es wohl in Sachen Struktur und Festigkeit eine tragende Rolle. Mit etwas mehr Luft und Wärme entfaltet sich ein Strauß von hellen Blüten und jungen, gelben Früchten. Am Gaumen entwickelt der Wein eine wunderbare Länge und endet auf Mineralität und dezenten Zitrusnoten.

Dieser Sancerre gab unserer gestrigen, kleinen Verkostungsrunde ein paar schöne Rätsel auf. Da wir – wie immer –die Weine blind in unserer Runde trinken, hielten sich die Anwesenden Weinfreaks bei der Frage nach Herkunft und Rebsorte alle vornehm zurück und schauten „angestrengt“ abwesend. Vereinzelt fiel Frankreich, ein eher ungewöhnlicher Burgunder vielleicht, am Ende war der liebe Mathias dann aber auf dem richtigen Pfad: „Ein Sauvignon Blanc, wie ich ihn bisher nur extremst selten getrunken habe.“ Auf die sich anschließende Frage, ob der Wein gut sei, hielt sich dann keiner zurück mit seinen Elogen:

„absolut Wow, was für ein geiler Wein“

„Wow, der hat eine irre innere Spannung und Kraft“

„Fest, rein, sehnig und komplex“

„Lebendig, jung, frisch, jungfräulich“

Dies waren nur ein paar Aussprüche, die ich aufschnappte bzw. selbst dachte. Fazit: Ein wunderbarer Vertreter des Sauvignon Blanc, der klar den Boden und nicht die üblichen Aromen der Rebsorte in den Vordergrund stellt. Wer Stachelbeeren oder frisch geschnittenes Gras sucht, wird hier leider nicht fündig.

Seit dem 16.Jahrhundert, um genau zu sein, seit 1513 ist das Leben der Familie Mellot eng mit den Jahreszeiten und der Weinbereitung verbunden. Immer und immer wieder taucht die Familie als Winzer und Weinhändler in lokalen historischen Aufzeichnungen auf. Die Ernennung von César Mellot zum Weinberater von König Louis XIV stellt sicherlich einen historischen Höhepunkt in der Familienchronik dar.

Mit Beginn des 19. Jahrhunderts gründete ALPHONSE MELLOT eine Taverne in Sancerre, wo man fortan die regionalen Weine genießen konnte. Mit der im Jahr 1881 erteilten Lizenz durfte man dann in ganz Frankreich und der restlichen Welt Weine versenden. Seit dieser Zeit trägt jeweils der Sohn der Familie den Namen Alphonse.

Heute steht bereits die 19. Generation im Weinberg und Keller. Die Monopollage des Hauses, die Domaine La Moussiere mit ihren 30ha Reben, hat eine ideale südwestliche Exposition und der Boden aus sehr kalkigem Mergel sind die Grundlage für schönste Sauvignon Blancs. Die Träubchen für den Edmond stammen von einem besonders begünstigten Wingert innerhalb der Lage La Moussiere, die Stöcke sind mindestens 60 Jahre alt, viele sogar über 100 Jahre. Im ganzen Weingut arbeitet man biodynamisch und trägt das französische Biosiegel AB (=Agriculture Biologique) auf dem Etikett, das nach Demeter wahrscheinlich die strengsten Anforderungen stellt.

Ein bisschen schade ist, dass die schönen und künstlerischen Etiketten der letzten Jahre mit dem Jahrgang 2012 auf eine kühle, wenngleich ästhetische Sachlichkeit reduziert werden. Die Tänzer und Gaukler im Wingert der Jahrgänge zuvor fand ich irgendwie poetisch und voller Ausdruck – das passte für mich hervorragend zu diesem Wein, eine weitläufige Ähnlicheit mit Clerc Milon Rothschild war sicherlich Zufall.